Systematik von Zecken

In dieser Datei soll ein kurzer Überblick über das System der Milben mit besonderer Berücksichtigung der Ixodida (der Zecken) gegeben werden.

Arachnida (Spinnentiere)

Die Milben (Acari) gehören zum Stamm Arthropoda (Gliedertiere) und darin zur Klasse Arachnida (Spinnentiere). Auf die weitere Unterteilung der Arthropoda, zu welchen auch alle Insekten und Krebstiere gehören, gehe ich nicht weiter ein.

Die Arachnida werden in folgende Ordnungen geteilt (Die Buchstaben am Ende jeder Kurzbeschreibung beziehen sich auf das Bild weiter unten):

Scorpiones (Skorpione)
Diese dürften dem Leser bekannt sein. Sie zeichnen sich durch bewegliche Finger an den Pedipalpen (den Scheren) und einen Stachel am hinteren Ende aus. Ca. 2000 Arten. (D)
Uropygi (Geißelskorpione)
Das hintere Körperende ist spitz ausgezogen. Die Tiere können ihre Opfer damit stechen. Die Pedipalpen haben keine gut ausgebildeten Scheren. Ca. 150 Arten. (I)
Amblypygi (Geißelspinnen)
Ähnlich wie stark taillierte Geißelskorpione, aber ohne die Geißel am Schwanz. Dafür ist aber ein Beinpaar stark modifiziert und antennenartig dünn und lang. Ca. 100 Arten. (E)
Araneae (Echte Spinnen = Webspinnen)
Zu diesen etwas zu sagen erübrigt sich. Mit Spinndrüsen. Ca. 35000 Arten. (A)
Palpigradi (Palpenläufer)
??? (sehen so aus wie winzige Geißelskorpione) Ca. 50 Arten. (H)

Griechische Walzenspinne (Galeodes graecus)

Griechische Walzenspinne (Galeodes graecus)

Pseudoscorpiones (Pseudo-, Bücher-, Afterskorpione)
Diese Tiere sehen ungefähr so aus wie Skorpione, sind aber viel kleiner, und haben keinen Stachel, sondern ein abgerundetes Hinterende. Ca. 2000 Arten. (C)
Solifugae (Walzenspinnen)
Mit massiv verdickten Cheliceren und lang behaarten Beinen. Ca. 1000 Arten. (F)
Opiliones (Weberknechte, Kanker)
Mit einteiligem, meist gedrungenem Körper und langen, dünnen, beweglichen Beinen. Ca. 4000 Arten. (G)
Ricinulei (Kapuzenspinnen)
Tropische und subtropische kleine Spinnentiere. Pedipalpen am Grunde verwachsen. Ca. 30 Arten. (J)
Acari (Milben)
s.u.. Die Acari werden auch als Unterklasse aufgefaßt. (B)

Typisches Aussehen von Vertretern der Arachnidenordnungen

Die Zeichnung zeigt das typische Aussehen von Vertretern der Gruppen. Die Beschriftung ist wie folgt:

(A) Araneae (B) Acari (C) Pseudoscorpiones (D) Scorpiones (E) Amblypygi
(F) Solifugae (G) Opiliones (H) Palpigradi (I) Uropygi (J) Ricinulei

Acari (Milben)

Die Milben sind mit ca. 40000 beschriebenen (und vermutlich noch deutlich mehr unbeschriebenen) Arten die größte der Arachniden-Ordnungen. Sie zeichnen sich durch eine geringe Größe (normalerweise 0,1-4mm) aus, durch einen ungeteilten Körper, und oft durch eine starke Reduktion diverser Körperteile. Die Mundwerkzeuge sind an ihren Basen stets zu einem sog. Gnathosoma verschmolzen. Die Geschlechtsöffnung auf der Bauchseite ist nach vorne verschoben und liegt zwischen den Beinen. Der genaue Aufbau kann sehr verschieden sein. Für einen genauen Vergleich des Aufbaus von Milben mit dem der anderen Arachnides vergl. [Kae].

Milben leben praktisch überall auf der Erde, auf dem Land wie im Wasser, in Wüsten wie in der Antarktis gibt es Milben.

Die nächsten Verwandten unter den Arachniden scheinen die Opiliones (Weberknechte) und die Ricinulei (Kapuzenspinnen) zu sein, mit denen die Milben eine ganze Anzahl von Merkmalen teilen. Die genauen Abstammungsverhältnisse sowohl innerhalb dieser Gruppe als auch innerhalb der Acari selber sind allerdings noch ziemlich unklar.

Fest zu stehen scheint aber, daß sich die Acari sehr früh in zwei Entwicklungslinien aufgeteilt haben, die genausogut einen Status als eigene Ordnungen (bzw. Unterklassen) bekommen hätten können: Die Anactinotrichida (oder Parasitiformes) und die Actinotrichida (oder Acariformes). Man gibt diesen Gruppen auch manchmal den Status von "Kohorten". Auf die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gehe ich nicht ein. Ich müßte praktisch die ganze Datei über den Aufbau der Tiere neu schreiben. Für eine Liste der Unterschiede vergl. [Kae]. Die Namen beziehen sich auf den (chemischen) Aufbau der Körperborsten: Die der Anactinotrichida enthalten nicht das doppeltbrechende Actinopilin. Bevor ich diese beiden Gruppen weiter unterteile, eine Warnung: Es gibt auch Autoren, die diese beiden Gruppen nun völlig anders aufteilen.

Die Anactinotrichida teilt man in vier Gruppen, die Actinotrichida in drei. Diese haben meist den Status als Unterordnungen oder Ordnungen.

Anactinotrichida
Opilioacarida
Purpurrote, violette oder grünlich-blaue, sehr primitiv gebaute Milben meist der wärmeren Gegenden der Welt. Mit einem ovalen bis länglichen, relativ weichem Körper. 5 bisher bekannte Gattungen, die nur an einer handvoll Orten nachgewiesen wurden.
Holothyrida
Große Milben (2-7mm) mit einem ovalen, hellroten bis dunkelbraunen Körper, der manchmal an eine Schildkröte erinnert. Die Tiere leben meist in der Humusschicht tropischer Wälder. Sie scheinen sich von anderen Milben (Oribatida) zu ernähren. Ihre Biologie ist weitgehend unbekannt.
Gamasida (Raubmilben) (=Mesostigmata)
0,2-2mm große, stark bepanzerte braune oder rötliche-braune Milben, freilebend oder Endo- oder Ektoparasiten. Die Gamasida sind eine sehr große Gruppe: Sie werden in 11 Untergruppen geteilt und diese wiederum in Aberdutzende Familien. Viele Arten parasitieren auf Insekten, so z.B. die Käfer- und Bienenmilbe.
Ixodida (Zecken) (=Metastigmata)
Die Zecken unterscheiden sich von den anderen Gruppen durch die Anlage der Stigmen (Tracheenöffnungen) zwischen den Coxen des hinteren Beinpaares. Ihren Aufbau habe ich anderswo beschrieben. Auf ihre Systematik werde ich gleich noch detaillierter eingehen.
Actinotrichida:
Actinedida (=Prostigmata =Trombidiformes)

Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi, Actinedida)

Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi, Actinedida)

Vermutlich die größte Gruppe der Acari. Die große Heterogenität macht eine Beschreibung schwierig. Viele Arten haben eine auffallende Körperfärbung, freilebende Arten oft rot. Der Körper ist meist nur schwach sklerotisiert. Die Milben leben meist fungivor (Pilze fressend), räuberisch oder parasitisch. Ca. 150 Familien. Darunter z.B. Spinnmilben oder Wassermilben.
Astigmata
Leben von organischem Material (saprovor oder parasitisch) und sind deshalb oft mit größeren Tieren assoziiert. Kleine ungepanzerte hellhäutige Tiere. Ca. 60 Familien mit sehr vielen Arten. Bekannt sind z.B. die Hausstaubmilben und die Krätzen und Räuden.
Oribatida (Horn-, Moosmilben)
Meist stark bepanzerte, braune bis schwarze Tiere. Sie leben im Bodenstreu und in Moosen und Flechten etc.. Als Nahrung dienen abgestorbene Pflanzenteile, Pilze, Algen, Pollen etc.. Humusbildner. Keine Parasiten. Diese Gruppe ist gut untersucht worden, bei der weiteren Klassifikation tappst man jedoch noch ziemlich im Dunkeln. Vermutet werden ca. 150 Familien.

Zwei Moosmilben

Zwei Vertreter der Oribatida: links Damaeus onustus, rechts Euzetes globulus.

Die Oribatida und Astigmata werden auch zu einer Gruppe namens Sarcoptiformes zusammengefaßt.

Ixodida (Zecken, engl. ticks)

Die Zecken sind unter den Milben sicherlich die am besten bekannte und erforschte Gruppe, und auch diejenige, die schon am längsten bekannt ist. Die ältesten Darstellungen stammen aus Ägypten (1500v.Chr.). Homer beschreibt, wie die zerstoßenen Körper von vollgesogenen Zecken als Heil- und Potenzmittel verwendet wurden.

Bei den Zecken unterscheidet man drei Familien: Ixodidae (Schildzecken), Argasidae (Lederzecken) und Nuttalliellidae. Die Familie Nuttalliellidae ist monotypisch: Die einzige Art Nuttalliella namaqua Bedford lebt in Süd- und Südwestafrika und saugt an Vögeln und Säugetieren. Als Schädling spielt sie keine Rolle. Sie trägt sowohl Merkmale der Ixodidae wie der Argasidae. Die Nuttallielidae werden deshalb als Übergangsfamilie zwischen die beiden großen anderen Familien gestellt.

Die Unterschiede zwischen den Schild- und den Lederzecken werden in folgender Tabelle zusammengefaßt:

Schildzecken (Ixodidae) Lederzecken (Argasidae)
Cuticula (Chitinhülle) relativ hart Cuticula wirkt durch kleine warzenförmige Strukturen lederartig (an diesen hängen im Inneren Muskeln).
Ein Schild (Scutum) aus besonders starrer Cuticula bedeckt den gesamten Rücken der adulten Männchen, aber nur einen Teil der Weibchen, Nymphen und Larven. Das Scutum wird beim Saugen nicht gedehnt.(Vergleiche das Bild von Ixodes ricinus). Ein Schild ist nicht vorhanden. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in dieser Hinsicht äußerlich kaum.
Die Mundwerkzeuge ragen über den vorderen Rand der Zecke hinaus, sind also von oben sichtbar. Die Mundwerkzeuge sind nur bei den Larven von oben sichtbar, bei den anderen Stadien liegen sie auf der Bauchseite des Tieres.
Die Tracheenöffnungen (Stigmata) )liegen hinter dem vierten (letzten) Beinpaar. Tracheenöffnungen liegen zwischen den Coxen des dritten Beinpaares.
Alle Entwicklungsstadien saugen nur einmal (mehrere Tage). Nymphen und Adulte saugen mehrmals für einige Minuten oder Stunden.
Die Tiere durchlaufen meist nur ein Nymphenstadium. Die Tiere durchlaufen meist zwei, manchmal bis zu acht Nymphenstadien.
Die Männchen sterben nach der Begattung. Die Weibchen nach der Eiablage. Jedes Tier kann sich mehrmals paaren. Die Weibchen legen nach jeder Blutmahlzeit Eier.
Die Tiere leben meist im Freien. Sie befallen entsprechend ihrer Entwicklung nur 1-3 Wirte. Die Tiere leben eher versteckt in Spalten und Ritzen von Ställen, Nestern usw. und überfallen ihre Wirte während deren Schlafes.
Pulvillus an den Klauen vorhanden. Pulvillus an den Klauen fehlt.

Argasidae (Lederzecken)

Die Argasidae kommen in den gemäßigten und kalten Teilen der Welt nur mit einer kleinen Artenzahl vor. Sie bevorzugen heiße und trockene Gebiete. Auch in feuchten Biotopen bevorzugen sie meist die eher trockenen Nischen.

Sie leben meist in Nestern, Ritzen und Spalten in der Nähe von Ruheplätzen von Wirten. Die meisten Argasidae parasitieren auf Vögeln, einige aber auch auf einigen Säugetier oder Reptilien-Gattungen, darunter auch dem Menschen.

Der Saugvorgang bei den Lederzecken dauert 2min-2h. Lederzecken können aber auch sehr lange ohne Nahrung auskommen (10 Jahre). Die Larven mancher Arten (z.B. Argas reflexus) saugen auch mehrere Tage.

Als Krankheitsüberträger werden die Argasidae als weniger wichtig angesehen als die Ixodidae, aber auch sie übertragen durchaus diverse Krankheiten und es gibt einige Arten von Wichtigkeit in der Medizin unter ihnen.

Die Argasidae werden in 5 Gattungen mit zur Zeit 140-170 Arten unterteilt.

Ixodidae (Schildzecken)

Die Ixodidae sind die größte der drei Familien. Sie wird in 19 Gattungen mit zur Zeit ca. 650 Arten aufgeteilt.

Die Ixodidae bevorzugen im Gegensatz zu den Argasidae eher feuchte Habitate. Sie leben frei auf dem Boden, bis sie einen Wirt gefunden haben. In jedem ihrer Entwicklungsstadien saugen sie nur einmal. Ihre Wirte sind Säugetiere, Vögel oder Reptilien (eben alles. Dermacentor saugt sogar an Walrossen und an der Bärenrobbe). Es gibt dreiwirtige Zecken, die nach jedem Entwicklungsstadium den Wirt wechseln, zweiwirtige (z.B. Rhipicephalus), bei denen Larve und Nymphe an demselben Wirt saugen, und einwirtige (z.B. Boophilus), bei dem alle Stadien auf demselben Wirt saugen.

Der Saugvorgang dauert lange, meist viele Tage. manchmal mehrere Monate bei manchen Männchen (während andere Männchen gar nicht saugen). Während dieser Zeit saugen sie so viel Blut, daß ihre Körpergröße sich oft vervielfacht.

Einige Zeckenarten

Argasidae

Argas

Argas reflexus (Taubenzecke)

Argas reflexus (Taubenzecke)

Das Bild rechts zeigt Argas reflexus, die Taubenzecke. Bei dieser Art werden die Weibchen bis ca. 1cm groß. Tiere der Gattung Argas bevorzugen als Wirte Vögel, Argas reflexus vor allem Tauben. Die Weibchen legen nach jedem Saugen bis zu 70 Eier. Menschen werden nur bei Nahrungsmangel befallen. Die Zecken sterben allerdings vom Menschenblut. Der Biß erzeugt nässende Hautentzündungen. Kann die Vogelspirochaetose übertragen. Die Tiere der Gattung Argas unterscheiden sich von den anderen Lederzecken dadurch, daß ihre flacher Körper einen deutlich unterscheidbaren Randsaum besitzt, der sich bei Nahrungsaufnahme nicht ausdehnt. Ca. 55 Arten.

Andere Arten sind A.arboreus, A.boueti, A.brumpti, A.columbarum, A.japonica, A.persicus, A.ogadenus, A.transgariepinus, A.vespertilionis, A.vulgaris.

Nothoaspis

N.reddeli weicht von den anderen Lederzecken durch die Existenz eines Scutums ab.

Ornithodorus (auch: Ornothodoros)

Tiere dieser Gattung bevorzugen diverse Säugetiere als Wirte, die afrikanische Art O.moubata (Afrikanische Lederzecke) z.B. Haustiere, Mäuse, Ratten und Menschen. Tiere dieser Gattung übertragen z.B. das Zecken-Rückfallfieber (Borrelia duttonii).

Andere Arten sind O.alactiagalis, O.boueti, O.capensis, O. coriaceus (Parajoello-Zecke), O.guerneyi, O.hermsi (Herms' Rückfall-Fieber-Zecke), O.kelleyi, O.papillipes, O.parkeri (Parkers Rückfall-Fieber-Zecke), O.savignyi, O.tholozani, O.turicata (Rückfall-Fieber-Zecke).

Otobius

O.megnini (Ohrenzecke) (Bild). Bevorzugt größere Säugetiere, wie z.B. den Menschen.

Schildzecken

Amblyomma

Amblyomma americanum (Weibchen?)

Amblyomma americanum (Weibchen?)

Große Zecken (Weibchen nicht vollgesogen 6-7mm), oft mit auffallender Zeichnung auf dem Scutum. Als Wirte werden Rinder bevorzugt, die Tiere fallen aber auch Menschen an. Sie können Tularemie (Francisella tularensis), Rocky-Mountains-Fleck-Fieber (Rickettsia richettsii) und Theileriose (Tehileria spec.) übertragen. In den Tropen und Subtropen verbreitet.

Arten sind A.americanum (Lone Star tick), A.cajennense (Cayenne-Zecke), A.geomydae, A.hebraeum, A.imitator, A.limbatum, A.maculatum (Golf-Küsten-Zecke), A.nitidum, A.paulopunctatum, A.testudinarium, A.variegatum.

Aponomma

A.exornatus, A.hydrosauri (Australische Reptilienzecke).

Boophilus

Tiere dieser Gattung durchlaufen alle Entwicklungsstadien an einem Wirt, in den meisten Fällen einem Rind. Sie übertragen das Texas-Fieber (Babesia bigemina). Holarktisch verbreitet.

Arten sind B.annulatus (Rinderzecke), B.calcaratus und B.microplus.

Dermacentor

Dermacentor marginatus (Schafzecke)

Dermacentor marginatus (Schafzecke)

Arten mit speziell bei den Männchen oft bunt schillernder emailartiger Färbung (manchmal blau schillernd). Als Wirte werden Säugetiere, darunter auch der Mensch, bevorzugt. Meist Tiere wärmerer und trockenerer Gebiete. In Mitteleuropa ist D.marginatus (oder marginalis), die Schafzecke, die häufigste Art der Gattung. (Das Bild rechts zeigt D.marginatus, links ein Weibchen, rechts ein Männchen.) Sie lebt hier nur in Wärmeinseln und auf sonnigen Hängen oder Trockenrasen. Die Tiere der Gattung übertragen Tularemie (Francisella tularensis), Rocky-Mountains-Fleck-Fieber (Rickettsia richettsii), Q-Fieber (Rickettsia burneti), Rinderanaplasmose, Hundebabesiose (Babesia canis).

Andere Arten sind D.albipictus (Winterzecke), D.andersoni (Rocky-Mountains-Holzbock), D.dadhestanicus, D.hunteri, D.occidentalis (Pazifik-Küsten-Zecke) (Bild (Weibchen)), D.pictus, D.reticulatus, D.variabilis (Amerikanische Hundezecke) (Bild (Männchen), Bild (Weibchen)).

Haemaphysalis

Als Wirte dienen vor allem kleine Säugetiere, auch der Mensch und Vögel. Die Tiere übertragen die Meningo-Encephalitis und eine Reihe von Piroplasmen (Theileria spec. und Babesia spec.)

Arten sind H.campanulata, H.concinna, H.cornigera, H.doenitzi, H.flava, H.formosensis, H.fujisana, H.hystricis, H.japonica, H.kitaokai, H.leporispalustris (Kaninchenzecke), H.longicornis, H.megaspinosa, H.pentalagi, H.punctata, H.wellingtoni.

Hyalomma

Mittelgroße Tiere (4-6mm) ohne großes Feuchtigkeitsbedürfnis. Wirte sind Rinder. Häufig braune Tiere mit hell geringelten oder gestreiften Beinen. Wegen der großen Variabilität der Tiere ist eine genaue Bestimmung oft schwierig. Übertragen das Mittelmeerküstenfieber (Theileria annulata), Krimfieber, Crimean-Congo-Hemorrhagic Fever.

Arten sind H.anatolicum, H.asiaticum, H.detritum, H.dromedarii, H.marginatum.

Ixodes (Holzbock, Waldzecke)

Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock)

Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock)

Die "typischen" Zecken. Meist braune bis schwarz oder graue Tiere. Als Wirte (der Adulten) werden Hunde, Katzen, Rinder und Menschen bevorzugt. In Europa ist I.ricinus Hauptüberträger der Borreliose (Borrelia burgdorferi) und der FSME. Das Bild rechts zeigt links ein Weibchen in Lauerhaltung auf einem Grashalm, recht ein Männchen. Die Gattung Ixodes ist weltweit verbreitet, I. ricinus ist in Eurasien westlich des Urals, auf anderen Kontinenten sind aber andere Arten wie I.dammini wichtige Überträger. Außer den beiden genannten Krankheiten können auch TBE und Babesiose (Babesia bovi, B. divergens) übertragen werde. I.ricinus lebt vor allem in Gebüschen und an Waldrändern in dichter Vegetation an Orten mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit.

Andere Arten sind I.acutitarsus, I.granulatus, I.holocyclus (australian paralysis tick), I.lividus, I.monospinosus, I.nipponensis, I.ovatus, I.persulcatus, I.philipi, I.scapularis (Schwarzbeiniger Holzbock, Hirschzecke) (Bild), I.signatus, I.simplex simplex, I.tanaki, I.turdus.

Margaropus

M.winthemi

Rhipicephalus

Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundszecke)

Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundszecke)

Tiere hauptsächlich der Tropen und Subtropen. R.sanguineus, die Braune Hundszecke, strahlt bis nach Südeuropa aus. Diese befällt besonders Hunde, aber auch Menschen. Andere Arten der Gattung bevorzugen andere Säugetiergattungen. Das Bild rechts zeigt links ein Männchen, rechts ein Weibchen. Die Tiere dieser Gattung übertragen viele Krankheiten, insbesondere Piroplasmen (Theileria spec. und Babesia spec.).

Andere Arten sind R.appendiculatus, R.bursa, R.evertsi, R.turanicus.

Evolution

Man nimmt an, daß sich die Arachniden bereits im Kambrium (vor ca. 600 Millionen Jahren) aus einem gemeinsamen Vorfahr entwickelt haben, und daß die großen Linien (mit einigen Ausnahmen) ebenfalls schon zu dieser Zeit entstanden sind.

Fossile Funde aus dieser Zeit hat man für die Arachniden aus dieser Zeit aber noch nicht, für andere Arthropoden allerdings schon. Für die meisten Arachnidenordnungen hat man Nachweise erst aus dem Karbon (vor ca. 300 Millionen Jahren), was daran liegen dürfte, daß die Umweltbedingungen in dieser Zeit zum ersten mal die Konservierung erlaubten. Lediglich von den Skorpionen und den Milben hat man frühere Funde.

Der älteste Nachweis einer Milbe, Protacarus crani, stammt aus dem Devon (vor ca. 400 Millionen Jahren). Protacarus crani ist auch der einzige Nachweis aus dieser Zeit. Aus der Erdneuzeit (Quartär und Tertiär, ab vor ca. 70 Millionen Jahren) hat man mehr Fossilien. Aber auch aus dieser Zeit stammen fast alle Fossilien von den Anactinotrichida, welche eine härtere Cuticula haben. Die wichtigsten Gruppen wie Gamasida oder Ixodida sind zu dieser Zeit schon vorhanden. Eine Ausnahme unter den Actinotrichida bilden die stark gepanzerten Actinotrichida, welche schon im Jura nachgewiesen sind.

Bei den Schildzecken (Ixodidae) scheinen die Arten der Gattung Ixodes, und darunter insbesondere einige australisch/ozeanisch verbreitete Arten den ursprünglichen Schildzeckentypus beibehalten zu haben. Bei diesen sind die Pedipalpenglieder noch weniger verwachsen und die Bauchseite zeigt eine deutliche Aufteilung in Platten, während bei anderen Arten die Bauchplatten zurückgebildet sind.

In Carl von Linnés "Systema Naturae" werden übrigens nur 31 Milbenarten beschrieben, die alle einer Gattung Acarus zugerechnet wurden. Da die Sammlung verloren ging, konnten nur drei dieser Arten in die heutige Systematik eingegliedert werden.

Große Fortschritte machte die Akarologie erst nach dem zweiten Weltkrieg, vor allem mit dem Ziel, Krätzen und Räuden unter Kontrolle zu bekommen, und die Übertragung von diversen Krankheiten zu erforschen.

Bestimmungsschlüssel für die mitteleuropäischen Arten

In diesem Abschnitt richte ich mich nach [Bab]. Neuere Literatur stand mir nicht zur Verfügung. Ich bezweifle allerdings, daß es seither eine Revision der mitteleuropäischen Arten gegeben hat.

Die genauen Verwandtschaftverhältnisse innerhalb der verschiedenen Zeckengattungen scheinen weitgehend im Dunkeln zu liegen. Auch die genauen Artabgrenzungen (und damit deren Existenz) scheinen ziemlich unklar zu sein.

Bei der Bestimmung muß man sehr vorsichtig sein. Mißbildungen der bei der Bestimmung wichtigen Merkmale wie z.B. dem Aufbau und der Größe des Hypostoms kommen häufig vor.

Zum Unterschied zwischen Schild- und Lederzecken habe ich schon genügend gesagt. Ich werde deshalb nicht mehr weiter darauf eingehen. Es folgt gleich der Gattungsschlüssel für die mittel- und osteuropäischen Arten.

Da die Schlüssel für die einzelnen Arten nach Larven, Nymphen, Männchen und Weibchen getrennt werden mußten, sei hier noch kurz beschrieben, wie man diese voneinander unterscheidet:

Larven6 Beine, keine Geschlechtsöffnung, keine Stigmen.
Nymphen8 Beine, keine Geschlechtsöffnung
Männchen8 Beine. Bei den Schildzecken: Ganzer Rücken vom Scutum bedeckt. Bei Lederzecken: Hufeisenförmige Geschlechtöffnung.
Weibchen8 Beine. Bei Schildzecken: Nur der vordere Teil des Rückens vom Scutum bedeckt. Bei Lederzecken: Geschlechtsöffnung oval.
  1. Lederzecken (Argasidae)
    In Europa ist nur eine Gattung vertreten: Argas.
  2. Schildzecken (Ixodidae)
    1. Die Analfurche umgibt den Anus von vorne... Ixodes
    2. Die Analfurche umgibt den Anus von hinten
      1. Adanalplatte vorhanden
        1. Gnathosoma und Pedipalpen kurz... Rhipicephalus
        2. Gnathosoma und Pedipalpen lang... Hyalomma
      2. Adanalplatte nicht vorhanden
        1. Augen seitlich des Scutums vorhanden... Dermacentor
        2. Keine Augen vorhanden... Haemaphysalis
by Michael Becker, 9/1998.