Ordnung Thuidiales

Diese Gruppe, welche früher in den Hypnales enthalten war, enthält genau wie diese pleurokarpe Moose. Es handelt sich hierbei quasi um eine Seitenlinie der pleurokarpen Entwicklungslinie, welche sich von der großen Hypnales-Linie abgespalten hat. Oft sind die Pflanzen stark verzweigt oder regelmäßig einfach oder mehrfach gefiedert. Hierdurch wirken viele Arten ausgesprochen dekorativ.

Die Blättchen haben zunächst ein Zellnetz aus langgestreckten Zellen. Durch mangelnde Längenstreckung werden sie im Endeffekt aber kurz länglich bis rundlich. Heterophyllie (d.h. die Existenz von verschiedenen Arten von Blättchen, z.B. an Stämmchen und Ästchen) ist verbreitet. Die Blattzellen sind häufig papillös. Viele Arten besitzen außerdem Paraphyllien - zerschlitzte, pfriemenartige Gebilde zwischen den eigentlichen Blättern, welche vermutlich dazu dienen, durch Kapillarkräfte Wasser zu leiten.

Familien sind Fabroniaceae, Pterigynandraceae, Leskeaceae, Anomodontaceae, Thuidiaceae und Helodiaceae.

Fabroniaceae (incl. Myriniaceae)

typische Fabroniacee

Eine typische Fabroniaceae (Gattung Anacamptodon).

Diese aus 16 Gattungen bestehende Familie ist vor allem in den wärmeren Teilen Afrikas und Amerikas vertreten. In Europa gibt es 6 Arten in 5 Gattungen. Es handelt sich um meist epiphytische Arten, die zarte Rasen aus kriechenden Pflanzen bilden. Das Bild rechts zeigt ein typisches solches Räschen (Gattung Anacamptodon).

Die Blätter haben meistens eine einfache Blattrippe. Das Blattzellnetz besteht aus rhombischen oder ovalen, oft verlängerten Zellen. Lediglich am Blattgrund in den Ecken befinden sich quadratische Zellen.

Pterigynandraceae (incl. Theliaceae)

typische Pterigynandracee

Eine typische Pterigynandraceae (Gattung Myurella).

Die Vertreter dieser Familie sind meist leicht an ihrer Beblätterung zu erkennen: Sie haben rundliche oder kurz eiförmige Blätter, die in der Regel ausgesprochen hohl sind. Sie liegen dem Stämmchen dachziegelartig an, wodurch auch die Pflanzen rundlich oder wurmartig ausssehen.

Die Ränder der Blätter sind häufig gezähnt. Eine Blattrippe fehlt oder ist sehr kurz, oder kurz und gegabelt. Die Blattzellen tragen auf der Oberseite Papillen.

Insgesamt besteht die Familie aus 4 Gattungen, von denen die monotypische Gattung Pterigynandrum auch häufig in eine eigene Familie gestellt wird, während die anderen 3 in die Familie Theliaceae gestellt werden. Keine der Arten ist in Deutschland häufig.

Hier wird als recht typisches Beispiel Myurella tenerrima vorgestellt. Auch die Skizze rechts zeigt eine Myurella-Art.

Leskeaceae

typische Leskeacee

Leskea spec.

Vertreter dieser Familie sind unter dem Mikroskop zwar meist gut an der Form der Blätter und der Ausbildung der Blattzellen zu erkennen, dennoch gibt es kaum Merkmale, die von allen Arten geteilt werden. Meist handelt es sich um (regelmäßig oder unregelmäßig) verzweigte, kleinere bis mittelgroße Pflanzen.

Die Blätter sind oval bis lanzettlich. Sie haben eine mehr oder weniger kräftige Rippe, die manchmal allerdings schon vor der Blattmitte endet, manchmal aber auch erst in der Blattspitze. Die Zellen der Blattfläche sind häufig kurz rhombisch oder rechteckig, manchmal auch langgestreckt. Sie können glatt oder papillös sein. Im zweiten Fall sind sie aber meist nicht besonders stark papillös. Und auch, wenn die Zellen langgestreckt sind, sind sie selten so schmal wie bei typischen Vertretern der Hypnales.

Die Kapseln stehen aufrecht und sind symmetrisch. Paraphyllien sind, wenn überhaupt, nur spärlich vorhanden. Und sie sind glatt und unverzweigt.

Diese Familie kommt vor allem in den gemäßigten Breiten der Erde vor. Sie besteht aus 10 Gattungen, von denen 6 in Europa vertreten sind. Allerdings ist die Einteilung in Gattungen ziemlich umstritten.

Ein typischer Vertreter ist die namensgebende Gattung Leskea, die auch rechts auf der Skizze zu sehen ist.

Thuidiaceae

typische Thuidiacee

Thuidium tamariscinum

Die Thuidiaceen sind typische Vertreter der Ordnung: Es handelt sich um mehr oder weniger regelmäßig, meist zwei- bis dreifach gefiederte Moose. Oft handelt es sich um ausgesprochen dekorative Moose, von denen bestimmte Arten sogar eingesammelt und zu Schmuckzwecken in den Handel gebracht werden.

Die breit dreieckigen Blätter bestehen aus rundlichen Zellen. Diese tragen je nach Art eine oder mehrere Papillen - zumindest an der Blattspitze und in den Blattecken. Stamm- und Astblätter sind recht deutlich voneinander verschieden. Und zwar sind die Stammblätter deutlich größer, breiter, und stärker längsfaltig.

Paraphyllien sind vorhanden und zahlreich. Häufig sind sie verzweigt und ebenfalls papillös.

Die Kapseln sind gekrümmt.

Die häufigste einheimische Art ist Thuidium tamariscinum, welche auch rechts auf der Skizze zu sehen ist.

Anomodontaceae

Diese Gruppe von Moosen wird manchmal (wie hier) als eigene Familie geführt, manchmal wird sie bei den Thuidiaceae eingeordnet, manchmal auch bei den Leskeaceae. Neuerdings werden sie häufig auch nicht mehr zu den Thuidiales, sondern zu den Neckerales gestellt.

Die Pflanzen haben rundliche, stark papillöse Zellen. Paraphyllien fehlen grundsätzlich. Vom Habitus handelt es sich häufig um kräftige, unregelmäßig verzweigte Moose.

Die Kapseln sind aufrecht, zylindrisch und gerade.

Hierzu gehört beispielsweise Anomodon viticulosus.

Helodiaceae

Auch diese Gruppe wird manchmal als eigene Familie geführt, manchmal bei den Thuidiaceae eingeordnet. Über sie weiß ich nicht viel. Es handelt sich wohl um eine sehr kleine Familie aus mehr oder weniger regelmäßig einfach gefiederten, mittelgroßen, weichen und gelbgrünen Moosen, die in bestimmten Mooren und Sümpfen wachsen. In Europa ist nur die Art Helodium blandowii vertreten, die vor allem in Skandinvien noch vorkommt, in Deutschland dagegen so gut wie ausgestorben ist.

Die hohlen Blätter sind breitlanzettlich, mit einer bis in die Blattspitze reichenden Rippe. Die Zellen sind verlängert rhombisch bis prosenchymatisch. Sie sind glatt oder mit vielleicht einer Papille pro Zelle.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 2/2002.