Ordnung Pottiales

Diese Gruppe besteht aus sehr verschiedengestaltigen Moosen, welche vor allem an lichtreichen Orten wachsen. Einige der häufigste Moosen an Mauern und Felsen gehören hierzu. Einige Arten ertragen hohe Konzentrationen an Salzen oder Schwermetallen. Meist wachsen die Pflanzen aufrecht in Polstern.

Ihre Blätter sind meist lanzettlich oder zungenförmig. Die Blattrippe ist kräftig. Oft tritt sie als Stachelspitze oder Glashaar aus. Die Zellen der vorderen Blatthälfte sind klein und rundlich und trüb grün. Ihre Zellwände sind meist stark papillös oder warzig. Die Zellen der unteren Blatthälfte dagegen sind durchscheinend, glatt und rechteckig.

Das Peristom der Pottiales besteht aus einer Reihe von 16 Zähnen. Nur selten fehlen diese. Bei vielen Arten sind die Peristomzähne ebenfalls papillös, bei manchen sind sie oben verdreht. In sterilem Zustand sind viele Arten nur schwer bestimmbar.

Die Ordnung enthält drei Familien: Cinclidotaceae, welche vor allem Wassermoose enthält, die tropischen Calymperaceae, und die namensgebende, große Familie Pottiaceae.

Cinclidotaceae

Die Moose dieser Familie weichen von den "typischen" Pottiales insofern ab, als daß sie kräftige Polster aus niederliegenden, verzweigten Pflanzen bilden. Das Peristom besteht hier aus lang ausgezogenen, haarförmigen Zähnen. Die Blätter besitzen einen mehrschichtigen Saum aus verdickten Zellen.

Die Familie besteht nur aus einer Gattung, die mit ca. 10 Arten auf der Nordhemisphäre, und zwar hauptsächlich in Eurasien, verbreitet ist: Cinclidotus. Es handelt sich hier um meist schwarz-grüne Moose, die auf Steinen und an Rinde untergetaucht, oder zumindest zeitweise untergetaucht in Bächen und Flüsses wachsen. Einige Arten sind in Mitteleuropa recht häufig. Beispielsweise Cinclidotus riparius.

Pottiaceae

Die Moose dieser Gruppe sind sehr verschiedengestaltig, so daß man nur wenig allgemeingültiges über sie sagen kann. Die Pflanzen bilden meist dichte Rasen (der unterschiedlichsten Größen): Es sind ganz typisch akrokarpe Moose. Sie wachsen auf den unterschiedlichsten Substraten, es sind aber im Allgemeinen eher lichtliebende Arten. Innerhalb dieser Familie gibt es viele Arten, die extreme Trockenheit vertragen, außerdem Arten, die Kalk oder Salz vertragen. Verbreitungsschwerpunkt der Familie sind, soweit ich weiß, die wärmeren bis gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel.

Die Form ihrer Blätter ist sehr variablen. Jedoch sind die Blattzellen im oberen Teil des Blattes fast immer rundlich, relativ undurchsichtig und stark papillös. Im unteren Teil des Blattes dagegen befinden sich in der Regel verlängerte, wasserklare glatte Zellen. Die Blattrippe ist immer vorhanden und meist recht kräftig ausgebildet.

Die genaue Einteilung der Familie in Unterfamilien und Gattungen ist sehr schwierig und noch lange nicht abgeschlossen. Wenn man beim Bestimmen eines Mooses zu dieser Familie kommt, kann man sich i.A. auf Schwierigkeiten einstellen.

Zu dieser Familie gehören die Gattung Tortula und Barbula convoluta, und damit zwei selbst in Ortschaften häufige Moose. Außerdem Tortella tortuosa.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 3/2001.