Ordnung Neckerales

Diese Ordnung, welche auch manchmal Isobryales genannt wird, wird aufgrund von Peristommerkmalen manchmal auch bei den Bryales eingegliedert, und manchmal werden ihr die Orthotrichales eingegliedert.

Die Mitglieder dieser Ordnung weichen in ihrem Habitus aber schon deutlich von den beiden genannten Gruppen ab. Es handelt sich nämlich um pleurokarpe Moose mit kriechenden Hauptstämmchen und aufsteigenden oder hängenden Ästchen. Die Kapseln stehen an kurzen Seitenästen, wobei die Seta (der Kapselstiel) manchmal sehr kurz ist.

Die Ordnung besteht aus einer Vielzahl von kleineren Familien: Fontinalaceae, Hydropogonaceae, Cryphaeaceae, Leucodontaceae, Neckeraceae, Racopilaceae, Thamnobryaceae (Thamniaceae), Hypopterygiaceae, Climaciaceae, Phyllogoniaceae, Pterobryaceae und Meteoriaceae. Einige tropische Familien habe ich sicherlich vergessen.

Fontinalaceae

Fontinalis antipyretica

Fontinalis antipyretica

Diese Familie besteht durchgehend aus Wassermoosen. Einige Arten vertragen eine zeitweise Trockenlegung, die meisten aber leben durchgehend untergetaucht. Die Pflanzen sind ausgesprochen groß, meistens 20-30cm lang.

Die Scheitelzelle, mit der diese Moose wachsen, behält ihre Lage während des Wachstums bei. Hierdurch sind die Moose dieser Familie sehr deutlich dreireihig beblättert. (Einige wenige Arten sind glaube ich auch 5-reihig beblättert.)

Die Blätter der Pflanzen dieser Familie sind spitz eiförmig bis lanzettlich. Sie sind meist scharf gekielt und hohl. Eine Blattrippe kann vorhanden sein oder auch nicht. Der Blattrand ist ganzrandig oder höchstens an der Spitze gezähnt. Das Blattzellnetz ist prosenchymatisch. Viele Arten bilden nur selten Sporogone. Meistens vermehreren sie sich vegetativ durch abgerissene Sprosse.

Die Familie besteht aus 6 Gattungen in den gemäßigten und kühleren Gebieten der Nordhemisphäre. In Europa ist sie mit der Gattung Fontinalis mit ca. 6 Arten, und mit der Gattung Dichelyma mit zwei Arten vertreten. Die letztere schien in Deutschland seit Anfang des 20.Jh. ausgestorben, wurde aber 1996 wiedergefunden. Der Bestand der Fontinalis-Arten geht zurück, da die Pflanzen meist auf naturnahe, unverschmutzte Gewässer angewiesen sind.

Cryphaeaceae

Cryphaea heteromalla

Cryphaea heteromalla

Hierbei handelt es sich meist um Moose, die auf Rinde wachsen. Die Hauptstämmchen kriechen auf dem Substrat, die Äste stehen aufrecht ab und sind unverzweigt bis fiederästig.

Die Blätter sind spitz, hohl, und mit einer Mittelrippe. Die Blattzellen sind im vorderen Teil der Blattes rundlich, unten länglich. Die Kapseln sind in die Blätter eingesenkt, und auf ihnen sitzt eine kleine, glockenförmige Kalyptra.

Die Familie besteht aus 11 Gattungen in den gemäßigten und wärmeren Teilen der Erde. In Europa ist sie gerade mal mit 2 Arten vertreten. Die zu dieser Familie gehörende Art Alsia abietina wurde früher in Kalifornien gerne als Verpackungsmaterial für Gemüse verwendet.

Leucodontaceae

Leucodon sciuroides

Leucodon sciuroides

Die Familie Leucodontaceae besteht aus neun Gattungen, die in den gemäßigten und wärmeren Teilen der Welt vorkommen. Es handelt sich meist um mehr oder weniger kräftige Moose, die auf Rinde oder Felsen wachsen. Die Hauptstämmchen der Pflanzen sind bei dieser Familie kriechend. Daran sitzen nur wenig verzweigte, aufrechte oder oft auch hängende Seitenzweige.

Die Blätter sind meist eiförmig oder eiförmig lanzettlich. Die Berippung ist sehr unterschiedlich. Es gibt Arten mit einfacher Rippe, ohne Rippe, mit kurzer Doppelrippe, oder mit mehreren Nebenrippen. Das Blattzellnetz der Arten dieser Familie ist im oberen Blattteil typischerweise rhombisch, im unteren verlängert, in den Blattflügeln auch quadratisch.

Keine Art ist in Deutschland wirklich häufig. Am ehesten trifft man noch in den Gebirgen Leucodon sciuroides, welches auch als typischer Vertreter der Familie auf der Skizze rechts zu sehen ist.

Neckeraceae

Neckera complanata

Neckera complanata

Unter allen Familien der Ordnung ist die namesgebende sehr einfach an ihren verflacht beblätterten Stämmchen zu erkennen: Zwar stehen die Blätter streng genommen immer noch spiralig an den Stengeln, aber die Blätter auf der Ober- und der Unterseite der Stämmchen sind angedrückt, und die seitlichen Blätter so gedreht, daß alle Blätter in einer Ebene senkrecht zum Lichteinfall liegen. Rechts auf dem Skizze sieht man ein solches flachgedrücktes Stämmchen (der Art Neckera complanata).

Die Zellen der Blattfläche sind kurz oval bis lang oval, auf jeden Fall aber glatt (nicht papillös). Eine Blattrippe kann existieren oder auch nicht.

Die Vertreter dieser Familie bilden meist kräftige, stark verzweigte und sehr stark glänzende Rasen an Rinden oder auf Fels. Es gibt insgesamt 11 Gattungen, von denen drei in Europa und zwei in Deutschland vorkommen.

Hier gibt es Bilder der Gattung Neckera selber. Ab und zu trifft man in Deutschland außerdem noch Homalia trichomanoides.

Racopilaceae

Auch die Pflanzen dieser Familie sind in der Regel verflacht beblättert. Im Gegensatz zu den Neckeraceen sind hier jedoch die Blätter auf der Seite des Stämmchen und die Blätter auf ihrem Rücken unterschiedlich ausgebildet: Die Seitenblätter sind schräg angewachsen, dicht gestellt und asymmetrisch, die Blätter auf dem Rücken dagegen sind symmetrisch und stehen weiter auseinander.

Thamnobryaceae (Thamniaceae)

Thamnobryum alopecurum

Thamnobryum alopecurum

Die Moose dieser Familie haben einen auffällig bäumchenförmigen Wuchs: Die Grundachse kriecht. Von ihre steigen Stämmchen auf. Die Grundachse und der untere, unverzweigte Teil der Stämmchen sind nur mit zurückgebildeten, schuppenförmigen Blättern bedeckt.

Die Blätter an den oberen Ästchen sind lanzettlich, mit Rippe und grob gesägt. Die Blattrippe reicht meist bis vor die Blattspitze. Die Zellen der Blätter sind rundlich.

Über die Anzahl der Gattungen dieser Familie und ihre Verbreitung weiß ich nicht Bescheid. In Europa ist nur die Gattung Thamnobryum mit drei Arten vertreten. Auf Madeira und den Kanaren folgt dann schon mindestens eine weitere. Auch die Skizze rechts zeigt einen Vertreter dieser Gattung: Thamnobryum alopecurum.

Hypopterygiaceae

Ähnlich wie die Pflanzen der Thamnobryaceae und der Climaciaceae haben diejenigen dieser Familie eine auf dem Boden kriechende Grundachse, von der bäumchenförmige Äste aufsteigen. Die Grundachse und der untere Teil der Äste ist lediglich mit kleinen Schuppen bedeckt. Die Beblätterung der oberen Äste ist kompliziert: Insgesamt ist sie verflacht. An den Seiten gibt es je eine Reihe mit großen, abstehenden Blättern, aber außerdem gibt es kleinere Unterblätter, ähnlich wie es beim Moosfarn (Selaginella) der Fall ist.

Die Blätter haben stets eine Rippe. Sie sind gesäumt und die Zellen sind rundlich.

Die Familie hat ihr Diversitätszentrum in Malaysia und Australasien, kommt aber in den Tropen der ganzen Welt vor. Eine Art aus Australien und Ozeanien ist wohl manchmal in Gewächshäuser eingeschleppt und kann sehr selten in Portugal auch im Freien gefunden werden. Es handelt sich um eine kleine Familie mit rund 7 Gattungen, von denen 160 Arten beschrieben sind, wobei allerdings viele Arten doppelt vorkommen. Eine neuere Monographie zählt nur 21 Arten auf (Hans Kruijer - Hypopterygiaceae of the World; Published by The National Herbarium of the Netherlands; Monograph, 2002; 388 pp., with line drawings and distribution maps ISBN 90-71236-51-X).

Climaciaceae

Climacium dendroides

Climacium dendroides

Diese Familie besteht nur aus der namensgebenden Gattung Climacium mit insgesamt vier Arten. Diese zeichnen sich durch einen rhizomartig kriechenden Hauptsproß und die kräftigen, bäumchenförmig verzweigten Äste aus.

Weitere Informationen findet man in der Datei über die einzige einheimische Art Climacium dendroides, welche auch auf der Skizze rechts abgebildet ist.

Pterobryaceae

Über diese Familie weiß ich nichts, außer daß sie die Art Myurium hochstetteri enthält, die auf den Kanaren und Madeira vorkommt, und sehr selten außerdem an den Westküsten Irlands und Schottlands.

Meteoriaceae

Dies ist eine artenreiche tropische Familie, deren Vertreter größtenteils an Rinde hängend wachsen. In Europa gibt es nur eine einzige Art, die an vulkanischen Dampfquellen auf den Liparischen Inseln (bei Sizilien) wächst.

by Michael Becker, 4/2001. Letzte Änderung: 5/2002.