Ordnung Hypnales

In dieser recht großen und unübersichtlichen Ordnung steckt die Mehrzahl der pleurokarpen Laubmoose. Es handelt sich also um eine sehr verbreitete Ordnung. Inzwischen hat man einige Familien ausgegliedert und in eine eigene Ordnung, den Thuidiales gestellt.

Die Moose dieser Ordnung sind weltweit verbreitet. Oft bilden sie wahre Massenbestände.

Die Seta (der Kapselstiel) ist meist lang, und die Kapsel sitzt nickend oder hängend daran. Das Peristom besteht bei dieser Ordnung durchgehend aus zwei Reihen von Zähnchen. Es ist sehr verschieden ausgebildet.

Einige Familien sind beispielsweise Cratoneuraceae, Hypnobartlettiaceae, Amblystegiaceae, Brachytheciaceae, Entodonaceae, Rhytidiaceae, Plagiotheciaceae, Sematophyllaceae, Hypnaceae, Hylocomiaceae (werden auch zu den Hypnaceae gerechnet).

Amblystegiaceae

typische Amblystegiacee

Gattung Amblystegium.

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Moose mit wenigen durchgehend geteilten Merkmalen, weshalb sie hier schwierig zu beschreiben ist, welche insgesamt aber doch einigermaßen homogen ist. Die meisten wachsen an nassen oder sehr feuchten Standorten, vorwiegend in kühleren Gegenden der Erde. Meist sind die Zellen in den Blattflügeln besonders ausgebildet und von den anderen Zellen der Blattfläche, welche sowohl langgestreckt wie kurz sein können, verschieden.

Ein recht typischer Vertreter ist beispielsweise Hygrohypnum luridum. Auch Leptodictyum riparium und Calliergoniella cuspidata gehören hierhin. Etwas abweichend vom Typus ist Drepanocladus unicnatus.

Das Bild rechts zeigt einen typischen Vertreter der Familie, nämlich die Gattung Amblystegium selber.

Brachytheciaceae

typische Brachytheciacee

Gattung Brachythecium.

Diese unübersichtliche Familie mit Moosen, welche in ihrem Aufbau äußerst mannigfaltig sind, ist auf der ganzen Erde vertreten. Die artenreichen Gattungen Brachythecium und Eurhynchium sind auch, was das Substrat, auf dem sie wachsen, angeht, nicht besonders wählerisch. Sie kommen praktisch überall vor.

Die Blättchen der Moose dieser Gruppe haben alle eine Mittelrippe und sind meist lang bespitzt.. Das Blattzellnetz besteht aus langen und schmalen Zellen. Die Kapsel ist aufrecht oder nickend, häufig auch gekrümmt.

Zu dieser Familie gehören die häufigen Moose aus den Gattungen Brachythecium, Eurhynchium und Scleropodium. Außerdem Isothecium und Rhynchostegium.

Das Bild recht zeigt als typischen Vertreter eine Skizze einer Pflanze der Gattung Brachythecium selber.

Cratoneuraceae

Diese kleine Familie, die je nach Auffassung rund 13 Arten enthält, ist nur schwer von den Amblystegiaceae abzutrennen und wird manchmal auch ganz zu ihr gezählt. Entscheidend für die Abtrennung ist das Vorhandensein von Paraphyllien bei den Cratoneuraceae.

Es handelt sich um hauptsächlich ziemlich regelmäßig einfach gefiederte, kräftige Pflanzen, die an nassen oder feuchten Standorten wachsen. Die Blättchen sind meist sichelförmige zu einer Seite gewendet. Abgesehen davon sind sie dreieckig. Die Zellen in den Blattflügeln sind größer als die restlichen Zellen. Eine Blattrippe ist stets vorhanden und reicht bis in die Blattspitze.

Die Familie besteht aus lediglich zwei Gattungen: Der namensgebenden Gattung Cratoneuron und der Gattung Cratoneuropsis, welche mit zwei Arten in Neuseeland, Australien und Südafrika vertreten ist.

Hypnobartlettiaceae

Über diese Familie weiß ich nicht allzu viel. Sie zeichnet sich innerhalb der Hypnales durch eine mehrzellschichtige (2-3 Zellschichten dicke) Blattfläche aus. Die Blätter besitzen keine Blattrippe.

Die Familie besteht lediglich aus vier monotypischen Gattungen in Europa, den Anden und Neuseeland.

Rhytidiaceae

Es handelt sich (je nach Auffassung) um eine monotypische Familie mit den Merkmalen der einzigen Art: Rhytidium rugosum.

Entodonaceae

Skizze von Pleurozium, einer typischem typischen Vertreter der
Entondonaceae

Pleurozium schreberi, ein typischer Vertreter der Entondonaceae.

Diese Familie wird von diversen Autoren recht unterschiedlich gehandhabt. Einige Gattungen werden aufgrund vom Peristommerkmalen auch in diverse andere Familien der Hypnales gestellt.

Bei den Vertretern dieser Familie handelt es sich meist um recht kräftige, gelbgrüne, goldene oder bräunliche, mehr oder weniger regelmäßig locker einfach verzweigte Pflanzen. Die Blätter liegen dachziegelartig übereinander und sind hohl so daß die Pflanzen geschwollen beblättert sind. Das Blattzellnetz ist prosenchymatisch (die Zellen sind lang und dünn). Die Blätter besitzen eine kurze doppelte oder gar keine Blattrippe. Die Blattflügelzellen sind quadratisch.

Zu den Gattungen, die auch häufiger in eine andere Familie gestellt werden, gehört das hier vorgestellte Pleurozium.

Plagiotheciaceae

Skizze eines typischen Plagiothecium-Art

Gattung Plagiothecium.

Die Blättchen der Pflanzen dieser Familie sind meist in zwei Reihen angeordnet. Die Seiten des Blattgrundes laufen oft noch ein ganzes Stück am Stengel hinunter. Bei vielen Arten sind sie asymmetrisch.

Häufig wachsen die Pflanzen flach niederliegend und wenig verzweigt.

Ein recht typischer Vertreter wäre beispielsweise Plagiothecium nemorale.

Sematophyllaceae

Skizze einer Sematophyllum-Art

Gattung Sematophyllum.

Die Pflanzen dieser Familie ähneln denen der Familie Hypnaceae: Die Blätter sind rippenlos oder mit einer kurzen Doppelrippe. Die Zellen sind sehr lang gestreckt. Im Gegensatz zu den Hypnaceen sind die Blätter allerdings nie sichelförmig einseitswendig. Oft sind sie stark glänzend und verflacht beblättert.

In den Blattflügeln befinden sich nur einige wenige, aber stark aufgeblasene Blattflügelzellen.

Es handelt sich um eine fast durchgehende tropische Familie mit insgesamt rund 36 Gattungen. Von diesen sind in Europa drei mit zusammen ca. 7 Arten vertreten.

Hypnaceae

In dieser Familie befinden sich die artenreichsten Moos-Gattungen überhaupt. Sie ist auf der ganzen Welt verbreitet.

Die Blättchen der Moose dieser Familie haben ein Blattzellnetz aus sehr langgestreckten Zellen. Eine Mittelrippe fehlt völlig, oder sie ist sehr kurz und doppelt. Die Blättchen sind nicht in zwei Reihen angeordnet. Häufig sind sie sichelförmig zu einer Seite gebogen.

Hierzu gehört das häufige Hypnum cupressiforme. Außerdem das in Kalkgebirgen häufige Ctenidium molluscum und das eher untypische Orthothecium rufescens.

Hylocomiaceae

Hierbei handelt es sich meistens um recht kräftige, große Moose, oft mit sparrig zu den Seiten abstehenden, jedenfalls nicht sichelförmig einseitswendigen, Blättern. Ansonsten sind die Blätter unter dem Mikroskop ziemlich langweilig: Die Blattzellen sind lang gestreckt. Es gibt keine differenzierten Zellen in den Blattflügeln. Eine Blattrippe fehlt ganz, oder es gibt eine sehr kurze doppelte Rippe. An der Spitze sind die Blättchen meist gesägt. Ansonsten zeichnet sich die Familie durch Zweihäusigkeit aus.

Hierzu gehört beispielsweise das namensgebende Hylocomium splendens , und beispielsweise die Gattung Rhytidiadelphus . Häufig wird außerdem Pleurozium in diese Familie gestellt.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 5/2001.