Ordnung Hookeriales

Die Ordnung Hookeriales besteht aus rund 800 Arten, die vor allem in den Tropen und den feuchteren Subtropen und zwar in Urwäldern verbreitet sind. Dort sind sie oft die dominierenden und charakteristischen Arten. In Europa kommen vier Arten vor, und einzig die Art Hookeria lucens ist nicht ausgesprochen selten. Sie bewachsen eine Vielzahl von Substraten, gerne auch Blattoberflächen von höheren Pflanzen, eine Art sogar die Flügeldecken von bestimmten Käfern.

Die Hookeriales sind häufig verflacht beblättert. Bei vielen Arten unterscheidet sich die Blattgröße der Blätter an den unterschiedliche Seiten der Stämmchen. Bei vielen Arten können die Blätter auch asymmetrisch sein. Das Blattzellnetz kann recht verschieden sein: die Möglichkeiten reichen von locker rhombisch bis zu prosenchymatisch.

Sämtliche Vertreter der Ordnung besitzen ein Peristom aus zwei Zahnreihen. Häufig sitzen am Grunde der äußeren Zähne Lamellen. Die kegel- oder mützenförmige Kalyptra ist oft deutlich gefranst.

Es gibt nicht viele Familien in dieser Ordnung: Hookeriaceae, Daltoniaceae, Ephemeropsidaceae und Callicostaceae.

Hookeriaceae

Stämmchenspitze von Hookeria lucens

Stämmchenspitze von Hookeria lucens.

Die namensgebende Familie besitzt die typischen Merkmale der Ordnung: Die Stämmchen sind verflacht beblättert, so daß die Blättchen scheinbar in zwei Zeilen stehen. Die Blätter sind eiförmig oder zungenförmig. Die Blattzellen locker rhombisch oder rundlich sechsseitig. Oft sind die Zellen am Blattrand auf irgendeine Weise in der Form abweichend.

Die Pflanzen bilden oft herdenartige Bestände auf Rinde oder morschem Holz. Die Stämmchen sind niederliegen bis aufsteigend. Es handelt sich um deutlich pleurokarpe Moose.

Die Familie besteht aus rund 20 Gattungen, die fast alle ausschließlich in den Tropen vorkommen. In Europa kommen vier der Gattungen mit je einer Art vor. Die häufigste unter diesen ist Hookeria lucens. Die anderen drei kann man als Reliktarten aus dem Tertiär ansehen.

Daltoniaceae

Daltonia splachnoides

Daltonia splachnoides

Über diese Familie weiß ich nciht viel. Sie besteht fast ausschließlich aus tropischen Moosen. In Europa ist sie je nach Auffassung mit 1 oder 2 Arten vertreten, die an nur wenigen Stellen wachsen und als Relikte der tropischen Tertiär-Flora angesehen werden.

Die Moose bilden zarte Räschen auf sehr unterschiedlichen Böden. Meist auf Stein oder Rinde. Es gibt auch tropische und neuseeländische Arten, die auf den Flügeldecken bestimmter flugunfähiger Rüsselkäfer wachsen.

Bei den Daltoniaceae findet man auch die einzigen bekannten Laubmoos-Arten, deren Blätter wie bei manchen Lebermoosen (s. z.B. Frullania) Wassersäckchen bilden.

Ephemeropsidaceae

Ephemeropsis tjibodensis

Ephemeropsis tjibodensis

Auch hierbei handelt es sich um eine tropische Familie, die in Europa überhaupt nicht vertreten ist, und über die ich nicht viel weiß. Es handelt sich um extrem reduzierte Moose, die so gut wie keinen Gametophyten mehr besitzen: Der Sporophyt wächst direkt auf dem Protonema. Sowohl Protonema wie Sporophyt betreiben hier Photosynthese. Die fadenförmigen Pflanzen bilden zarte Räschen von rund 1mm Höhe, die an Überzüge aus Algen erinnern. Sie wachsen gerne auf Blättern und Blattstielen von anderen Pflanzen. Das Bild rechts zeigt (stark vegrößert) ein solch reduziertes Moos mit Kapsel: Ephemeropsis tjibodensis.

Callicostaceae

Über diese Familie weiß ich nichts. In Europa ist sie mit einer Reliktart aus dem Tertiär vertreten: Cyclodictyon laetevirens (Hook.&Tayl.)Mitt.. Dieses ist innerhalb der Ordnung gut an seiner gut ausgebildeten, deutlichen und langen Doppelrippe in den Blättern zu erkennen.

by Michael Becker, 8/2001. Letzte Änderung: 2/2002.