Ordnung Funariales

Diese Ordnung wird meist als Zwischenstufe zwischen den ursprünglichen, akrokorpen Moosen und den Bryales angesehen. Es handelt sich meist um kleine, kurzlebige oder einjährige Moose. Die meisten wachsen auf nährstoffreicher Erde. Viele sind ökologisch stark spezialisiert.

Einige Familien sind beispielsweise: Gigispermaceae, Ephemeraceae, Funariaceae, Disceliaceae, Voitiaceae, Oedipodiaceae, Splachnobryaceae, Splachnaceae.

Ephemeraceae

Bei den Ephemeraceen handelt es sich um winzige, meist 1-2mm hohe, mehr oder weniger knospenförmig beblätterte Pflänzchen, welche auf einem grünen und Photosynthese treibenden Dauerprotonema sitzen. Es sind einjährige Pflanzen, deren Sporen in den Wintermonaten reifen. Sie wachsen durchgehend auf offener Erde, beispielsweise auf Stoppelfeldern, gerne aber auch auf Schlammböden von ausgetrockneten Teichen oder trockengefallenen Uferböschungen.

Die Blätter der Ephemeraceen sind lanzettlich mit oder ohne Mittelrippe. Bei vielen Arten sind sie vorne grob unregelmäßig gezähnt. Die Blattzellen sind groß und rhombisch oder rechteckig. Die kugelförmige Kapsel ist nur sehr kurz gestielt und daher in die Blätter eingesenkt. Ein Peristom fehlt.

Über die globale Verbreitung und die Größe der Familie weiß ich nichts. In Europa (und auch in Deutschland) kommen die Gattungen Micromitrium (mit einer Art) und Ephemerum (mit 6 Arten) vor. Allerdings sind bis auf Ephemerum serratum alle Arten selten.

Funariaceae

Die namensgebende Familie besteht aus für diese Ordnung sehr typischen Moosen: Es sind ein- oder zweijährige Pflanzen. Der Stengel ist recht kurz, oder die Pflanze ist rosettig. Die Blätter sind breit eiförmig, hohl und besitzen eine Rippe. Die Blattzellen sind groß und locker sechseckig und ihre Zellwände sind glatt. Viele Arten treten als Erstbesiedler von vegetationsarmen, nährstoffreichen Böden auf.

Ein recht häufiges einheimisches Moos ist Funaria hygrometrica.

Splachnaceae

Die meisten Vertreter dieser Familie zeichnen sich durch eine ziemlich ungewöhnliche Verbreitungsbiologie aus: Sie wachsen auf verwesenden organischen Substanzen wie Exkrementen, Gewöllen, Tierleichen oder Dung. Manche Arten lassen ihre Sporen sogar von Dungfliegen verbreiten.

Fast alle Arten dieser Familie haben einen deutlich abgesetzten Kapselhals (Apophyse). Oft ist der Kapselhals sogar deutlich größer und breiter als der Rest der Kapsel, bei der Gattung Splachnum selber ist er sogar schirmförmig ausgebildet. Dies verleiht den Sporophyten ein recht charakteristisches Aussehen.

In sterilem Zustand sind die Moose dieser Familie sehr ähnlich denen der anderen dieser Ordnung. Die einzelnen Arten sind dann nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 2/2002.