Ordnung Dicranales

Die Vertreter dieser Ordnung haben 16 Peristomzähne, die in einer Reihe angeordnet sind. Meist sind die Peristomzähne in zwei Teile gespalten. Bei vielen Arten stehen die Zähne auf einer noch erkennbaren Grundhaut.

Makroskopisch sind die Moose dieser Ordnung häufig an ihren schmalen, lanzettlichen Blättern zu erkennen, die oft einseitswendig sind. Bei genauerem Hinsehen besitzen sie häufig einen eiförmigen Grund, auf dem dann eine lange pfriemenförmige Spitze sitzt. Die Blattrippe ist meist sehr kräftig. Bei einigen Arten nimmt sie fast die gesamte Blattfläche ein.

Die Oberflächen der Blattzellen sind fast durchgehende glatt (ohne Papillen oder Mamillen) und rechteckig.

Familien sind beispielsweise Bruchiaceae, Dicnemonaceae, Distichiaceae, Ditrichaceae, Seligeriaceae und die namensgebende, große Familie Dicranaceae.

Bruchiaceae

typische Bruchiaceae

Diese kleinere Familie besteht aus ca. 100 kleineren Pflanzen mit schmallinealen Blättern und ist hauptsächlich in den Tropen verbreitet. Die Kapseln besitzen einen Kapselhals (Apophyse) von ca. 0,5 bis 3 mal er Kapsellänge. Die meisten Arten sind Bewohner offener Erde

Die Skizze zeigt eine Pflanze der Gattung Bruchia selber. Gut zu erkennen ist der lange Kapselhals. Die Gesamthöhe (samt Kapsel) beträgt ca. 1cm.

Dicnemonaceae

Die Moose dieser Familie kommen ausschließlich auf der Südhemisphäre vor. Sie unterscheiden sich von allen anderen Dicranales durch einen deutlich abweichenden Bau: Ihre Hauptstämme kriechen am Boden, während die oft verzweigten Äste aufsteigen.

Weiterhin gibt es innerhalb der noch geschlossenen Kapseln um die Columella herum große, mit bloßem Auge erkennbare Körper aus mehreren chlorophyllhaltigen Zellen.

Seligeriaceae

Skizze einer typischen Seligeria-Art

Diese Gruppe besteht im wesentlichen aus sehr kleinen Moosen (einige Millimeter), nur einige Arten werden mit bis zu 8cm deutlich größer. Die Blätter sind meist mehr oder weniger hohl und lang pfriemenförmig zugespitzt. Die stets vorhandene kräftige Blattrippe endet entweder in der Blattspitze, oder sie tritt aus. Bei vielen Arten bildet die Blattrippe die gesamte vordere Hälfte des Blattes.

Die Kapseln sind aufrecht und becherförmig. Sie tragen 16 oder gar keine Peristomzähne.

Es handelt sich durchgehend um Felsbewohner. Meist ziehen sie kalkhaltiges Gestein vor.

Dicranaceae

typische Dicranacee

Diese weltweit verbreitete, recht große Familie besteht aus Arten, die dichte Rasen von aufrecht stehenden Stämmchen bilden. Die Blätter sind meist schmal, aus einem eiförmigen Grund lang ausgezogen. Eine Blattrippe ist immer vorhanden und meist recht kräftig, oft auch mit differenzierten Zellen. Bei einigen Arten ist von der eigentlichen Blattfläche nur noch ein schmaler Saum übrig. Die Blattflügelzellen sind bei vielen Arten von den anderen Blattflächenzellen unterschieden.

Die Kapseln sitzen meist auf einer längeren Seta. Der Kapseldeckel ist meist lang geschnäbelt. Bei einigen Arten fehlt er allerdings. Die Kalyptra sitzt häufig wie eine Kappe auf einer Seite der Kappe.

Das Bild rechts zeigt eine Skizze eines mehr oder weniger typischen Vertreters der Familie.

Hierzu gehört beispielsweise Leucobryum glaucum, welches allerdings manchmal auch in eine eigene Familie (Leucobryaceae) gestellt wird. Außerdem Dicranoweisia cirrata, Dicranella heteromalla und natürlich die namensgebende Gattung Dicranum.

Ditrichaceae

typische Ditrichacee

Die Vertreter dieser Familie ähneln denen der vorigen und sie ist nicht eindeutig von ihr zu trennen. Vielleicht wird sie irgendwann bei ihr eingegliedert. Im Augenblick wird sie der Tradition wegen noch einzeln geführt. Es handelt sich meist um etwas kleinere Moose, die auf Fels oder Erde wachsen. Die tief gespaltenen Peristomzähne sind papillös. Die Kapseln sind häufig aufrecht. In ihrer Form sind sie sehr verschiedengestaltig. Meist aber sind ihre Blätter in eine lange pfriemenförmige Spitze ausgezogen.

Das Bild rechts zeigt einen typischen Vertreter dieser Familie. (Gattung Pleuridium)

Zu dieser Familie gehört die bei uns ziemlich häufige Art Ceratodon purpureus.

Distichiaceae

typische Distichiaceae

Die Moose dieser recht kleinen Familie wurden bis vor kurzen unter den Ditrichaceae eingeordnet, mit denen sie auch die meisten Merkmale teilen. Eine Zusammenführung der Ditrichaceae und der Dicranaceae läßt es aber vorteilhafter erscheinen, diese Gruppe als eigene Familie zu führen.

Charakteristisches Kennzeichen der Moose dieser Gruppe innerhalb dieser drei Familien ist die zweizeilige Beblätterung. Die Blätter sind in eine lange Pfrieme ausgezogen. Ihr scheidiger Grund umfaßt den Stengel.

Die bei uns häufigste Art der Familie ist Distichium capillaceum, welche auch rechts auf der Skizze als typischer Vertreter der Familie zu sehen ist.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 5/2001.