Ordnung Bryales (incl. Timmiales, Bartramiales)

Diese Ordnung enthält Moose, die einen Übergang von der Akrokarpie zur Pleurokarpie darstellen: Manche Arten wachsen aufrecht, manche sind niederliegend, manche können sogar beide Wuchsformen annehmen.

Die Blättchen der Moose dieser Ordnung sind eiförmig bis lanzettlich. Eine Blattrippe ist fast stets vorhanden. Die Zellen sind sechseckig, können aber auch gestreckt sechseckig bis langgestreckt sein.

Das Peristom dieser Moose besteht aus zwei Reihen von Zähnchen: Einer gut entwickelten äußeren Reihe aus 16 Zähnen, und einer inneren Reihe aus zarten, zu der ersten Reihe alternierend gestellten Zähnchen, zwischen denen je eine fadenförmige Wimper sitzt.

Familien sind beispielsweise Bryaceae mit der extrem unübersichtlichen und artenreichen Gattung Bryum selber, Mniaceae, Mitteniaceae, Ptychomitriaceae (diese werden auch manchmal zu den Grimmiales oder zu den Orthotrichales gerechnet), Hypnodendraceae, Timmiaceae (diese werden auch manchmal in eine eigene Ordnung Timmiales gestellt), Bartramiaceae (die früher eine eigene Ordnung hatten: Bartramiales, heutzutage nur noch eine eigene Unterordnung Bartramiineae. Hierzu gehören auch die vier folgenden Familien), Aulacomniaceae, Meesiaceae, Catoscopiaceae. Und schließlich gibt es noch die Spiridentaceae.

Bryaceae

Die Pflanzen dieser Familie wachsen meist aufrecht. Die Blätter sind eiförmig oder lanzettlich. Die Blattzellen sind rhombisch oder sechseckig, manchmal etwas verlängert, jedoch nicht lang gestreckt. Die Blättchen besitzen jedoch häufig einen Saum aus langestreckten Zellen. Die Kapsel ist eiförmig oder zylindrisch, meist nickend. Die Pflanzen wachsen vorwiegend auf Erde, ab und zu aber auch auf Fels oder Holz. Besonders schwierig in dieser Familie ist die Gattung Bryum mit weltweit um die 1000 Arten.

Hierher gehört natürlich die Gattung Bryum . Ein besonders dekorativer Vertreter der Familie ist Rhodobryum roseum.

Blatt von Bryum capillare

Ein typisches Blatt eines Vertreters der Familie. Gut zu erkennen ist das lockere Blattzellnetz und der Saum aus verlängerten Zellen. (Es handelt sich um die Art Bryum capillare.)

Mniaceae

Eine typische Mniaceae

Eine typische Mniaceae: Rhizomnium.

Diese Familie ist sehr nah mit der vorigen verwandt. Ihre Vertreter wachsen manchmal aufrecht, manchmal niederliegend. Die Blätter sind rundlich, oval oder zungenförmig. Stets haben sie einen Saum aus langgestreckten Zellen, während die anderen Zellen rundlich sechseckig sind. Die Kapsel ist genau wie bei den Bryceae. Die Mniaceeen sind häufig recht groß und gehören deshalb zu den eher auffälligen Moosen. Manche Arten sind schon mit der Lupe bestimmbar.

Bei vielen Arten sind sterile Stämmchen und fertile auffällig verschieden: Die sterilen sind oft niederliegend oder überhängend. Die Blättchen stehen oft mehr oder weniger zweizeilig. Die fertilen Stämmchen dagegen sind aufrecht. Die Blätter stehen an allen Seiten gleichmäßig ab. Oft sieht man solche Moospflanzen mit den sog. Moosblüten, in denen Antheridien und Archegonien stehen. Junge Pflanzen sind hellgrün bis glasig grün. Die alten Pflanzen dagegen dunkler.

Noch vor einiger Zeit hat man viele Pflanzen der Familie zur namensgebenden Gattung Mnium gezählt. Inzwischen hat sich aber eine Aufspaltung dieser Gattung in mehrere kleinere durchgesetzt.

Zu dieser Familie gehören einige recht häufige Arten wie Mnium hornum oder Plagiomnium undulatum. Außerdem Rhizomnium punctatum. Auch die Skizze rechts zeigt eine Rhizomnium-Art als typsichen Vertreter der Familie.

Mitteniaceae

Über diese Familie weiß ich nichts, außer daß sie aus zwei Arten in Australien und Tasmanien besteht, und daß das Protonema von Mittenia plumula, einer Art, die am Eingang von Höhlen wächst, linsenförmige Zellen bildet, die das Licht reflektieren können, so daß das Moos manchmal zu leuchten scheint, ähnlich wie dies beim Protonema der einheimischen Gattung Schistostega der Fall ist, die allerdings nicht mit Mittenia verwandt ist.

Hypnodendraceae

Auch über diese Familie, die im tropischen indoasiatischen und pazifischen Raum vorkommt, weiß ich nicht viel. Sie besteht aus zwei Gattungen Hypnodendron und Braithwaitea mit zusammen rund 26 Arten. Die Familie wird in eine eigene Unterordnung Hypnodendrineae gestellt.

Die Moose dieser Familie haben einen kräftigen, am Boden kriechenden Hauptstamm, von dem senkrechte Sprosse aufsteigen, die sich vor allem an der Spitze verzweigen. Es handelt sich also um bäumchenförmig verzweigte Moose. Durch diese spezielle Form der Verzweigung gehören diese Moose zu den prachtvollsten tropischen Moosen.

Ptychomitriaceae

Ptychomitrium

Eine typische Ptychomitriaceae: Ptychomitrium.

Die Familie besteht aus felsbesiedelnden Moosen, einige (Campylostelium) sind klein und Seligeria-artig, andere (Ptychomitrium) bis zu 5cm hoch.

Die Blätter der Pflanzen dieser Familie besitzen im oberen Teil des Blattes rundliche bis quadratische Zellen, im unteren Blattteil dagegen sind die Zellen verlängert. Die Blattflügelzellen sind differenziert, bräunlich und mehrschichtig. Von der Form her sind die Blätter lanzettlich bis lang lanzettlich. In trockenem Zustand sind sie gekräuselt. Die Blattrippe reicht bis zur Blattspitze.

Die Kapsel steht bei dieser Familie aufrecht. Sie ist zylindrisch und lang geschnäbelt. Die Kalyptra ist glockenförmig oder mützenförmig.

Die Familie Ptychomtriaceae besteht aus drei Gattungen in den gemäßigten und wärmeren Teilen der Erde. Alle drei sind auch in Europa vertreten, Glyphomitrium dort allerdings nur in stark atlantischen Gebieten. Sie werden manchmal auch zu den Grimmiales gezählt, manchmal zu den Orthotrichales.

Timmiaceae

Timmia

Gattung Timmia

Diese Familie besteht nur aus der Gattung Timmia, welche in den gemäßigten und kühlen Bereichen der Nordhalbkugel vertreten ist. Früher wurde sie in eine eigene Ordnung (Timmiales) gestellt, heute steht sie in einer eigenen Unterordnung (Timmiineae).

Vom Habitus her ähneln Timmia-Pflanzen Pflanzen der Gattung Atrichum. Sie bilden kräftige Rasen auf Waldboden, oft unterhalb von kalkhaltigen Felsen.

Die Blätter von Timmia-Pflanzen sind ähnlich wie die von Polytrichum-Pflanzen am Grund scheidig. Die Rippe füllt bei ihnen allerdings nicht fast die gesamte Blattspitze aus, sondern ist deutlich schmaler. Der Blattrand ist auch hier gesägt, allerdings besitzen die Blätter keine Lamellen auf der Oberseite der Blattrippe. Die Zellen in der Blattscheide sind lang, die in der Blattspitze klein, quadratisch bis sechseckig und mamillös.

Die Kapsel sitzt auf einem langen Stiel, ist eiförmig und sitzt nickend oder hängend.

Bartramiaceae

Bartramia pomiformis

Bartramia pomiformis.

Die Moose dieser artenreichen Familie bilden meist dichte, filzige Polster aus niederliegenden bis aufsteigenden oder aufrechten Stämmchen. Sie sind über die ganze Welt verbreitet.

Die Blättchen sind lanzettlich oder schmal. Sie besitzen stets eine Blattrippe und sind gezähnt. Die Zellen der Blattfläche sind rechteckig bis fast quadratisch. Sie sind aus der Ebene des Blattes hinaus ausgebuchtet (mamillös).

Die Kapseln sind auffällig rund, und in trockenem Zustand meist längsgestreift. Von der auffälligen Form der Kapseln kommt auch der deutsche Name der Bartramiaceae (Apfelmoose).

Hierher gehört beispielsweise Philonotis fontana.

Aulacomiaceae

Skizze einer Aulacomium-Pflanze

Aulacomium androgynum.

Die Moose dieser Familie fallen auch makroskopisch meist sofort dadurch auf, daß sie Brutkörper tragen: Kleine Kügelchen, die am Ende von unbeblätterten Stengeln gebildet werden.

Die Familie besteht in Europa nur aus einer Gattung, deren Merkmale sie folglich trägt: Aulacomium.

Meesiaceae

Meesia

Gattung Meesia.

Hierbei handelt es sich um Moose der Sümpfe und Moore der Nordhemisphäre, über die ich nicht viel weiß. Es ist glaube ich eine recht kleine Familie.

Die Blätter der Pflanzen dieser Familie sind lanzettlich -mal länger mal kürzer. Die Blattzellen sind sechseckig bis rundlich.

Die Kapsel steht fast immer auf einem sehr langen dünnen Stiel. Sie kann aufrecht bis waagerecht sitzen, ist selber aber immer deutlich gekrümmt, was allerdings auf der Skizze rechts nicht mehr richtig zu sehen ist.

Catoscopiaceae

Catoscopium nigritum

Catoscopium nigritum.

Diese monotypische Familie besteht nur aus der Art Catoscopium nigritum (Hedw.)Brid.. Die Art bildet kräftige (bis 10cm) hohe Polster auf nassem kalkreichen Boden an Quellen und Bachrändern. Innerhalb der Polster sitzen auch winzige Pflänzchen, die an Ceratodon erinnern.

Die Pflanzen sind oben olivgrün, unten bräunlich. Die Blätter sind lanzettlich. Die Zellen rechteckig. Die kräftige Rippe endet in der Blattspitze.

Die fast kugeligen, kleinen und dunkelbraunen Kapseln sitzen waagerecht oder nickend auf einem ca. 1cm langen, dünnen Stiel.

Spiridentaceae

Die Vertreter dieser Familie kommen in einem Gebiet von Melanesien über Ostaustralien bis hin nach Neuseeland vor. Es handelt sich meist um kräftige Epiphyten mit einem kriechenden Hauptstämmchen. Große Spiridens-Exemplare können eine Länge von bis zu 30cm erreichen und ähneln dann Bärlappen.

Die Spiridentaceen werden in eine eigene Unterordnung Spiridentineae gestellt.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 4/2002.