Makroskopische und mikroskopische Merkmale von Moosen
Bei der Beschreibung von Moosen gibt es viele Ausdrücke wie "gekräuselt
beblättert" oder "bäumchenförmig verzweigt", unter denen man sich zwar
intuitiv etwas vorstellen kann, von denen man im Einzelfall aber doch wissen
will, was sie exakt bedeuten. Hier gibt es zu einigen dieser Begriffe eine
kurze Erklärung.
- einfach
- Dies ist die einfachste Verzweigungsform, die bei den meisten akrokarpen
Laubmoosen realisiert ist: Die Stämmchen sind mehr oder weniger gar nicht
verzweigt. Oft stehen sie in dichten Polstern parallel zu einander.
- gabelig
- Gabelig verzweigt bedeutet, daß man an den Verzweigungsstellen nicht
unterscheiden kann, welcher der beiden Zweige vom anderen abzweigt. Es gibt
also keinen "Hauptstamm" und keine "Seitenäste". Diese Verzweigungsform kommt
bei einigen akrokarpen Laubmoosen vor.
- unregelmäßig verzweigt
- In diesem Fall sind die Moose mehrfach und leicht ersichtlich
verzweigt. Die Verzweigungen folgen jedoch keinem erkennbaren oder
regelmäßigen Muster. Dieser Verzweigungstyp ist bei den meisten pleurokarpen
Laubmoosen verwirklicht.
- regelmäßig einfach gefiedert
- Hier gibt es einen "Hauptstamm", von dem in relativ regelmäßigen
Abständen Seitenzweige abgehen. Diese wiederum sind unverzweigt. In fast
allen Fällen liegen die Seitenzweige alle in einer Ebene. Dadurch, daß die
jüngeren Seitenzweige noch kürzer sind als die älteren, entstehen meist
typisch aussehende dreieckige oder zungenförmige Mooswedel. Ein typisches
Beispiel ist die Art
Scleropodium purum.
- regelmäßig zwei- bis dreifach gefiedert
- Diese Verzweigungsform ist so ähnlich wie die vorige, nur daß die
Seitenzweige abermals mehr oder weniger regelmäßig verzweigt sind, und
u.U. diese nochmals. Bei solchen Moosen kann man meist nicht mehr so genau
feststellen, wie oft sie verzweigt sind. Typische Beispiele sind die
Gattungen Thuidium und Hylocomium.
- bäumchenförmig
- Ein Baum besteht aus einem meist unverzweigten Stamm, der sich ab einer
gewissen Höhe dann in viele Äste verzweigt. Dies ist auch das
Charakteristikum von "bäumchenförmig verzweigten" Moosen. Es gibt Moose, die
als ganzes bäumchenförmig verzweigt sind, aber es gibt auch welche, die einen
kriechenden Hauptstamm haben, und bei denen die Äste erster Ordnung aufrecht
stehen und bäumchenförmig verzweigt sind. Ein typisches Beispiel ist die Art
Climacium dendroides
, die sogar ihren Namen von ihrem typisch bäumchenförmigen
Aussehen bekommen hat. Gut zu sehen ist diese Verzweigungsform auch auf dem
Bild von Thamnobryum
alopecurum.
- aufrecht abstehend
- Dies ist die häufigste Stellung: Die Blätter stehen gerade und schräg
nach vorne bzw. oben vom Stämmchen oder Ästchen ab.
- dachziegelig anliegend
- Bei vielen Moosen stehen insbesondere im trockenen Zustand die
Blätter nicht schräg vom Stämmchen ab, sondern fast parallel zu diesem. Dies
hat zur Folge, daß sie sich gegenseitig überdecken, ähnlich wie die
Dachziegel auf einem Dach. Das Moos sieht hierdurch oft ziemlich rund
aus. Beispielsweise ist die Art Homalothecium sericeum in
trockenem Zustand dachziegelartig beblättert. Gut zu sehen ist diese Art der
Beblätterung auf dem Bild von Leucodon sciuroides.
- sparrig
- Dies ist gewissermaßen das Gegenteil von "dachziegelig anliegend": Die
Blättchen stehen mehr oder weniger senkrecht vom Stämmchen ab. Bei einigen
Arten steht der untere Teil des Blattes noch schräg zum Stämmchen, der obere
ist dann weggebogen. Eine derartige Beblätterung nennt man dann "sparrig
zurückgekrümmt". Ein typisches Beispiel sind die verschiedenen Arten der
Gattung Rhytidiadelphus. Die Pflanzen
bekommen durch eine sparrige Beblätterung ein recht typisches strubbeliges
Aussehen.
- verflacht
- Unabhängig davon, ob die Blätter wirklich in zwei Reihen am Stämmchen
sitzen, oder ob die Stämmchen spiralig beblättert sind, sind die Blätter bei
einigen Arten so gedreht, daß die Blattflächen in einer einzigen, fast immer
der waagerechten, Ebene liegen. Eine solche Art der Beblätterung nennt man
dann "verflacht beblättert". Typische Beispiele sind die Gattung
Fissidens, bei
der die Blätter zweizeilig stehen, und die Gattung Neckera, bei der sie spiralig stehen.
- kätzchenförmig, geschwollen, wurmförmig
- In diesem Fall sind die Blätter derart in Richtung des Stämmchenendes
gebogen und schließen mit den Blatträndern dicht aufeinander ab, daß
zwischen den einzelnen Blättchen und dem Stämmchen ein Hohlraum entsteht. In
diesem können aufgrund von Kapillarkräften größere Mengen an Wasser
gespeichert oder sogar weitergeleitet werden. Die Moose sehen dadurch wie
kleine, hohle Würmchen aus. (Naja, das ist zugegebenermaßen etwas schwierig
zu beschreiben.) Es gibt einige Arten auf dieser Seite, die diese Art der
Beblätterung besitzen (Sphagnum oder Scleropodium), aber auf den Bildern
dort ist dies leider nicht zu erkennen.
- gerkräuselt
- Die Blätter vieler Moosarten haben die Eigenschaft, daß sie sich, wenn
sie trocknen, verbiegen. Bei einigen ist dies so extrem, daß die Blätter in
engen Bögen geschlängelt oder eingedreht sind - eben "gekräuselt". Ein
typisches Beispiel ist die Art Tortella tortuosa, die allerdings auf
dieser Seite nicht in trockenem Zustand zu sehen ist.
- einseitswendig
- Wenn der Blattschwerpunkt der Beblätterung insgesamt nicht innerhalb des
Stämmchen liegt, sondern daneben, nennt man die Beblätterung
einseitswendig. Im Bild rechts beispielsweise stehen die Blätter, die nach
oben abgehen, weniger steil vom Stämmchen ab, als diejenigen, die nach unten
abstehen. Die Beblätterung rechts ist also schwach nach unten einseitswendig.
- sichelförmig einseitswendig
- "Sichelförmig" ist eigentlich keine Eigenschaft der Beblätterung, sondern
der Blattform: Die Blätter sind eben nicht gerade, sondern sichelförmig
gebogen. Diese Blattform tritt jedoch häufig gleichzeitig mit einer
einseitswendigen Beblätterung auf, weshalb man sehr häufig das Wortpaar
"sichelförmig einseitswendig" benutzt. Viele
Dicranaceen sind beispielsweise sichelförmig einseitswendig
beblättert.
- rechteckig/quadratisch
- Diese Zellform ist bei vielen akrokarpen Moosen verwirklicht,
insbesondere am Blattgrund. Kennzeichnend ist, daß die Zellen mit einem
stumpfen Ende aufeinander treffen, und nicht wie beim rhombischen
Blattzellnetz spitz ineinandergreifen.
- rundlich
- Zu dieser Zellform ist nicht viel zu sagen: Die Zellen haben eine leicht
unregelmäßig rundliche Form. Sie sind in keiner Richtung deutlich
ausgedehnter als in einer anderen Richtung. Diese Zellform kommt bei vielen
akrokarpen Laubmoosen und bei den meisten beblätterten Lebermoosen vor.
- rhombisch/sechseckig
- Zellen dieses Typs können mal kürzer, mal länger sein, als in der
Zeichnung rechts. Kennzeichnend ist eher, daß die Zellen mit ihren Ecken
ineinandergreifen und nicht stumpf aufeinandertreffen, wie es beim
rechteckigen Zellnetz der Fall ist. Ein solches Zellnetz haben beispielsweise
die Bryales und die Hookeriales, zu sehen bei den Beschreibungen der Arten
Bryum
capillare und Plagiomnium undulatum. Bei
letzterer Gattung sind die Zellen kaum länger als breit, so daß ein mehr oder
weniger regelmäßig sechseckiges Zellnetz entsteht.
- prosenchymatisch
- Prosenchymatische Zellen sind sehr langgestreckte Zellen, die um ein
Vielfaches länger als breit sind und mit spitzen Enden ineinander
greifen. Sie sind sehr wahrscheinlich aus einem rhombischen Blattzellnetz
durch immer stärkere Verlängerung entstanden. Diese Zellform kommt bei den
typischen pleurokarpen Laubmoosen vor.
- papillös
- Als Papillen bezeichnet man kleine, knubbelige oder warzige Auswüchse der
Zellwand. Zellen, deren Wände mit Papillen besetzt sind, heißen
"papillös". Im Gegensatz zu den Mamillen (s.u.) sind hier die Zellen selber
nicht nach außen vorgewölbt, lediglich die Zellwände sind verdickt. Stark
papillös sind beispielsweise die oberen Blattzellen der meisten
Pottiaceen, von denen viele
sogar strukturierte, C-förmige Papillen besitzen. In der Datei über die
Gattung Tortella
gibt es ein Bild, welches zeigt, wie ein papillöses Blattzellnetz
unter dem Durchlicht-Mikroskop aussieht.
- mamillös
- Mamillös sind Zellen, deren Zellwände nach außen vorgewölbt sind. Die
Vorwölbungen selber bezeichnet man als "Mamillen". Im Gegensatz zu bei den
Papillen sind hier nicht nur die Zellwände, sondern auch die Zellen selber
vorgewölbt.