Eine kurze Geschichte der Bryologie

Die Anfänge

In der Antike wurden Moose überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. In den Werken von Theophrast (372-287 v.Chr.), einem Schüler von Aristoteles, der eine "Naturgeschichte der Gewächse" in 9 Bänden verfaßte, und von Dioskorides, der im 1.Jh. n.Chr. ein Werk über Heilpflanzen verfaßte, werden sie nicht erwähnt.

Wohl der erste, der sich mit ihnen beschäftigt hat, war Johann Jakob Dillen (=Dillenius). Dieser lebte von 1687 bis 1747. Er verließ nach dem Studium wegen wissenschaftlichen Differenzen mit den damaligen Botanikern Deutschland und wurde an der Universität von Oxford Professor. 1717 veröffentlichte er die Arbeit "Fortpflanzung der Farrenkräuter (Farne) und Moose". In diesem wird der Staub in den Mooskapseln allerdings noch als Pollen interpretiert. Eine Richtigstellung erfolgte erst später durch Tournefort.

Wie die Vermehrung bei Moosen und Farnen funktionierte, war lange Zeit völlig unbekannt, während man über die Samenpflanzen schon recht gut Bescheid wußte. Man faßte Farnartige, Moose, Pilze und Algen deshalb auch unter dem Begriff Kryptogamen (verborgen geschlechtliche) zusammen, während man im Gegensatz dazu die Samenpflanzen als Phanerogamen (offen sichtbar geschlechtliche) bezeichnete. Der Begriff Kryptogamen ist auch heute noch gebräuchlich.

Johann Hedwig

Als Beginn der Bryologie können die Arbeiten von Johann Hedwig Ende des 18.Jh. gelten, in denen die Fortpflanzung der Moose aufgeklärt wurde und viele Moosarten erstmals beschrieben wurden.

Johann Hedwig wurde 1730 in Kronstadt (in Siebenbürgen) geboren. Er studierte Medizin in Leipzig, wo er 1759 promovierte. Aufgrund finanzieller Probleme konnte er keine Universitätslaufbahn einschlagen, sondern ließ sich in Chemnitz als Arzt nieder. 1781 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er eine Stelle als Arzt in einem Militärhospital annahm. In dieser Zeit erlangte er durch seine botanischen Studien eine gewisse Berühmtheit. Dies führte dazu, daß er 1786 zum Professor der Botanik an der Universität Leipzig ernannt wurde. Ab 1789 war er Ordinarius und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig.

1792 veröffentlichte er "Fundamentum historiae naturalis muscorum", in der der Fortpflanzungszyklus der Moose aufgeklärt wurde. Zwei Jahre später folgen Untersuchungen über andere Kryptogamen. Für diese Arbeiten machte er konsequenten Gebrauch vom Mikroskop.

Seine Arbeiten über die Systematik der Moose wurden posthum von Friedrich Schwaegrichen unter dem Titel "Species muscorum" herausgegeben. Dieses Werk ist der nomenklaturische Ausgangspunkt für gültige Gattungsnamen bei Laub- und Lebermoosen. (ähnlich Linnés "Species plantarum" für höhere Pflanzen). Aus diesem Grund findet man in den Artbeschreibungen auf dieser Seite auch so häufig das Kürzel "Hedw." hinter dem Artnamen.

Johann Hedwig beschäftigte sich allerdings nicht nur mit den Kryptogamen. Beispielsweise entdeckte er die Spaltöffnungen auf den Blättern höherer Pflanzen und konnte beobachten, daß sie sich öffnen und schließen konnten.

Nach Johann Hedwig wurden zwei Moosgattungen (Hedwigia und Hedwigidium benannt. Außerdem gibt es die Kryptogamen-Zeitschrift "Hedwigia".

Die Ordnung des Pflanzensystems

Nach Hedwigs Arbeiten kannte man zwar den Fortpflanzungszyklus von Moosen, Farnen und anderen Kryptogamen, man hatte jedoch noch nicht die Relevanz seiner Ausbildung für die Systematik des gesamten Pflanzenreichs erkannt. Erst W. Hofmeister, der von 1824 bis 1877 lebte, ab 1863 Professor der Botanik an der Universität Heidelberg war, und ab 1872 in Tübingen, erkannte diesen wichtigen Punkt.

Als im Jahre 1859 Darwins "Origin of Species" erstmals erschien, standen die Vorstellungen, die man von den Verwandtschaftverhältnissen im Pflanzenreich hatte, dank der Arbeiten Hofmeisters bereits auf derart sicheren Fundamenten, daß die Entwicklungsgeschichte der Pflanzen zu einer wichtigen Stütze für Darwins Theorie werden konnte.

Links

Die Informationen in dieser Datei stammen im wesentlichen aus zwei Quellen (aber nicht ausschließlich):

by Michael Becker, 4/2001. Letzte Änderung: 5/2001.