Tortula

Familie: Pottiaceae; Ordnung: Pottiales

Wie schon bei der Beschreibung der Familie angemerkt, ist die Abgrenzung der Gattung von den anderen Gattungen der Familie nicht ganz einfach. Die Blätter der Vertreter dieser Gattung sind meist zungenförmig, d.h. in der Mitte oder in der vorderen Blatthälfte am breitesten, und mit einem breit abgerundeten Blattende. Bei vielen Arten tritt die Blattrippe an diesem stumpfen Ende als langes, gezähntes oder nicht gezähntes Glashaar aus.

In der unteren Blatthälfte sind die Blattzellen glasklar, chlorophylllos und schmal rechteckig. In der oberen Blatthälfte dagegen kleiner, rundlich und dadurch, daß sie dicht mit Papillen besetzt sind, eher trüb.

Die zylindrischen Kapseln sitzen stets aufrecht auf einem langem Stiel und haben einen lang geschnäbelten Kapseldeckel. Auf dem Kapselmund sitzen 32 schraubig gedrehte Peristomzähne.

Insgesamt umfaßt die Gattung rund 300 Arten, von denen ca. 20 in Europa vorkommen.

Tortula muralis Hedw.

Tortula muralis

Tortula muralis auf einer Mauer einer Brücke im Park um Schloß Augustusburg (in Brühl). Die Höhe der Kapseln samt Kapselstiele ist ca. 2cm. Das Mooskissen selber ist ca. 5mm hoch.

Tortula muralis bildet auf Mauern niedrige (ca. 5mm hohe) Rasen. In feuchtem Zustand kann man es an seinen breiten, gelb-grünen (oder blau-grünen) Blättern ganz gut erkennen. Sie enden mehr oder weniger stumpf, und ein langes, weißes Glashaar überragt sie. In trockenem Zustand ist das Moos schwärzlich bzw. durch die Glashaare grau schimmernd. Jedenfalls nicht mehr so gut zu erkennen.

Die Seta und die Kapsel sind rötlich. Die Peristomzähne sind zwei bis dreimal linksherum verdrillt.

Tortula muralis ist eines der häufigsten Moose auf Mauern, Dächern und an Felsen. Es ist nicht ganz so sonnenliebend wie Grimmia pulvinata, verträgt aber extreme Trockenheit. (Angeblich überlebt die Art Temperaturen von bis zu 70°C und wächst selbst nach 14 Jahren in trockenem Zustand nach dem Befeuchten einfach weiter.)

Tortula ruralis (Hedw.) Gärtn., Meyer&Scherb.

Tortula ruralis

Aufsicht auf ein Tortula ruralis-Polster in der Nähe von Linz (Oberösterreich). (Bild von Felix Kossak)

Auch bei dieser Art handelt es sich noch um ein relativ häufiges Moos, welches auf Erde, an Felsen, an Mauern oder auf Beton sowohl in naturnahen Gebieten wie auch in Ortschaften, beispielsweise an Wegrändern auf dem Boden, wachsen kann.

Die recht kräftigen, bis 8cm hohen, meist ca. 2-3cm hohen Pflanzen bilden Polster, die häufig recht farbenfroh sind (hellgrün, gelbgrün, rötlich, bräunlich bis schwarzgrün). Die langen Glashaare an den Blättern sind auch mit bloßem Augen deutlich zu erkennen. Unter dem Mikroskop sieht man, daß die Glashaare stark dornig und unregelmäßig gezähnt sind.

In feuchtem Zustand stehen die Blätter leicht schopfig gehäuft an den Enden der Stengel. Sie sind etwas sparrig nach unten gebogen. In trockenem Zustand sind sie schwärzlich und um den Stengel verdreht. Der Blattrand ist von unten bis zur Spitze schmal zurückgerollt.

Es handelt sich um eine zweihäusige Art, die nur selten mit Sporogonen angetroffen wird.

Die Art kommt praktisch weltweit in den gemäßigten und subtropischen Breiten vor.

Tortula latifolia (Bruch) Hartm.

Die spatelförmigen Blätter dieser Art sind breit abgerundet, und die Blattrippe endet vor oder in der Blattspitze. Sie tritt nicht als Glashaar oder Stachelspitze aus. Der Blattrand ist im unteren Teil der Blattes schmal zurückgerollt, was im Bild unten als schmaler dunkler Rand erkennbar ist. Auf dem oberen Blattteil sitzen meist kleine rundliche Brutkörper. (Sie sind leider zu klein, als daß man sie auf dem stark jpeg-komprimierten Bild unten erkennen könnte.) Die Zellen sind meist sehr regelmäßig in Reihen angeordnet.

Die Pflanze wird bis 3cm hoch, meist 1-2cm. Sie ist meist sattgrün bis dunkelgrün. (Die Pflanze auf dem Bild ist mit hellbraunem Schlamm verschmutzt, weshalb man die eigentlich frisch grüne Farbe nicht sehen kann.) Die Blätter sind an der Spitze des Stämmchens deutlich größer und stehen etwas gedrängt, so daß die Pflanze oben rosettig beblättert ist.

Die Seta der Pflanzen dieser Art ist rötlich gelb. Die Peristomzähne sind 1-2mal linksherum gewunden. Die zylindrische Kapsel ist aufrecht bis waagerecht.

Verbreitet ist diese Art in Europa und Nordamerika, und zwar wächst sie auf Rinde, Beton oder Sandstein in der Nähe von Gewässern. Sie kommt in ganz Europa in den tieferen Lagen vor. Häufig ist sie lediglich in den Tälern der großen Ströme.

Tortula latifolia (Habitus) Tortula latifolia (Blatt)

Tortula latifolia auf einem Betonsockel in der Nähe der Mündung der Sieg in den Rhein - leider vom letzten Hochwasser noch ziemlich verschmutzt.

by Michael Becker, 9/2000. Letzte Änderung: 4/2001.