Polytrichum

Familie: Polytrichaceae; Ordnung: Polytrichales

Bei den Arten der Gattung Polytrichum handelt es sich um relativ große und auffällige Moose. Darunter befindet sich auch das größte Moos in Mitteleuropa, Polytrichum commune, und eines der häufigsten Moose der Wälder, Polytrichum formosum. Diese Moose gehören zu den ganz wenigen Moosen, die sogar echte (nicht künstliche) deutsche Namen haben: Frauenhaarmoos oder Goldenes Frauenhaar, weil auf ihren scharf 4-6-kantigen Kapseln eine goldgelbe bis ockerfarbene Kalyptra sitzt. Bürstenmoose, weil früher manchmal Bürsten mit den steifen Pflänzchen dieser Arten besetzt wurden. Und Widertonmoos, weil man es gegen böse Geister verwendete.

Die Blätter dieser Moose sind lanzettlich. Ihr Grund ist meist etwas breiter, abgesetzt, heller, und er umfaßt den Stengel wie eine Scheide. Die Blattoberseite des vorderen Teils des Blattes trägt dunkelgrüne Längs-Lamellen, die der Photosynthese dienen. Bei einigen Arten ist er scharf gesägt. Im Gegensatz zu bei den meisten Moosarten bestehen die Blätter dieser Arten also nicht aus nur einer einzigen Zellschicht.

Die Gattung ist auf der ganzen Welt auf sauren Böden verbreitet. Sie besteht aus rund 100 Arten. In Europa kommen davon 12 vor.

Polytrichum formosum Hedw.

Polytrichum formosum

Das Bild rechts zeigt die Perichaetien (Moosblüten) dieser Art. Links oben im Bild liegt als Größenvergleich der Deckel des Objektivs.

Polytrichum formosum ist ein sehr häufiges Moos der Wälder. Es bildet dort auf dem Boden lockere Polster. Die Stämmchen sind meist 5-10cm hoch, können aber bis vielleicht 15cm hoch werden. Es kommt praktisch überall in Wäldern vor.

Von der oben erwähnten Art Polytrichum commune ist diese Art manchmal nur schwer zu unterscheiden. Eine sichere Bestimmung ist nur mit Hilfe mikroskopischer Merkmale möglich. Siehe dazu die Bemerkungen bei Polytrichum commune!

Polytrichum formosum ist auf der gesamten Nordhemisphäre verbreitet. Ob es an anderen Orten genauso häufig ist wie in Mitteleuropa, weiß ich nicht.

Polytrichum commune Hedw.

Diese Art ist mit Höhen von 10-30cm die größte einheimische Moosart. Schon allein durch die Größe ist sie meist sofort von den anderen Arten zu unterscheiden. Ansonsten sind kleinere Exemplare nur mikroskopisch von Polytrichum formosum zu unterscheiden: Die Lamellen auf der Blattoberseite sind bei Polytrichum commune deutlich ausgerandet. Die von Polytrichum formosum sind abgerundet oder höchstens glatt.

Diese Art kommt auch in Wäldern vor, allerdings an nassen Standorten wie Brüchen oder Mooren. Oft bildet sie mit Sphagnum-Arten gemischte Polster. (Dagegen ist Polytrichum formosum keine Pflanze ausgesprochen nasser Standorte.) Allein auf Grund dieser Standortbedingungen ist diese Art nicht so häufig wie Polytrichum formosum. Sie ist aber in ganz Europa alles andere als selten.

Polytrichum commune

Einige Polytrichum commune Pflänzchen aus einem Bruch im Waldgebiet um Bad Münstereifel. Als Größenvergleich liegt auf dem Rucksack der ca. 10cm lange Griff eines Taschenmessers.

Polytrichum piliferum Schreb. ex Hedw.

Polytrichum piliferum und Hedwigia ciliata

Polytrichum piliferum auf einem übererdeten Basaltblock südlich des Drachenfels (in der Nähe von Bonn). Bei dem weißlichen Moos handelt es sich um Hedwigia ciliata.

An hellen und trockenen Stellen, auf Sand, Erde oder auf übererdetem Silikat-Gestein kommt diese Polytrichum-Art nicht selten vor. Verbreitet ist es z.B. massenhaft in Heiden. Es bildet ausgesprochen lockere, häufig leicht bläulich-grüne, niedere Polster.

Die Art ist makroskopisch gut an den weißen oder silbrigen Glashaaren an den Blattspitzen zu erkennen. Auf dem Bild sieht man diese leider kaum. (Es handelt sich nicht um das weißliche Moos, sondern um das grüne mit den steif abstehenden Blättern.)

Die Blätter sind ca. 4-6mm lang und sind ganzrandig.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 8/2001.