Orthotrichum affine

Orthotrichum affine in trockenem Zustand auf der Rinde einer Esche in der Nähe von Ahrbrück (an der Ahr).

Orthotrichum

Familie: Orthotrichaceae Ordnung: Orthotrichales

Bei der Gattung Orthotrichum handelt es sich um einen ziemlich schwierigen und noch recht wenig geklärten Formenkreis. Man unterteilt die Arten der Gattung zunächst einmal in zwei Gruppen, je nachdem, ob die Spaltöffnungen auf dem unteren Teil der Kapsel eingesenkt sind (kryptopor), oder auf gleicher Fläche mit der Kapseloberfläche liegen (phaneropor). Weitere Merkmale sind die Behaarung der Kalyptren, die Ausbildung des Peristoms, Beschaffenheit der Kapsel, und Form der Blätter, welche von lanzettlich bis lanzettlich-zungenförmig schwankt.

Innerhalb der Familie zeichnet sich die Gattung durch folgende Merkmale aus: Die Blätter sind in trockenem Zustand nicht gekräuselt, sondern steif aufrecht, wie es auch im Bild zu sehen ist. Die Kapseln sind zumindest mit ihrer unteren Hälfte in die Blätter eingesenkt.

Die Gattung ist mit ungefähr 200 Arten vor allem in den gemäßigten und den nördlichen Breiten verbreitet. In Europa gibt es gut 30 Arten. In den Tropen fehlt die Gattung fast völlig.

Orthotrichum affine Brid.

Orthotrichum affine ist ein typisches Rindenmoos. In Deutschland ist es die häufigste epiphytische Art der Gattung. Eher selten wächst sie auch auf kalkfreiem Gestein. Sie bildet kleine und lockere Polster.

Die zylindrischen Kapseln dieser Art sind halb in die Blätter eingesenkt oder kurz über sie gehoben. Wenn sie reif sind, haben sie 8 Furchen. Die Spaltöffnungen sind phaneropor. Die Kalyptra ist kahl oder kurzhaarig. Die Blätter sind lang lanzettlich und spitz. Die Blattränder sind fast auf der ganzen Länge eingerollt.

Orthotrichum affine in feuchtem Zustand

Orthotrichum affine in feuchtem Zustand.

Orthotrichum anomalum Hedw.

Orthotrichum anomalum ist die in Deutschland vermutlich häufigste Art der Gattung. Sie wächst meist auf Gestein, und zwar sowohl auf kalkfreiem wie auf kalkhaltigem. Nur selten kommt sie auch auf Rinde vor. Das Moos bildet 1-2cm hohe, olivgrüne bis dunkelgrüne oder schwärzliche Polster.

Die Kapseln sind bei dieser Art auf ca. 5mm langen Seten etwas bis deutlich über die Blätter emporgehoben. In trockenem Zustand haben sie 8-16 Furchen. Die Kalyptra ist kurz behaart. Die Spaltöffnungen sind kryptopor. Von der Form her sind die Kapseln zylindrisch bis oval. Die Blätter sind genau wie bei O.affine lang lanzettlich und spitz und mit fast auf der ganzen Länge eingerollten Blatträndern.

Das Moos kommt überall vom Flachland bis in die Bergregionen vor. Selbst auf Mauerkronen in Städten kommt es vor.

Orthotrichum anomalum

Orthotrichum anomalum aus dem Mühlviertel in der Nähe von Linz. (Dieses Bild ist ein komprimierter Ausschnitt einer Fotografie von Felix Kossak.)

Orthotrichum diaphanum Brid.

Orthotrichum affine

Orthotrichum diaphanum auf der Rinde eines Baumes in Schwarzrheindorf bei Bonn.

Unter allen Orthotrichum-Arten ist dies so ziemlich die einzige, die man, spätestens unter dem Mikroskop, immer ohne Probleme erkennen kann. Und zwar laufen die Blätter bei dieser Art in einer glasklaren, hyalinen Blattspitze aus. Die Blattränder sind umgerollt und die Blattrippe endet vor der Blattspitze. Auf den Blättern sitzen manchmal Brutkörper.

Die Kapsel ist ganz in die Blätter eingesenkt. In trockenem, reifen Zustand hat sie acht leichte Furchen. Die Kalyptra ist mehr oder weniger kahl. Und die Spaltöffnungen auf der Kapsel sind kryptopor.

Es handelt sich um eher schmächtige Pflanzen mit einer Höhe von bis zu 1cm, wobei allerdings die Blätter durchaus ca. 3mm lang sein können. Es scheint so, als ob die Art früher hauptsächlich auf Rinde vorgekommen ist, heutzutage aber meistens auf Mauern oder Beton. Sie scheint nitrophile Standorte vorzuziehen und dringt inzwischen sogar in Innenstädte vor. Sie kommt auf der gesamten Nordhemisphäre und in den gemäßigten Breiten Südamerikas vor.

Blatt von Orthotrichum diaphanum

Blatt von Orthotrichum diaphanum. Undeutlich zu sehen ist die hyaline Blattspitze, deutlich dagegen die umgerollten Blattränder.

Orthotrichum lyellii Hook & Tayl.

Brutkörper von Orthotrichum lyellii

Brutkörper von Orthotrichum lyellii

Orthotrichum lyellii bildet lockere Rasen ähnlich Orthotrichum affine. Die Pflanzen sind aber etwas kräftiger (3-4cm). Die Art wächst bevorzugt auf Rinde, selten aber auch auf Felsen.

Die Blätter dieser Art sind sehr schmal. Von der Form her linealisch lanzettlich enden sie in einer langen, feinen Spitze. Der Blattrand ist nur am Grunde des Blattes umgeschlagen. Die Zellen der Blätter sind stachelig papillös, d.h. die einzelnen Papillen sind sehr dünn und ähneln kleinen Dornen. Auffällig unter dem Mikroskop sind insbesondere die meist reichlich vorhandenen Brutkörper, die vor allem dem vorderen Teil des Blattes entspringen.

Die im trockenen Zustand achtrippige Kapsel ist bei dieser Art in die Blätter eingesenkt. Die Spaltöffnungen sind phaneropor. Die Kalyptra ist leicht behaart. Aufgrund der Vermehrung durch Brutkörper trifft man allerdings nur selten Pflanzen mit Kapseln.

Die Art kommt auf der ganzen Nordhemisphäre außer in Ost- und Zentralasien vor. In Gebieten mit mäßiger Luftverschmutzung ist sie zusammen mit den schon erwähnten oft eine der letzten anzutreffenden Orthotrichum-Arten. Allerdings ist sie nicht so häufig wie diese. In Deutschland ist die Art gefährdet.

Blattspitze von Orthotrichum lyelli mit Brutkörpern

Eine mit Brutkörpern bewachsene Blattspitze von Orthotrichum lyellii.

by Michael Becker, 8/2000. Letzte Änderung: 2/2002.