Frullania

Familie: Frullaniaceae Ordnung: Jungermanniales

Die Gattung Frullania ist mir rund 800 Arten weltweit die zweitgrößte der Lebermoos-Gattungen. Von den 800 Arten kommen 12 in Europa vor, vor allem in den atlantisch-mediterran geprägten Gebieten. Eine kleine und recht selbstständige Gruppe von Arten dringt aber auch weit nach Norden und hoch in die Gebirge vor. Die Arten Frullania tamarisci und Frullania dilatata gehören zu dieser kleinen Gruppe.

Die Unterscheidung der Arten erfolgt anhand der Form und Ausbildung der Wassersäckchen, der Oberlappen der Flankenblätter, der leicht ausgerandeten bis tief zweiteiligen Unterblätter, und der Existenz und Ausbildung von Ozellen.

Einige Arten der Gattung enthalten das Sesquiterpenlakton Frullanolid, welches ein Hautallergen ist. Aus Portugal sind Fälle bekannt, wo Landarbeiter während der Olivenernte mit Frullania dilatata in Berührung gekommen waren und danach eine photosensitive Kontaktdermatitis bekamen.

Frullania dilatata (L.) Dum.

Perianth von Frullania dilatata Unterseite von Frullania dilatata

Frullania dilatata aus dem Eistobel (in der Nähe von Isny im Westallgäu).

Die Wassersäckchen, die von den Unterlappen der Flankenblätter gebildet werden, sind bei dieser Art ungefähr so lang wie breit und ungefähr doppelt so breit wie das Stämmchen. Sie sind kappenförmig weit geöffnet. Die Oberlappen sind breit elliptisch oder rundlich und vorne abgerundet. Die zweigeteilten Unterblätter (auf dem Bild nicht zu sehen) sind kaum breiter als das Stämmchen. Oft sitzt an ihrem Grund auf jeder Seite noch ein weiteres stumpfes Zähnchen.

Frullania dilatata ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Früher war es sehr häufig, heutzutage fehlt es bereits in weiten Teilen des deutschen Flachlands und zählt in Deutschland zu den gefährdeten Arten. Es wächst bevorzugt auf Rinde, aber auch auf kalkfreiem Felsen oder sogar auf Erde. Die unregelmäßig verzweigten Stämmchen bilden dort ganz schwarze oder dunkel-schwarzgrüne Rasen.

Diese Art bildet u.U. an ihrem Perianth Brutkörper. Auf dem rechten Bild sieht man ein Perianth, allerdings ohne Brutkörper.

Frullania tamarisci (L.) Dum.

Unterseite von Frullania tamarisci

Frullania tamarisci, gesammelt irgendwo in den Alpen.

Frullania tamarisci ist unter den einheimischen Arten durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Die Wassersäckchen sind deutlich länger als breit (ungefähr um einen Faktor 2) und stehen in etwa parallel zum Stämmchen. Die Oberlappen der Flankenblätter sind zugespitzt. (Dies ist im Bild nicht zu erkennen, da diese Spitzen nach innen eingeklappt sind.) Die Unterblätter sind ungefähr doppelt so breit wie das Stämmchen und oben zweilappig. (Der eine Lappen ist im Bild durch das Stämmchen verdeckt.)

Frullania tamarisci ist auf der ganzen Nordhemisphäre verbreitet. In Europa kommt es überall außer auf Spitzbergen vor. In Deutschland zählt es zu den gefährdeten Arten. Man findet man es vor allem in den Gebirgen. Es wächst vor allem auf kalkfreiem Felsen oder auf Rinde, wo es dunkel-rotbraune bis kupferfarbene Überzüge bildet.

by Michael Becker, 8/2000. Letzte Änderung: 2/2002.