als Dorn austretende Blattrippe bei Eurhynchium angustirete

Als Dorn austretende Blattrippe auf der Unterseite eines Blattes von Eurhynchium angustirete.

Eurhynchium

Familie: Brachytheciaceae Ordnung: Hypnales

Die Gattung Eurhynchium wird auch manchmal in die Gattungen Eurhynchium, Oxyrhynchium und Stokesiella aufgeteilt, wobei die Abgrenzungen aber umstritten sind. Deshalb werden die Arten in den meisten Büchern zu einer großen Gattung "Eurhynchium" zusammengefaßt.

Innerhalb der Familie zeichnen sich die Pflanzen der Gattung dadurch aus, daß die Blattrippe im oberen Teil des Blattes aufhört und auf der Blattunterseite noch kurz als Dorn austritt.

Astblatt von Eurhynchium praelongum Stämmchenblatt von Eurhynchium praelongum

Astblatt und Stämmchenblatt von Eurhynchium praelongum.

Die Blattform ist an den Hauptstämmchen und den Seitenästchen unterschiedlich: Die Ästchenblätter sind länger, schmaler, kleiner und von der Form her schmallanzettlich. Die Stämmchenblätter dagegen sind breit dreieckig bis herzförmig. Alle Blätter sind deutlich gesägt. Die Blattzellen sind, wie bei fast allen Arten der Familie langgestreckt (prosenchymatisch). Links auf den beiden Bildern sieht man ein typisches Stämmchen- und ein typisches Astblatt (dieses in etwas stärkerer Vergrößerung). Bei den meisten Arten ist der Unterschied allerdings lange nicht so markant ausgeprägt, wie bei diesen beiden Blättchen von Eurhynchium praelongum.

Die Pflanzen der Gattung sind meist locker unregelmäßig bis bäumchenförmig verzweigt.

Der Kapseldeckel trägt bei Vertretern dieser Gattung einen langen Schnabel.

Insgesamt enthält die Gattung ca. 90 Arten. 12 davon kommen in Europa vor, 9 in Deutschland.

Eurhynchium praelongum (Hedw.) B.S.G.

Eurhynchium praelongum

Eurhynchium praelongum auf Humus im Graben eines Waldweges in der Nähe von Bad Münstereifel.

Die Art Eurhynchium praelongum ist ein im Flachland und in den Mittelgebirgen häufiges Moos. Es wächst gerne an schattigen und feuchten bis nassen Orten. Beispielsweise auf dem Waldboden, in Gräben oder an Bächen. Es wächst sowohl auf Erde wie auf morschem Holz und nassem Felsen.

Von der Wuchsform ist diese Art meist ziemlich regelmäßig und dicht einfach gefiedert. Der sichtbare Teil der Wedel ist meist 3-4cm lang. Die Gesamtlänge der Stämmchen kann aber bis 10cm betragen.

Die unterschiedliche Ausbildung der Stämmchen- und Astblätter (oben in den beiden Bildern zu sehen) ist bei dieser Art noch viel deutlicher als bei den meisten anderen der Gattung. Die Stämmchenblätter sind am Grund breit herzförmig oder dreieckig, und dann mehr oder weniger plötzlich in eine lange feine und gesägte Spitze ausgezogen.

Eurhynchium striatum (Hedw.) Schimp.

Hierbei handelt es sich um eine recht kräftige Eurhynchium-Art, die meist um die 5cm hoch wird. Charakteristisch sind die aufsteigenden und mehr oder weniger bäumchenförmig verzweigten Stämmchen, was natürlich in der Aufsicht auf dem Bild unten nicht zu erkennen ist. Von der Farbe her sind die Pflanzen grün bis hellgrün. Ev. sind einige Ästchen flagellenförmig. Vom Habitus recht ähnlich ist die nächste Art Eurhynchium angustirete, welche sich aber durch die Blattform gut unterscheiden läßt.

Die manchmal etwas sparrig abstehenden Blätter haben einen breiten herzförmigen Grund und laufen in eine dreieckige Spitze aus. Sie sind am ganzen Rand gesägt. Die Ästchenblätter sind etwas kleiner als die Stämmchenblätter, ansonsten aber ähnlich. Insgesamt sind die Blätter bis zu zweimal so lang wie breit.

Eurhychium striatum bildet lockere Rasen auf schattigem Waldboden, in Gebüsch, auf morschem Holz oder in feuchten schattigen Wiesen. Es ist vor allem in den atlantischen und mediterraneen Gebieten Europas und in Teilen Nordafrikas verbreitet.

Eurhynchium striatum

Eurhynchium striatum.

Eurhynchium angustirete (Broth.) Kop.

Stämmchenblatt von Eurhynchium angustirete

Stämmchenblatt von Eurhynchium angustirete.

Diese Art ist sehr eng mit Eurhynchium striatum verwandt und sieht auch fast so aus. Ab und zu wird sie auch als Unterart dieser aufgefaßt. Unterscheidungsmerkmal sind die wesentlich breiteren Blätter von Eurhynchium angustirete: Die Stämmchenblätter sind meist nur etwas länger als breit. Der Winkel der vorderen Blattspitze beträgt 45° oder mehr. Leider hat das Blatt rechts nur ganz knapp auf das Bild gepaßt, so daß die Qualität der Aufnahme am Rand nicht so gut ist. Die Pflanzen sind oft etwas gedrungener und dichter beblättert als Eurhynchium striatum.

Eurhynchium angustirete wächst an ähnlichen Stellen wie Eurhynchium striatum und kommt an vielen Stellen mit ihm zusammen vor. Vor allem in Bayern und in den Alpen ist es deutlich häufiger als dieses und scheint es an vielen Stellen zu ersetzen.

by Michael Becker, 10/2000. Letzte Änderung: 8/2001.