Cratoneuron commutatum (Hedw.) Roth.

Familie: Cratoneuraceae Ordnung: Hypnales

Die Gattung Cratoneuron mit rund 11 Arten ist die Charakterart der kleinen Familie Cratoneuraceae, bei der man auch ihre Merkmale nachlesen kann. Von den 11 Arten kommen drei in Europa vor.

Von den anderen europäischen Arten unterscheidet sich Cratoneuron commutatum durch die langen, fast prosenchymatischen Zellen. Am Blattgrund, insbesondere in den Blattflügeln sitzen deutlich aufgeblasene und rechteckige Blattflügelzellen. Die Blätter haben einen sehr breiten Grund, sind dann aber lanzettlich zugespitzt. Sie sind eigentlich immer sehr stark sichelförmig einseitswendig. Die Blattränder sind schwach gesägt. Die relativ kräftige Blattrippe endet erst vor der Blattspitze. Die Astblätter sind ein wenig kleiner als die Stämmchenblätter, ansonsten aber gleich.

An den Ästchen sitzen viele Paraphyllien, die man unter dem Mikroskop sofort sieht.

Paraphyllien von Cratoneuron commutatum

Der Rand eines Stämmchens von Cratoneuron commutatum (ungefähr die Hälfte bis ein Drittel der Breite) mit einigen Paraphyllien. Das ovale unscharfe Ding, was den rechten Teil des Bildes ausfüllt, ist ein Blatt.

Makroskopisch kann Cratoneuron commutatum recht variabel sein. An helleren Standorten sind die Pflanzen bräunlich grün und mehr oder weniger regelmäßig einfach gefiedert. An schattigeren Standorten können sie aber auch genausogut saftig grün sein und unregelmäßig verzweigt.

Die Art wächst oft massenhaft in Quellen oder an Bächen auf Kalkfelsen, in Kalktuffen und ähnlichem. Außerhalb der Kalkgebirge kommt sie nur selten vor. Zwischen den Blättern der Pflanzen lagert sich oft so lange Kalk ab, bis die Pflanzen vollständig versteinert sind. Indem über auf diese Weise entstandenen Kalkablagerungen weitere Moospflanzen wachsen, können u.U. Kalkterassen entstehen. Auf diese Weise sind beispielsweise die Plitvicer Seen entstanden.

Cratoneuron commutatum ist mit diversen Unterarten auf der gesamten Nordhemisphäre verbreitet.

Cratoneuron commutatum versteinerte Überreste von Cratoneuron commutatum

Auf dem Bild unten links sieht man (wenn auch nur undeutlich) einen Rasen von Cratoneuron commutatum in einer Quelle in der Nähe von Bregenz (in Vorarlberg). Rechts daneben sieht man, was von den Pflanzen nach einer gründlichen "Verkalkung" übrigbleibt. Diese Aufnahme ist nur einige Dezimeter unter der ersten gemacht worden.

by Michael Becker, 5/2001. Letzte Änderung: 8/2001.