Bryum

Familie: Bryaceae Ordnung: Bryales

Noch so ein Alptraum für den Systematiker: Wenn man bei der Bestimmung eines Mooses bei dieser Gattung herauskommt, dann kann man sicher sein, daß es Schwierigkeiten gibt. Mit einer Ausnahme:

Bryum argenteum

Diese Art ist selbst ohne Mikroskop ganz ohne Probleme zu erkennen, und zwar an seiner silbrigen oder weißlichen Farbe, und daran, daß seine Blättchen derart zusammenneigen, daß die Moose das Aussehen von winzigen Würmchen bekommen. (Das nennt sich dann "kätzchenförmig beblättert".) Es ist ein relativ kleines Moos: Es ist einige Millimeter bis zu vielleicht maximal einem Zentimeter hoch. Mit bloßem Auge besehen hat diese Art kaum Ähnlichkeiten mit den anderen Arten der Gattung.

Die Blättchen sind ziemlich breit eiförmig, mit einer kurzen Spitze. Die Rippe endet irgendwo in der oberen Blatthälfte.

Das Moos kommt vor allem in Städten und kulturnahen Landschaften häufiger vor. Es wächst auf Gestein, Erde und allen anderen Unterlagen. Sogar in der Gummidichtung eines Fenster meines ersten Autos, einem Renault-4, gab es ein kleines Polster. Es gilt im Allgemeinen als deutlicher Stickstoffanzeiger. Es ist heutzutage kosmopolitisch verbreitet. Es bildet eher selten große, zusammenhängende Polster. Häufig wächst ein vereinzelt, in kleinen Gruppen, oder eingesprengt in andere Moose.

Bryum argenteum

Grüppchen von Bryum argenteum, die auf blankem Asphalt auf einer Fußgängerbrücke über den Mühlbach bei Schwarzrheindorf (bei Bonn-Beuel) wuchsen. Die Gesamthöhe der Pflänzchen betrug ca. 3-5mm.

Bryum capillare s.l.

Bryum capillare

Bryum capillare auf einem von Büschen beschatteten Mauerabschluß an der Schwarzrheindorfer Doppelkirche (bei Bonn) gemacht.

Dieser taxonomisch noch nicht besonders klare Artenkomplex ist bei einer Revision der Gattung ca. 1980 entstanden. In Europa besteht er aus ca. 7 Arten. Die häufigste davon ist Bryum capillare s.str., welche man auch auf den beiden Bildern sieht.

Die Arten dieses Aggregats zeichnen sich durch die breit eiförmige oder spatelförmige Blattform aus. Vorne sind die Blätter in eine kurze Spitze zusammengezogen. Die Blattrippe kann als Stachelspitze austreten, muß es aber nicht. In trockenem Zustand sind die Blätter schraubig eingerollt.

Bryum capillare s.str. ist auf der ganzen Welt verbreitet. Auch in Deutschland ist es ein recht häufiges Moos. Es wächst hier gerne an mehr oder weniger schattigen Stellen auf Mauern, auch in Innenstädten.

Ansonsten kann man auf den Bildern einige typische Merkmale erkennen, die diese Art mit ihrer weiteren Verwandtschaft teilt: Die großen eiförmigen Kapseln, und das lockere, verlängert sechseckige bis rautenförmige Blattzellnetz. Außerdem kann man den Blattsaum erkennen, der aus dickeren, sehr langen und schmalen Zellen besteht, die man auf dem Bild allerdings nicht mehr erkennen kann.

Blatt von Bryum capillare

Blatt von Bryum capillare. Gut zu erkennen ist die spatelförmige Spreite und die als Stachelspitze austretende Blattrippe.

Bryum schleicheri Schwaegr.

Blatt von Bryum schleicheri

Blatt von Bryum schleicheri. Die weit am Stämmchen herablaufenden Blattflügel sind rechts nur ganz im Dunkeln zu erahnen.

Als nicht so häufige Art führe ich hier noch Bryum schleicheri an. Diese zeichnet sich durch ihre breit eiförmigen und zugespitzten Blätter aus, die weit am Stämmchen herablaufen. Der Blattrand ist durch ca. 4 Reihen von schmalen Zellen gesäumt.

Bryum schleicheri bildet oft ausgedehnte lockere Rasen von 5-10cm hohen Pflanzen in der Nähe von Quellen und Bachrändern. Sie kommt vor allem in den Alpen vor, ab und zu in den Mittelgebirgen. In Deutschland zählt es zu den gefährdeten Arten.

by Michael Becker, 7/2000. Letzte Änderung: 2/2002.