Wir kennen schon einige Arten von vorwärts-invarianten Komponenten der Fatou-Menge: Komponenten, in denen anziehende periodische Punkte liegen, Siegel-Kreisscheiben... In diesem Abschnitt werden wir die vorwärts-invarianten Komponenten der Fatou-Menge vollständig klassifizieren. Hierzu müssen wir natürlich als erstes wissen, wie die Funktion f auf solchen Komponenten operiert. Damit beschäftigt sich der erste Unterabschnitt "Grenzfunktionen".
(F0) ist nie leer. Jede
Funktion f darin ist analytisch. Da F0 vorwärts invariant ist,
liegt f(F0) im Abschluß von F0.
Wir beginnen mit folgender simpler Beobachtung:
R(z0) = lim R(Rk(n)(z)) = lim Rk(n)(R(z)) = z0.
Zunächst habe eine Grenzfunktion einen Wert z0 in
F0. Dann gibt es eine Teilfolge Rk(n) und eine
Kreisscheibe N um z0 und ein m in {k(n)}, so daß Rm(N)
eine echte Teilmenge von N ist. Nach dem Schwarzschen Lemma gilt dann:
|(Rm)'(z0)|<1. Also ist z0 ein anziehender
Fixpunkt, und
(F0) kann keine weitere
konstante Funktion enthalten.
Nun sollen alle Werte auf
F0 liegen:
z0,...,zn. Wir wählen disjunkte Umgebungen
Vi um die zi. Außerdem sei K ein zusammenhängendes
Kompaktum in F0, welches zwei Punkte w und R(w) enthält. R(K) hat
dann gemeinsame Punkte mit K, R2(K) mit R(K) usw.. Deshalb ist die
Vereinigung aller Rn(K) zusammenhängend.
Gäbe es eine Teilfolge Rk(n), so daß jedes Rk(n)(K) Punkte außerhalb der Vi enthält, so könnte keine Teilfolge gegen eines der zi konvergieren. Also: Für genügend großes n liegt jedes Rn(K) ganz in der Vereinigung der Vi. Die Vereinigung solcher Rn(K) also auch. Diese war aber zusammenhängend. Folglich kann es nur ein einziges Vi geben. Es gibt also nur eine einzige Grenzfunktion.
Nun nehmen wir oBdA an, daß m(k):=k(n)-k(n-1)-->
. Wir finden eine konvergente Teilfolge von Rm(k),
die, sagen wir, gegen h(z) konvergiert. Nach einigem Nachdenken folgt:
h(g(z))=g(z). Da g nicht konstant ist, muß h die Identität sein.
Wenn die Identität eine Grenzfunktion ist, folgt wiederum nach einigem Nachdenken, daß R surjektiv und injektiv sein muß.
Mit der Hilfe dieser Lemmata können wir nun zur Klassifikation der vorwärts-invarianten Komponenten der Fatou-Menge schreiten.
In den Fällen (d) und (e) hat R unendliche Ordnung. Andernfalls wäre ein Rn konjugiert zur Identität, und dann müßte der Grad von R gleich 1 sein.
Der Beweis dieses Satzes verlangt außer den im letzten Abschnitt bewiesenen Hilfsätzen noch eine Menge Arbeit. Ich werde deshalb hier nur einige interessante Aspekte des Beweises skizzieren.
Zunächst betrachten wir den parabolischen Fall: Es gelte
Rn(F0)-->
F0 in dem
Sinne, daß für jedes Kompaktum K
F0 die Mengen
Rn(K) und K für fast alle n disjunkt sind. Jede Grenzfunktion
bildet dann F0 nach
F0 ab. Da
die Julia-Menge aber ein leeres Inneres hat, ist jede Grenzfunktion
konstant. Es gibt also nur ein einzige Grenzfunktion, und diese hat als Wert
einen Fixpunkt z0 von R. Außerdem kann man zeigen, daß
R'(z0)=1. Grob gesagt muß dies so sein, da ansonsten R die
Komponente F0 wegdrehen würde, und nicht auf sich selber abbilden
könnte. Der genaue Beweis verlangt aber noch einiges Nachdenken. Hier trifft
also der Fall (c) zu.
Nun enthalte
(F0) nicht-konstante
Funktionen. Da J(R) mindestens drei Punkte enthält, ist die universelle
Überlagerung von F0 die Halbebene IH, und es ist
F0=IH/G, wobei G eine Gruppe von Automorphismen von IH ist. Wir
wissen schon, daß R ein Automorphismus von F0 ist, und daß sich
die Rn bei der Identität häufen. Die Rn lassen sich
liften zu Automorphismen Sn von IH, die sich ebenfalls bei der
Identität häufen. Da G diskret ist, müssen Sn mit beliebig großen
n mit den Elementen von G kommutieren. Man weiß ziemlich gut, wie die
Elemente von G aussehen können (grob gesagt sind es Möbiustransformationen
der Form z-->z+t oder z-->kz). Wenn man das alles zusammennimmt, kommt
heraus, daß G zyklisch ist, und damit F0 einfach oder doppelt
zusammenhängend, und daß R als Drehung um einen irrational indifferenten
Fixpunkte operiert.
Bis auf bei den Herman-Ringen wissen wir schon um die Existenz solcher Komponenten. Man kann zeigen, daß auch Herman-Ringe existieren.
In diesem Abschnitt werde ich ganz ohne Beweis ein neueres Ergebnis vorstellen.
Schon Fatou fragte sich, ob wandernde Gebiete überhaupt existieren. In den Fatou-Mengen von ganzen Funktionen können sie auch tatsächlich existieren. Für ein schönes Beispiel s. [Baker]! Für rationale Funktionen dagegen wurde 1983 bewiesen:
Der Beweis ist bei weitem zu umfangreich, um ihn auch nur ansatzweise
skizzieren zu können. Er erfolgt z.B., indem man zuerst mittels eines
wandernden Gebietes einen Beltrami-Koeffizienten auf
erzeugt, dessen Beltrami-Gleichung löst, und mit Hilfe der so erzeugten
quasikonformen Abbildungen einen Widerspruch herbeiführt. Es gibt inzwischen
aber mehrere Beweise dieses Satzes.
Mit Hilfe dieses Satzes kennen wir die Dynamik auf allen Komponenten der Fatou-Menge. Denn jede Komponente landet schließlich in einem Zykel von Komponenten, die von R aufeinander abgebildet werden, d.h. vorwärts invariant unter einem Rn sind. Diese Zykel lassen sich deshalb entsprechend 6.2.5 klassifizieren.