Wir hatten in einer Übung schon anziehende und abstoßende Fixpunkte kennengelernt. Hier wird diese Einteilung nun verfeinert und auf periodische Punkte übertragen und vervollständigt.
Ein super-anziehender Fixpunkt ist also auch immer anziehend. Ist ein Fixpunkt rational oder irrational indifferent, so sagen wir auch kurz "indifferent".
Wegen der Kettenregel ist die Ableitung von Rn an einem periodischen Punkt mit Periode n genau das Produkt der Ableitungen von R an den Punkten seines Zykels. Insbesondere hat Rn an allen Punkten eines Zykels dieselbe Ableitung. Wir können also die Klassifikation für Fixpunkte auf periodische Punkte erweitern:
Da die Julia-Menge und die Fatou-Menge von R und von Rn übereinstimmen, gibt es überhaupt nicht sehr viele Unterschiede zwischen periodischen Punkten und Fixpunkten. Meistens gilt ein Satz auch für periodische Punkte, wenn er für Fixpunkte gilt, und umgekehrt. Lediglich einige Konstanten muß man manchmal anpassen.
Periodische Punkte existieren (fast immer). Ohne Beweis bringe ich hier ein Ergebnisse:
Ist R sogar ein Polynom, so ist n=2 und R ist konjugiert zu z2-z.
In den folgenden Abschnitten werden wir uns nun damit beschäftigen, wie die Julia- und die Fatou-Menge in der Nähe von periodischen Punkten der einen oder anderen Art aussieht.
Der Beweis, der hier nicht gebracht wird, erfolgt, indem man zeigt, daß Rq in einer Umgebung des Fixpunktes (der oBdA als 0 angenommen wird) konjugiert zu einer Abbildung z-->az mit |a|<1 ist.

Julia-Menge von
(z3+0,7(1+i))/(0,92z2+2), dargestellt auf
[-2,75;2,75]x[-2;2]. Die Funktion hat anziehende Fixpunkte in 0 und
.
Dies wurde schon als Übung bewiesen (2.2.10.).

Julia-Menge von
(z3+0,71(1+i))/(0,92z2+2), dargestellt auf
[-2,75;2,75]x[-2;2]. Die Funktion hat einen abstoßenden Fixpunkt bei 0 und
einen anziehenden bei
.
Jetzt kommen wir zu den interessanteren Fällen der indifferenten Zykel. Leider werden hier auch die Beweise so lang und so kompliziert, daß ich sie im Rahmen einer Web-Seite weniger und weniger bringen kann.
Via Induktion zeigt mal leicht, daß Sn=z+nczp+... Die p. Ableitung der Sn konvergiert also in 0 gegen Unendlich. Deshalb kann die Familie (Sn) dort nicht normal sein. Der Nullpunkt muß in der Julia-Menge von S, und damit von R liegen.
Für Zykel anstatt von Fixpunkten folgt die Behauptung nun sofort.
Wir können in diesem Fall noch viel mehr sagen, indem wir uns das lokale Verhalten von Funktionen in der Nähe von rational indifferenten Fixpunkten anschauen.
Diese Mengen nennen wir Petalen oder Blütenblätter. Sie sind (bei festem p und t) paarweise
disjunkt und jede umfaßt im Ursprung einen Winkel von 2Pi/p. Die
Symmetrielinie von
, d.h. die Gerade
heißt Achse von
.
Das Bild rechts zeigt die 5 Blütenblätter für p=5.
Der Hauptsatz dieses Abschnitts ist der folgende:
Dann gibt es ein k in IN und kmq verschiedene Komponenten F1,...,Fkmq der Fatou-Menge F(R), so daß bei jedem zi genau kq dieser Komponenten liegen, die dabei ein Blütenblatt mit dem Winkel 2Pi/(kq) enthalten.
R operiert als Permutation t auf {F1,...,Fkmq}, wobei t eine Komposition von k disjunkten Zykeln der Länge mq ist, und ein Blütenblatt bei zi immer auf eines bei zi+1 abbildet.
Der Grund liegt im lokalen Verhalten von Funktionen in der Nähe von rational indifferenten Fixpunkte:
Wegen (a) sind die fn auf den einzelnen Blütenblättern definiert.

Lokales Verhalten von z+zp+1 in einem Blütenblatt.
Der Beweis erfolgt durch Nachrechnen. Für die Konjugation zur Translation muß man lediglich mittels z-->1/z den Ursprung ins Unendliche bringen.
Als Verbindung zwischen den beiden Sätzen fungiert folgendes Lemma:

Julia-Menge von f(z)=z14-z, dargestellt auf [-1,2;1,2]x[-1,2;1,2].
Irrational indifferente Punkte können sowohl in der Julia- als auch in der Fatou-Menge liegen. Das Kriterium ist das folgende:
Nun sei z0 in F(R), und oBdA z0=0. Es gibt also eine Umgebung, auf der die Familie (Rn) gleichgradig stetig ist. Insbesondere existiert eine Umgebung N, so daß für alle n in IN: |Rn(z)|=|Rn(z)-Rn(z0)|<1 ist.
Es sei a=R'(0), d.h. |a|=1. Für n>0 definieren wir eine Funktion Tn durch
Tn ist also das arithmetische Mittel der ersten n Iterierten. Wegen (Rk)'(0)=ak gilt: Tn'(0)=1. Außerdem gilt auf N:
|Tn(z)|<=(1/n)*(|z|+|R(z)|+...+|Rn-1(z)|)<= 1.
Weiterhin erfüllen die Funktionen Tn die Rekursionsformel (n/a)Tn(R(z))+z= (n+1)Tn+1(z)+Rn(z)/an. Wegen |a|=1 und Rn(z)<1 auf N gilt mit Hilfe dieser Formeln: Tn(R(z))-aTn(z)--<0, und zwar gleichmäßig auf N.
|Tn(z)|<1 ist (Tn) normal auf N. Eine Teilfolge der Tn konvergiert also gegen eine holomorphe Funktion g mit g(R(z))=ag(z). Außerdem gilt g'(0)=1. Deshalb kann g nicht konstant sein. Dies bedeutet nichts anderes, als daß R linearisierbar ist, und zwar via der Funktion g.
Wir haben es in den betreffenden Kapiteln nicht gezeigt, aber ist z ein Fixpunkt einer Abbildung f mit |f'(z)|<>1, so ist f linearisierbar. Hieraus folgt auch nocheinmal unmittelbar, daß anziehende Fixpunkte in der Fatou-Menge liegen, und abstoßende in der Julia-Menge. Im letzten Abschnitt dann haben wir gesehen, daß rational indifferente Punkte immer in der Julia-Menge liegen, und es hat einige Mühe gemacht (der Beweis fehlte in diesem Skript), überhaupt einige Potenzen aus der Taylor-Entwicklung wegzukonjugieren. Wir sehen hier, daß Funktionen bei rational indifferenten Punkten nicht linearisierbar sind. Bei den irrational indifferenten Fixpunkten werden wir sehen, daß es tatsächlich sowohl welche in F als auch in J geben kann. Im Rest des Abschnitts bringe ich einige Sätze hierzu ohne Beweis, oder mit sehr kurzen Beweisskizzen.
Es gibt also Siegel-Kreisscheiben, und im Sinne der Maßtheorie ist es für einen indifferenten Fixpunkt sogar viel wahrscheinlicher, daß er in einer Siegel-Kreisscheibe, als in der Julia-Menge liegt.
Pn(z)-z = (aN-1)z+...+zN+1 = z(z-z1)·...·(z-zN).
Da die Fixpunkte geordnet sind, folgt aus der Voraussetzung und dem geometrischen Mittel: |z1|<= |z1·...·zN|1/N =|aN-1|1/N<=1/N.
Dies bedeutet nichts anderes, als daß es periodische Punkte (hier z1) beliebig nahe beim Ursprung gibt. Wenn nun der Ursprung aber in der Fatou-Menge liegen würde, dann wäre die Funktion nach Satz 5.5.17. linearisierbar, und es könnte keine solchen periodischen Punkte geben, außer wenn a eine Einheitswurzel wäre.
Auch dieser Satz sagt noch nichts über die Existenz von solchen Punkten. Denn gibt es überhaupt eine Zahl a, die eine Bedingung wie im Satz erfüllt? Die Antwort is "Ja". Mit Hilfe der Kettenbruchentwicklung kann man solche Zahlen konstruieren. Ohne dies weiter auszuführen kann man sagen, daß die Kettenbruchkoeffizienten "genügend" schnell wachsen müssen.
Auch in diesem Abschnitt gibt es nur ein einziges Ergebniss ohne Beweis. Dieser ist allerdings auch nicht besonders schwierig.