Sphärische Geometrie ist Geometrie auf der Kugeloberfläche, d.h. auf S2. Die Geodätischen sind genau die Großkreise. Die orientierungserhaltenden Isometrien genau die Drehungen in IR3.
Hyperbolische Geometrie ist Geometrie auf der hyperbolischen Ebene H2. Für diese gibt es mehrere Modelle. Wir werden hier das Kreisscheiben-Modell und das Hyperboloid-Modell benutzen.
Hier ist die hyperbolische Ebene die Einheitskreisscheibe D={z | |z|<1} mit der durch das Linienelement |dz|=2/(1-|z|2) gegebenen Riemannschen Metrik. Die Geodätischen sind genau diejenigen Kreisstücke, die den "idealen Rand" S1 orthogonal schneiden.
Die orientierungserhaltenden Isometrien sind genau die konformen Selbstabbildungen von D, und diese lassen sich immer schreiben als
oder auch als
Abb.1: Das Kreisscheibenmodell (links) und das Hyperboloid-Modell (rechts).
Im R3 betrachten wir die Bilinearform
h(X,Y) = x1y1+x2y2 -x3y3.
In diesem Modell ist die hyperbolische Ebene die Menge {X in R3 | h(X,X)=-1 und x3>0}. Dies ist das Hyperboloid im oberen Halbraum. Die Bilinearform ist, eingeschränkt auf dessen Tangentialraum, positiv definit. Durch sie ist die Riemannsche Metrik der hyperbolische Ebene gegeben.
Die Bilinearform h ist invariant unter den beiden Abbildungen
Diese beiden bilden die hyperbolische Ebene folglich auf sich selber ab und erhalten die Metrik, sind also Isometrien. Die Isometriegruppe wird von diesen beiden Abbildungen erzeugt.
Die Geodätischen sind genau die Schnitte des Hyperboloids mit (euklidischen) Ebenen durch den Nullpunkt.
Den Punkt (0,0,1) bezeichne ich im folgenden übrigens als "Nullpunkt der
hyperbolischen Ebene". In beiden Modell gibt es nämlich einen ausgezeichneten
Punkt. (Ausgezeichnet im Modell, nicht in der hyperbolischen Ebene.)
ist die
elliptische Isometrie, die die hyperbolische Ebene um den Winkel
um ihren
Nullpunkt dreht. Mr ist eine hyperbolische Isometrie, die die
hyperbolische Ebene um r entlang ihrer Achse verschiebt.
Da wir die oben definierten Abbildungen Mr und
bei der Herleitung von
trigonometrischen Formeln brauchen werden, definieren wir entsprechende
Isometrien der Einheitssphäre wir folgt:
In diesem Abschnitt werden wir die trigonometrischen Formeln für hyperbolische (und sphärische) Dreiecke herleiten, d.h. die Analoga für den euklidischen Sinussatz, den Cosinussatz und den Satz des Pythagoras.
Und zwar sei ein Dreieck wie abgebildet mit Seitenlängen a,b,c und Winkeln
,
,
gegeben. Wir nehmen an, daß die Ecke B auf dem Nullpunkt des
Hyperboloid-Modells liegt (mittlere Zeichnung). Durch die Abbildung
Mc wie in Abschnitt über das
Hyperboloid-Modell definiert) wird die Ecke A auf den
Nullpunkt geschoben, und das Dreieck sieht wie in der rechten Zeichnung
aus. Durch die Abbildung
wird das Dreieck nun gedreht, so daß es wieder wie in
der mittleren Zeichnung liegt.
Auf diese Weise machen wir weiter, bis wir "einmal rum" sind. Die Verkettung all dieser Abbildungen, die wir angewandt haben, ist die Identität:
Die Umkehrfunktion von Mx ist M-x und die von
ist
. Folglich ist
Rechnet man das einfach aus, bekommt man
Aus den Matrix-Einträgen, die nicht in der ersten Zeile oder der ersten Spalte stehen, bekommen wir folgende Identitäten:
Für geodätische Dreiecke in der hyperbolischen Ebene gilt:
cosh c = - sinh a sinh b cos
+ cosh a cosh b
cos
= sin
sin
cosh c - cos
cos
| sinh a | sinh b | sinh c | ||
| ---------- | = | ---------- | = | ---------- |
| sin |
sin |
sin |
Die entsprechenden Sätze für sphärische Dreiecke erhält man, wenn man den cosh durch den cos, und den sinh durch den sin ersetzt.
Ist
=pi/2,
so bekommt man aus (a) den hyperbolischen Satz des Pythagoras:
Für geodätische Dreiecke in der hyperbolischen Ebene mit einem rechten
Winkel
gilt:
cosh c = cosh a cosh b.
Im sphärischen Fall lautet es entsprechend
cos c = cos a cos b.
Entwickelt man übrigens diese Identitäten in eine Reihe, so erhält man für
kleine a,b,c den euklidischen Satz des Pythagoras. Für rechtwinklige Dreiecke
bekommt man auch noch eine Menge andere Identitäten, die im euklidischen Fall
keine Entsprechung haben. Hierzu setze man auch die anderen Winkel
und
auf pi/2.
Zeige, daß der Inkreisradius eines hyperbolischen Dreiecks mit
Innenwinkeln
,
,
gegeben ist durch
Dieselbe Methode, mit der wir im vorigen Abschnitt die trigonometrischen Formeln für geodätische Dreiecke hergeleitet haben, kann man natürlich auch bei n-Ecken anwenden. Normalerweise bekommt man dabei aber schon für Vierecke Formeln, die so lang sind, daß man mit ihnen nichts mehr anfangen kann.
Formeln ähnlicher Komplexität wie der Sinus- oder Cosinus-Satz bekommt man allerdings für Vierecke mit zwei rechten Winkeln, für Fünfecke mit vier rechten Winkeln und für Sechsecke mit sechs rechten Winkeln. Die Matrizen, die man nämlich durch die Drehungen um pi/2 bekommt, produzieren keine zusätzlichen Terme, sondern vertauschen nur die Koordinaten und änderen deren Vorzeichen.
Diese Formeln entnehme man dem nächsten Abschnitt.