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Mykines

"Papageientaucher habe ich hier ja schon viele gesehen. Aber auf Mykines gibt es solche Schwärme davon, daß, wenn sie sich in die Luft erheben, der Himmel dunkel und die Jacke weißgesprenkelt wird."
(Ein Student aus Berlin, den ich in Klaksvik traf.)

Diese kleine (10km2) Insel ist die westlichste der Färöer. Sie ist vor allem für die Unzahl an Vögeln bekannt, die auf ihren Klippen hausen. Woher der Name kommt ist nicht klar, vielleicht aus dem keltischen (muik=Schwein, ines=Insel). Man erreicht Mykines durch das kleine Postboot von Vagar (Sørvagur). Dieses fährt prinzipiell ein bis zweimal am Tag, fällt aber relativ häufig wegen schlechtem Wetter aus, denn die Überfahrt führt über das Meer an der Wetterseite der Inseln und ist auch bei gutem Wetter nichts für Leute, die seekrank werden. Die Überfahrt dauert 1h15min. Wenn das Schiff nicht fährt, kommt man mit dem Hubschrauber wieder zurück.

Wegen den vielen Vögeln war Mykines ein attraktiver Siedlungsplatz. 1925 wohnten noch 170 Menschen darauf. Heute hat Mykines noch ca. 20 Einwohner, die rund um das Jahr dort sind, und einige, die nur sommers dort wohnen.

Da es nicht so klar ist, ob man auf Mykines übernachten oder einkaufen kann (die Angaben, die ich gehört haben, schwanken), sollte man sich auf eine Nacht im Freien einstellen und seinen Proviant selber mitnehmen.

Die Tatsache, daß es ausgerechnet hier so viele Vögel gibt, wird in der Sage wie folgt erklärt:

Vor langer Zeit lebten auf der Insel Mykines und auf der Insel Vagar zwei Riesen. Aus irgendeinem Grund bekamen sie miteinander Streit. Und eines Tages nahm der Riese aus Vagar im Gebirge Anlauf und sprang mit einem gewaltigen Satz auf die Insel Mykines. Dort, wo er sich mit seinem Fuß abgedrückte, ist heute noch sein Fußabdruck im Fels zu sehen (im Gebirge etwas oberhalb von Gasadalur).

Auf der Insel Mykines kämpften die beiden Riesen so heftig miteinander, daß die Insel unter ihnen zerbrach: Die große Schäre Mykinesholmur, die heute durch einen schmalen Spalt, über den ein Holzsteg führt, von der eigentlichen Insel getrennt ist, brach ab.

Aber schließlich gewann der Riese von Mykines, und um sein Leben zu retten mußte der Riese von Vagar drei Versprechen machen. Und er versprach, daß er den Menschen von Mykines jedes Jahr einen Wal, einen Stamm Treibholz, und einen Schwarm seltener Vögel schicken wolle. Seine Bedingung hierfür war allerdings, daß die Menschen seine Geschenke nicht kritisierten.

Doch nachdem einige Jahre vergangen waren und die Menschen von Mykines jedes Jahr einen Wal, ein Stück Treibholz und einen Schwarm Vögel bekommen hatten, beschwerten sie sich darüber, daß die Wale zu klein seien, und das Holz zu krumm. Daraufhin blieben diese beiden im nächsten Jahr aus. Aus diesem Grund hüteten sich die Menschen, irgendetwas über die Vögel zu sagen. Und so gibt es auch heute noch Vogelarten auf Mykines, die es auf keiner anderen Insel der Färöer gibt. Und von den anderen Vogelarten gibt es hier besonders viele.


Homepage     Färöer(Titelseite)     Inselbeschreibungen(Index) by Michael Becker, 4/1998. Letzte Änderung: 12/1998.