#Folgendes Buch habe ich aus der Universitätsbücherei Bonn. Es ist in #deutscher Schrift geschrieben und hat 160 Seiten. Ich habe den Text im #Oktober/November 1998 abgeschrieben. (Das Ortsregister habe ich dabei #ebenso weggelassen wie die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis.) #Offensichtliche Druckfehler habe ich teilweise korrigiert, in der ersten #Hälfte des Textes habe ich die großen Umlaute nicht wie im Original durch Ae, #Oe und Ue ersetzt. Die Interpunktion ist (bis auf ev. Abschreibefehler) genau #wie im Original, und dort war sie teilweise etwas chaotisch. #---------------------------------------------------------------------------- Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg. Sein Leben und Wirken zum 300jährigen Todesgedenktag dem christlichen Frankenvolk erzählt von Dr. theol. Vitus Brander, Subregens im bisch. Klerikalseminar. Würzburg 1917. Kommissionsverlag von Buchhandlung Valentin Bauch. Inhalt. 1. Das Ahnenschloß 2. Die Echter von Mespelbrunn 3. Fromme Eltern 4. Die Früchte einer guten Erziehung 5. Die selige Kinderzeit 6. Studien und Wanderjahre 7. Die Zustände im Hochstift Würzburg 8. An der Spitze des Domkapitels 9. Die Bischofswahl 10. Berge von Schwierigkeiten 11. Die ersten Taten 12. Ein Schatten im Lichtbilde 13. Die Stiftung der Universität 14. Die Gründung der Seminarien 15. Der Ausbau der Universität 16. Die Stiftung des adeligen Julianums 17. Das Gymnasium zu Münnerstadt 18. Der Förderer der Volksschulen 19. Des Bischofs Sorge für die Geistlichkeit 20. Kuralstatuten und Kirchenordnungen 21. Reform der Klöster 22. Das große Wagnis 23. Wie Bischof Julius die alte Religion einpflanzte 24. Des Bischofs Julius Mitarbeiter 25. Die Gebietserweiterung 26. Julius und die fränkische Ritterschaft 27. Die protestantischen Reichsfürsten wider den Bischof 28. Der Federkrieg gegen Julius Echter 29. Der Wiederaufbau 30. Julius errichtet und verbessert die Pfarreien 31. Die Juliuskirchen 32. Neues religiöses Leben 33. Der Freund der Armen und Kranken 34. Der Landesvater 35. Julius Echter als Reichsfürst 36. Charakterbild des Fürstbischofs 37. Bischof Julius stirbt 38. Bischof Julius lebt fort im Frankenlande Ortsregister Geleitswort. Am 13. September 1917 sind es 300 Jahre, daß der hochselige Fürstbischof Julius Echter v. Mespelbrunn nach einer nahezu 44jährigen kraftvollen und inhaltsschweren Regierung zu Gott heimgegangen ist. Das katholische Frankenvolk schuldet diesem Fürstbischof ewigen Dank; die Erhaltung des katholischen Glaubens in unsere Diözese ist hauptsächlich sein Werk; mehr als 300 Kirchen und Pfarreien hat er wieder instand gesetzt oder neu errichtet; auf Schritt und Tritt begegnet man überall im ehemaligen Hochstift den Spuren seines kraftvollen bischöflichen Wirkens. Deshalb darf unser Diözese den 300jährigen Todertag des Fürstbischofs Julius nicht still vorübergehen lassen; vielmehr wollen Wir auch in den jetzt lebenden Kindern des hl. Kilian das Gefühl innigster Dankbarkeit gegen diesen Retter und zweiten Stifter unseres Bistums neu beleben. Es war daher Unser Wunsch, daß in einer volkstümlichen Schrift das Leben und Wirken dieses Bischofs dem christlichen Frankenvolke geschildert werde. Davon versprechen Wir Uns einen doppelten Nutzen: Einmal gewährt es in der schweren Heimsuchung des furchtbaren Weltkrieges nicht gerinen Trost und ermutigt zu neuem Gottvertrauen, wenn man am Leben dieses Bischofs sieht, wie der allmächtige Gott seiner Kirche im rechten Augenblick Hilfe und Rettung aus schwerer Not durch ein auserwähltes Werkzeug gesandt hat. Zweitens möge die Lebensbeschreibung in allen Lesern den Vorsatz und das Gelöbnis wecken, den heiligen katholischen Glauben, welchen Fürstbischof Julius mit so großer Mühe im Frankenland wieder angepflanzt hat, als ein kostbares Vermächtnis unversehrt zu bewahren und treu nach demselben zu leben; der hochselige Bischof hat ja selber keinen anderen Dank für seine unsäglichen Anstrengungen gewünscht, wie heute noch so manche Inschrift an den von ihm gebauten Kirchen meldet: Julius, dein Fürst und Bischof treu, In Dank allein Er dies begehrt, Daß du nicht weichest von Christi Herd. So möge dann dies Büchlein mit Unserem Segen hinausziehen ins Frankenland und allenthalben reichen Nutzen stiften. Würzburg, am Feste des hl. Bonifatius 1917. Ferninand, Bischof von Würzburg. 1. Das Ahnenschloß Im Herzen unseres deutschen Vaterlandes liegt der Spessart, die Krone der deutschen Wälder. In seinem grünen Schoße birg er eine köstliche Perle, versteckt in einem engen Wiesentälchen und eingefaßt von waldbewachsenen Höhen. Es ist das märchenhaft zauberische Waldschloß Mespelbrunn. Hier stand die Wiege von Würzburgs größtem Fürstbischof, Julius Echter. Unweit des königlichen Jagdschlosses Rohrbrunn zweigt an der den Spessart durchquerenden Staatsstraße Würzburg-Marktheidenfeld-Aschaffenburg ein breiter Fahrweg in das romantische Tal der Elsava. Durch uralten, prächtigen Eichen- und Buchenwald wandert man talabwärts, bis plötzlich im grünen Wiesengrunde die roten Mauern und Türme des Schlosses auftauchen. In einem klaren blauen See spiegeln sich seine Zinnen. Glücklich überstand das Ahnenschloß des großen Julius in seinem Waldvesteck die Stürme der Zeit. Der Bauernkrieg v.J. 1525, welcher so viele Schlösser einäscherte, und der dreißigjährige Krieg störten es nicht aus seinem Waldesfrieden. Das Dampfroß hat erst in neuester Zeit sich den Weg gebahnt in die Heimat des Fürstbischofs Julius. Aus dem Maintal führt von Obernburg aus eine Lokalbahn das Elsavatal hinauf, vorbei an dem alten sagenumwobenen Kloster Himmelthal, hinein in den grünen Spessart. Von der Endstation Heimbuchenthal aus erreicht man nach kurzer Fußwanderung das im Seitental versteckte, waldumrahmte Schloß. Hier also, in einem Turmzimmer erblickte Julius Echter das Licht der Welt als der zweitälteste Sohn des kurmainzischen Oberamtmannes und Geheimrates Peter III. Echter von Mespelbrunn und seiner edlen Gattun Gertraud von Adolzheim. Die alte Familienchronik meldet dies Ereignis mit den Worten: "Anno 1545 uff Sankt Anselmitag den achtzehnten Martii, der do ist gewesen uff einen Mittwochen, morgens frue um die vier Uhr, ist geborn und getauft worden im Schloß zu Mespelbrunn Julius Echter, Gevatter Antonius Sparr." Letzterer war Amtmann zu Amorbach und der Schwager der Mutter. Die heutigen Schloßgebäude stammen im Wesentlichen vom Vater und älteren Bruder des Fürstbischofs her. Wald und Meer, sagt man, erziehen ein gesundes, ernstes und männliches Geschlecht; sie rauschen ihm fortgesetzt Stärke zu und erfrischen und erneuern seine Kraft. So wohnte denn auch in Mespelbrunn ein nervenstarkes, kerniges und aufstrebendes Rittergeschlecht, von dem Julius der berühmteste Sprosse ward. 2. Die Echter von Mespelbrunn. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme. Dies Sprichwort bewahrheitet sich so recht an Julius Echter. Denn der Stamm der Echter zählt eine ansehnliche Reihe tatkräftiger und tüchtiger Männer, die dem Staat und der Kirche treue Dienste leisteten.(Fußnote: A. Kittel, Beiträge zur Geschichte der Freiherrn Echter von Mespelbrunn, Würzburg 1882.) Ursprünglich waren die Echter im Odenwald begütert als Vasallen der Schenken von Erbach. Heute noch erinnern die Namen der Odenwalddörfer Mittel- und Altechtern daran. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts treffen wir einen Albrecht Echter als kurmainzischen Wald- und Bachförster zu Wintersbach im Spessart. Die Sage erzählt: Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) hatte die drei Gebrüder Echter wegen Räubereien geächtet und aus ihren zerstörten Burgen vertrieben; diese suchten im Spessart an verchiedenen Orten, nämlich zu Mespelbrunn, Partenstein und Lindenfurt, eine neue Heimat und kamen von Zeit zu Zeit zusammen, um sich zu besuchen, wobei sie ihre Rosse an einen Pfahl anbanden, der davon Echterspfahl hieß. Drum führt das Geschlecht im Wappen einen silbernen Pfahl mit drei blauen (eisernen) Ringen. Es kann diese Sage auf geschichtlichen Wert keinen Anspruch machen. Der Name "Echter" ist nicht gleichbedeutend mit "geächtet", sondern mit "Ächter", d.i. die Acht vollstreckend. Die Echter waren also Männer, die das Land ritterlich gegen die in Acht erklärten Verbrecher schützten. Am 14. Mai 1412 schenkte der Erzbischof Johann II. von Mainz dem Ahnherrn der Echterschen Familie Hammann I. (gestorben 1427), der ebenfalls kurmainzischer Bach- und Waldförster im Spessart, Mainzischer Rat und Vizedom in Aschaffenbrug, Präfekt in Seligenstadt und Schloß Alzenau war, als Belohnung für die treuen Dienste "die Wüstung und Hofstätte, genannt Espelborn". Daraus wurde später Mespelbrunn. Hammann I. baute auf dem geschenkten Platze Haus und Hof und kaufte sich in der Nähe seines neuen Stammsitzes das Dorf Wintersbach und einen Teil des Waldes von Sommerau. Er war nämlich bereits damals derart begütert, daß er dem Würzburger Bischof Johann von Brunn 5000 Gulden leihen konnte, wofür ihm dieser i.J. 1422 den Würzburger Anteil an Kitzingen verpfändete. Wie Hammann I. standen auch seine Nachkommen meist in kurmainzischen Diensten. Das ritterliche Geschlecht lieferte auch dem geistlichen Stande eine Reihe tüchtiger Männer. So leistete der Bruder Hammanns, namens Peter I., dem Kurfürst Johann II., Erzbischof von Mainz, erprobte Dienste als Protonotar und Sekretär; 1428 wurde er Domdechant von Mainz; dieser Peter Echter leuchtete derart durch Klugheit, Energie und Sittenreinheit hervor, daß ihm Erzbischof Konrad III. von Mainz, als er 1429 zum Reichstag nach Wien reiste, die Verwaltung der geistlichen Angelegenheiten des Erzbistums übertrug. Später wurde er sogar zum Erzbischof von Mainz gewählt, er nahm jedoch die Wahl nicht an. Ein Markus Echter starb 1475 als Stiftsherr zu Aschaffenburg und Domherr zu Mainz. Des Fürstbischofs Julius Vater hatte noch 10 Geschwister; von diesen widmeten sich 2 Brüder dem geistlichen Stande und eine Schwester dem Ordensstande: gleich der älteste Bruder Valentin I. wurde 1522 Stiftskanonikus in Aschaffenburg und eine Schwester wurde 1525 Konventualin zu Frauenlob in der Markgrafschaft Baden und starb daselbst als Priorin 1569. Es läßt allein dieser Umstand einen Rückschluß zu, welch guter religiöser Geist im Hause der Großeltern unseres Julius geherrscht haben muß; drei Kinder widmeten sich dem geistlichen Stande und das in einer Zeit, wo infolge der neuen Lehre Luthers die Klöster sich entvölkerten, das Halten des Zölibats für unmöglich erklärt und Welt- und Ordensklerus mit Spott und Schmähungen überhäuft wurden. Seine Großeltern vom Echterstamm lernte Julius nicht mehr persönlich kennen, wohl aber lebte noch in Mespelbrunn der Bruder seines Großvaters, ein bedeutender Mann und kurmainzischer Beamter, der Vizedom in Aschaffenburg, Mitglied des Schatz- und Dekonomierates, Dr. jur. Philipp I., der Aeltere. Er hatte neben der Wallfahrtskirche zu Hessenthal bei Mespelbrunn eine größere Kirche bauen lassen, die von da an als Grabeskirche der Echter diente. Ein Verwandter von ihm charakterisierte im Familienbuche die Ahnen und setzte ihm dabei folgendes ehrende Denkmal: Philipp der Alt, ein Edelmann Von seiner Gemahl kein Erben gewann, Zu Aschaffenburg ein Vicedom ward Zu ehren Gott er nichts gespart. Er starb am 15. Februar 1549, da Julius nächst 4 Jahre alt war. Das Familienbuch hat folgenden Eintrag über seinen Tod: Anno domini den 15. Jenners auf Dienstag St. Maurustag zwichen fünfen und sechsen nach Mittag ist Philipp Echter der Aeltere zu Mespelbrunn mit allen Sakramenten versehen christenlich und wohl von diesem Jammertal todts verschieden - seines Alters ungefähr 75 Jahr. Gott der Herr verleihe der Seele die ewige Ruhe und Seligkeit. Amen. War des Echterschen Geschlechts ein treuer Vater und Patron.(Fußnote: Gedenkblätter der Echter v. Mespelbrunn von Frhrn. v. Stotzingen, im Archiv des Hist. Vereins v. Asch. 50. Bd. (1908), S.184). Welche gute Eindrücke mochte der kleine geweckte Julius von einem solchen welterfahrenen, gelehrten und frommen Großoheim in sich aufgenommen haben! Die bereits 1536 verstorbene Gattin dieses Philipp, eine geborene Gräfin Agnes Elisabeth von Werdenberg und zum Heiligenberg, war hochgebildet und Freundin aller schönen Künste. Sie schm+ckte den Stammsitz Mespelbrunn mit eigenhändigen Malereien und Stickereien (Gobelins) aus, in welch beiden Künsten sie Meisterin war. Einen rührenden Zug bemerken wir auf diesen noch heute erhaltenen Gobelins; der alte Knecht und die alte Magd schließen in andächtiger Stellung die Reihe der Echterschen Familienglieder. Man zählte also die Dienstboten zur Familie; wieviel könnte unsere Zeit daraus lernen! Wir begreifen es, wenn aus einem solchen Geschlecht ein Fürstbischof Julius hervorging, der den Armen seines ganzen Landes ein Haus in seiner Residenzstadt bauen wollte. Die Großmutter des Julius (gestorben 1523), namens Cordula von Habern, war ebenfalls eine sehr fromme und gebildete Frau; sie begann alle Familienänderungen fleißig aufzuzeichnen und zwar auf leeren Blättern eines Andachtsbuches vom Jahre 1490. Verfasser dieses Erbauungsbuches ist der Bruder Johann von Voltz, Doktor der heiligen Schrift, Mitglied des Augustinerordens. Auf Wunsch des Kurfürsten Friedrich zu Sachsen schrieb der Einsiedlermönch die Predigten, die er vor seinem Fürsten gehalten, in diesem Buche nieder. Es ist wieder ein schönes Zeugnis für den frommen Geist des Echterschen Geschlechtes, daß man sich für solche Bücher interessierte und daß die Großmutter eines Julius auf den angehefteten Blättern alle wichtigen Familienereignisse verzeichnete. Und wiederum bezeugt es die Pietät und den treuen Familiensinn ihrer Nachkommen, daß diese Aufzeichnungen von dem jeweiligen Vater oder der Mutter bis zum Erlöschen des Geschlechtes der Echter von Mespelbrunn im Jahre 1665 weitergeführt wurden. Wahrhaft rührend und erbaulich sind viele dieser Einträge, ganz offensichtlich eingehaucht von einem warmen katholischen Glaubensleben, das mit dem Kirchenjahr miterlebt und betet, und das in jener Zeit, die widerhallt von den Klagen über die Verwilderung des Familienlebens und der Verrohung der Sitten. Der Fürstbischof Julius Echter hat nachmals diese fromme Gepflogenheit seiner Großmutter übernommen, indem er die Todestage seiner Eltern und Geschwister mit eigener Hand in den Sommerband seines Breviers eintrug. 3. Fromme Eltern. Die seelischen und körperlichen Anlagen, welche die Eltern dem Kinde mitgeben bei der Geburt und die ersten Eindrücke, di es empfängt im Elternhaus, entscheiden fast immer seine ganze Lebensrichtung. Die Jugendzeit unseres Fürstbischofs fiel nun zwar in eine recht traurige Zeit; es waren die Tage der Glaubensspaltung. Als Julius im März 1545 geboren ward, lebte noch zu Wittenberg jener Mann, der im Jahre 1517 die Losung zum Sturme gegen die alte katholische Kirche gegeben hatte, der ehemalige Augustinerpater Professor Dr. Martin Luther. Gerade acht Tage nach der Geburt unseres Fürstbischofs sandte der alternde Luther, seine letzten Lebenskräfte verzehrend, im Zorn gegen den Papst, weil diser für das Jahr 1545 die längst ersehnte Kirchenversammlung nach Trient ausgeschrieben hatte, die haßglühende und racheschnaubende Flugchrift in die Welt: "Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet." Traurig sah es damals aus in unserem Vaterlande. Weite Teile hatten sich losgerissen vom alten Glauben und die Neuerung griff täglich noch weiter um sich. Eine so große Verwilderung der Sitten war eingetreten, daß Luther selbst aus dem Zentrum der neuen Lehre, aus Wittenberg, im Geburtsmonate von Julius Echter, an den Fürsten Georg von Anhalt schrieb (9. März 1545): "Wir leben in Sodoma und Babylon". "Nein, vierzig Jahre möchte ich nicht mehr dieses Leben kosten", jammerte der Glaubensneuerer am 11. Juni 1539 seinen Freunden, "wollte mir Gott auch ein Paradies daraus machen. Ich wollte eher einen Henker mieten, der mir den Kopf abschlüge, so böse ist die Welt, eitel Teufel werden sie jetzt, daß einem einer nichts Besseres wünschen kann, denn nur ein seligen Stündlein - und darvon!" Der Adel hatte sich hauptsächlich der neuen Bewegung angeschlossen. Fand er doch dabei die erwünschte Gelegenheit, sich am Kirchenvermögen zu bereichern und die eigene Macht zu steigern. Der selige Petrus Canisius sagt vom fränkischen Adel in einem Berichte vom 10. März 1567 an seinen Ordensgeneral aus Würzburg: "Von den Adeligen, die hier in großer Zahl sich befinden, sind nur noch 3 oder 4 katholisch." In dieser trüben, sturmbewegten Zeit leuchtete die Familie des Fürstbischofs Julius Echter als ein Muster treukatholischer Gesinnung, echter Frömmigkeit, erbaulicher Sittenstrenge, Einfachheit und trauten Familiensinnes. Als nachmals Fürstbischof Julius am 4. Januar 1582 zu Rektor der von ihm gestifteten Universität gewählt wurde, nahm er die Würde an mit folgenden denkwürdigen Worten: "Ich bin von frühester Jugend an durch Gottes Gnade so erzogen worden, daß ich geziemendermaßen zur Verteidigung der heiligen katholischen Kirche und des Glaubens all das Meinige beitragen muß!" Welches Ehrenzeugnis stellt hier Julius im Jahrhundert des Glaubensabfalls seinen Eltern über ihre Kindererziehung aus! Nicht minder bezeugen es die Geschwister des großen Julius, wie treu sie im alten katholischen Glauben erzogen wurden. Es sorgten aber auch die Eltern für ihre Kinder bis zu ihrem Tode in wahrhaft rührender und vorbildlicher Weise recht väterlich und mütterlich. Für unsere Zeit, wo so manche Eltern den Kindersegen als eine Last empfinden, kann die Echtersche Familie ein leuchtendes Vorbild sein. Denn der Vater des Julius, Peter III., entsproß einer Familie, die 6 Söhne und 5 Töchter zählte; er selbst hatte 9 Kinder, 4 Söhne und 5 Töchter. Der Bruder des Julius, namens Valentin hatte 12 und sein anderer Bruder Dieterich 13 Kinder. Der Vater unseres Julius, Peter III., geb. 1520, scheint anfänglich für den geistlichen Stand bestimmt gewesen zu sein.; denn er erhielt nach der Unsitte der damaligen Zeit schon im 8. Lebensjahre die Antwartschaft auf ein Kanonikat an der Stiftskirche zu Aschaffenburg. Seine wissenschaftliche Ausbildung holte er sich von 1533-41 auf Hochschulen in Frankreich und Italien. Da seine Brüder ohne Nachkommen waren, verzichtete er auf seine Aschaffenburger Pfründe und trat in den weltlichen Dienst des kurmainzer Erzbistums. Am 20. Februar 1542 heiratete er im 22. Lebenjahre sodann zu Hanau die 17jährige Getraud von Adolzheim. Das ritterschaftliche Geschlecht derer von Adolzheim hatte seinen Stammsitz im heutigen großherzogl. badischen Franken an der alten Straße zwischen Heidelberg und Würzburg. Ihr Vater war Johann von Adolzheim, ihre Mutter Margareta, eine geborene Rüd von Kollenberg. Eine alte bestunterrichtete Biographie des Fürstbischofs Julius, die unser hochverdienter fränkischer Geschichtsschreiber, der Benediktinerpater Ignaz Gropp aus Bad Kissingen im 3. Band seiner fränkischen Geschichte abdruckt, entwirft von Peter III. foldendes Bild: "Peter Echter zu Mespelbrunn, ein alter Rat der Kurfürstentums Mainz, ein gottseliger, frommer, katholischer Mann, der seiner sondern Weisheit und Verstandes halben, bei höchster Obrigkeit im Reich und außer desselbigen berühmt und bekannt."(Fußnote: Collectio novissima III. (1748), 318) Nochmals sagt dieselbe Biographie gelegentlich der Erzählung seines Todes: "Peter Echter ist am Sebastianitag 1576 im hohen Alter und im 37. Jahr seiner Mainzischen Diensten, deren eines minder, er zu allen Reichs- und Khurfürstentagen, andere namhafte Schickungen zu geschweigen, gebraucht worden, allda zu Mainz gestorben; den hat in seiner Krankheit Khurfürst Daniel zu Mainz persönlich besucht." Auf dem Grabdenkmal in der Kirche zu Hessenthal vom Jahre 1583 knien in Lebensgröße zu beiden Seiten eines Kruzifixes Vater Peter Echter und die Mutter Gertraud mit ihren 5 Söhnen und 4 Töchtern, worunter der Fürstbischof Julius mit der Inful(?). Oberhalb des Bildes steht u.a. "der edel und ehrenhaft Peter zu Mespelbrunn, so dreien Khurfürsten zu Mainz treulich gedient, 33 Jahre Rat, auch Amtmann zu (Stadt)prozelten und Dippurg gewesen." Mehrmals wurde der Vater unseres Julius von den Mainzer Kurfürsten mit wichtigen Aufträgen betraut. So gehörte er 1552 zu den Mainzer Bevollmächtigten beim Abschluß des Passauer Vertrages und 1559 nahm er nach dem Aussterben der Grafen von Rieneck das Gebiet von Lohr für seinen Herrn in Besitz. Glänzend ist das Zeugnis, das ihm sein Kurfürst, der durch seinen Glaubenseifer rühmlichst bekannte Erzbischof Daniel Brendel von Mainz im Jahre 1574 in einem Empfehlungsschreiben seines Sohnes, des neugewählten Fürstbischofs Julius, an Papst Gregor XIII. ausstellt. Der Kurfürst schreibt nämlich: "Ich bin bei der Nachricht von der Wahl des Julius von großer Freude erfüllt worden. Am meisten freute ich mich deswegen, weil Julius von Eltern abstammt, die der katholischen Religion außerordentlich treu ergeben sind; dieselben haben ihm überall an katholischen Universitäten wie Löwen, Paris und sogar in Rom selbst eine sorgfältige Erziehung angedeihen lassen. Auch bediene ich mich mit gutem Erfolge schon mehrere Jahre in meiner Amtsverwaltung des weisen Ratesund der klugen und treuen Dienste seines Vaters und seiner tüchtigen Brüder." Für seine treu katholische Gesinnung spricht unter anderem auch die Tatsache, daß er sich besonders für die Berufung der Jesuiten nach Mainz i.J. 1561 bemührte. Denn dieser Orden war es gewesen, der in jener Zeit am meisten zur Wiederbelebung des katholischen Glaubens betrug, von den Guten wie ein Retter in der Not ersehnt, aber auch bis zum heutigen Tag von den Gegnern aufs bitterste gehaßt. Ihnen vertraute er dann auch in Köln seine Söhne zur Erziehung an. Als Studienorte wählte er für seine Söhne nur katholische und unverdächtige Universitäten und war so emsig bedacht auf die Reinerhaltung ihres katholischen Glaubens. Damals brachten ja so viele Studenten von ihren auswärtigen Bildungsanstalten das Gift der Irrlehre mit in die Heimat. Die Kinder Peters aber blieben alles fest dank der Erziehung ihrer Eltern; keiner von ihnen trat in jener Zeit des großen Abfalls zum neuen Glauben über, sondern mehrere wurden gleich Julius wahre Säulen der Kirche. Die Einträge, welche Peter Echter in das Familienbuch machte, zeigen, wie er als treubesorgter Vater voll Frömmigkeit das Schicksal seiner Kinder der göttlichen Vorsehung empfahl. So heißt es: "Anno 1567 den 20. September ist Julius und Sebastian nach Italien in Gottes Namen gezogen" oder " Anno 1570... ist Sebastian Echter zum zweitenmal auf Schulen in Italien geweset. Der Allmächtige möge ihn gnädig hin und zurückführen. Amen." Peter Echter vergrößerte und verschönerte für seine Kinder den Stammsitz Mespelbrunn. Als Julius um Jahre 1569 aus Italien zurückkehrte, fand er das jetzige Wohngebäude neu errichtet; am Protal eines Wendeltreppenturmes im Hofraume des Schlosses las er die Inschrift: 1569 Ehelich Lieb und stete Treu Bringt Glück und Segen ohn all Reu. Mit Ernst und Fleiß haben wir Gott vertraut Den Unsern zu guet dies Haus erbaut. Darunter sind die Brustbilder Peters und seiner Gemahlin, mit dem Beisatze: alt 49 und alt 44. Welch ein warmer, liebevoller Ton, welcher zarter Familiensinn spricht aus solchen Worten! Es mag sein, daß Julius diese Turminschriften in Versen zum Vorbild der Inschriften an seinen Neubauten genommen. Wie Peter Echter lebte, so starb er - als ganzer katholischer Mann von echtem Schrot und Korn. Das sagt folgender Eintrag von der Hand seiner Gattin, in dem all ihre Liebe und der Schmerz um den Verlust des Gatten nachzittert: "Anno Dom. 1576 auf Samstag nach Sebastianstag den 21. Jenner zwischen 1 u. zwischen 2 nach Mitternacht gegen den Tag ist Peter Echter zu Mespelbrunn zu Mainz im Schloß mein herzlieber Ehegemahl in Gott trostlichen verschieden mit Versehung dem eiligen Sakrament und der hl. Oelung. Der allmächtige Gott verleihe ihm die ewige Ruh und eine frohliche Auferstehung. Dieser hievor neun beschriebener Kinder Vater. Gott verleihe seinen Nachkommen unsern lieben Kindern sein Segen und Benedeiung. Amen. Getraud Echterin geb. von Adelsheim." Wie könnte unsere Zeit, die das Famileinleben zu zerreißen und zersplittern droht, von der Echterschen Familien lernen! Es hingen denn auch die Kinder und namentliche Julius Echter an ihren Eltern mit rührender Liebe, und wo die Kinder die Eltern lieben, da sind auch die Geschwister in treuer Liebe einander zugetan. Die Mutter des Fürstbischofs verbrachte nach dem Tode des Gatten ihre letzten Lebenstage bei ihrer Tochter Magdalena auf Schloß Wiesentheid im Steigerwald, wo diese mit Hans Fuchs von Dornheim vermählt war. Jene alte Lebensbeschreibung berichtet von ihr: "Im Sommer (28. Juni) des Jahres 1538 ist Bischofen Julii Mutter Gertraud .. bei ihrer Tochter .. zu Wiesentheid nach dem Willen Gottes verschieden, welches Bischof Julius sehr schmerzlich aufgenommen; denn es war eine fromme, gottesfürchtige Matrone gewesen, die den mehreren Teil ihrer Zeit im Gebet verbracht, auch ihres Herrn (=Julius) sonder und hohe Sorg gehabt, vorab in den verschiedentlichen Anstößen, die denselben betroffen. Wie dieses Jahr Erzbischof Gebhard von Cöln aus dem Geschlechte der Truchsessen zu Waldburg von der Religion abfiel und sich mit einer Nonne beweibte, war sie bekümmert, da ihr Sohn Bischof Julius mit genanntem Gebhard in aller vertraulicher brüderlicher Freundschaft gestanden, er würde vielleicht daselbst her auch etwas gefaßt haben und in gleichen folgen, dessen es Gottlob nicht bedurft. Bischof Julius ist zu seiner Mutter in ihrer Krankheit nach Wiesentheid gereist, hat sie in der Person mit dem heiligen hochwürdigen Sakrament versehen. Als die Leiche gegen Wirtzburg gelanget, ist er der Bahre mit entbößtem Haupte durch die Sadt bis ins Schloß wie auch zu Mespelbrunn, dahin er der verstorbenen Mutter nachgefolget, hat er selbst den Gottesdienst verrichtet." Der älteste Bruder des Fürstbischofs, Adolf, der auf dem Stammschloß in Mespelbrunn wohnte, trug bei dieser Gelegenheit in sein Tagebuch ein, daß Julius mit 40 Pferden in der Heimat ankam und daß ihre liebe Mutter am 1. Juli "nach katholischem altem Brauch zu Hessenthal zu der Erden bestattet worden. Der Seelen Gott gnädig und eine frohliche Auferstehung verleihe!" 4. Die Früchte einer guten Erziehung. Bevor wir die Jugend- und Studienjahre des Fürstbischofs Julius erzählen, wollen wir den Ereignissen etws vorauseilen und an seinen Geschwistern zeigen, wie das Beispiel, Gebet und die Wachsamkeit solcher Eltern von der Art eines Peter und einer Gertraud Echter von Mespelbrunn ihre reichen Früchte trugen. Die acht Kinder - eine Tochter starb schon in früher Jugend - machten ihren Eltern alle Ehre und wurden Zierden ihres Standes. 1. Der älteste Bruder unseres Fürstbischofs war Adolf, geb. am 20. April 1543; er wurde vom Kurfürsten von Mainz 1568 zum Amtmann von Stadtprozelten ernannt; er wohnte meist in seinem Stammsitze Mespelbrunn, den er mit einem neuen Anbau versah; vermählt war er seit 1566 mit Klara von Frankenstein. Einen Einblick in das Leben und Treiben auf Schloß Mespelbrunn sowie die Seele dieses Adolf geben uns die Aufzeichnungen seines Tagebuches.(Fußnote: Mitgeteilt von Franz Hüttner im Archiv für Kulturgeschichte. 3. Bd. (1915) S. 440 ff.) Er selbst entwirft von sich folgende launische Selbstschilderung: "Lenz ohne Witz Manchen Hirsch hab ich helfen jagen, Vielmehr Stein zum Bau getragen; Bin ich voll, so will ich geigen und singen, Tät doch deren keines wohl gelingen, Hab leider nicht viel der Witz, Drum steh ich bei dem Ofen und schwitz." Die Einträge ins Tagebuch verzeichnen sorgsam die Jagdbeute, die erhaltenen und gemachten Besuche; sie vermelden auch, wie Adolf von seinem Kurfürsten wiederholt zu Diensten verwendet wurde. Im Juni 1582 reist er mit dem Kurfürsten von Mainz zum Reichstag nach Augsburg; im März des nächsten Jahres muß er in Sachen des abgefallenen Kölner Erzbischofs Gebhard v. Waldburg für seinen Herrn nach Würzburg reiten, im März 1585 sendet ihn der Erzbischof nach Prag zum Kaiser. Im Mai 1594 begleitet er wieder seinen Herrn zum Reichstag nach Regensburg. Doch scheint Adolf dabei eine besonders hervorragende Rolle nicht gespielt zu haben; er war ein ehrlicher fröhlicher Jägersmann, der auch zuweilen einen "starken Trunk" nicht verschmähte. Er war somit in vielen Stücken gerade das Gegenteil seines Bruders Julius, bei dem der Ernst und die entschlossenen Festigkeit aus jedem Zug seines Anlitzes spricht. Indes lassen die Aufzeichnungen erkennen, daß auf Schloß Mespelbrunn der alte kathol. Glauben und die frommen Ueberlieferungen auch unter Adolf weiter gepflegt wurden. Er besitzt einen Hauskaplan namens Johann Hußler, an dessen Lebensschicksalen er herzlichen Anteil nimmt. Er berichtet von ihm im Februar 1585, daß er erkrankte und mit dem hl. Sakramente versehen wurde und am 18. April desselben Jahres starb. Er läßt seine Kapelle ausschmücken, kauft in Nürnberg für dieselbe silberne Leuchter, Monstranz und Ciborium. Pietätsvoll verzeichnet Adolf die Gottesdienste, welche er für seine seligen Eltern in Hessenthal halten ließ; am 2. September 1854 berichtet er: dem Pfarrherrn von Röllbach 20 Gulden geben, daß er meiner lieben seligen Mutter einen gestifteten Jahrtag halten soll. Wiederholt ersehen wir aus den Aufzeichnungen, daß sowohl Adolf als seine Gattin sich bei jeder ernsteren Krankheit alsogleich mit den Sakramenten der Kirche durch die eigens gerufenen Pfarrherrn von Straßhessenbach oder Großheubach versehen ließen. Eine besondere Freundschaft scheint Adolf mit dem Jesuitenpater Gerhard Rhien aus Würzburg, von dem wir später noch Näheres hören werden, verbunden zu haben; sein Bruder, der Fürstbischof, hatte ihn zugleich mit seinem Leibarzt bei einer ernsteren Krankheit Adolfs im Mai 1592 erstmals zugesandt. P. Gerhard geht von da an in Mespelbrunn aus und ein, ja besucht den durch Schlaganfall an Händen und Füßen gelähmten Echter sogar im Bad Langen-Schwalbach bei Wiesbaden. Auch wohltätig scheint Adolf gewesen zu sein, im August 1583 spendet er "für einen Platz (=Freiplatz) zum neuen Spital" (=Juliusspital in Würzburg) 60 Gulden; im Februar 1583 wird ihm ein armer Waisenknabe von Breitenbrunn (bei Stadtprozelten) gebracht, den er "um Gotteslohn aufzieht"; am 23. April 1594 verehrt er der Kirche in Mömbris etliche Ornate, so eine Monstranz, ein silbernes Ciborium und ein Meßgewand. Adolf starb zu Mespelbrunn am 18. Juni 1600, seine Witwe folgte ihm 1617 im Tode nach. 2. Hervorstechender an Geistesgaben und bedeutsamer war die Rolle, welche der 3. Sohn Echters spielte, nämlich Sebastian, geb. am 8. März 1546. Er hatte teilweise mit Julius seine Ausbildung erhalten, dem er auch sehr ans Herz gewachsen war. Auf den Hochschulen Italiens erwarb er sich den Doktortitel beider Rechte; Sebastian war anfangs ebenfalls wie Julius zum geistlichen Stande bestimmt gewesen und hatte in Würzburg und Speyer die Anwartschaft auf eine Domherrnstelle erhalten; er verzichtete jedoch auf dieselbe und vermählte sich mit Sophia von Seckendorf; die Ehe blieb kinderlos; von Dezember 1572 ab war er kurmainzischer Rat und Amtmann zu Orb und Hausen. Von den Zeitgenossen wurde er die "Zierde des fränkischen Adels" genannt. Sein früher Tod im Jahre 1575 vereitelte die großen Hoffnungen, welche Fürstbischof Julius wegen seiner Gelehrsamkeit, Geschäftsgewandtheit und seines erprobten Charakters auf ihn gesetztz hatte. Julius ließ ihn im südlichen Seitenschiff des Domes zu Würzburg bestatten und ein herrliches Grabdenkmal aus weißem Marmor errichten. Wie brüderlich Julius ihn liebte, sagt die lateinische Inschrift des Denkmals, die also schließt: "Du warst weise, gelehrt und fromm. Ich hegte die Hoffnung, du werdest mir die doppelte Bürde der (bischöflichen und weltlichen) Regierung erleichtern, aber sie wurde vereitelt. O daßdoch meine Lebenstag gekürzt worden wären um den Preis, daß du mit mir hättest leben können. 3. Das 4. Kind Peter Echtes war Margareta, geb. am 4. Februar 1549, seit 1564 vermählt mit Hans Heinrich von Ehrenberg. Aus dieser Ehe entsproß der nachmalige Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg, geb. 27. Sept. 1583, regierte als Bischof von 1622 bis 1631. 4. Die übrigen 2 Brüder Valentin und Dietrich, ebenso wie die Ehegatten der jüngsten Schwestern, von denen sich Magdalene 1574 mit Hans Fuchs von Dornheim zu Wisentheid und Mainsondheim und Kordula 1581 mit Stephan Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen vermählte, waren treue und eifrige Mitarbeiter des Fürstbischofs Julius. 5. Auch Valentin, geb. am 21. Mai 1550, trat anfangs in den geistlichen Stand und erhielt neunjährig eine Pfründe im Stifte zu Brüssel, wo sein Oheim Domdechant war, dazu ferner die durch Verzichtleistung seines Bruders Sebastian erledigten Domherrnstellen in Würzburg und Speyer. Doch trat er selber im Jahre 1576 mit päpstlicher Dispense vom geistlichen Stande zurück und vermählte sich 1577 mit Ottilie Rauh von Holtzhausen, die ihm 12 Kinder schenkte. Valentin wurde würzburgischer Amtmann zu Asbach, Kissingen und Volkach. Auch der Kaiser ernannte ihn zum Reichshofrat und belohnte seine Verdienste dadurch, daß er ihn und seine Geschwister 1623 in den Freiherrnstand erhob. Der religiöse Sinn Valentins zeigt sich in den Einträgen, die er in das von seinem Vater übernommene Erbauungsbuch mit der Familienchronik machte. Zur Notiz seiner Verehelichung fügte er hinzu: "Der allmächtige Gott gebe uns seinen Segen, Glück, langes Leben, Fried und Einigkeit. Amen." Als ihm am 24. April 1581 seines erstes Kind Peter Julius geboren ward, dessen Patenstelle der Fürstbischof selber übernahm, setzt er dem Eintrag den Wunsch bei: "Gott gebe, daß er fromm und alt werde." Seinem 2. Sohn Adolf wünscht er in gleicher Weise am 31. Juli 1582: "Gott verleihe ihm seinen Segen, daß er redlich und alt werde." Und so ähnlich bei den Geburtsdaten aller 12 Kinder. Doch das rechte Christentum erprobt sich erst im Leben. Wie Valentin aber schwere Schicksalsschläge trug, zeigen folgende drei nacheinander stehende Einträge: "Hat der allmächtige Gott meinen lieben Sohn Julius Peter den 23. Februar 1595 mit Schmerzen aus diesem Jammertal zu sich in die ewige Freu8de und Seligkeit abgefordert; der Herr verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung. Amen. Seines Alters 17 Jahre." - "Ist mein 1. Sohn Valentin nachts zwichen 12 und 1 Uhr in Gott verschieden und ein Engelein des himmlischen Vaterreichs worden. Gott wolle uns alle zu ihm helfen." - "Hat mich der liebe Gott schmerzlich angegriffen und mir meinen herzlieben Sohn Adolf Wilhelm zu Toulouse in Frankreich zu sich aus diesem Jammertal abgefordert, der ein Licht des Geschlechtes hätte sein können. Gott verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung. Den 20. Januar 1602. Seines Alters 21 Jahre." Ebenso leuchtet sein religöser Eifer aus der Tatsache hervor, daß er auf seinen neuerworbenen Besitzungen gleich seinem Bruder Dieterich die katholische Religion wiederherstellte, Pfarreien gründete und Kirchen baute. So baute er die Pfarrkriche in Heubach, stiftete in Gaibach (bei Volkach) eine Pfarrei und erbaute 1588 daselbst eine Kirche; desgleichen die Pfarrkirche in Kirchschönbach 1597 und in Breitensee 1598 (Bez.-A. Königshofen). Ebenso meldet das "Gerlachshäuser Pfarrbuch" - Gerlachshausen ist jetzt Filiale von Stadtschwarzach, - daß Valentin im Jahre 1609 die Pfarrei Schwarzenau stiftete "zur Beförderung der Ehre Gottes und Pflanzung der katholischen, allein seligmachende Religion." 1592 hatte er daselbst schon eine Kirche gebaut. Leider ging die Pfarrei Schwarzenau im Schwedenkrieg wieder unter. Valentin starb am 24. September 1624 und liegt in der von ihm errichteten Pfarrkirche zu Gaibach gebraben. 6. Der jüngste der Echterschen Brüder, Dieterich, geb. am 23. Januar 1554 und seit 1577 vermählt mit Susanna, Erbmarschallin von Pappenheim, war der römisch. kaiserl. Majestät und fürstlich würzburgischer Rat und Amtmann zu Rothenfels; er stand seinen Brüder an Wissen, Charakter und religiösem Eifer nicht nach. Letzteres zeigen seine Verdienste um die Pfarrei Büchold. Im Jahre 1596 kaufte Dieterich nämlich von den verschuldeten Gebr. v. Thüngen Schloß, Gut und Dorf Büchold (bei Arnstein) um 125000 Gulden. Unter der Thüngenschen Herrschaft war Büchold zur protestantischen Religion gebracht worden. Dieterich betrachtete es nach Abschluß des Kaufes, wie die alte Bücholder Pfarrchronik meldet, als seine erste Aufgabe, "die wahre, alte, katholische Religion einzupflanzen." Die Heern von Thüngen hatten bei Einführung des neuen Glaubens die Pfarrgüter sowie das Schloßbenefizium eingezogen, ebenso das Benefizium an der Nikolauskapelle; um diese Kapelle auch nicht mehr unterhalten zu müssen, wurde sie von den Schloßherrn niedergerissen. Die alte St. Johannespfarrkirche geriet in ziemlich verwahrlosten Zustand. Sogleich nach Uebernahme von Dorf und Rittergut setzte Dieterich diese Kirche wieder in richten Stand, versorgte sie mit der notwendigsten inneren Einrichtung, stellte für sie wieder einen katholischen Priester an, legte im Jahre 1598 den Grundstein zu einer neuen Nikolauskapelle und setzte auch die ehemalige Schloßkapelle wieder in stand. Im Jahre 1600 stiftete er die Pfarrei neu; der Stiftungsbrief, datiert vom 22. Februar 1600, ist ein bleibendes Denkmal des religiösen Sinnes von Dieterich und seiner Gattin, denn darin sagen die beiden Ehegatten unter anderem: "Uns, die wir in der alten katholischen Kirche und Glauben von unseren lieben Eltern selig erzogen und durch Gottes Gnade noch zur Zeit (darin) erhalten (worden sind), ist nit mehr angelegen, denn daß unsere Kinder und Nachkommen wie auch sämtliche unsere Untertanen bei solchem uralt christlich Glauben und in der katholischen Kirche auferzogen und daß diejenigen unter unseren gedacht Untertan, welche durch ketzerische Lehre allbereits abwegs geführt, dahin wiederum gebracht, hinfürder durch Gottes Hilf darin bestätigt werd und beständig bleiben mög. So haben wir zu unserer, auch unserer Voreltern und Verwandten Seel Seligkeit, zu Auferbauung und Fortpflanzung der alt katholisch allein seligmachenden Religion, und damit auch dasjenige, so fromme alte Christen hierzu gutherzig gestiftet und geben haben, wiederum ersetzt und erstattet werde, von unseren freieigenen Gütern und Gefällen für einen Prister und Seelsorger, gemelder heilig und wahr alt katholisch Religion zugetan, zu seiner priesterlich ehrlich sustentation und Unterhalt, Gott dem Allmächtigen, der unbefleckten Mutter Christi Maria, allen Aposteln und Heiligen Gottes, sonderlich aber S. Joanni dem Täufer, welcher angeregter Kirche patronus ist, zu Ehren, ... dotiert und begabt, tun auch solches für uns, unsere Erben und Nachkommen hiemit wissentlich und wohlbedächtiglich in der allerbest Form, Maß und Gestalt ..., damit er (der Priester) desto besser der Kirche, uns, unseren Kindern und Untertanen mit göttlicher Lehr und christlichem Leben vorgeben und gebührend Gottesdienst versehen solle und möge." Die Pfarrgüter sollen von Zins, Steuer, Frohn und dergl. frei sein. Die Stifter ermahnen und bitten ihre Erben und alle künftigen Inhaber des adeligen Guttes Büchold bei der Ehre Gottes, der allgemeinen Christenheit Wohlfahrt, ihrer und der Unterranen Seligkeit, daß sie nicht allein diese ihre Fundation fest und unverbrüchlich halten, sondern auch, soviel ihnen Gotte Gnade mitteilen würde, bessern, befördern und mehren, die jeweils verordneten Pfarrherrn als geistliche Väter und Seelsorger gebührlich zu ehren, auch die Untertanen dazu anweisen, dafür sie dann auch desto mehr Segen von dem Allmächtigen zu erwarten haben werden. "Für den Fall aber, was Gott gnädiglich verhüten wolle, daß bei den künftigen Schloßbesitzern, ob sie nun unseres oder anderes Geschlechtes, Stammes oder Namens wären, über kurz oder lang zu Büchold widerwärtige Religion einreißt und kein katholischer Priester vorhanden - auf welchen allein und keinen Haereticum diese unsere Dotation gemeint - so soll der oder die derselben Zeit Besitzer und Inhaber des Gutes Büchols schuldig sein, unseren Erben oder anderen unseres Geschlechtes katholischer Religion alles dasjenige, so wir jetzt zu dieser Pfarrei gegeben haben, und noch weiter geben werden, nach gebührendem billig Wert zu erstatten, dasselbe an einen anderen katholischen Ort ihrer Gelegenheit nach ohne Verhinderung zu geben und zu verwenden, damit ihrer (im Gebete) möge gedacht und die gestiftete Seelenmeß möge gehalten werden." Dieterich kaufte auch 1616 (Bemerkung: diese und die folgende Jahreszahl stehen so im Original.) von Hans von Schauberg dessen Besitz zu Traustadt für 53000 Gulden und baute daselbst eine Kirche. Leider starb der fromme Ritter bereits am 8. August 1601, erst im 44. Lebensjahre und hinterließ bei seinem Tode von 6 Söhnen und 7 Töchtern, mit denen seine Ehe gesegnet war, zwei Söhne und zwei Töchter. Einen der Söhne hatteim Januar 1581 Kurfürst Daniel von Mainz in eigener Person aus der Taufe gehoben. Dieterich ist in der von ihm wiederhergestellten St. Johannes-Pfarrkirche zu Büchold gebraben. Die lateinische Inschrift des Grabmonumentes ist ein herrliches Testament des Verstorbenen an seine Hinterbliebenen und lautet in deutscher Uebersetzung: "Leb wohl vor allem, du meine süße Gemahlin! Vielliebe Kinder! Weint nicht über meinen Tod, sondern ahmt nach mein Leben! In Liebe hielt ich zu Gott und zu meinem alten Glauben; Gerechtigkeit habe ich geübt und Barmherzigkeit gegen die Armen. Beliebt war ich bei Kaiser und Fürsten, hoch und niedrig. Mannhaftigkeit habeich erstrebt, vom Glück war ich begleitet. Diese Kirche, dieses Schloß habe ich als erster an unsere Familie gebracht. Erhaltet das Erbe,vermehrt es, aber nicht durch Habsucht, sondern durch Tüchtigkeit. Haltet in Ehren, ihre Söhne und Töchter, die gute Mutter. Dieser lege ich euch ans Herz und euch die Mutter; euch aber und die Mutter empfehle ich meinem Blutsbruder, dem Fürsten von Würzburg, Julius, der euch Vater sein will. Ihn und euch alles empfehle ich meinem Gott; bei diesem laßt mich nun glückilich sein und strebt auch durch ein heiliges Leben zu ihm zu kommen." Die beiden Brüder Valentin und Dieterich wurden die Begründer der Echterschen Hauptlinien, die 1665 im Mannesstamm erloschen. Der letzte Echter - Erbmarschall Johann Philipp - starb 18jährig und liegt im Würzburer Dom begraben. Schloß Mespelbrunn ging hierauf an die Grafen von Ingelheim über. Beim Aussterben des Mannesstammes war nämlich als einziges lebendes Familienglied nur noch Maria Ottilie Echter übrig; diese, eine Enkelin Valentins, war vermählt mit Philipp Ludwig von Ingelheim. Mit kaiserlicher Genehmigung nahmen die Grafen v. Ingelheim zu ihrem eigenen Namen den der Echter hinzu und nennen sich seitdem Grafen von Ingelheim, genannte Echter von und zu Mespelbrunn. Welch herrliche Männer sind doch diese Echter von Mespelbrunn, die Geschwister eines Julius! Sie haben treulich gehalten, was sie ihrem Vater in der Inschrift des Grabdenkmals zu Hessenthal versprachen. Dort knien die neun Geschwister mit ihrem Vater und ihrer Mutter vor dem Kruzifix und sie lassen den Vater folgende Mahn- und Abschiedsworte an die Kinder richten: "Die Kaiser Karl, Ferdinand und Maximilian, sowei die Kurfürsten Albrecht, Daniel bis zum gegenwärtig regierenden haben meiner Glaubenstreue hohes Lob gespendet; ihr, meine Kinder, folget eures Vaters Spuren! Julius wird als Bischof ohnehin den Glauben zu verteidigen haben; aber auch ihr übrigen steht mit gleichem Eifer ein für den lebendigmachenden Glauben." Hierauf antworten die Geschwister dem Vater: "Dieser dein Wille, Vater, soll uns so hoch und heilig sein, daß auch nicht ein kleines Pünktlein daran soll verletzt werden. Und alle Sprößlinge, die aus deinem Stamme hervorgehen, werden den Weg gehen, den du durch uns jetzt lehrst; Julius wird unmittelbar den heiligen Glauben verteidigen, wir übrigen aber treten in gleicher Weise ein für den nämlichen lebensspendenden Glauben." Peter III. und Gertraud von Adolsheim ernteten die herrlichsten Früchte ihrer christlichen Kindererziehung und das ist der Eltern schönster Lohn. Sie schauten das mächtige Aufblühen ihres Geschlechtes und sahen Julius hinaufsteigen auf den Thron eines Reichsfürsten und Bischofs. 5. Die selige Kinderzeit. Kehren wir nun wieder zur seligen Kinderzeit der Echterschen Kinder ins waldumrauchte Schloß Mespelbrunn zurück. Hier in der gesunden, nervenkräftigenden Waldeinsamkeit wuchs Julius Echter im Kreise seiner Geschwister, unter den Augen seiner Eltern und seines Großoheims Philipp heran. Wahrscheinlich brachte Julius einen Teil seiner Kindertage auch an den Ufern des Maines in Stadtprozelten zu, wo sein Vater kurmainzischer Amtmann war. Denn es wohnte die Familie zeitweilig dort und mehrere von Julius jüngeren Geschwistern erblickten in Stadtprozelten das Licht der Welt. Ueber die Kinder jahre des Julius sind uns nur ganz spärliche Nachrichten überliefert. Seinen ersten Unterricht erhielt er von dem Hauskaplan Georg Amerbach. Dieser wra der Sohn eines Professors an der Hochschule zu Ingolstadt und wurde 1564 auch daselbst selber Lehrer. Ingolstadt war damals unter den benachbarten Universitäten immerhin die kirchlich zuverlässigste, und wenn wir von der Universität auf den Lehrer einen Rückschluß machen dürfen, so sehen wir, daß der Vater des Julius mit diesem Lehrer eine gute Wahl getroffen hat. "G. Amerbach war ein gerade auch in der alten Literatur gründlich gebildeter Mann, und wir gehen schwerlich irre, wenn wir annehmen, daß die aufrichtige Neigung zu den Wissenschaften, die seinen Zögling durch dessen ganzes Leben hindurch begleitet hat, nicht ohne das wesentliche Zutun dieses seines Lehreres in seiner Seele gepflanzt worden ist.(Fußnote: Wegele, Geschichte der Univ. Würzburg I (1882) 130.) Es hat sich das Glückwunschschreiben Amerbachs vom 14. Jan. 1574 erhalten, das er an Julius nach seiner Bischofswahl von Berching in Mittelfranken aus richtete, wo er damals Pfarrer war. Es legt dieses Schreiben in gleicher Weise für das wissenschaftliche Streben und den kirchlichen Sinn des Lehrers als für die herrlichen Anlagen und Charaktereigenchaften seines Schülers ein beredtes Zeugnis ab. Denn der ehemalige Hauskaplan schreibt an Julius: "Ich freue mich über dein hohes Glück; der liebe Gott hat dich auf die Warte gestellt und zur Leitung der Kirche berufen. Ich zweifle nicht daran, daß du bei deiner Tüchtigkeit, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, deinen glänzenden Anlagen, deinem Wissen und Ansehen, - Vorzüge, die dir wie selten in dieser Zeit einem zuteil wurden - das so große und schwere Amt der herzoglichen und bischöflichen Regierung nicht nur trefflich führen, sondern sogar die von vielen auf dich gesetzten Erwartungen überbieten wirst. Indes wenn du auch jetzt auserlesen bist, das Herzogtum und die Diözese zu regieren, so wirst du doch - wenn anders ich dich recht von Jugend an kenne - keineswegs die wissenschaftlichen Studien aufgeben; du wirst auch nicht zu sehr auf deine Macht oder deinen Namen oder auf das lächelnde Glück bauen. ... Was der hl. Paulus vom Bischof hauptsächlich verlangt, daran brauche ich dich nicht zu erinnern: daß er nämlich das zuverlässige, der Lehre gemäße Wort ergreife, daß er fähig sei, in der gesunden Lehre zu unterweisen und die Gegner zu widerlegen. Wenn dies je aber nötig war, so ist es unbedingt der Fall in den großen Wirren unseres Zeitalters, wo die meisten die gesunde Lehre nicht mehr ertragen wollen. Gott, in dessen Hand das Herz der Könige ist, lenke dich und die Deinigen dein ganzes Leben hindurch dergestalt, daß du seine Ehre und die der Braut seines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, im Auge und Sinn habest; ihm empfehle ich dich herzlich. Lebe wohl! Du bist mir, deinem einstigen Lehrer, stets mit herzlicher Zuneigung so liebevoll entgegengekommen; bewahre mir auch jetzt und für alle Zukunft deine Gunst, Huld und Güte, mein Fürst und Herr, den ich mit der höchsten Verehrung begrüße." Daß ein solch hervorragender Mann in den empfänglichen Jahren des ersten Knabenalters auf Julius nach allen Seiten hin den besten und tiefsten Einfluß ausübte und ihn namentlich auch in der Liebe zu der im Elternhause ohnedies so treu gepflegten katholischen Religion bestärkte, dürfen wir als sicher annehmen.. Die Ueberlieferung berichtet, daß später Fürstbischof Julius seinen ehemaligen Lehrer aus Anhänglichkeit und Dankbarkeit als Pfarrer nach Volkach berief. Im Jahre 1575 und 1576 hat wenigstens ein Pfarrer Georg Amerbach in Volkach gewirkt. Der lieben Jugend aber leuchtet der große Julius durch sein Beispiel voran im Lerneifer, der Liebe und der Dankbarkeit gegen seinen Lehrer. 6. Studien- und Wanderjahre. Es nahte die Zeit, wo Julius das elterliche Schloß verlassen sollte, um an auswärtigen Schulen seine Studienlaufbahn zu beginnen. Die Schulen, welche dmals in Franken für angehende Studenten in Betracht kamen, waren die geistlichen Dom- und Stiftsschulen. Hier bot sich den Adeligen zugleich zum Studium eine willkommene finanzielle Unterstützung in den geistlichen Pfründen an den Domkapiteln und Ritterstiften. Hatte sich jemand eine solche Pfründe verschafft, so tat sie ihm die gleichen Dienste wie heute die Studien-Sipendien. Drum widmete der Adel gerne die ältesten Söhne dem geistlichen Stande und ließ sie in solche Stifte eintreten, indes die jüngeren die Familie fortpflanzen sollten. Fanden sie später keine Neigung am geistlichen Stande, so blieb es ihnen unbenommen, auf ihre Pfründen zu verzichten und zu heiraten, wie wir dies von den Brüdern des Julius bereits hörten. Am Würzburger Dom existierten nun 54 solcher Pfründen; 24 davon trafen auf die eigentlichen Domkapitulare, welche Sitz und Stimme im Domkapitel hatten und sich mit dem Bischof in die Regierung der Diözese teilten. Die übrigen 30 waren den sogenannten Domizellaren oder Domschülern vorbehalten; diese hatten ein geringeres Einkommen. Ursprünglich lebten die Domherren alle in einem Gebäude zusammen nach einer gemeinsamen Regel wie in einem Kloster. Das Kapitel unterhielt für den Nachwuchs eine Schule, welche der Aufsicht des Domscholasters oder Domschulmeisters unterstellt war. Als sich später das gemeinsame Leben auflöste, wohnten die einzelnen Domherrn in den sogenannten Domherrnhöfen. Auch die Domschüler lebten in Würzburg nicht zusammen in einem Hause, sondern wohnten bei verwandten oder bekannten Domherrn in deren Behausung. Seit ältester Zeit wurden ins Würzburger Domstift nur adelige Personen aufgenommen und es mußte der Bewerber oder im Falle von dessen Unmündigkeit andere Adelige beschwören, daß er väterlicher- und mütterlicherseits je 4 adelige Ahnen habe; dies hieß man "aufschwören". Es wurden die Pfründen an diesen geistlichen Stiften bereits an Knaben verliehen. Die einzelnen Domkapitulare hatten das Recht, im Erledigungsfalle einer Pfründe der Reihe nach abwechselnd einen neuen Inhaber für dieselbe zu ernennen. So konnten die adeligen Domherrn stets wieder ihren verwandten und befreundeten Familienmitgliedern die gestilichen Pfründen zuwenden; es sanken die Domstifte leider zu Versorgungsanstalten für Adelige herab; viele kamen so ohne Beruf zum geistlichen Stande und führten nach wie vor ein weltliches Leben; die Priesterweihe war selbst für die Domkanoniker nicht vorgeschrieben, sondern nur das Subdiakonat. Der Domdechanz aber sollte Priester sein, weil er an hohen Festtagen das Hochamt zu halten hatte. Diese Zustände an den Domstiften trugen eine Hauptschuld am Verfall des kirchlichen Lebens zur Zeit der Glaubensspaltung. Julius Echter war neun Jahre als, als sich sein Vater nach der Sitte der Zeit für seinen Sohn, an dem er die besten Talente bemerkt hatte, um solche geistliche Pfründen umsah. Da aber die Pfründen der Domizellare nicht allzugroß waren - in Würzburg erhielt ein Domizellar ums Jahr 1800 jährlich an die 338 Gulden in Geld sowie etliche Malter Weizen, Korn und Haber - so suchte man gleichzeitig nach der weiteren Unsitte jener Zeit in verschiedenen Dom- und Ritterstiften eine Pfründe zu erhalten, um die Jahreseinkünfte dadurch zu erhöhren. Peter Echter bewarb sich für seinen Sohn Julius zunächst bei dem Kollegialstift St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg um eine Pfründe und Julius erhielt eine solche am 5. Oktober 1554. So mußte denn Julius als Stiftsschüler nach Aschaffenburg übersiedeln. Am 29. November des gleichen Hahres erhielt er auch durch Nomination des Domscholasters Heinrich von Würzburg die erledigte Pfründe des Martin von Wiesenthau als Domizellar am Domstift in Würzburg. Als Vater Peter Echter sich persönlich bei dem Domstifte in Würzburg für Julius um Erteilung der Pfründe bewarb, da sagte er das prophetische Wort: "Ich hoffe, daß meine Söhne sich also erzeigen und anstellen werden, daß man mit ihnen wohl zufrieden sein kann." Die Domizellare mußten dort, wo sie eine Pfründe erhalten, auch wirklich eine Zeit lang - mindestens 6 Monate - wohnen oder "Residenz halten". Deshalb siedelte Julius im Dezember 1557 von Aschaffenburg nach Würzburg über; in Aschaffenburg wurde er unter dem 11. Januar von der Residenzpflicht dispensiert; am 20. Dezember 1557 stellten die Domkapitulare Andr. von Thüngen und Erasmus Neustetter beim Domkapiel den nunmehr 12-1/2jährigen jungen Edelmann vor; Julius mußte in Würzburg vorschriftsgemäß bis mindestens 20. Juni 1558 bleiben; er wird bei einem befreundeten Domherrn gewohnt haben, indes er unter dem Domscholaster Michael von Lichtenstein die Domschule besuchte, an der auch der Weihbischof Dr. Georg Flach Unterricht erteilte. Damals erlebte Julius in Würzburg ein Ereignis, das die ganze Stadt und das Herzogtum in tiefe Erregung brachte. Am 15. April 1558 wurde der regierende Fürstbischof Melchior Zobel von Guttenberg durch Meuchelmörder, welche der mit dem Bischof verfeindete Ritter Wilhelm von Grumbach zu Rimpar gedungen hatte, auf dem Wege nach seinem Schlosse Marienberg erschossen. Zum Nachfolger wurde der Domdechant Friedrich von Wirsberg gewählt. Als Junker Julius den neuen Fürstbischof in den Dom einziehen sah, ahnte er nicht, daß er nach ihm den Stuhl des hl. Burkard besteigen werden. Am 7. Oktober 1558 erhielt Julius zu den beiden bisherigen geistlichen Pfründen noch eine dritte als Domizellar am Erzstift Mainz. Deshalb stellte der nunmehr 14jährige Edelmann am 12. Mai 1559 an das Würzburger Domkapitel die Bitte "gen Mainz ad studium zu ziehen" und daselbst zugleich seine Residenz als Domizellar des Erzstiftes zu machen. Die Erlaubnis wurde gewährt. Am 31. Mai 1559 treffen wir Julius in Mainz und am 18. Juli ließ er durch den Domkapitular Andr. von Thüngen sein von der Mainzer Schule erhaltenes Studienzeugnis dem Würzburger Domkapitel vorlegen. In Mainz stand Julius wieder unter der Aufsicht seines Vaters, der viel beim Erzbischof weilte. Dieser aber, der Kurfürst Daniel Brendel von Homburg, entschloß sich, einige adelige Jünglinge, darunter Julius und seinen älteren Bruder Adolf, dem Kölner Jesuitenkolleg zur Erziehung anzuvertrauen. Sicherlich darf man daraus schließen, daß der Erzbischof auf Julius große Stücke hielt und ihm die bestmöglichste Ausbildung gewähren wollte. Zur Uebersiedelung nach Köln brauchte aber Julius auch Erlaubnis von Würzburg; denn die jungen Domherrn waren in der Wahl von auswärtigen Studienorten nicht frei, sondern an die Zustimmung des Domkapitels, an dem sie Pfründen genossen, gebunden; demselben mußten sie auch ihre Studienzeugnisse einsenden. Das Domkapitel wollte durch diese Maßregel verhindern, daß in jenen Zeiten, wo manche Universitäten, wie Wittenberg, zum Protestantismus abgefallen oder denen er, wie in Leipzig und Heidelberg, gewaltsam aufgenötigt wurde, die jungen Domherrn auf ihrem Studiengange durch ihre Lehrer und Mitschüler von der Irrlehre angesteckt würden. Daher durften sie nur katholische Schulen besuchen. Julius suchte also in Würzburg um die Erlaubnis nach, auf die Universität in Köln und nachher gelegentlich sich nach Löwen zu begeben. Es scheint das Würzburger Domkapitel zuerst dagegen Schwierigkeiten gemacht zu haben; denn die alte Lebensbeschreibung berichtet: "Seine Studia, soviel er darzu Erlaubnis nicht ohne Bemühung und mit Interzession Erzbischofen Daniels zu Mainz, als dessen Orts er auch Domherr war, haben können, die ihm dann etwas sonders schwer gemacht wurde, hat er anfangs in Belgiis, dann etlicher Ort in Gallia, und endlich in Italia, auch zu Rom, prosequiert." (Gropp III, 313). Allein schließlich erhielt er vom Domkapitel zu Würzburg die gewünschte Erlaubnis. Bald darauf schrieb er aber an dasselbe: er sei auf der Reise nach Köln unterwegs erkrankt und könne deswegen bis zur versprochenen Zeit nicht dorthin kommen; sobald er wieder genese, wolle er sich dann unverzüglich auf eine andere "unverdächtige" und zugelassene Universität begeben, weil die Aerzte ihm den Aufenthalt zu Köln mißraten hätten. Julius hat nun gleichwohl im Herbst 1559 bis 1561 in Köln am Jesuitenkolleg studiert, denn wir besitzen darüber bestimmte Nachrichten. Die Universitätsbibliothek in Würzburg bewahrt ein Studienzeugnis der Kölner Universität für Julius vom 11. April 1561. Er wohnte als Zögling bei den Jesuiten und betrieb die Gymnasialfächer. Sein Lehrer war Pater Magister Johann Berkelius. Als Julius nachmals den bischöflichen Stuhl bestiegen, schrieb der Provinzial P.Tyräus und der Rektor des Jesuitenkollegs in Würzburg, P.Bader, an den General in einem Brief vom 24. Juni 1575: "Seine Zuneigung gegenüber dem Orden ist allbekannt; er hat es als Jünglich gezeigt, als er in unseren Schulen erzogen wurde, und als Kanonikus bekräftigt; jetzt aber ist sein Wohlwollen in demselben Maße wie seine Würde nur noch erhöht, was er durch Wort und Tat zu zeigen nicht aufhört." In Mainz und Köln hatten schon etliche Jahre vor der Ankunft unseres Julius Echter die Mitglieder des Jesuitenordens den Boden für eine Wiedergeburt des religiösen Lebens bereitet. Dieser Orden war i.J. 1540 von Papst Paul III. bestätigt worden und bereits 2 Jahre später wirkte der selige Petrus Faber, der erste Jesuit, welcher deutschen Boden betrat, in Mainz und später in Köln und stiftete vielen Segen. In Mainz machte in der Osterzeit 1543 bei dem Seligen ein glänzend begabter und dabei gottbegeisterter Kölner Universitätsstudent die hl. Exerzitien; es war dies der selige Petrus Canisius aus Nymwegen (geb. 1521), der nachmals der zweite Apostel Deutschlands werden sollte. Der selige Petrus Faber machte auf den jungen Studenten solchen Eindruck, daß er ebenfalls beschloß, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. So gewann der selige Petrus Faber in Canisius den ersten Deutschen und einen anderen Seligen für seinen Orden. Petrus Canisius kehrte nach Köln zurück und wirkte daselbst bereits als Student durch Wort und Beispiel segensreich auf seine Mitchüler ein, später auch als Lehrer an der Universität; noch größer war sein Einfluß durch seine Predigten nach Empfang der Priesterweihe 1546. In Köln war es auch, wo der selige Petrus Faber 1544 den Grund zum ersten deutschen Jesuitenkolleg legte, indem er neben dem seligen Canisius noch 6 andere Ordensgenossen um sich scharte. Bald wurde das Kölner Ordenshaus eines der blühendsten und Deutschland und eine Pflanzschule apostolischer Männer für unser Vaterland. Selbst der Sohn eines Kölner Bürgermeisters, Johann von Reidt, schloß sich der Gesellschaft Jesu an, und ihm, der sich P.Joh. Rethius nach der damals üblichen lateinischen Umformung seines Namens nannte, wurde i.J. 1556 eines der 3 städtischen Kölner Gymnasien, die sogenannte Dreikronenburse übertragen. Bald überflügelte das Kölner Jesuitenkolleg die beiden anderen städtischen Anstalten weitaus und zog die Augen von ganz Deutschland auf sich, wie wir es bereits von Erzbischof Daniel von Mainz hörten. Als Julius nach Köln kam, umfaßte das Jesuitengymnasium unter dem Rektor P.Rapethius bereits 6 Klassen und ein theologisches Kolleg. Im August 1560 zählte die Anstalt bereits 480 Schüler unter 12 Lehrern. Die Jesuitenschulen erzielten bald solche Erfolge und gewannen solchen Zulauf, daß sie den Neid der Protestanten in ganz Deutschland erweckten. Sie vermittelten nicht bloß gründliche Bildung, sondern auch eine gediegene Erziehung, was die Eltern bei dem damaligen rohen Wesen auf den Universitäten nicht gering anschlagen mochten. Der hl. Ordensstifter Ignatius von Loyola hatte seine Grundsätze über Schule und Erziehung in einem Schreiben an den Herzog von Bayern, als dieser von ihm Lehrer für die Universität Ingolstadt verlangte, also dargelegt: "Es sind Professoren nötig, denen es nicht genügt, ihre Hefte abzulesen, sondern, die sich auch eine besondere Angelegenheit aus dem Fortschritte der Schüler in der Wissenschaft und in den christlichen Sitten machen, und die darauf bedacht sind, ihre Zöglinge nicht allein zu Gelehrten, sondern auch zu gesitteten Menschen zu bilden." Julius Echter war nun nicht bloß Schüler am Jesuiten-Gymnasium, sondern lebte auch als Zögling im Jesuitenkonvikte unter der Aufsicht der Ordensmänner. Er war seinen Erziehern in Liebe zugetan; es mochte dieser Aufenthalt zeitlebens auf ihn tief nachgewirkt haben. Dort lernte Julius seinen klassischen lateinischen Stil, den die Zeitgenossen an ihm rühmen. Die Kölner Studienkataloge aus jenen Jahren lassen ersehen, daß regelmäßige Wiederholungen, öffentliche Disputationen, Lösungen von Preisfragen einen regen wissenschaftlichen Wettbewerb bei Lernenden und Lehrenden unterhielten und das Wissen in ein Können verwandelten. Nach den Kölner Vorlesungsverzeichnissen wurde damals an Samstagen und Sonntagen Epistel und Evangelium und der Katechismus des seligen Canisius erklärt. Zwar hüteten sich die Jesuiten vor jedem Uebermaß in religiösen Uebungen, aber es wurde auf tägliches Gebet und Besuch der hl. Messe und regelmäßigen Empfang der hl. Sakramente gesehen. Dadurch wurde bei Julius der feste Grund zu dem sittenreinen und frommen Leben gelegt, das nachmals Freund und Feind bei ihm anerkennen mußte. Im Sommer 1561 siedelte Julius und sein jüngerer Bruder Sebastian von Köln auf die berühmte Universität Löwen über, von wo sie im August die gesetzlichen Nachweise ihrer Immatrikulation an das Domkapitel nach Würzburg einsandten. Löwen, die alte Hauptstadt der belgischen Provinz Brabant, war fast noch mehr wie Köln ein Mittelpunkt katholischer Bildung und Wissenschaft. Die theologische Fakultät war hochberühmt; verschiedene reich ausgestattete Kollegien schützten die Studenten vor einem frivolen und ausgelassenen Leben. Der berühmte Gelehrte Erasmus von Rotterdam schreibt voll Begeisterung über Löwen im Jahre 1521: "Nirgends findet sich mehr Muße zum Studium, nirgends unter der Jugend ein größerer Eifer für die Wissenschaft. An Menge der Studierenden steht die Universität Löwen keiner nach, ausgenommen der von Paris. Die Anzahl der Studenten beträgt etwa 3000, und fortwährend strömen noch neue hinzu." Die Löwener Hochschule trat der Glaubensspaltung mit größter Entschiedenheit entgegen und verteidigte mit regem Eifer die katholische Lehre. Die theologische Fakultät von Löwen teilte mit der von Köln den Ruhm, die erste öffentliche Erklärung gegen Luther abgegeben zu haben. An der Kirchenversammlung von Trient nahmen mehrere ihrer Mitglieder in ehrenvoller Weise teil. So rühmt der päpstliche Legat Commendone um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Universität Löwen als ein Bollwerk des Glaubens, weithin berühmt durch den Ruf der Professoren und die Menge der Studenten. So mußten die beiden jungen Echter auch hier die besten Eindrücke empfangen. Belgien und die Niederlande standen damals unter spanischer Herrschaft. König Philipp II. setzte alles daran, seine Länder dem katholischen Glauben zu erhalten. Daher gründete er im Jahre 1562 in Duai eine Universität, damit diese ebenso für die südlichen Teile der spanischen Niederlande ein Bollwerk der katholischen Religion gegenüber der Irrlehre werde, wie es Löwen für die nördlichen Teile war. Eine Reihe der berühmtesten Löwener Professoren wie Estius, Sylvius, Stalpleton siedelten damals nach Duai über. Auch Julius und Sebastian folgten am 17. September 1563 den Professoren dorthin; das Würzburger Domkapitel hatte die Uebersiedelung genehmigt. Im Protokoll seiner Sitzung vom 13. August 1563 erfahren wir, wie sorgsam der Vater Peter Echter über seine Söhne wachte; denn es sagt von den beiden Echtern: "Haben - nunmals mit ihrem lieben Vater bedacht, ihr angefangen studio zu kontinuieren (fortzusetzen), seien sie mit dem lieben Vatern bedacht, auf ein katholisch Universität gen Duarium (Duai) in Arrois, dem König aus Hispanien zugehörig, zu ziehen." In den Niederlanden konnten die jungen Echter aus nächster Nähe die Wühlarbeit und Umtriebe verfolgen, durch welche eine Adelsverschwörung unter Wilhelm von Oranien und dem Graf von Egmont den wenige Jahre später erfolgten Abfall der Niederlande von Spanien und der katholischen Religion vorbereitete. Später mußte sich Fürstbischof Julius Echter als kaiserlicher Kommisar noch viel mit der niederländischen Angelegenheit beschäftigen. Julius war zum Unterhändler wie wenige geeignet, auch deswegen, weil er durch 5jährigen Aufenthalt in Löwen und Duai Land, Leute und Verhältnisse in Belgien gründlich kennen lernte. Im Jahre 1566 war der Boden in den Niederlanden schon recht heiß geworden; im August 1566 brach ein Bildersturm los, der in einer Woche 400 Kirchen und Altäre in Schutt und Staub verwandelte. Die unseren Kriegern so wohlbekannten Kirchen von Ypern, Menin, Comines, Valenciennes, Tournay und Antwerpen wurden damals verwüstet. Es sicher anzunehmen, daß Peter Echter, der erfahrene Rat des Kurfürsten von Mainz, des Erzkanzlers des deutschen Reiches, den kommenden Sturm in den Niederlanden voraussah. Er beschloß seine Söhne von da wegzunehmen. Auch viele Professoren, die das wissenschaftliche Leben an der neugegründeten Universität zur Blüte bringen sollten, kehrten wieder nach Löwen zurück oder zogen nach Frankreich. Deshalb baten die beiden jungen Echter das Domkapitel von Würzburg, den ursprünglich auf 3 Jahre berechneten Studienaufenthalt in Duai abkürzen und ihre Studien in Paris fortsetzen zu dürfen. Am 27. April 1566 senden sie bereits ihre Zeugnisse von Paris ans Würzburger Domkapitel ein. Schon damals war Paris das Herz von Frankreich und das Leben von Frankreich pulsierte in Paris. Der alte Glanz der Universität war indes schon im Erbleichen. Schwere Glaubenskämpfe erschütterten das Land; die Reformierten, die man in Frankreich Hugenotten nannte, suchten sich mit Waffengewalt freie Religionsübung zu erzwingen. In Paris regiert zur Zeit der Anwesenheit von Julius Echter ein kindischer Knabe als König, Karl IX. Tatsächlich war seine Mutter, die herrschsüchtige Katharina von Medici, die Regentin des Landes. Vielleicht erschien dem Vater Peter auch der Boden von Paris zu unruhig und gefährlich für seine Söhne; kurz, sie siedelten im September 1566 nach Angers über. Angers, die Hauptstadt des heutigen Departements Maine und Loire, etwa 300 Kilometer südwestlich von Pars gelegen, zu beiden Seiten des Maineflüßchens, das wenige Stunden unterhalb der Blumenstadt Angers in die Loire mündet, beherbergte Julius und Sebastian Echter ungefähr ein Jahr. In Angers hatte isch aus einer Rechtsschule eine Universität entwickelt, die 1432-1685 bestand. Man darf aus dem Umstand, daß Julius und sein Bruder Angers und darauf Pavia besuchten, wo das Studium des weltlichen und kirchlichen Rechtes ebenfalls in großer Blüte stand, darauf schließen, daß sie vor allem juristische Studien betrieben. Die Universitätstadt Angers mitdem türmereichen Schloß der Herzöge von Anjou, der alten dreitürmigen Kathedrale St. Moritz und den mittelalterlichen Kirchen und seinem imposanten Spital mochten Julius auch manche Anregung fürs spätere Leben mitgegeben haben. Vielleicht beförderte die Erinnerung an diese Zeit seinen Gedanken, dem Frankenland auch ein so prächtiges Spital zu stiften; vielleicht hat er aus dem türmereichen Angers auch de Vorliebe für die Kirchenbauten mit den hohen Turmspitzen mitgenommen. Im Spätsommer 1567 erholen sich die beiden Echter die domkapitelische Erlaubnis zur Fortsetzung ihrer Studien in Pavia in Italien und der Vater schreibt daheim ins Familienbuch: "Anno 1567 den 20. September ist Julius und Sebastian in Italiam nach Paviam in Gottes Namen gezogen." Vielleicht ist dies Wort "in Gottes Namen" mehr als eine bloße fromme Redensart gewesen. Denn die Reise quer durch Frankreich muß in jenen Tagen der Hugenottenkämpfe nicht ungefährlich gewesen sein. Auf den Michaelstag, den 29. September 1567, hatte nämlich die Hugenotten den allgemeinen Angriff festgesetzt. Sie nahmen Orleans und eine Menge Festungen ein, der König mußte fliehen, in Eilmärschen kam zum Schutz des Königs ein Schweizerheer heran. In diesen kritischen Tagen also zog Julius und Sebastian nach Oberitalien. Da konnte der nunmehr 22jährige Julius leicht in Lagen kommen, die seinen nachmals so gerühmten Mut auf die Probe stellten. Pavia, am Tessino unweit dessen Mündung in den Po gelegen, 4 Meilen von Mailand entfernt, war eine der ältesten und berühmtesten Universitäten Europas, die zu den Zeiten ihres größten Glanzes 12000 Studenten beherbergte. Es wurde dort, wie schon gesagt, besonders das Rechtsstudium betrieben. Hier hatte auch der damals regierende Papst Pius der V., der Heilige, studiert. Auch Pavias Gegenwart und Vergangenheit mußte den beiden jungen Edelleuten viel Anregendes bieten; wenige Kilometer nördlich von Pavia stand die alte Certosa, eine Perle er Kunst, und Pavia wie Italien überhaupt konnten wie kein anderes Land einem sinnigen Gemüte Liebe zu Wissenschaft und Kunst einflößen. Wie lange Julius vom Herbst 1567 ab in Pavia weilte, wissen wir nicht. Vom Domkapitel hatten sie die Studienerlaubnis "für 1 Jhar oder etliche" erbeten. An das erste Studienzeugnis, das sie von Pavia aus ans Würzburger Domstift sandten, knüpft sich eine heitere Anekdote. Die beiden Brüder hatten offenbar infolge einer Verwechslung statt des vorgeschriebenen Studien- und Sittenzeugnisses einen vom Rektor des Gymnasiums zu Pyvia ausgestellten Zollbrief eingesandt, vermöge welchen sie als Studenten zollfrei hin und her passieren konnten. Das Domkapitel beschloß am 5. Januar 1568 ihrem Vater zu schreiben, er möge seine Söhne mahnen, künftighin zur gebührenden Zeit richtige Zeugnisse einzuschicken. Sonst war jedoch das Domkapitel mit allen Zeugnissen, die Julius einsandte, sehr zufrieden; denn jedes erteilte ihm das größte Lob. Den Abschluß seiner Studien machte Julius in der ewigen Stadt Rom. Hier erwarb er sich auch den akademischen Grad eines Lizentiaten beider Rechte. Ein solcher hatte in einem schriftlichen und mündlichen Examen zwei Texte zu bearbeiten, den einen aus dem römischen und den anderen aus dem kanonischen Rechte. Auch diese Tatsache zeigt, daß Julius vorweg juristische Studien betrieb. Ob Julius bei seinem Aufenthalt in der ewigen Stadt ein Zögling der vom hl. Ignatius gestifteten und von seinen Söhnen geleiteten römischen Kollegien war, ist nicht bekannt. Jedenfalls aber nahm Julius vom Zentrum der Christenheit die tiefsten Eindrücke mit in die deutsche Heimat. Seit 1566 saß auf dem Stuhle Petri ein Heiliger, Papst Pius V., als ein seeleneifriger Apostel wirkte der hl. Philipp Neri damals in Rom; ein hl. Stanislaus Kostka hatte daselbst eben erst (gestorben 1568) sein reines Leben als Jesuitennovize vollendet. An der Spitze dieses Ordens stand der hl. Franz Borgias (1565-72). Der hl. Erzbischof von Mailand und Kardinal Karl Borromäus hatte als Kardinalstaatssekretär seines Oheims, des Papstes Pius IV. unmittelbar zuvor segensreich in rom gewirkt. Die Kirchenversammlung von Trient (1545-1563) hatte die längst geforderte Reform der Kirche durchberaten und ins Werk gesetzt; 1563 ward unter den Studenten am römischen Kolleg die erste Marianische Kongregation gegründet. 1566 erchien im Auftrag der Trienter Kirchenversammlung ein für die Pfarrer bestimmtes prachtvolles Handbuch der Theologie, der sogen. Römische Katechismus. So blühte allenthalben neues katholisches Leben aus den Ruinen. Das alles mußte den 24jährigen Julius Echter in seinen guten Gesinnungen noch mehr befestigen. In dieser Zeit wird Julius auch die hl. Weihen empfangen haben und in Rom, wo einst der hl. Diakon Laurentius gemartert wurde, ebenfalls Diakon geworden sein. So verließ Julius Echter nach langjährigen Studien an den Universitäten, reich an Wissen und Welterfahrung, als gottgeweihter, erprobter junger Mann im September 1569 Italien und kehrte nach einem kurzen Besuch in der alten Kaiserstadt Wien, wo er einige Zeit im Kanzleramt arbeitete, in die Heimat zurück. Am 15. Oktober 1569 überreichte Julius dem Domkapitel zu Würzburg die ehrenvollsten Zeugnisse über seine akademischen Studien und erlangten Würden und ward am 10. November desselben Jahres auf den ihm nunmehr gebührenden Sitz als wirklicher Kapitular ins Domkapitel eingeführt. 7. Die Zustände im Hochstift Würzburg. Der neue Domkapitular hatte nun Gelegenheit, die weltlichen und kirchlichen Verhältnisse im Herzogtum aus der nächsten Nähe zu beobachten, und seinen Teil zu ihrer Besserung beizutragen. Es waren damals die Zustände ungemein traurige, wenn auch durch die unablässigen Bemühungen des frommen und eifrigen Fürstbischofs Friedrich von Wirsberg (reg. von 1558-73) immerhin bereits eine Besserung gegen früher angebahnt worden war. Die Hälfte der Einwohner von Stadt und Hochstift mochte der protestantischen Lehre anheimgefallen sein; der Klerus war zumeist zuchtlos- und ungebildet, dazu war infolge der früheren Kriege und Brandschatzungen das Land verwüstet und verschuldet. Am mitregierenden Domkapitel fand der Fürstbischof bei seinen auf Verbesserung der Kirchenzucht abzielenden Maßregeln wenig Unterstützung, ja oft sogar nur Widerstand und Schwierigkeiten. Ein scharfer und erfahrener Beobachter hatte zwei Jahre vorher bei seiner persönlichen Anwesenheit und Wirksamkeit in Würzburg die Zustände für derart schlimm befunden, daß man sich heute noch fast wundern muß, wie die Diözese aus diesem Elend nochmals gerettet werden konnte. Es war dies der selige Petrus Canisius; er weilte in der Fastenzeit des Jahres 1567 in Würzburg und heilt an 3 Tagen in der Woche im Dom Fastenpredigten und an 2 anderen Tagen Christenlehre in der Franziskanerkirche. Zugleich ging er dem Fürstbischof mit seinen erfahrenen Ratschlägen über die Reform der Diözese zur Seite und arbeitete zu diesem Zweck ein größeres Gutachten aus. Gleichzeitig verhandelte er mit dem Fürstbischof über die Gründung eines Jesuitenkollegs in Würzburg. An seinen General, den hl. Franz Borgias schrieb aber der selige Petrus Canisius am 10. März 1567 folgenden Bericht über die Lage der Diözese: "Ich finde hier das Erntefeld im traurigsten Zustande. Der Adel ist hier sehr zahlreich, aber man zählt darunter nur noch drei oder vier Katholiken. Ich höre, es gäbe in Würzburg kaum einen Beichtvater, der die Absolutionsformel richtig hersagen kann. Der verweltlichte Klerus ibt überall Aergernis. Waffenübungen nehmen der meisten Zeit und Intersse in Anspruch. Fast alle Stände scheinen in Auflösung und Verwirrung geraten zu sein. Daher verlangt das Erntefeld Frankens hervorragend erprobte und brauchbare Arbeiter, die Liebe und Geduld üben wollen und können." Und Canisius fleht den General an, er und die ganze Gesellschaft Jesu möchten ihre Gebete zum Himmel senden, daß er auf diesem unfruchtbaren Boden einige geistliche Frucht am Ende des Fastenzeit einernten könne. Aehnlich hat er sich schon früher des öfteren über die Verhältnisse in Würzburg geäußert: "Die Irrlehre hat den Katholiken in Franken kaum noch Weniges übrig gelassen" (Brief vom 6. August 1559). "Die adeligen Domherrn leben in Würzburg in größter Ungebundenheit" (Brief vom 2. Mai 1562). "Die Stadt Würzburg ist von den falschen Glaubenslehren überschwemmt. Der Klerus ist mehr militärisch als geistlich und voll von Lastern. Viele Pfarrer hängen zum großen Aergernis des Volkes der neuen Lehre an. Dabei ist das Herzogtum beunruhigt durch Kriegsgefahr. Der gute greise Bischof wagt ohne militärisch Bedeckung nicht in seine Domkirche zu gehen oder seine Burg zu verlassen, weil er mehr als irgend ein anderer Bischof feindliche Nachstellungen fürchten muß." Der Selige glaubt daher, daß in Würzburg einer Niederlassung seines Ordens von seiten des Klerus wie des Volkes mehr als irgendwo sonst in Deutchland ein schwerer und vielseitiger Kampf drohe. So berichtete der Selige an den General am 15. November 1565, nachdem er 8 Tage vorher als geheimer päpstlicher Legat dem Bischof von Würzburg die Beschlüsse der Kirchenversammlung von Trient überbracht hatte. "An der Kathedralkirche von Würzburg gibt es ebenso wie in Mainz, Köln und Straßburg Domherrn, die im Glauben vedächtig sind, ja sogar offene Häretiker, und ihre Zahl scheint allmählich zu wachsen." (Bericht vom 23. Juli 1567). So sehr war man an den Abfall der Geistlichen gewöhnt, daß im Frühjahr 1568 vo Protestanten das Gerücht ausgesprengt werden konnte, Canisius sei ebenfalls abgefallen. Um diese Gerüchte zu widerlegen, kam der Selige im April 1568 auf dringendes Bitten des Fürstbischofs zum 4. Male nach Würzburg und predigte am Weißen Sonntag im hohen Dom über den katholischen Glauben und tags darauf in Eibelstadt. Der greise Bischof Friedrich von Wirsberg klagte dem Papste Pius V. im Jahre 1567 selber seine Not mit folgenden Worten: "Bei uns breitet sich nicht eine, sondern fast unzählige Irrlehren aus. Von den erwachsenen und älteren Leuten, deren Verstand und Herz mit den langjährigen schlimmen Gewohnheiten verwachsen ist, läßt sich wenig Gutes mehr erhoffen; sie sind kaum zum richtigen Glauben und Leben zurückzubringen. Denn die einen sind verbohrt in ihrem Irrtum, andere sind schwankend und unzuverlässig und kommen zu keinem festen Entschluß, zu welchem Glauben sie sich halten wollen; ganze Katholiken sind nur noch wenige vorhanden und selbst diese sind meist ohne Wärme und Begeisterung." Ein düsteres Bild über die damalgie Lage der Kirche in Deutschland überhaupt gewährt auch das schriftliche Gutchten, das der selige Canisius über die Verbesserung der Würzburger Diözese bei seiner Anwesenheit im Frühjahr 1572 ausarbeitete; dsselbe wurde dann in seiner Gegenwart unter dem Vorsitz des Fürstbischofs von einer eigenen Kommission von Theologen und den geistlichen räten beraten. Darin heißt es: "Die katholische Kirche wird ganz besonders in den Kirchen Deutschlands sowohl heimlich von falschen Brüdern als auch öffentlich von erklärten Feinden und Irrlehrern bekämpft. Der Klerus scheint außer stande, seine Krankheiten und beinahe auch nicht einmal mehr die Heilmittel dagegen überstehen zu können; ers sieht es, daß den Gegnern gegründeter Anlaß gegeben wurde und noch gegeben wird, gegen die Sitten und Mißbräuche der kirchlichen Personen Beschuldigungen zu erheben. Dennoch bringt sie die jahrelange Verfolgung nicht zur Einsicht. Lieber lassen sie die Sache der Kirche ganz zu Grunde gehen als sich zur Beobachtung der priesterlichen Pflichten und Satzungen zurückbringen. Mit Verbissenheit berufen sie sich auf die bisher bei ihnen gebräuchliche Ungebundenheit des Lebens und der Sitten, die aber dem ganzen Stand zum höchsten Schimpf gereicht. Die Bischöfe und andere krichliche Oberen, die sich die Sache zu Herzen nehmen, müssen eine abschlägige Antwort fürchten, wenn sie von den Domherrn auch nur ein Geringes verlangen, was auf eine Bessergung abzielt. Man schreckt sie mit dem Hinweis auf die traurigen Zeitverhältnisse; einer wartet auf den anderen, wer zuerst das Eis breche, aber die Räte und Politiker sorgen dafür, daß alles überall erstarre. Während so Petrus schläft und Judas macht, wendet sich alles zum Schlimmern, so daß wir von der alten Kirche kaum noch den Schatten übrig behalten." Wir erfahren in diesem Gutachten von Priestern in der Diözese Würzburg, die sich verheiratet haben oder im Konkubinat leben oder von anderen, die offen Somonie treiben, von solchen, welche ohne Vollmachten von den dem Papste vorbehaltenen Sünden lossprechen; in den Klöstern, deren es damals in der Diözese sehr viele gab, wird von den meisten die Ordensregel und Ordenszucht mißachtet, das Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams gebrochen, auf Gottesdienst und Ordensgeist nimmt man nur geringe Rücksicht. Geistliche und Ordensleute leben, ohne jemand um Erlaubnis zu fragen, ohne das geistliche oder das Ordensgewand in der Welt. Es kommt der selige Canisius auch auf die bekannten Mißbräuche in den Kollegiatkirchen zu sprechen. Außer dem Domstift mit seinen 54 adeligen Mitgliedern gab es nämlich in Würzburg noch das Ritterstift St. Burkard und die beiden bürgerlichen Kollegiatstifte Neumünster und Sifthaug. Von den Kanonikern in diesen Stiften sagt nun der Selige, daß die meisten ihre Pfründe durch Simonie erlangen. Man will dort der Kirche nicht anders dienen als für ein paar Stunden um Geld. Das kirchliche Stundengebet verrichtet man nicht; eine kirchliche Kleidung zu tragen schämt man sich; gewisse Kanoniker und Dekane wollen nicht Messe lesen oder Priester werden; Gottesdienste und vieles andere, was zur Ehre Gottes gestiftet ist, wird unterlassen; in ihrem Hauswesen zeigt sich die Schande ganz offen; Müßiggang, Lurus, Trinkgelage, Würfelspiel sind ihre Beschäftigung, sie sind oftmals weit unanständiger als die Laien, sie halten sich nicht an den Unterschied der Speisen und das Fastengebot der Kirchen und geben damit kein geringer Aergernis. Fürstbischof Friedrich von Wirsberg hatte den esten Willen, die Verbesserungsvorschläge des seligen Perus Canisius durchzuführen; am 12. April 1568 verlangte er vom Domkapitel, es sollten fürs erste die gröbsten Mißbräuche abgestellt werden, nämlich: Die Priester des Domstifte sollten nicht, wie er das täglich sehe, ungebeichtet und unvorbereitet zum Altare gehen; die Kanoniker und Vikare im hohen Domstifte und den Nebenstiften verrichten ebenso wie andere Geistliche ihr Breviergebet selten oder gar nicht; manche Domherrn (die nicht Priester, sondern nur Subdiakone waren) kommunizieren im Jahre kaum einmal und etliche gar nicht, was von ihnen als geistlichen Personen ganz abscheulich zu hören sei; sie sollen künftig an hohen Festtagen oder zum wenigstens jährlich viermal kommunizieren. In den jetzigen verführerischen Abfallzeiten sollen die jungen Domherrn nur an unverdächtige Orte zum Studium geschickt werden. Die Vikare sollen gemeinsame Wohnung und Kost erhalten, damit ihr liederlicher und ärgerniserregender Haushalt aufhöre. Die Kanoniker, Vikare, Priester und andere Geistliche tragen sich so weltlich, daß man sie von Laien nicht unterscheiden kann, sitzen in Wirtshäusern, betragen sich auf der Straße leichtfertig. Diese sollen nach den kirchlichen Bestimmungen bestraft werden. Die Kanoniker besuchen den Chorgottesdienst und die Predigt schlecht. Es soll das schreckliche und unaufhörliche Gotteslästern und Fluchen, das bei geistlichen und weltlichen Personen, Männern und Frauen, jung und alt ganz eingerissen und ohne Scheu getrieben wird, ernstlich bestraft werden. Auch werde allenthalben ein großes Uebermaß im Essen und Trinken ohne Scheu geübt und Völlerei schier für keine Sünde mehr gehalten. Die verfluchte Simonie mit Kaufen und Verkaufen der Kanonikate und anderer Stellen im Domstift und den Nebenstiften, die öffentlich in Uebung sei, soll abgestellt werden. "In solchen offenen Sünden und Lastern", so schließt der Bischof sein Mahnschreiben an das Domkapitel, "leben wir dahin und die Obrigkeit läßt alles geschehen. Die Folgen: Spaltungen, Ungehorsam, Abfall, Aufruhr, sind vor aller Augen." Das Domkapitel ergriff jedoch keine bessernden Maßnahmen. Wenige Monate nach diesem Mahnschreiben, am 7. August 1568, drohte der Bischof dem säumigen Kapitel mit dem Strafgericht Gottes: "Wenn wir Geistliche uns nicht selbst reformieren und unserm Stand und Beruf gemäß halten, ist zu besorgen, daß Gott seinen Zorn und sein Strafgericht urplötzlich über uns alle wird ergehen lassen. Auch können wir bei den Weltleuten solange keine Aenderung und Besserung erwarten, als wir Geistliche nicht zuvor den Anfang damit machen." Der gute Bischof stand des Nachts von seinem Lager auf und flehte vor dem Bilde des Geekreuzigten weinend und seufzend die göttliche Barmherzigkeit um die Bekehrung seiner verirrten Schäflein und um einen Nachfolger an, der erleuchtet, kräftig und ausdauernd genug wäre, die der Kirche im Bistum geschlagenen Wunden zu heilen und das durchzuführen, was er infolge seines Alters nicht mehr könne. Sein Gebet erhörte Gott. Schon hatte die Vorsehung dieses auserwählte Werkzeug in seine Nähe geführt. Der greise Fürstbischof hatte nämlich den Trost, vom Herbst 1569 ab in dem jungen 24jährigen Julius Echter einen Domherrn zu erhalten, der den übrigen Mitgliedern des Domkapitels durch einen musterhaften Lebenswandel voranleuchtete und des Bischofs Pläne zur Sittenverbesserung nach Kräften unterstützte. Umgekehrt mußte Julius durch den frommen Eifer des Bischofs Friedrich in seiner guten Gesinnung, die ihm durch die häusliche Erziehung und seinen ganzen Studiengang eingepflanzt worden war, nur bestärkt werden, so viele Aergernisse ihn auch umgaben. Friedrich predigte selbst das Evangelium, spendete öffentlich die hl. Sakramente, was damals noch bei geistlichen Fürsten nicht gerade häufig vorkam. Dabei sah er sich emsig sowohl in Büchern wie bei erfahrenen Ratgebern nach allem um, was die Zustände in der Diözese verbessern konnte. Tatsächlich war schon mancher gute Ansatz zu einer Wendung vorhanden. Seit November 1567 hatten die Jesuiten durch die rastlosen Bemühungen des Fürstbischofs im ehemaligen Agnetenkloster zu Würzburg eine Niederlassung erhalten und die Leitung einer höheren Schule übernommen. Der Fürstbischof übergab ihnen auch ein Seminar, das er für 25 arme Stdierende gegründet hatte; sie übernahmen ferner die Dompredigten und leisteten auch sonst auf der Kanzel, im Beichtstuhl und durch Christenlehren dem Seelsorgsklerus fleißig Aushilfe. Auch sandte ihnen der Fürstbischof seit dem Jahre 1569 jene Geistlichen zu, welche schlecht unterrichtet oder der Irrlehre verdächtig oder davon bereits angesteckt waren, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Der ganze Geist, welcher dmals den jungen Jesuitenorden durchdrang und eine ganze Schar von Heiligen und Seligen schuf, hat sicherlich auch in Würzburg seine Früchte hervorgebracht. Der seelsorgerliche Eifer, der musterhafte priesterliche Lebenswandel sowie die gründliche Bildung der Mitglieder des neuen Ordens bewirkten hier wie sonst einen allmählichen Umschwung. Im Jahre 1564 hatte der eifrige Bischof außerdem seinem Klerus eine neue Kirchenagende gegeben, d.i. eine Anweisung, wie die hl. Sakramente in der geziemenden Weise gespendet werden sollten. Waren ja doch gerade die heiligen Zeremonien und Riten der Kirche von den Glaubensneuerern verspottet und in den Stuab gezogen und von leichtfertigen Geistlichen willkürlich verändert und verstümmelt worden. Auch war durch die Beschlüsse der Kirchenversammlung von Trient für alle Gutgesinnten nunmehr die feste Bahn klar vorgezeichnet. Am 29. März 1569 versammelte der Bischof sämtliche Prälaten, Klostervorstände und Dekane um sich und ließ ihnen die Beschlüsse der Kirchenversammlung vorlesen. Darnach mußten sie das Glaubensbekenntnis auf dieselben ablegen; endlich befahl er ihnen, bei den ihnen unterstellten Geistlichen dieselbe Handlung vorzunehmen. Vom Jahre 1573 an ließ dann der Fürstbischof an seiner neugegründeten Schule täglich 2 Stunden Vorlesungen über das Konzil von Trient abhalten und verpflichtete die Vikare an den Stiftskirchen Würzburgs, dieselben abwechselnd zu besuchen. So war wenigstens der Grund zu einer Besserung der Verhältnisse gelegt; das Gute regte sich und überließ nicht mehr wir früher der Neuerung verzagt und mutlos den Kampfplatz. 8. An der Spitze des Domkapitels. Im Domkapitel ragten damals zwei Männer hervor,die im gewissen Sinne zwei Richtungen in sich verkörperten: der Domdechant Erasmus Neustetter und der Domscholaster Egolf von Knöringen. Erasmus Neustetter, genannt Stürmer, zu Schönfeld im Hochstift Bamberg geboren, hatte eine sorgfältige Bildung genossen; er war zeitlebens ein großer Freund der Wissenschaften und bildete in Ostfranken den Mittelpunkt aller gelehrten Bestrebungen und den Sammelpunkt der Humanisten. 1545 trat er ins Würzburger Domkapitel ein und wurde 1564 zu dessen Dechant gewählt. Bekanntlich hatten viele der Humanisten mit dem Studium der alten heidnischen Schriftsteller auch so manche heidnische Ideen in sich aufgenommen und huldigten einer freieren Lebenspraxis; die Humanisten hatten vor der Glaubensspaltung Luther den Boden bereitet und viele jubelten ihm nachher begeistert zu. Auch Erasmus Neustetter war von den kirchlichen Reformbestrebungen des Fürstbischofs Friedrich nicht angenehm berührt und wurde bald der Führer der Unzufriedenen im Domkapitel, dessen Geschäftsführung er als Domdechant ohnedies in Händen hatte. So kam es zu einem fortgesetzten Kriege zwischen Bischof und Kapitel. Wenn der Bischof das Kapitel ob der Säumigkeit im kirchlichen Reformwerk anklagte, so hielt das Kapitel dem Bischof die Schuldenlast des Landes, die Mißwirtschaft der Beamten und den Schlendrian der weltlichen Räte vor. Der Domdechant beklagte sich, daß die höchsten Aemter, wie das Hofmeister-, Marschall- und Oberschultheißenamt zum Teil sehr übel, zum Teil gar nicht bestellt seien; der Kammerrat, Regiments- und Kanzleirat erledige aus Nachlässigkeit, Unordnung und Personenmangel die wichtigsten Geschäfte entweder gar nicht oder nur sehr schlecht. Deswegen wollte Neustetter wiederholt seine Stelle als Domdechant niederlegen und konnte nur mit Mühe dazu bewogen werden, sein Amt weiterzuführen. Der kirchlichen Richtung des Fürstbischofs Friedrich stand hingegen der Domscholaster Egolf von Knöringen näher. Im Jahre 1564 hatte er die Leitung der Domschule übernommen, die er alsbald mit kirchlichem Eifer und persönlichen Opfern neu organisierte. Heute noch erinnert an die Tätigkeit dieses Mannes die Inschrift über dem Portale der vormaligen Domschule im Kreuzgange des Domes vom Jahre 1565: "Zum Lobe Gottes und zum fortdauerndem Glücke dieses Staates dient es ebenso sehr, wenn man die Jugend in der Frömmigkeit, den schönen Wissenschaften und in rechtschaffenen Sitten unterrichtet, als wenn man eine Stadt mit Ringmauern umgibt und befestigt; denn der sicherste Schutz für einen langen und ungestörten Fortbestand wird gewährleistet durch die Beschlüsse kluger Männer und durch eine in allen Stücken weise Verwaltung." Im Jahre 1573 wurde Egolf von Knöringen zum Fürstbischof in Augsburg gewählt, starb aber nach kurzer Regierung bereits 1575. Beider Männer Amt sollte Julius Echter bald erben, so sehr hatte er sich schon in der kurzen Zeit durch seinen Ernst und seinen Fleiß und sein ganzes würdiges Verhalten das Vertrauen aller verdient. Als Egolf von Knöringen das Amt des Domschulmeisters niederlegte, schlug er dem Fürstbischof den jungen Julius Echter zu dieser verantwortungsdvollen Stelle vor. Es ist dies kein geringer Beweis des Vertrauens, den dieser treu kirchliche Mann dadurch Julius Echter entgegenbrachte. Denn vielfach herrschte bei den jungen Domherrn, über die der Domscholaster die Aufsicht zu führen hatte, ein unkirchlicher, der Neuerung willfähriger Geist. So hatte sich am 13. Nov. 1566 der Domdechant Neustetter im Kapitel über ihren großen Unfleiß und Ungehorsam beschwert: die jungen Domherrn reiten unbekümmert um Schule und Pflichten morgens hinweg, der junge Herrnstetter wächst heran, ohne auch nur lesen und schreiben zu lernen, teilweise wollen sie auch nicht kommunizieren. Der Fürstbischof Friedrich, der den jungen Echter bereits selber hatte schätzen gelernt, nahm den Vorschlag gerne an und so wurde Julius am 22. April 1570 mit allseitiger Zustimmung und Beglückwünschung seitens des Domkapitels in den Besitz der Domscholasterie gesetzt. Schon vorher hatte Julius einen anderen großen Vertrauensbeweis erhalten. Im März 1570 hatte Erasmus Neustetter seine Stelle als Domdechant gemäß seiner längst gehegten Absicht niedergelegt. Der Domdechant hatte die Geschäftsführung des Domkapitels inne und die Aufsicht über den Gottesdienst in der Domkirche und die Chorverrichtungen der Domherrn. Fürstbischof Wirsberg verlangte nun, daß das Domkapitel bis zur Wahl des neuen Domdechanten für Aufsicht im Chore sorge; so beschloß das Kapitel am 14. März 1570, "den Chor Herrn Julius als einem gottesfürchtigen und fleißigen Manne anzubefehlen." Damit hatte nun Julius Echter, obwohl der jüngste Domkapitular, Aemter erhalten, die sonst nur den ältesten Kapitularen und größten Würdenträgern übertragen wurden. Am 26. Mai 1570 wurde Julius als Kapitular auch ins Domkapitel des Erzstiftes Mainz aufgenommen. Am 10. April 1570 schritt das Würzburger Domkapitel zur Wahl eines neuen Domdechanten und sie fiel auf Egolf von Knöringen. Dieser nahm jedoch die Wahl nicht an. Erst am 4. August 1570 wurde eine Neuwahl vorgenommen und diesmal vereinigten sich die Stimmen auf Julius Echter. Aber auch dieser war nicht so ohne Weiteres geneigt, das Amt zu übernehmen. Julius wollte dem allseits und dringend geäußerten Wunsche nur willfahren unter folgenden Bedingungen: 1. daß er mit der Domdechantei nur auf ein einziges Jahr betraut werde; 2. daß er sich während dieser Zeit 12 Wochen zu Mainz im Domstifte aufhalten könne, um als Kapitular desselben seine Residenzpflicht zu erfüllen; 3. daß er neben der Domdechantenstelle auch das Amt des Domscholasters beibehalten dürfe und daß endlich 4. die Gefälle der Domdechantei, so lange sie unbesetzt gewesen, zm Gehalte des künftigen Domdechanten geschlagen und für dessen Erhöhrung überhaupt Sorge getragen werde; denn dadurch solle der zu dieser Würde Erwählte desto leichter bewogen werden, sie anzunehmen; auch soll er sich äußerlich seiner Würde gemäß benehmen können. Obwohl die Vereinigung von Domdechantei und Domscholaterie in einer Hand gegen die Statuten des Domstiftes war, gingen doch Bischof und Kapitel darauf ein und Julius übernahm am 17. August 1570 sein neues Amt als Domdechant. Julius hatte vorher auch seinen Vater um Rat gefragt; zugleich dispensierte ihn das Kapitel von der Bedingung, in bestimmter Frist Priester zu werden. Gewiß wäre weder der Fürstbischof noch das Domkapitel auf diese mit den bisherigen Gepflogenheiten und Satzungen des Kapitel widerstreitenden Bedingungen eingegangen, hätte sie nicht in Julius Echter eine hervorrangend geeignete Persönlichkeit erkannt. Er führte denn auch sein Doppelamt zur allseitigen Befriedigung; als das erste Amtsjahr verflossen war, gedachte Julius wirklich, das Amt des Domdechanten niederzulegen. Allein das Domkapitel suchte dem, wie das Protokoll der Sitzung vom 29. Juli 1571 meldet, zuvorzukommen. Es beratschlagte über die Gründe, die Echter wohl zu diesem Schritt veranlaßt haben könnten: Vielleicht daß das Einkommen der Domdechantenstelle zu gering sei oder daß Julius zu Mainz eine glänzendere Laufbahn in Aussicht habe oder daß es ihm beschwerlich falle, Priester zu werden, oder was dergleichen Gründe mehr sein könnten. Man entschloß sich, Julius darüber selber zu fragen und ihn zu bitten, länger Dechant zu bleiben, wobei man ihm eine Gehaltserhöhung in Aussicht stellte. Mit gewohnter Bescheidenheit erwiderte Julius: "Das ehrw. Domkapitel hat mich ungefähr vor einem Jahre als den allergeringsten und unwürdigsten unter den gegenwärtigen Mitgliedern zum Dechanten erwählt. Dafür schulde ich untertänigen und ergebenen Dank. Das Domkapitel wird sich aber inzwischen selbst überzeug haben, daß ich diesem hohen und verantwortungsvollen Amt nicht zum Besten vorgestanden; meiner Jugend und meines Unverstandes halben kann ich nun nicht mehr länger demselben vorstehen und dem ehrw. Domkapitel in der Geschäftsführung und auch im Chore dienen. Da ich die Domdechantei nicht länger als auf ein Jahr zu führen zusagte, so bitte ich auf eine andere Person bedacht zu sein. Bis zur Neuwahl will ich noch mein Bestes tun. Das ehrw. Domkapitel wolle meine Gründe gnädig erwägen, namentlich meine Jugend und meinen Unverstand und wie gering das Einkommen ist. Was meine Person betrifft, so war es wohl mein Wille, dem Amt treu vorzustehen und nichts zu versäumen, was billig sollte verrichtet sein. Aber wenn es nicht in allen Stücken sollte gelungen sein, so will ich künftig mit göttlichem Segen durch doppelte Anstrengung das Versäumte wieder einbringen. Auch wenn ich an anderen Orten etwas versäumen müßte und bessere Gelegenheit zum Vorwärtskommen haben könnte, so will ich doch aus Geiz dies Stift nicht verlassen, sondern gedenke, demselben Zeit meines Lebens treu zu bleiben. Aus allen diesen Gründen bitte ich daher mir diese Bürde zu erlassen. Nach kurzer Beratung erwiderte man Julius, daß das Domkapitel an seiner Person und Amtsführung in der fürstlichen Kanzlei, im Chor und Kapitel gar nichts auszusetzen habe, sondern dieselbe wohl leiden möge. Man sei allgemein mit ihm zufrieden. Julius wisse ja selbst, wie man in Verlegenheit bezüglich eines anderen passenden Mannes für diesen Posten sei, desgleichen, wie es mit dem Fürstbischofe und seiner Kanzlei, mit Chor- und Kapitelssachen stehe, vor allem aber sei es für das Kapitel eine peinliche Sache, wenn es abermals des Hauptes entbehre. Weil aber ihre Ehrwürden zu Mainz ein besseres Einkommen beziehen könnten, so wolle das Domkapitel dies auf anderem Wege ersetzen und die Einkünfte der Dechantei um 400 oder 500 Gulden jährlich erhöhen. Julius erbat sich einen Tag Bedenkzeit aus; aber man drang in ihn sich sofort zu entscheiden. Nochmals sagte Julius in seiner Bescheidenheit, es seien doch viele Herren im Kapitel und weit verständiger als er; es möge das Domkapitel auf eine qualifiziertere Person bedacht sein, zumal man der Dechantei eine solche stattliche Gehaltsaufbesserung gewähren wolle. Im Falle aber das Domkapitel ihm diese Prälatur nicht erlassen wolle, so werde er noch ein weiteres Jahr sein Möglichstes tun, dann aber wolle er nicht länger gebunden sein. Aber endlich siegte das Domkapitel doch über Julius, daß er auch künftige Dechant zu bleiben sich bereit erklärte. Julius Echter hat nicht aus Geiz, wie er selber sagte, die schlecht ausgestiftete Stelle des Domdechanten ausgeschlagen. Als er später im Jahre 1582 zum Erzbischof von Mainz gewählt wurde und die hohe Würde eines Erzbischofs, Kurfürsten und Erzkanzlers des hl. römischen Reiches nicht annahm, zeigte er, wie ernst ihm das oben angelegte Versprechen war, seine Kräfte dem Hochstift Würzburg dauernd zu widmen. Julius mochte wohl erkannt haben, daß an einem Domstift mit 54 adeligen Kanonikern das Haupt des Kapitels die vielen Repräsentationspflichten aus einem guten Einkommen müsse bestreiten können. Andere erlangten das Ehrenamt wohl in reiferem Alter, wo sie aus Eigenem zusetzen konnten. Die Echter in Mespelbrunn waren sicherlich nicht arm, wie es manchmal behauptet wird; die Bauten des Vaters und der Brüder und deren Güterankäufe beweisen das Gegenteil; schon die Vorfahren waren in der Lage, den Bischöfen von Würzburg bedeutende Geldsummen zu leihen; immerhin aber war Julius das zweitälteste von acht lebenden Geschwistern, die Brüder waren damals noch beim Studium; wir finden es daher begreiflich, daß Julius schon das erste Mal den erfahrenen Rat des Vaters in Anspruch nahm, ob er bei seinem Einkommen die Pflichten des Domdechanten übernehmen könne und solle. Julius kaufte z.B. von Joh. Egolf v. Knöringen dessen Domherrnhof ab, so nötigten ihn die Repräsentationspflichten eventuell die Mittel seiner Familie in Anspruch nehmen zu müssen. Daher sein Zögern. Julius Echter war ferner eine stille, ernste, nachdenkende Natur. Was er in Anggriff nahm, erfaßte er in tiefster Seele. Als Domdechant hatte er nun die Verpflichtung sich zum Priester weihen zu lassen, denn der Domdechant hatte an hohen Feiertagen das Hochamt im Dome zu halten. Es ist nun leicht möglich, daß Julius Echter so hoch von der Priesterrwürde und so demütig von seinen Gaben und Fähigkeiten dachte, daß er auch deshalb die Domdechantenstelle ablehnen wollte, weil er vor dieser Würde zurückschreckte, wie wir dies im Leben so mancher Heiligen lesen. Julius Echter war nicht der Mann halber Dinge; wenn er Priester werden sollte, wollte er ganzer Priester werden; er fühlte aber den Mangel theologischer Kenntnisse und andererseits die volle Wucht dieses heiligen Amtes. Nach der endgültigen Uebernahme der Domdechantenstelle legte Julius Echter nunmehr das Amt de Domscholasters nieder, welches der Fürstbischof Friedrich auf des Julius Altersgenossen, Neidhard von Thüngen übertrug. Im Juli 1571 wurde Julius Echter noch Domherr von Bamberg. Selbst als Bischof behielt er eine Zeit lang die Pfründen von Aschaffenburg, Würzburg und Bamberg bei - die von Mainz behielt er lebenslänglich -; am 15. April 1575 verzichtete er auf die Domherrnstelle zu Würzburg und Bamberg und am 7. November 1591 auf die Stele im Stift zu Aschaffenburg. Als Domdechant verkörperte Julius in sich die kirchliche Treue und den Reformeifer eines Knöringen und das Wissen samt dem Arbeitsgeist und der Verwaltungskunst eines Erasmus Neustetter. Er fügte aber noch hinzu die glückliche Gabe, versöhnend und ausgleichend zwischen dem Domkapitel und dem Fürstbischof zu wirken. Die scharfe Kampfesluft, wie sie unter seinem Vorgänger zwischen beiden wehte, bestand unter Julius nicht mehr. Der neue Domdechant förderte die Reformbestrebungen des Fürstbischofs nach Möglichkeit und hatte dabei reichlich Gelegenheit, die Schwierigkeiten des Reformwerkes, den Charakter der führenden Persönlichkeiten, die Mißstände im Hochstifte gründlich kennen zu lernen. Er selbst bekannte nachmals als Bischof in dem Vorwort zu den Ruralstatuten vom Jahre 1584: "Schon von jeher beschäftigte uns die Sorge, wie wir auf gute Weise die fast zu Grunde gerichtete katholische Religion und kirchliche Zucht wieder zum alten Glanz und Eifer zurückführen könnten. Wir haben deshalb nicht allein mit frommen und gelehrten Männern in dem großen Schmerze unserer Seele oft eingehende Besprechungen gehalten, sondern auch dem Hchw. Vater in Christus Friedrich, unserem Vorfahren seligen Angedenkens, unsere Arbeitskraft und jegliche Dienstleistung bereitwilligst zur Verfühgung gestellt." Ein Beispiel, wie Julius des Fürstbischofs Bestrebungen unterstützte, liefert uns die Kapitelssitzung vom 10. März 1572. Hier fragt der Domdechant, ob man den jungen Domherrn Christoph Nothaft von Weißenstein zum Studium nach Douai entlassen solle, da er bisher nicht habe kommunizieren wollen und des Luthertums verdächtig sei. Das Domkapitel beschloß daraufhin, Nothaft müsse zuerst das Glaubensbekenntnis ablegen und versprechen, sobald er in Douai ankomme, zu kommunizieren. Sein religiöser Eifer leuchtet auch aus der im August 1572 angeregten Frage hervor, ob und wie man in den verödeten Klöstern, deren Einkünfte bisher zur Tilgung der Stiftsschulden verwendet worden waren, wieder den Gottesdienst herstellen wolle. Schon als Domdechant wandte er auch seine Liebe und Fürsorge den Armen zu. Im Oktober 1572 berichtet er dem Domkapitel, daß in allen Spitälern und Armenhäusern große Unordnung herrsche und in langen Jahren keine Rechnung gestllt worden sei; in den letzten Tagen sei eine Frau auf offener Straße tot aufgefunden worden, die ohne Zweifel in den Spitälern keine Unterkunft habe erhalten können. Es sei höchste Zeit, daß hier Orednung geschaffen und die Spitalpfleger zu gebührender Rechenschaftsablage von Quatemper zu Quatemper angehalten würden. Im Jahre 1573 lernte Julius den päpstlichen Nuntius Kaspar Gropper persönlich kennen, als dieser nach Würzburg kam und mit Bischof Friedrich im Auftrag des Papstes Gregor XIII. verhandelte, wie die Beschlüsse des Konzils von Trient in der Diözese zur Anwendung und Darnachachtung gebracht werden könnten. Dieser scharfblickende und erfahrene Kenner der deutschen Verhältnisse sprach es in einem Briefe vom 15. Januar 1574 wenige Wochen nach der Wahl von Julius Echter zum Fürstbischofe aus, welchen Eindruck er von Julius Echter gewonnen. Hocherfreut über seine Wahl schreibt er: "Durch diese ausgezeichnete Wahl hat der gütige Gott alle der katholischen Religion treu ergebenen Männer in Deutschland von Furcht befreit; Julius Echter ist der dem Untergang nahen Kirche von Würzburg vom Himmel gesandt worden." Auch der Rektor des Würzburger Jesuitenkollegs Georg Bader lobte in einem Brief an den Nuntius seine hervorragende Frömmigkeit und seine ungewöhnlichen wissenschaftlichen Kenntnisse. Wie schwer wiegen solche Zeugnisse für das Ansehen, das sich Julius Echter in seiner vierjährigen Tätigkeit im Domkapitel erworben hatte. Das Domkapitel selbst schrieb nach der Bischofswahl über den Gewählten am 29. März 1574 an den Papst: "Durch den Verlust des guten und über alles Lob erhabenen Bischofs Friedrichv. Wirsberg schien das Hochstift unersetzlich schwer getroffen; indes haben wir unter dem Beistande des hl. Geistes einen solchen Mann einmütig an das Stuerruder dieser Kriche gestellt, daß kein Abirren vom richtigen Kurs zu befürchten ist; denn er zeichnet sich aus durch seine gläubie Gesinnung, Frömmigkeit, Tugend, reifes Urteil, Wissen und viele andere hervorragende Gaben. Was wir daher als Verlust bei seinem Vorgänger betrauerten, das dürfen wir und das ganze Land jetzt als neuen Gewinn buchen. Frohen Herzens blicken wir in die Zukunft, daß wir bald die Früchte dieser Wahl einheimsen werden." Das Domkapitel erwähnt bei dieser Gelegenheit, daß es auch an anderer Stelle dem Papste bereits über den lieben Erwählten das beste Zeugnis ob seiner Frömmigkeit und seiner Tugenden ausgestellt habe. Auch Erzbischof Daniel Brendel von Mainz, dessen Erzstift ja Julius als Domherr zugehörte und der seinen Lebens- und Studiengang genau verfolgt hatte, rühmte ebenfalls voo Freude über seine Wahl dem Papste im Frühjahr 1574 des Erwählten sittliche Fleckenlosigkeit, seltene Klugheit, erprobtes Wissen, die ganz ausnehmende Geschäftsgewandheit in seinen bisherigen Aemtern und seinen glühenden Eifer für die katholische Religion. Als nachmals die Wahl des Julius Echter zum Fürstbischof von Würzburg bekannt wurde, da geriet das Volk in Erstaunen. Denn es hatte erwartet, daß ein älterer, in Verdiensten und Ansehen stehender Domherr gewählt werde. Julius selbst hatte in seinem bisherigen Privatleben nicht gleich anderen jungen Adeligen Aufsehen gemacht; er ließ sich wenig bei Gesellschaften und Mahlzeiten sehen und lebte sehr zurückgezogen. Das Volk, das nach dem äußeren Scheine urteilt, war auf den Gedanken gar nicht gekommen, daß eine Bischofswahl je auf den jungen 18jährigen, stillen und ernsten Julius Echter fallen könnte. Aber aufmerksame Beobachter und vor allem seine Wähler hatten in ihm längst jene hervorragenden Eigenschaften entdeckt, die ihn in jenen schweren Zeiten zum Bischof und Landesfürsten wie keinen zweiten befähigten. 9. Die Bischofswahl. Bischof v. Wirsberg ward allgemach so kränklich, daß man mit seinem baldigen Tode rechnen mußte. Papst Gregor XIII., der sich um die kirchlichen Verhältnisse in Deutschland angelegentlich kümmerte, war in Sorge um eine gute Bischofswahl in Würzburg, falls Friedrich zu Gott heimgerufen werde. Er schrieb daher am 31. Oktober 1573 an Bischof Egolf v. Knöringen von Augsburg, den ehem. Domscholaster von Würzburg, er möge im Falle einer Neuwahl nach Würzburg eilen und als Mitglied des dortigen Kapitels seinen ganzen Einfluß aufbieten, daß die Wahl auf einen Mann mit unverdächtigem Glauben, reinen Sitten und heiligem Lebenswandel falle. Aehnlich schrieb der Papst am 8. November an seinen Gesandten Kaspar Gropper, er solle sich auf die eintreffende Todesnachricht des Fürstbischofs hin sofort nach Würzburg begeben und dem Domkapitel ein pästliches Schreiben überbringen. In diesem Schreiben beschwor der Papst die Wähler mit den eindringlichsten Worten, zur Aufrechterhaltung des katholischen Glaubens und zum Ruhme Christi einen guten Bischof zu wählen, weil vom Oberhirten das Wohn und Wehe der Diözese abhängt. "Wählt einen", mahnte der Papst, "von dem Ihr wißt, daß er durch Heiligkeit des Lebens und durch aufrichtige Rechtgläubigkeit sich auszeichnet. Denn wenn der Gewählte selber ungehörig lebt, wird er sich scheuen, anderen die richtige Lebensweise vorzuchreiben, und wenn er es dennoch tut, wird er allen zum Gespötte werden. Wenn der Gewählte in der Religion von schlechter Gesinnung ist, so wird er viele Gläubige mit bewußter Absicht von Christus hinweg und dem Satan zuführen. Was Ihr aber für eine Hoffnung bei dem einen oder anderen Kandidaten haben dürft, das werdet Ihr leicht aus seinem Vorleben erkennen. Denn wenn einer bisher als Privatmann sich selbst nicht vorstehen konnte, wie soll er dann im bischöflichen Amte andere zu leiten verstehen? Damit Ihr aber bei einem so wichtigen Geschäfte in recht reiner Absicht und mit Heiligkeit verfahrt und die Gnaden des hl. Geistes zu erlangen verdienet, so laßt von der Irrlehre Angesteckte zum gesamten Wahlgeschäfte in keiner Weise zu." Man sieht, der Papst war über die Würzburger Verhältnisse gut unterrichtet; er wußte genau, daß auf manche Mitglieder des Domkapitels inbezug auf den Glauben kein Verlaß war. Der päpstliche Nuntius Gropper sollte deswegen noch mündlich vor der Wahl mit dem Komkapitel verhandeln, daß ein guter Bischof gewählt werde, der aber auch von jedem Schatten der Ketzerei frei sei. Auch an den Bayernherzog Albrecht V. wandte sich Gregor XIII. in der gleichen Angelegenheit; denn unter den weltlichen Fürsten Deutschlands trat damals niemand offener und mutiger für die Interessen des katholischen Glaubens und der alten Kirche ein als die Bayernherzöge. Der längst gefürchtete Tod des frommen Fürstbischofs erfolgte am 12. November 1573. Die Neuwahl wurde auf den 1. Dezember festgesetzt. Nach dem Hochamt zum hl. Geiste begaben sich die Wähler zum Kapitelshause. Kurz vor der Wahl sprach der bayerische Gesandte vor. Man erwartete allgemein, dieser wolle die Wahl eine bayerischen Prinzen als den Wunsch seines Herrn vortragen. Aber der Bayernherzog ließ der Wahlkommision nur sagen, sie möge einen Mann zum Bischofe wählen, der dem Hochstifte nicht nur in weltlicher, sondern auch vor allem in geistlicher Beziehung ersprießlich vorzustehen im Stande sei. Julius Echter hatte als Domdechant das Wahlgeschäft zu leiten. Er hatte auch schon die Vorbereitungen getroffen für die Huldigung und Installation des Erwählten. Doch die Mehrzahl der Stimmen fiel auf in selber. Es bewahrt die Würzburger Universitätsbibliothek die notarielle Urkunde, in welcher der Würzburger Domherr Ambros v. Gumppenberg, auch Dompropst zu Basel und Eichstätt, unter dem 26. Nov. 1573 dem Dompropst Richard von der Kehr zu Würzburg die Vollmacht und den Auftrag gibt, Julius Echter in seinem Namen Bischof zu wählen und zwar hauptsächlich deswegen, weil sich Julius durch hervorragende Frömmigkeit, ausgezeichnete Gelehrsamkeit, Adel des Geschlechtes, tadelloses Leben und Sitten ganz besonders empfohlen, aber auch weil er unsere katholische Religion rein und lauter festhält, verteidigt und befördert. Aehnliche Gründe mochten die meisten bewogen haben, ihre Stimme für Julius abzugeben. Von anderen wird freilich auch berichtet, daß sie ihn wählten, weil sie von ihm nach seinem bisherigen bescheidenen Auftreten eine stille, friedliche Regierung erhofften. Nur mit Widerstreben nahm Julius die Wahl an; denn er wußte was seiner als Bischof wartete; schrieb er doch selber, daß das fürstbischöfliche Amt in diesen Zeiten starke Nerven erfordere. Die Domherrn benutzten schon seit langem die Gelegenheit der Bischofswahl, um ihre Macht zu erweitern und die des Bischofs einzuengen. Sie legten nämlich dem Gewählten eine Reihe von Forderungen vor, die derselbe beschwören mußte. Man nannte dies die Wahlkapitulation; dieselbe ging bei Julius Echter noch weiter als bei den Vorgängern; ja sie sieht sogar die Möglichkeit der Absetzung des Bischofs durch das Kapitel vor. Bisher waren die Aemter des Hofmeisters, Marschalls, Kanzlers, Schultheißen sowie alle Hof- und Kanzleiräte vom Bischof nur mit dem Rat des Kapitels besetzt worden; fortan sollten diese Aemter auch dem Kapitel ebenso wie dem Bischofe verpflichtet werden und den Diensteid schwören. "Das Kapitel ist in allen vornehmen geistlichen wie weltlichen Sachen zu befragen und sein Rat durchaus zu befolgen", lautete beispielsweise ein weiterer Artikel. Später erlangte Julius eine Abschwächung der Wahlkapitulation. Nachdem nun der gewählte Fürstbischof die Wahlkapitulation unterzeichnet und beschworen hatte, wurde sein Familienwappen vom Kapitelshause auf den Hochalter des Doms gebrcht und an einer Kerze befestigt. Der Dompropst führte hierauf Julius Echter zum Kapitelshause hinaus und stellte ihn zunächst den fürstlichen Räten und Dienern und dann dem vor dem Kapitelshause harrenden Volke als ihren neuen, einmütig gewählten Herrn und Gebieter vor. In feierlichem Zuge ward jetzt der neue Fürstbischof in den Dom geleitet; dort bestieg er einen Thronsessel auf dem Hochaltar. In demselben Augenblicke verkündeten die Domglocken und die Kanonen auf dem Marienberge dem Frankenvolke die frohe Kunde, daß es wieder einen Fürstbischof besitze. Der Dom aber widerhallte vom freudigen Lobgesang des Te Deum. Nachdem dasselbe verklungen, traten die anwesenden Domherrn zur Huldigung und Beglückwünschung zum neuen Bischof heran, darnach die anwesenden Aebte und Dekane, hierauf einie weltliche Beamte. Man erzählt, daß Julius ungeachtet seiner natürlichen Ernsthaftigkeit eine besondere Bewegung und Rührung zeigte, als sein Altersgenosse Neidhard von Thüngen vor ihn trat; dieser wurde sein Nachfolger als Domdechant udn später Bischof von Bamberg. Auf die kirchliche Inthronisation folgte in der hochfürstlichen Kanzlei die feierliche Einführung in die weltliche Regierung. Hierauf zog man zum Festmahl in den nahen bischöflichen Hof. Nach der Tafel ritt der neue Fürstbischof im festlichen Aufzug in das Schloß auf den Marienberg, um auch von seiner Hofburg Besitz zu ergreifen. Bereits wenige Tage später huldigte die Bürgerschaft von Würzburg feierlich dem neuen Fürstbischof in dem altberühmten Palasts zum Katzenwicker (am Platze der jetzigen Marschule), wo einst Kaiser Friedrich Barbarossa seine Hochzeit mit Beatrix von Burgund gefeiert hatte. Am 17. Dezember wurde auch im nahen Heidingsfeld die Huldigung vorgenommen; in den übrigen Städten des Hochstiftes aber ward sie wegen der strengen Winterkälte auf die Frühlingstage verschoben. Am 29. März 1574 bat Julius Echter den Papst Gregor XIII. um Bestätigung seiner Wahl, die dann im Juni erfolgte. Der Domdechant Neidhard v. Thüngen und der Kanonikus des Stiftes Neumünster, Georg Fischer, hatten sein Schreiben persönlich nach Rom überbracht. Darin gelobte Julius dem Oberhaupte der Kirche, daß er jene so herrlichen und heiligen Werke, die sein Vorgänger fromm begonnen, kräftig fortführen und seine Kirche unter dem Schutze Gottes und Sr. Heiligkeit aus den verschiedenen Gefahren und Stürmen jener trüben Zeit zum sicheren Hafen führen wolle. Er verspricht ganz die fromme Richtung des verstorbenen Bischofs beizubehalten und gelobt insbesondere, alle seine Kräfte bis zum letzten Atemzug für das Papsttum einzusetzen; keine Anstrengung und Mühe wolle er darob scheuen, was immer Bitteres ihm auch diese Hingabe bringen werde; ja er sei bereit Leben und Blut für den Hl. Vater zu opfern. Auch an den Kaiser Maximilian II. sandte er eine Gesandtschaft und am 4. Mai 1575 erteilte der Kaiser zu Prag die Bestätigung aller Rechte und Privilegien des Herzogtums für den neuen Fürstbischof. 10. Berge von Schwierigkeiten. Julius Echter hatte nun den Stuhl des hl. Burkard inne. Die staatlichen, politischen, sozialen und religiösen Verhältnisse haben sich seit jenen Tage ungemein verändert; erst wenn wir einen Blick in die damaligen Zeitverhältnisse werfen, ahnen wir, welcher Riesenaufgabe der neugewählte Fürstbischof gegenüberstand. Es waren Berge von Schwierigkeiten. 1. Der Bischof war wohl Herzog von Franken und Landesherr; er trug als Zeichen siner doppelten Amtsgewalt sowohl des Krummstab als auch das Schwert. Aber neben ihm fühlte sich das adelige Domkapiitel als Mitregent, und gar oft glaubte es sich zu einer Art Vormundschaft über den regierenden Bischof berufen; eifersüchtig wachte es über die althergebrachten Vorrechte, Freiheiten und Privileien. Zu den geistlichen Angelegenheiten des Bistums wie in Sachen der Landesregierung wollte es überall mitreden. Wir wissen aber bereits, wie es damals mit der Gesinnung und dem Leben der meisten Domherrn stand. Ohne Beruf in den geistlichen Stand gekommen, hatten si wenig Verständnis für die Leiden und Freuden der Kirche und nicht den Willen und die Kraft zu einem geistlichen Leben. Die Familien, denen sie entstammten, waren fast sämtlich ohnedies dem Protestantismus anheimgefallen. Wie schon Bischof Wirsberg, so stieß daher auch Julius Echter bei seinem Reformwerk fast auf den ständigen Widerstand des Domkapitels; die herrlichsten Schöpfungen des Fürstbischofs wie die Gründung der Universität und die Stiftung des Juliusspitals kamen zustande gegen den Willen der Domherrn. Wäre nicht Julius ein Mann mit eisernem Willen und zäher Festigkeit gewesen, der von seinen einmal gefaßten und durchdachten Plänen so leicht nicht abging, so wären seine schönsten Entschlüsse am Widerspruch des "Mitregenten" gescheitert. Allein ging etwas nicht mit dem Willen Kapitels, sosuchte und fand Julius Echter Mittel und Wege, es trotz und gegen das Kapitel dennoch durchzusetzen. 2. Die Grenzen des Herzogtums und des Bistums fielen durchaus nicht zusammen; die geistliche Gewalt des Bischofs von Würzburg erstreckte sich viel weiter als seine weltliche Herrschaft; aber die damaligen Zustände brachten es mit sich, daß das Wort des Bischofs außerhalb des Herzogtums machtlos blieb; denn die feindliche weltliche Gewalt verbot und verhinderte den Vollzug desselben in dem übrigen Teil des Bistums. Es deckte sich auch das Gebiet der damaligen Diözese nicht mit dem der heutigen; die damalige Landkarte von Franken weist ein ungemein buntes Gemisch von selbständigen Grafschaften, reichsunmittelbaren Ritterschaften, freien Städten, Stifts- und Klosterbesitz auf; diese Kleinstaaterei verschwand im Anfange des vorigen Jahrhunderts. Ihr Gebiet wurde den heutigen größeren Staaten einverleibt. Das einstige Bistum Würzburg erstreckte sich im Norden bis über Fulda, Hünfeld, Geisa und Schmalkalden hinaus, im Osten nach Coburg und bis hart an die Städte Bamberg und Heilbronn einschließlich; im Westen vom Neckar bis an den Spessart. Das Bistum dehnte sich also hinein in das Gebiet des Bischofs von Bamberg, der Reichsstadt Nürnberg, der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, der Grafen von Hohenlohe, des Deutschmeistertums Mergentheim, des Herzogs von Württemberg, der Pfalzgrafschaft, des Kurfürstentums Mainz, der Fürstabtei Fulda, der Grafen von Henneberg und der sächsischen Fürstentümer. In seinem Schoße selbst lagen die Grafschaften Castell, Rieneck, Schwarzenberg und Wertheim, die ritterschaftlichen Besitzungen der Limpurg, Weinsberg, Bibra, Hutten, Ostheim, Schaumburg, Stein, Thann, Thüngen, Weihers, Lichtenstein, Heilgersdorf, Truchseß, Rotenhan, Wolfskeel, Crailsheim, Münster, Rehweiler, Seinsheim, Fuchs usw.; ferner die Reichsstädte Hall, Heilbronn, Rothenburg, Schweinfurt und Windsheim, die freien Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld, dazwischen lagen eingestreut viele ansehnliche geistliche Stifte, Abteien, Manns- und Frauenklöster. Vom jetzigen Regierungsbezirk Unterfranken gehörte damals der westliche Teil mit Aschaffenburg, Obernburg, Wörth, Klingenberg und Miltenberg zum Erzstift Mainz; die Marktflecken Laudenbach a.M., Homburg, Lengfurtund Marktheidenfeld gehörten zur Grafschaft Wertheim; das Gebiet der Grafschaft Rieneck erstreckte sich über den Sinngrund und Spessart mit den Städten und Ortschaften Rieneck, Gemünden, Wolfsmünster, Lohr, Rothenfels, Partenstein und Eschau, sie reichte von Schlüchtern bis Lauda und von Gemünden bis an die Kahl. Das eigentliche Rhöngebiet gehörte zum Stifte Fulda mit Brückenau und Hammelburg. Die Grafschaft Castell besaß ihre Besitzungen im Südosten und die Grafschaft Henneberg im Nordosten mit Münnerstadt und Königsberg. Das dazwischen liegende Gebiet bildete den Kern des Herzogstums Würzburg. Man kann sich kaum noch eine Vorstellung machen, wie bunt und gemischt die landesherrlichen Besitzverhältnisse waren. Wenn wir z.B. von Würzburg mainaufwärts gehen, so war Heidingsfeld und Randersacker Würzburgisch; das angrenzende Gerbrunn aber gehörte den Grafen von Castell, Eibelstadt hinwiederum war zu zwei Dritteln dem Domkapitel, zu einem Drittel den Erbmarschällen von Pappenheim eigen; Winterhausen und Sommerhausen mit Lindelbach und Westheim besaßen die Schenken von Limpurg, Reichenberg und Rottenbauer die v. Wolfkeel, Erlach und Kaltensondheim die v. Schwarzenberg, Ochsenfurt und Frickenhausen war wieder Würzburgisch; Marktbreit beherrschten die Herrn von Seinsheim und Seckendorf. Segnitz die Markgrafen von Brandenburg und Ritter v. Zobel; Sulzfeld gehörte wieder dem Fürstbischof, Kitzingen aber den Markgrafen von Brandenburg. Oft war sogar dieselbe Stadt oder Ortschaft beherrscht von verschiedener Landesobrigkeit, so z.B. Münnerstadt von Würzburg und Henneberg. Im Jahre 1620 zählte das Dorf Kerbfeld bei Hofheim 42 Hausgenossen; davon gehörten 26 dem Bischofe von Würzburg, 3 dem Fuchs von Burgpreppach, 2 der Veste Künsberg, 2 den Herren von Weimar, 2 dem Kloster Bildhausen, 2 dem Hans Eitel Tuchseß auf der Bettenburg, 1 dem Junker Zobel von Friesenhausen. Aehnlich war es mit den Dörfern um Königsberg. Es wechselten nun oftmals diese Besitzverhältnisse durch Kauf und Verkauf, Verpfändung und Wiedereinlösung, Heirat und Erbverträge. Diese Vielstaaterei hatte naturgemäß bei der Schwäche der kaiserlichen Zentralgewalt große öffentliche Rechtsunsicherheit und viele nachbarlichen Streithändel zur Folge. 3. Die landesherrlichen Besitzverhältnisse waren aber im Jahrhundert der Glaubensspaltung von einem alles andere an Bedeutung überragenden Einflusse aufdas religiöse Bekenntnis der Untertanen. Die fränkischen Ritter hatten sich fast samt und sonders der Lehre Luthers angeschlossen. Von Anfang an waren eifrige Parteigänger unter denselben Ullrich von Hutten, Adam und Silvester von Schaumberg, Johann zu Schwarzenberg, Burkard Hund von Wenkheim und MOritz Marschalk von Ostheim zu Waltershausen. Luther hatte selbst erklärt, daß er durch den schutz der fränkgischen Ritter nicht wenig im Kampfe gegen Rom ermutigt wurde. Im Laufe des 16. Jahrhunderts führten fast alle Adeligen, insbesondere aber die mächtigen Grafen von Henneberg, Rieneck, Wertheim, Hohenlohe, Castell, sowie die Markgrafen von Brandenburg und die Herzöge von Württemberg die Glaubensneuerung in ihrem Gebieten ein. Die Grafen von Henneberg allein zwangen mehr als 40 Pfarreien im Kapitel Mellrichstadt zum Protestantismus überzutreten. Die der katholischen Kirche noch treuen Priester wurden von ihren Pfarrstellen verjagt, die Klöster aufgehoben und als Staatsgut eingezogen, die Zahlung von Abgaben an den Bischof von Würzburg und die Verbindung mit ihm den Untertanen verboten. Lutherische Prediger kamen allenthalben auf die überall im Herzogtum zerstreut liegenden ritterschaftlichen Dörfer. Auch die Magistrate der Städte neigten sich früh der Lehre Luthers zu. Die adeligen Herrschaften hatten vielfach auch das Besetzungsrecht von Pfarreien, die auf Würzburger Gebiet lagen. Entweder übten sie nun ihr Recht überhauptnichtmehr aus und verweigerten die Auszahlung der Gehälter an die katholischen Pfarrer sowie die Unterhaltung der Kutusgebäude oder sie präsentierten für die Pfarreien Personen, die der neuen Lehre ergeben waren. Bereits im Jahre 1550 überreicht Fürstbischof Melchior v. Zobel auf dem Reichstag zu Augsburg eine Beschwerdeschrift, worin er über die gewaltsame Schädigung seiner bischöflichen Rechte seitens der reichsunmittelbaren Stände lebhafte Klage führte, freilich ohne Erfolg. Im Jahre 1555 wurde vollends durch den sogenannten Augsburger Religionsfrieden die Knebelung der Gewissenfreiheit der Untertanen auch noch rechtlich und gesetzlich anerkannt, indem der Reichsta bestimmte: "Die Fürsten und Stände des hl. Reiches deutscher Nation haben vollkommene Macht und Gewalt von den beiden zugelassenen Religionen (d.i. der katholischen oder lutherischen) eine nicht allein für sich anzunehmen, sondern auch bei ihren Untertanen einzuführen und Kirchenordnungen aufzurichten." So wollte denn bald jeder Graf und Ritter den Papst und Bischof in seinem Gebiet spielen; die Untertanen hatten kein Recht mehr, sich die Religion nach ihrem Gewissen zu wählen. Es blieb ihnen nur die Möglichkeit auszuwandern, wenn sie den alten Glauben nicht verlassen wollten. Infolge der Verschuldung des Hochstiftes hatten überdies einheimische und fremde Adelige manche Aemter und Vogteien des Herzogtums pfandweise erhalten. Sofort führten sie selbst in diesen altwürzburgischen Gebieten die neue Lehre und Kirchenordnung ein und setzen ihre Prediger an die Stelle der katholischen Geistlichen. Aber selbst die unmittelbaren fürstlich-würzburgischen Amtmänner waren, da sie ja den fränkischen protestantisch gewordenen Adelhäusern entstammten, oft heimliche und manchmal sogar offene Beförderer der Lehre Luthers, obgleich sie im Dienste des Bischofs standen. So truf Silvester von Schaumburg, Burggraf zu Thundorf, als fürstbischöflicher Amtmann zu Münnerstadt (v. 1526-34) viel zur Vorbereitung des Protestantismus im Lauergrund bei. Hatte doch dieser Ritter bereits i.J. 1520 seinem Sohne, als er ihn auf die Universität Witterberg sandte, einen Brier an Luther mitgegeben, worin er diesen einlud, nach Franken zu kommen, ihm seinen Schutz sowie den von hundert gleichgesinnten Rittern anbot und ihn ermunterte, auszuharren. Ein anderer fürstbischöflicher Beamter, Alexander Voit von Salzburg, Amtmann zu Hilders, Auersberg und Fladungen, war ein solch ungestümer Eiferer für die Lehre Luthers und ein solcher Feind der katholischen Geistlichkeit, daß er im Jahre 1566 mit seinem Vetter im trunkenen Zustande in den Pfarrhof zu Neustadt a.d.S. eindrang, den Pfarrer und den Kaplan mißhandelte, ihnen das geistliche Gewand vom Leibe riß und darauf herumtanzte. Ein aner Mal warfen sie die Fesnter im Pfarrhofe ein, umringten auf offener Straße den Pfarrer mit gezückten Schwertern und der Bediente des Alexander Voit überfiel den Kaplan mit bloßer Waffe in der Kirche. So trugen die Adeligen am meisten dazu bei, daß die Lehre Luthers weithin in Franken verbreitet wurde. Großen Vorschub hatten der Glaubenserneuerung auch die sozialen Mißstände geleistet. Als es die Lehre Luthers von der evangelischen Freiheit vernahm, verlangten die unzufriedenen Bauern im Namen dieser Freiheit von den Fürsten freies Jagd-, Fisch- und Weiderecht, freies Recht auf Brenn- und Nutzholz, Erleichterung der drückenden Zehentlasten, Abschaffung der Leibeigenschaft, Recht, die Pfarrer selbst zu wählen und wieder abzusetzen, falls sie nicht entsprachen. Es kam im Jahre 1525 zum Bauernkrieg, der viele Klöster, Burgen und Schlösser in Asche legte. Aber der Bauerkrieg wurde blutig niedergeschlagen, die Aufrührer von Fürstbischof Konrad von Thüngen (reg. von 1519-40) strenge bestraft; die Bauern erhielten daraufhin nicht nur keine Erleichterung, sondern verloren noch mehr Freiheiten und Rechte. Aber wer hatte den Schaden zu tragen? In letzter Linie die katholische Religion. Denn der verhaltene Zorn der Bauern gegen den Fürstbischof machte sich Luft im Widerstand geen die Religion, als deren Vertreter er regierte; die Unzufriedenen horchter daher um so lieber auf das neue Evangelium, das den Kampf gegen die alte Kirche und die bisherige Ordnung predigte. Nun waren aber überall im Lande in den Dörfern der Adeligen und in den Städten die Prediger der neuen Lehre tätig; so liefen dann die Unzufriedenen auch von den bischöflichen Dörfern in die benachbarten Städte oder ritterschaftlichen Orte in die Predigten und Gottesdienste der Lutheraner. Man hat in unseren Tagen an der sozialistischen Bewegung erlebt, wie leicht das unzufriedene Volk eine Beut der kühn hingeworfenen Kampfesphrase wird. 4. Die katholische Geistlichkeit setzte der Neuerung nicht den nötigen Widerstand entgegen. Das hatte mehrere Gründe. Auch die niedere Geistlichkeit war unzufrieden; denn sie war schlecht bezahlt. Die Stifts- und Domherrn hatten die einträglichen Pfarreien inne und ließen dieselben durch einen ständigen Pfarreiverweser gegen einen mageren Gehalt versehen. Es fehlte auch vielen Geistlichen an der nötigen Vorbildung, weil die weltlichen und geistlichen Patronatsherren bei der schlechten Bezahlung auch keine großen Ansprüche an die Bewerber um die Pfarrstellen stellen konnten. Zudem wurde das schlechte Beispiel der hohen Geistlichkeit an den Dom- und Stiftskrichen im Lebenswandel auch von der niederen Geistlichkeit nachgeahmt. Viele Geistliche fielen ab, weil sie bessere Einkünfte und ein Weib suchten, andere fielen zwar nicht förmlich ab, lebten aber schlecht. Solche Seelsorger führten des öfteren ihre Gemeinden zur neuen Lehre hinüber, ohne daß ein großer Teil des Volkes es so recht begriff. Denn sie empfahlen dieselbe ihrer Herde und erklärten, sie wollten die Religion nur von päpstlichen Zeremonien reinigen. Im Uebrigen ging man mit der Aenderung des Gottesdiensts nur sehr behutsam zu wege, so daß er auch nach außenhin noch als der alte katholische erscheinen konnte. So machte es z.B., wie eine alte Urkunde des Kitzinger Stadtarchivs berichtet, daselbst der Pfarrer Martin Meglin (gest. 1533): "Nichts Sonderliches von den Zeremonien that er ab; ließ es bleiben, wie er es fand; allein etlich christlich Gesäng richt er auf! ...er reichet auch das Sakrament unter beder Gestalt, taufet die Kindlein teutsch." Durch die Kampfschriften Luthers und seiner Parteigenossen und durch die Angriffe der Prediger war edlich der Priester- und Ordensstand dem allgemeinen Spott und der Verachtung preisgegeben worden, so daß schwerlich jemand noch die Lust fühlte, Priester und Ordensmann zu werden. So trat bald ein großer Priestermangel ein. Während zu Würzburg im Jahre 1521 noch 74 Seelsorgs- und 41 Stifts- und Klostergeistliche zu Priestern geweiht wurden, waren es im Jahre 1530 nur noch 2 bezw. 3, 1545 deren 7 und 15, im Jahre 1573, da Julius Echter Bischof wurde, 8 bezw. 16. Der neue Bischof fand viele Pfarreien leer stehen oder mit untauglichen Priestern besetzt. Wenn aber die Hirten geschlagen sind, muß sich naturnotwendig die Herde zerstreuen. Sollte es besser werden, dann mußte Julius Echter vor allem für die Heranbildung tüchtiger Geistlicher sorgen. 5. Ein großes Hindernis für einen reformeifrigen Bischof war der Umstand, daß das Präsentationsrecht so vieler Pfarreien in anderen Händen lag. So hatte ein Fürstbischof von Würzburg vom Landkapitel Ochsenfurt bis zum Jahre 1803 nur folgende Pfarreien selber zu besetzen: Die Spitalpfarrei zu Aub, Goßmannsdorf, Ingolstadt, Dellingen, Rittershausen, Strüth und Unterwittinghausen; der Abt zu Zell war der Patron von Acholshausen, Wolkshausen und Gaukönigshofen; der Abt zu Brombach besetzte Allersheim und Gaubüttelbrunn; das Domkapitel Frickenhausen, Ochsenfurt, Kleinochsenfurt, Sulzdorf und Zeubelried; das Ritterstift St. Burkard in Würzburg war der Patron von Aub, Ausstetten, Baldersheim, Eßfeld, Gelchsheim, Heidingsfeld, Höchberg, Kirchheim, Sonderhofen und Stalldorf; das Stift zu Neumünster war der Patronatsherr von Bütthard, Gaurettersheim, Riedenheim und Röttingen; der Propst vom Neumünster präsentierte auf Hopferstadt; Bernsfelden hatte der deutsche Orden und Kleinrinderfeld der Dechant im Tauber Landkapitel zu vergeben; die Herrn von Zobel waren die Patrone von Darstadt und Euerhausen; die Fürsten von Schwarzenberg die von Erlach und Marktbreit; die Herrn von Wolfskeel die von Rottenbauer. Nicht nur die weltlichen Patrone, sondern auch die Stifte und Klöster erfüllten aber ihre Patronatspflichten sehr schlecht und Julius Echter hatte oft große Mühe, bis er die verweltlichten Aebte und Stiftsherrn dazu brachte, taugliche Personen für ihre Pfarreien zu präsentieren. 6. Das Reformwerk erforderte auch viel Geld, so der Bau von Unterrichtsanstalten, die Errichtung und bessere Dotierung von Pfarreien, der Neubau oder die Restauration von Kirchen, die Wiedereinlösung verpfändeter Gebietsteile, die sonst unter ihrem protestantischen derzeitigen Inhaber der neuen Lehre anheimgefallen wären. Nun war aber das Hochstift, als Julius zur Regierung kam, verschuldet. Er hatte es ja als Kapitular und Dechant des Domstifts miterlebt, wie man bei seinem Vorgänger alls Reformpläne mit dem Hinweis auf die zerrütteten Finanzen abtun wollte. Schuld an der Verarmung des Landes war zunächst der Bauernkrieg vom Jahre 1525; ferner der Kriegszug des Landgrafen Philipp von Hessen vom Jahr 1528, der dem Hochstifte über 100000 Gulden Unkosten verursachte; vor allem aber brandschatzte und verheerte in den Jahren 1552-1554 der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Sulmbach mit dem Ritter Wilhelm von Grumbach zu Rimpar in unerhörter Weise das Bistum Würzburg; Albrecht nötigte den Bischof Melchior Zobel von Guttenberg (reg. 1544-58) zur Zahlung von 220000 Gulden und überdies zur Uebernahme einer Schuld des Markgrafen von 350000 Gulden. Um diese Summen aufzubringen, mußten die Bürger ihre Silbergeräte einliefern, die Kirchen und Stifte die kostbaren Kelche, Monstranzen, Reliquienschreine, der Dom selbst das silberne Standbild des hl. Kilian einschmelzen. Sengend, brennend, mordend und Dörfer und Städte einäschernd durchzog er den Hochstift; kein Wunder, daß es verarmte und verschuldete. 7. Daß ein Fürst solch räuberische Ueberfälle und Brandschatzungen deutscher Nachbarstaaten wagen konnte, zeigt am besten, wie schwach die kaiserliche Reichsgewalt geworden war. Vom Kaiser konnte Julius Echter wenig Hilfe hoffen, wenn protestantische Nachbarfürsten oder die eigene Ritterschaft ihn wegen seines Religionswerkes angriffen. Der Kaiser war ja selbst in seinen Erblanden durch die Türkenkriege fast in ständiger äußerster Not. Wirverstehen es daher, wenn Julius Echter im Jahre 1575 in der Vorrede zu dem neu herausgegebenen Brevier sagt: Ich fühle in diesen schweren Zeiten die ganze Wucht des bischöflichen Amtes auf meinen Schultern lasten; schwere Besorgnis hat mich bald nach meinem Regierungsantritt erfüllt und ich sehe auch jetzt noch kein Ende dieser Sorgen. Die Kräfte meines Körpers und Geistes sind dieser Bürde nicht gewachsen. Wenn ich die Nachstellungen, die Verwegenheit und die unermüdlichen Anstrengungen der Feinde der Kirche bedenken, welche die Herde Christi zerstreuen und verderben wollen, dann muß ich mit Susanna ausrufen: Bedrängt bin ich auf allen Seiten und zwar von solcher Bedrängnis, daß mir weder bei Tag noch bei Nacht ein ruhiges Stündlein verbleibt. Besonders der Gedanke an jenen Tag macht mich erzittern, wo ich Christus dem Weltenrichter Rechenschaft über mein Leben und über die meiner Hirtensorge anvertrauten Seelen ablegen muß. In dieser Not sind anhaltenden und inständige Gebete zu Gott meine einzige, aber auch festeste und sicherste Zuflucht. 11. Die ersten Taten. Große Erwartungen hatte man in kirchlichen Kreisen auf den neuen Fürstbischof gesetztz; allein da zunächst keine hervorstechenden Taten erfolgten und der Neuerwählte nach der päpstlichen Bestätigung den Empfang der Priester- und Bischofsweihe um ein ganzes Jahr, nämlich auf Pfingsten 1575 verschob, so waren viele enttäuscht. Selbst der Papst Gregor XIII. mahnte ihn im November 1574 an die Erfüllung seiner Versprechen. Insbesondere wünschte der Papst von ihm die Abhaltung einer Diözesansynode und die Gründung eines Priesterseminars. Manche Geschichtsschreiber haben selbst behauptet, Julius habe im Anfang seiner Regierun protestatische Neigungen gehabt und sei mit dem gleichen Plane umgegangen wie sein Freund der Erzbischof Gebhard von Köln, nämlich sein Bistum in ein erbliches, weltliches Herzogtum zu verwandeln. Allein dem ist nicht so. Julius beschäftigte sich zunächst mit sich selbst. Er faßte sein hl. bischöfl. Amt von Anfang an tiefgläubig auf und wollte sich auf den Empfang der hl. Bischofsweihe erst mit allem Ernst noch vorbereiten. Denn er war bei seiner Wahl nur Diakon und seine früheren Studien haben höchstwahrscheinlich mehr der Rechtswissenschaft als der Theologie gegolten. So wollte er im ersten Amtsjahr das innere Leben und den priesterlichen Geist und die kirchliche Wissenschaft pflegen, um sich zu einem Priester und Bischof nach dem Herzen Gottes heranzubilden. Auch war Julius kein Mann überstürzten Handelns; er überlegte seine Pläne reiflich, dann aber führte er sie auch mit zäher Entschlossenheit durch. Wiederholt spricht Julius selber aus, welche Gesinnungen sein Herz in jener Zeit erfüllten. So schrieb er noch im Jahre 1574 an Kaiser Maximilian II.: "Vom ersten Tag an, an welchem ich durch Gottes Fügung zur Leitung dieses Bistums und Herzogtums berufen worden bin, habe ich es am äußersten Fleiß und Eifer nicht fehlen lassen, um auf jener Grundlage weiter zu bauen und jene Werke zum Abschluß zu bringen, die mein Vorfahrer frommen Sinnes begonnen hat." Solche Werke waren z.B. der Ausbau der theologischen Unterrichts- und Erziehungsanstalten und die Herausgabe eines verbesserten Brevieres. In der Vorrede zu dem im Jahre 1613 erschienenen neuen Missale wirft Julius einen Rückblick auf seine reformatorische Tätigkeit. Da gesteht er denn auch: "Ich habe vom ersten Anfang meiner bischöflichen Amtführung an all mein Sinnen und Trachten darauf gerichtet, diejenigen zur alten Religion und zur Mutterkirche, außer welcher kein Heil zu hoffen, zurückzuführen, welche meiner Hirtensorge zwar anvertraut, aber die schlechtem Rat und Drucke folgend törichter Weise vom katholischen Glauben abgeirrt waren." Allein bevor Julius mit Aussicht auf Erfolg ein solches Bekehrungsewrk wagen konnte, mußte er erst eine Reihe von Vorarbeiten erledigen; vor allem brauchte er tüchtige Mitarbeiter, gute Priester, die er an die Stelle der unbrauchbaren Pfarrer und der lutherischen Prediger setzen konnte. Noch im Dezember 1573, drei Wochen nach seiner Wahl zum Fürstbischof, bemühte er sich einige hoffnungsvolle Jünglinge aus adeligen Familien in das Deutsche Kolleg nach Rom zu bringen, damit sie dort am Hauptsitze der Christenheit zugleich mit dem Studium der Wissenschaften sich recht für den wahren unverfälschten Glauben und das Papsttum begeisterten. An diesen Jünglichen wollte Julius dereinst zuverlässige Stützen in der Regierung der Diözese und des Herzogtums erhalten. Es ist ein Zeichen für den frommen Sinn des Fürstbischofs, daß er das hl. Pfingstfest als den Tag seiner Konsekration bestimmte. Er hoffte an diesem Festtage durch den hl. Geist mit um so größerer Kraft aus der Höhe für sein schweres Amt ausgerüstet zu werden. Die Feierlichkeiten selbst wollte Julius in seiner Bescheidenheit und Demut ohne alles äußere Gepränge abgehalten wissen. Vom Erzbischof von Mainz erbat er sich zur Konsekration den Weihbischof Stephan Weber. Nach der Bischofsweihe nahm er mit Macht jene beiden WErke in Angriff, welche seinen Namen vorzüglich im Frankenland verewigt haben: die Gründung des Juliusspitals und der Universität. Beide Werke bezeugen lebhaft, wie er von Anfang an für das leibliche und geistige Wohl seiner Untertanen besortg war. In den Anfang seiner Regierung, näherhin ins Jahr 1576, fällt auch der Streit des Fürstbischofs Julius mit dem Abte von Fulda. Dies ist der einzige dunklere Punkt in seiner Lebensgeschichte. Welches war der Anlaß und Verlauf dieses Zwistes? 12. Ein Schatten im Lichtbilde. Im Jahre 744 hatte der hl. Bonifatius die Benediktinerabtei in Fulda gegründet; durch zahglreiche Schenkungen erhielt dieses altberühmte Kloster einen solchen ausgedehnten Güterbesitz, daß es bei der Säkularisation im Jahre 1803 ein zusammenhängendes Gebiet von ungefähr 40 Quadratmeilen mit über 100000 Einwohnern besaß. An der Spitze stand ein Fürstabt, dem als Mitregent zur Seite ein Kapitel war, - ursprünglich Benediktinerpatres, später adelige Benediktinerpröpste aber mit so verweltlichter Gesinnung und Lebensweise, daß sie sich von Weltleuten kaum noch durch das Ordenskleid unterschieden. In kirchlicher Beziehung gehörte der größte Teil der Fürstbtei Fulda zur Diözese Würzburg; denn erst im Jahre 1652 wurde das Stift Fulda vom Papst Benedikt XIV. zum selbständigen Bistum erhoben. Es hatte die Abtei auch manchen Grundbesitz mitten im fränkischen Herzogtum z.B. das Benediktinerkloster Holzkirchen; ebenso hatte sie das Präsentationsrecht auf mehr als 50 Pfarreien im würzburger Gebiet. Im Laufe des 16. Jahrhunderts drang nun die Glaubensneuerung auch in weite Teile des Hochstiftes Fulda ein und wurde noch befördert durch den Leichtsinn und die Schwäche der Aebte und das verweltlichte und sittenlose Leben und Treiben der adeligen Kapitulare. Dadurch gingen eine ganze Anzahl Würzburger Pfarreien an das Luthertum verloren. Umgekehrt hatte auch der Würzburger Bischof oder das Domkapitel das Besetzungsrecht auf Pfarreien im Gebiete des Stiftes Fulda, so das Domkapitel auf die Pfarrei Hammelburg. Schon im Jahre 1524 war durch den Abfall des Pfarreiverwesers Johann Kempach die neue Lehre nach Hammelburg eingedrungen und von Magistratspersonen befördert worden. Sollte aber der neuen Lehre wirksamer Widerstand entgegengesetzt werden, dann mußte der Fürstbischof von Würzburg als Inhaber der geisltichen Gewalt über Hammelburg, das Würzburger Domkapitel als Patron der Pfarrei und die Landesregierung in Fulda mit dem katholischen Seelsorger zusammenwirken. Selten waren aber die drei Inhaber der Gewalt einig; mußte ein energischer Schritt geschehe, so kam es erst zu langen Verhandlungen zwischen Würzburg, Fulda und bald beklagte man sich in Würzburg, daß die Landesregierung in Fulda die Maßnahmen der geistlichen Behörden betreffs Hammelburg nicht unterstütze oder sogar hindere, bald beklagte sich Fulda, daß man von Würzburg keine geeigneten Seelsorger als Pfarrer sende. So konnten die Neuerer, diese Unmstände klug ausnützend, Hammelburg nach und nach gnaz dem Protestantismus zuführen. Derartige Reibungsflächen zwischen Würzburg und Fulda gab es viele und es bestand sowohl in Fulda als auch in Würzburg der Wunsch, diesem Zustand der Teilung der geistlichen und weltlichen Gewalt ein Ende zu machen. Im Jahre 1570 wurde nun - wenige Monate bevor man sich in Würzburg Julius Echter zum Domscholaster und Domdechant erkor - zu Fulda der erst 22jährige hochtalentierte, fromme und sittenreine Balthasar von Dernbach zum Fürstabt erwählt; er war von der göttlichen Vorsehung berufen, das Stift Fulda in einem Leben voller Kämpfe und Leiden wieder für die katholische Kirche zurückzugewinnen. Julius und Balthasar sind einander ungemein ähnlich an Talent und Charakter, treu kirchlicher Gesinnung und persönlicher Tugend, musterhaftem Lebenswandel und herrlicher Regentenfähigkeiten; so jung beide auf den Thron eines Kirchenfürsten erhoben wurden, so hell leuchteten sie wie Sterne am Himmel in einer verdorbenen Zeit und Umgebung. Es ist darum tief bedauerlich und wurde schon von den Zeitgenossen schmerzlich beklagt, daß zwei solche Zierden geistlicher Fürstenthrone Jahrzehntelang miteinander in Streit und Prozeß lagen. Wie kam das? Fürstabt Balthasar nahm mit jugendlichem Feuereifer als einer der ersten geistlichen Reichsfürsten in Deutschland die Rückgewinnung seines Stiftes für den katholischen Glauben und die Verbesserung der Sitten seines Klerus in Angriff; im November 1571 berief er die Jesuiten und übergab ihnen eine Schule in Fulda Dadurch machte er sich das verweltlichte Kapitel und die protestantische Ritterschaft des Landes zum grimmigen Feind. Die Ritterschaft zürnte dem Abte auch deswegen, weil er den Bestrebungen der Ritter, sich vom Landesherrn immer unabhängiger zu machen, entgegentrat. Auswärtige protestantische Fürsten wie der Landgraf von Hessen, der Kurfürst von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg mischten sich in die Fuldaer Angelegenheiten ein, bestärkten die Ritterschaft und das Kapitel sowie die Städte im Widerstand gegen den Abt und drohten diesem mit offener Gewalt, wenn er nicht die Jesuiten entferne und das Bekenntnis der evangelischen Reliogion im Stifte freigäbe. Ja, sie schlugen im Jahre 1573 dem Kapitel die Abdankung Balthasars und die Ersetzung desselben durch den jungen kalvinischen Pfalzgrafen Friedrich vor. Was sich das Kapitel herausnahm, erhellt aus der Tatsache, daß es ohne Vorwissen des Fürstabtes am 6. November 1573 ein eigenmächtiges Ultimatum an die Jesuiten stellte, binnen 14 Tagen Stadt und Land zu verlassen. Nur das von Balthasar erwirkte Machtwort des Kaisers und der Spruch des Reichskammergerichtes verhütete wiederholt das Schlimmste. Anfangs wurde der mutige Fürstabt Balthasar vom Bischof Friedrich von Wirsberg wie später von Julius Echter in seinen Bestrebungen eifrig unterstützt. Allein schon Bischof Friedrich war ungehalten über Abt Balthasar, weil er nicht ihn, den geistlichen Oberhirten des Stiftes Fulda, zu seiner Abtsweihe bestellte, sondern den Weihbischof von Mainz. Er wollte sich sogar in Rom über diese Mißachtung seiner Rechte beschweren. Auch Bischof Julius war in Sorge um das Stift Fulda. Es bestand Gefahr, daß er die gestliche Gewalt über das Stift verliere; denn Abt Balthasar fühlte sich in seinem Verbesserungswerk nicht wenig dadurch gehemmt, daß die geistliche Obergewalt in seinem Stift nicht bei ihm lag. Am 19. September 1575 schrieb er an Papst Gregor XIII., daß durchgreifende Reformmaßregeln fast unmöglich seien, weil die geistliche Gerichtsbarkeit innerhalb seines Gebietes zwischen ihm, dem Erzbischof von Mainz und dem Bischof von Wirsberg geteilt sei und man kaum wisse, zu welcher Gerichtsbarkeit dieser oder jener Ort gehöre. Der Papst möge die bischöfliche Gewalt an ihn allein übertragen, dmait er dann die Reform mit Eifer in die Hand nehmen könnte. Julius Echter fürchtete auch um den Bestand des Stiftes selber in einer Zeit, wo viel größere Stifte und Bistümer der Kirche durch die Gewalttat protestantischer Fürsten verloren gingen. Ueber die Stimmung und Pläne der Ritterschaft von Fulda und der angrenzenden protestantischen Fürsten war Julius genau unterrichtet. Sie liefen tatsächlich auf die Umwandlung des Stiftes in ein protestantisches Erbland hinaus. Auch der Brief des Herzogs Albrecht von Bayern vom 15. November 1573 spricht die Befürchtung aus, daß die Fuldaer Wirren noch weitere Kreise ziehen könnten. Wenn die protestantischen Pläne auf Fulda ihr Ziel erreichten, dann würde vielleicht die Pfalz auf Mainz, Sachsen auf Würzburg und Württemberg auf Augsburg die Hand legen. Um das Stift, das, wie gesagt, größtenteils zu seiner Diözese gehörte, für Kirche und Bistum zu erhalten, schlug der Fürstbischof dem Abt eine Union beider Stifte vor: "Dieweil die Weltlichen nicht unterlassen, die Stifte wider deren Willen einzuziehen, warum sollte es denn den Geistlichen nicht auch erlaubt sein, sich so stark zusammenzutun und sich einander einzuverleiben?" Der Plan von Julius war, daß zu Lebzeiten beider Kirchenfürsten der eine des anderen Koadjutor (Vertreter) und nach dem Tode des einen der andere dessen Nachfolger in beiden Stiften werde. Aber Balthasar wies leider diesen weitschauenden Plan im Jahre 1575 zurück. Da ward Julius das Stift Fulda von anderer Seite angeboten. Im Januar 1576 ergriff nämlich Fürstabt Balthasar Maßnahmen, um die verweltlichten Kapitulare samt ihren Kaplänen wieder zum klösterlichen Leben zurückzuführen. Das erbitterte diese aufs Höchste. Der Abt ließ sich hierbei, den Streit einem Schiedsrichter zu unterbreiten und man einigte sich auf den Fürstbischof Julius Echter. Die unzufriedenen Kapitulare wollten aber ihren Bischof zu Würzburg nicht bloß als Schiedsrichter, sondern auch als Landesherrn. Sie vereinigten sich mit der ohnedies aufrührerischen Ritterschaft und beschlossen am 6. Mai 1576 die Abdankung des Abtes. Noch im gleichen Monat erschienen Abgesandte der Ritterschaft und des Kapitels in Würzburg, um mit Julius Echter über die Uebernahme des Stiftes Fulda zu unterhandeln. Ihre erste Forderung lautete, Julius solle nicht allein die Ritterschaft, sondern auch die Städte und das Land bei der Religion lassen, wie ein jeder dieselbe bekenne und wie es bei dem vorigen Abt gewesen sei; allein Julius verpflichtete sich bloß dazu bei der Ritterschaft; im Uebrigen solle man in seine Person Vertrauen setzen. Es ist ganz zweifellos, daß Julius das religiöse Bekehrungswerk Balthasars im Stifte Fulda später fortgesetzt hätte. Das erwarteten die protestantischen Fürsten auch gar nicht anders. So schrieb Landgraf Wilhelm von Hessen an den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz über den Streit zwischen Julius und Balthasar: "daß eine Krähe der anderen die Augen auspicken und ein Jesuiter den andern verfolgen sollte, solches dünkt uns nicht wohl glaublich zu sein." Sie sahen daher dem Regierungsantritt des Würzburger Fürstbischofs in Fulda mit höchtem Mißtrauen entgegen. Als Abt Balthasar von dem geheimen Verkehr seiner Stände mit Julius erfuhr, befand er sich gerade in Hammelburg, um dieses Städtchen wieder für die katholische Religion zurückzugewinnen. Er bat sofort den Fürstbischof schriftlich um Mitteilung der Verhandlungen. Am 3. Juni 1576 versprach Julius den Abt durch seinen zur Zeit abwesenden Kanzler Helu in die Unterhandlungen einzuweihen und stellte seinen eigenen Besuch in Hammelburg in Aussicht, um sich mündlich mit dem Abt zu verständigen. Helu war zum Bayernherzog Albrecht V. gereist, um diesen für den Plan der Union beider Stifte zu gewinnen, was auch gelang. Am 13. Juni weihte der Kanzler den Abt völlig in das Uebereinkommen zwischen Julius und den unzufriedenen Fuldaer Ständen ein und teilte ihm auch mit, daß der Fürstbischof am Dienstag nach Dreifaltigkeitssonntag (19. Juni) in sein Schloß nach Aschach käme, vo wo dann die geplante Zusammenkunft in Aschach oder Hammelburg bewerkstelligt werden könnte. Auf die nochmalige dringende Einladung des Abtes meldete sich Julius aus zum Besuch in Hammelburg auf Fronleichnamsfest Nachmittag (den 21. Juni) an. Inzwischen hatten aber Ritterschaft und Kapitel am Dreifaltigkeitssonntag, den 17. Juni, sich der Gewalt in Fulda bemächtigt und auf einem Landtag erklärt, sie hätten notgedrungen die Verwaltung des Stiftes dem Bischof von Würzburg übertragen. Am Mittwoch, den 20. Juni, erschienen sie mit 100 Pferden in Hammelburg, um dem Abt ihre Beschwerden vorzutragen und ihn zur Annahme des Fürstbischofs Julius als eines Coadjutors zu zwingen. Am nächsten Tag kam Julius nach manchen mit 40, nach anderen mit 100 Pferden nach Hammelburg. Der Fürstabt ritt ihm entgegen. Beide, die sich bisher noch nie gesehen, begrüßten sich aufs freundlichste. Der Abt begann die Unterhaltung: Der Bischof werde wissen, daß er gestern Gäste bekommen habe, nämlich Kapitel und Ritterschaft. Der Bischof erwiderte, er habe davon nichts gewußt, sonst wäre er nicht nach Hammelburg gekommen; indessen hoffe er, daß seine Gegenwart dem Abte nicht schaden werde. Am Freitag und Samstag setzten nunRitterschaft und Kapitel dem Abte leidenschaftlich und mit Drohungen zu, man läutete sogar Sturm und der einzige Ratgeber des Abtes, der Jesuitenpater Peter Lopperz, wurde auf Rathaus in Haft gebracht. So unterzeichnete endlich Balthasar am Sonntag, den 24. Juni, seine Abdankung und Fürstbischof Julius nahm das Stift an; er ließ sich sogleich in Hammelburg undnachdem er mit dem Abt und dessen Feinden nach Fulda geritten, auch am 27. Juni daselbst in der Stiftskirche huldigen. Am 12. Juni gelang es indes dem Abte auf Mainzer Gebiet zu entweichen und hier wiederrief er sofort seine Abdankung als eine erzwungene Handlung und suchte bei Kaiser und Papst Hilfe. Man war im Reiche allgemein über das Hammelburger Ereignis entrüstet. Nicht genug konnte man sich über Julius Echter wundern, daß er den rebellischen Ständen von Fulda seine Hand geboten. Der Kaiser erklärte in einem scharfen Erlaß die Abdankung des Abtes für null und nichtig und Papst Gregor XIII. verlangte von Fürstbischof Julius Echter unter Androhung des Kirchenbannes die Herausgabe de Stiftes Fulda. Allein Julius beteuerte sein gutes Recht und sein gutes Gewissen und forderte ein gerichtliches Urteil über die Sache. Der Kaiser übertruf bis zum gerichtliche Austrag die Verwaltung des Stiftes einem kaiserlichen Statthalter. Kaiser und Papst versuchten inzwischen wiederholt eine freundschaftliche Beilegung des Zwistes zwichen Julius und Balthasar und boten dazu die angesehensten Persönlichkeiten in Kirche und Reich auf, allein vergeblich. Endlich begann der Prozeß im Jahre 1584; aber erst am 7. August 1602 erfolgte das Endurteil, wornach der Abt in alle seine Würden wieder eingesetzt, der Bischof zum Schadenersatz und zur Zahlung des Kosten, Kapitel, Ritterschaft und Städte wegen Treubruchs zur Entrichtung einer Strafsumme von 120000 Gulden veruteilt wurden. Fürstabt Balthasar war in seinem Unglück wiederholt bon den Päpsten und vom seligen Petrus Canisius getröstet worden und ertrug sein herbes Geschick mit bewundernswerter Geduld. Nach seiner Wiedereinsetzung führte er mit ungebrochenem Eifer das Bekehrungsverfahren im Stifte Fulda fort und brachte gegen 20000 Seelen wieder zum katholischen Glauben zurück. Vor seinem Tode (1606) hatte sich Balthasar mit Julius wieder ausgesöhnt; mit seinem Nachfolger, dem Abt Johann Friedrich von Schwalbach, schloß der Fürstbischof im Jahre 1613 einen Vertrag, der eine Reihe strittiger Punkte zwischen Würzburg und Fulda schiedlich friedlich regelte. Der "Fuldaer Handel" aber schwebt wie eine dunkle Wolke über dem sonst so leuchtenden Bilde von Fürstbischof Julius und man möchte denselben gerne in seinem Leben missen. Die alte gut unterrichtete Lebensbeschreibung von Julius Echter, die vermutlich sogar von seinem eigenen Bruder Dieterich stammt, sagt übrigens, der Fürstbischof habe es später selbe bedauert und geklagt, daß er sich von andersgläubigen Räten in die Fuldaer Angelegenheit habe treiben lassen. 13. Die Stiftung der Universität. Mitten in diese Zeit, die dem Bischofe Julius wegen der Fuldaer Sache so viele Vorwürfe und Mißdeutungen eintrug, fallen seine größten Schöpfungen: die Gründung von Universität und Juliusspital. Durch Bischof Friedrich von Wirsberg hatte das Hochstift im Jahre 1561 ein Gymnasium erhalten, dessen Leitung vom Herbst 1567 an die Jesuiten übernahmen. Daneben bestanden auch noch die Dom- und Stiftsschulen für den Nachwuchs der Geistlichkeit weiter. Wer jedoch höhere Studien betreiben wollte, mußte seine Bildung auswärts suchen. Zwar hatte schon Bischof Johann von Egloffstein (1400-1411) in Würzburg eine Universität gegründet und sich vom Papst Bonifaz IX. im Jahre 1402 alle Rechte und Vollmachten hiezu geholt. Aber infolge innerer Unruhen ging diese Hochschule bald nach dem Tode des Stifters wieder ein. Die Erfahrung hatte nun aber gelehrt, daß der Besuch auswärtiger Bildungsanstalten manche Schäden im Gefolge hatte. Viele Studenten hatten an der Universität Wittenberg, wo Luther wirkte, und von anderen protestantischen Universitäten die neue Lehre ins Frankenland mitgebracht. Besonders bedenklich war dieses auswärtige Studium an verdächtigen Universitäten für die angehenden Geistlichen und noch im Jahre 1578 beschwerte sich Bischof Julius beim Domkapitel, daß die jungen Domherrn auf lutherische Universitäten ziehen und lutherische Hauslehrer haben. Dadurch sögen sie das Gift in sich ein, so daß man sich ihrer künftig nicht getrösten könne, sie wären weder Fisch noch Fleisch. Den Eltern fiel es schwer, ihre Söhne in den kritischsten Jahren für längere Zeit in die Ferne ziehen zu lassen, wo ihr schützendes Auge nicht mehr über dieselben wachen konnte. Mit Vorliebe wurden damals jene belgischen, französischen und italienischen Universitäten besucht, welche auch Julius bezogen hatte. In Deutschland gingen die Söhne des Frankenlandes gerne, nachdem die protestantischen Universitäten verpönt waren, auf die katholischen Hochschulen von Freiburg i. Br., Ingolstadt und Dillingen. Vom staatsmännischen Standpunkte aus fiel ins Gewicht, daß durch das auswärtige Studium viel Geld dem Hochstifte entzogen wurde. Aus allen diesen Gründen übernahm Julius, der ohnedies ein warmer Freund und Förderer wissenschaftlicher Studien war, das von seinem Vorgänger gestiftete Gymnasium wie ein heiliges Vermächtnis und ging alsbald daran, diese Anstalt zu einer vollständigen Hochschule auszubauen. Noch im ersten Regierungsjahre erbat der Fürstbischof von Papst Gregor XIII. unter Hinweis auf die i.J. 1402 für die Würzburger Universität erteilten Privilegien die nötigen Rechte und Vollmachten, welche auch am 28. März 1575 gegeben wurden. Desgleichen erwirkte er vom Kaiser unter dem 11. Mai 1575 die für die Universitätsgründungen üblichen Rechte und Freiheiten. Auch gab der Kaiser im Zusammenhang mit der Stiftung der Hochschule dem Fürstbischof Privilegien für seine Buchdruckerei. Inzwischen verbesserte Julius das Wirsberg'sche Gymnasium, stellte neue Unterrichtsräume her, vermehrte die Zahl der Professoren, teilte die Schülerzahl in verschiedene Klassen mit bestimmtem Unterrichtsstoff und neuen Lehrplänen. Nun fügte der Fürstbischof an das verbesserte Gymnasium eine philosophische und theologische Fakultät. Die Lehrer hierzu erbat er sich im Laufe des Jahres 1575 von dem Jesuitenorden. Am 2. Dezember desselben Jahres kündigte er der Diözese an, daß an Weihnachten die philosophischen und theologischen Vorlesungen beginnen sollten und lud dazu ein. "Mit der Hilfe Gottes", sagte der Bischof, "ist nunmehr allhier in unserer STudienanstalt eben dasjenige zu finden und zu lernen, was bisher mit viel Kosten an fernen und entlegenen Orten zu suchen war." Zugleich forderte Julius einen Bericht ein über die im Bistum bestehenden Unterrichtsstiftungen, ob und welche Stipendien an den einzelnen Orten vorhanden, von wem sie gestiftet und in welchem Beitrag, welche Personen sie zur Zeit genössen und wo diese studierten. Desgleichen verlangte er Auskunft über diejenigen, welche auf Grund geistlicher Pfründen ihre wissenschaftliche Ausbildung erbielten. Dabei beklagte er es lebhaft, daß solche Stipendiaten und Inhaber geistlicher Pfründen an Orten studiert haben und noch studieren, wo sie mit fremder und anderer Religion, als es die treuen Stifter gemeint, behaftet werden. Infolgedessen gehen solche Personen nicht allein dem Stift und Vaterland verloren, sondern sie weihen ihre Dienste anderswo zum Schaden des Stiftes. Daher gab Julius den gemessenen Befehl, die Stipendiaten und Inhaber geistlicher Pfründen und überhaupt alle Stiftsangehörige, die an anderen Orten studierten, aufs eheste abzufordern und zum Studium nach Würzburg zu weisen. Gleichsam als Gegenleistung stellte Julius den weiteren Ausbau der Würzburger Unterrichtsanstalt in Aussicht. Doch diese Pläne stießen auf hartnäckigen Widerstand des Domkapitels. Um den Gehalt der neu ernannten Philosophie- und Theologieprofessoren aus dem Jesuitenorden zu bestreiten, verlangte er vom Domkapitel die Zuweiseung von Gefällen des ausgestorbenen Frauenklosters Unterzell. Um ferner nicht kostspielige Neubauten für die geplante Universität ausführen zu müssen, bat er um Ueberlassung bezw. Umtausch des dem Kapitel gehörigen Domherrnhofes zum Katzenwicker. Das Domkapitel ging aber auf beides nicht ein. Besonders spielte dabei seine feindselige Haltung gegen den Jesuitenorden mit; die adeligen Herren nochtem wohl fühlen, daß die Väter der Gesellschaft Jesu sowohl durch ihren frommen Lebenswandel und ihren seelsorgerlichen Eifer als durch ihre wissenschaftliche Ueberlegenheit für sie ständige stumme Ankläger waren, die sie am liebsten aus dem Wege geräumt hätten. Es war ihnen ein Dorn im Auge, daß diesen Männern nun ein noch größerer Einfluß auf die Heranbildung der Geistlichkeit und die Erziehung der Jugend überhaupt eingeräumt werden sollte. Die ergebnislosen Verhandlungen zogen sich mehrere Jahre hin. Inzwischen hatte die Würzburger Schule bereits ihre ersten reifen Früchte gezeitigt. Gegen Ende des Jahres 1581 konnte der Rektor des Jesuitenkollegs dem Domdechanten die frohe Mitteilung machen, daß etliche Alumnen und Stipendiaten des Fürstbischofs in der Theologie und Philosophie so weit fortgeschritten, daß sie des akademischen Grades eines Licentiaten und Magisters wohl würdig seien. Nun säumte Julius nicht länger. Auf den 2. Januar 1582 ließ er überall einladung ergehen zur feierlichen Verkündigung der päpstlichen und kaiserlichen Universitätsprivilegien. Aber noch am 31. Dezember beriet sich das Domkapitel, ob es an dieser Feier teilnehmen oder dagegen protestieren solle, fand es aber schließlich für geratener, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Am Freitag selbst hielt der Fürstbischof, umgeben von den Aebten, Prälaten und Beamten und vielen adeligen und gelehrten Herrn, in der Franziskanerkirche morgens 8 Uhr ein feierliches Hochamt, und flehte den Segen des hl. Beistes für die neue Universität herab. Betend um die Herabkunft des hl. Geistes ließ sich ja auch Julius auf dem Portalbild des Universitätsgebäudes neben Maria und der Apostelschar darstellen. Nach dem Pontifikalamt hielt der Jesuit P. Halenius einen Vortrag in lateinischer Sprache über den großen Nutzen der neuen Akademie. Darauf verlas der Rektor des Jesuitenkollegs, P. Franz Rapedius, von der Kanzel aus die Privilegien der Universität, welche sie mit den Akademien von Paris, Bologna, Wien, Köln, Löwen, Ingolstadt und Salamanka, also den berühmtesten und ältesten der ganzen Erde, auf gleiche Rangstufe stellten. Hierauf trugen einige der neuen akademischen Bürger Gedichte in lateinischer und griechischer Sprache vor, worin sie dem Fürstbischof für die ihnen bewiesene Gunst dankten. Ein feierliches Te Deum, gesungen mit Posaunenbegleitung, beschloß unter dem fröhlichen Geläute der Glocken die kirchliche Feier. Zwei Tage später fand im Jesuitenkolleg nach wissenschaftlichen Vorträgen die Ernennung der Dekane für die theologische, juristische, medizinische und philsophische Fakultät sowei die Wahl des Rektors statt. Man wählte den Fürstbischof selber zum Rektor der Universität und Julius übernahm die Würde mit den feierlichen Worten, welche auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machten: "Dem ewigen Gott zu Ehren und dem mir anvertrauten Staate zum Nutzen habe ich diese Universität gegründet, und mir liegt nichts mehr am Herzen, als daß die Jugend zu diesem Zwecke eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung erhalte. Ich selbst bin von früher Jugend an durch Gottes Gnade so erzogen worden, daß ich es als heilige Pflicht betrachte, zur Verteidigung der heiligen katholischen Kirche und des Glaubens alles aufzubieten, was in meinen Kräften steht. Dasselber fordert von mir auch die Würde des bischöflichen Amtes, womit mich der allgütige Gott ausgezeichnet hat, und so lange ich lebe, werde ich mich bemühen, hierfür alles zu tun, was ich kann, und es an nichts fehlen lassen." 14. Die Gründung der Seminarien. Hand in Hand mit der Ausgestaltung des Wirsberischen Gymnasiums zur Universität ging die Einrichtung von drei Seminarien. Es waren dies das Kiliansseminar oder das eigentliche Priesterseminar, dann das Marianische Kolleg d.i. das Konvikt für die Gymnasiasten und das sogenannte Kolleg für arme Studenten, eine Vorschule für das Gymnasium. Auf Martini 1567 hatte Bischof Wirsberg für 25 Landeskinder, 2 aus jedem Amt, im Jesuitenhof zum sogenannten "Fresser" in Würzburg an dem Platze, wo jetzt die jüdische Synagoge steht, ein Studienzimmer eröffnet; die Stipendiaten hatten frei Wohnung und Kost, Holz und Licht und unentgeltlich war auch der Besuch der Schule. Ein Jesuit leitete das gemeinschaftliche Leben der Studenten in wissenschaftlicher und sittlicher Beziehung. Der Unterhalt der Stipendiaten wurde anfangs teils von Fürstbischof Friedrich selber, teils von anderen Prälaten und Kollegiatkirchen bestritten. Ein gesichertes Einkommen bekam diese Studentenpflege erst im August 1573, wo ihr die Einkünfte des Klosters Wechterswinkel und die Gefälle anderer ausgestorbener Klöster zugewiesen wurden. Bereits im Stiftungsbrief des Gymnasiums hatte aber Bischof Friedrich noch die Stiftung eines anderen Seminaars angekündigt, in welches Alumnen aufgenommen werden sollten, d.i. solche Studenten, welche bereits Kleriker oder im Besitze geistlicher Pfründen waren, deren Einkünfte jedoch nicht zur völligen Bestreitung der Studienkosten hinreichten. Da aber dem Bischof kein anderes Gebäude für die Eröffnung dieses Alumnats zur Verfügung stand und die Not der Zeit ein solches Institut dringend erheischte, so überließen die Jesuiten wiederum ihren Hof "zum Fresser" für diesen Zweck. Die Kirchenversammlung von Trient hatte es nämlich in der 23. Sitzung am 15. Juni 1563 den Bischöfen zur strengen Pflicht gemacht, Pflanzschulen für ihre Geistlichkeit zu errichten. In Seminarien sollten die angehenden Kleriker, geschützt vor den Lockungen der Welt, in Wissenschaft und Frömmigkeit unter den Augen des Bischofs zu ihrem hohen Berufe herangebildet werden. Am 13. Februar 1570 konnte das Alumnat im "Fresser" eröffnet werden. Neben den Klerikern wurde aber auch eine größere anzahl weltlicher Studenten als Konviktoren aufgenommen; diese zahlten ihren Unterhalt daselbst selber, die Alumnen hingegen hatten freie Wohnung und zahlten nur für die Kost eine mäßige Entschädigung. Auch dieses Alumnat wurde den Vätern der Gesellschaft Jesu unterstellt. Es wohnte sonach in diesem einen Hause eine recht gemischte Studentenschaft zusammen: Junge Gymnasiasten und Akademiker, alumnen und Ordenskleriker, Bürgerliche und Adelige, Weltliche und ältere Geistliche. Ein Priesterseminar im Sinne der Kirchenversammlung von Trient war diese Anstalt nicht; daher drängte der Papst den Fürstbischfo Julius unablässig zur Errichtung eines eigentlichen Klerikalseminars. Julius gab nun vorerst im Jahre 1575 dem neuen Seminar solche Statuten mit besonderen Zusätzen für die Kleriker, daß es einstweilen als Notbehelf für ein Seminar nach den Vorschriften jener Kirchenversammlung gelten konnte. Auch vermehrte er die Zahl der Freiplätze und vergrößerte in den Jahren 1578-1580 die Seminargebäude, indem er eine Anzahl angrenzender Häuser in der Kettengasse ankaufte und zu den Anstaltszwecken umbaute. Im Jahre 1579 waren neben den zahlenden Studenten oder Konviktoren 65 Zöglinge mit Freiplätzen anwesend. Es plante auch Julius bereits im Jahre 1576 das Seminar für Geistliche von dem Kolleg für arme Studenten abzutrennen. Aber es fehlten hiezu noch die Gebäude und Mittel. Julius verhandelte seit 1575 mit dem Domkapitel, um im leer stehenden Neuerinnenkloster 50 und mehr arme Studenten unterzubringen. Allein das Domkapitel lehnte die Forderungen des Fürstbischofs unter allen möglichen Vorwänden ab; am 21. Januar 1577 schlug Julius vor, dem Mangel an Chorpersonen und Seelsorgern auf den domkapitelischen Pfarreien dadurch abzuhelfen, daß man in diesem Kloster eine Schule oder ein Seminar für die künftigen Domvikare und Seelsorger errichte. Auch hierauf ging das Kapitel nicht ein. Der Bischof erinnerte ebenfalls die übrigen Stifter und Klöster daran, daß sie selber für den nötigen Nachwuchs im Chordienst und der Seelsorge in jenen Pfarreien, deren Präsentationsrecht ihnen zustand, sorgen müßten. Daher verlangte er von ihnen, daß sie jährlich einen oder den anderen Alumnus im Seminar unterhalten sollten. Am 28. Februar 1578 ordnete Julius eine Kommission an, um über die Beschaffung der Mittel für ein tridentinisches Seminar zu beraten. Die Kommission veranschlagte die jährlichen ordentlichen Ausgaben des geplanten Seminars auf 5250 Gulden. Von den Einkünften aus neun unbesetzten Klöstern z.B. Frauenroth, Klosterhausen, Gerlachsheim, Maidbronn, Aura sollte jährlich eine Summe von zusammen 1466 Gulden begesteuert werden. Die noch verbleibende Summe von 3784 Gulden sollten die mit Insassen besetzten Stifte und Klöster aufbringen. Deshalb wandte sich Julius an dieselben im Zirkularschreiben vom 30. Dezember 1578, das uns den Seeleneifer des Fürstbischofs Julius so recht erkennen läßt; denn er sagt darin: "Lange und viel haben wir überlegt und sorgsam haben wir in dieser stockfinsteren Nacht, die sich über die Kirche gelagert hat, überall hin unsere Augen gewendet, um die uns anvertraute Herde zu bewachen kraft des Hirtenamtes, womit uns der hl. Geist die Leitung der Kirche übertrug, die Gott duch sein Blut sich erkauft hat. Dabei stießen wir überall auf Schwierigkeiten und hinderliche Dinge der verschiedensten Art. Hier waren es verderbenbringende Abirrungen der Gläubigen, dort wütende Angriffe und heimliche Anschläge der Gegner. Unter diesen Umständen leuchtet uns nur ein dunkler Hoffnungsstrahl, die irrende Herde zurückzuführen und unsere so schwer heimgesuchte und geschwächte katholische Religion sowie die alte fast ganz in Verfall geratene christliche Zucht wiederherzustellen, wenn uns nicht der fromme Fleiß tauglicher und zahlreicher Mitarbeiter im Weinberg des Herrn, vor allem aber das Erbarmen des Allmächtigen zu Hilfe kommt. Der angstvolle Blick auf diese Sachlage bereitet uns unter all den ständigen Sorgen und Mühseligkeiten, in die uns die Regierung dieser Diözese verwickelt, ganz besondere Sorge und Kummer; aber man soll uns deswegen doch nicht gebrochenen Mutes oder rat- und tatlos sehen. Wir scheuen keine Anstrengung für die Kirche Gottes, unser aller Mutter, Führerin und Lehrerin, und nichts soll unversucht blieben, um zunächst alles, was auf den Gottesdienst Bezug hat, mit allen Mitteln in Ordnung zu bringen. Denn darnach seufzt die Kirche und wir hören im Geiste ihre stille Klage und ihre Forderung an uns, daß wir für ihr Ansehen und ihre Ausbreitung uns erheben sollen. Fragen wir aber nach dem Weg, der einzuschlagen sei, um das zu erreichen, was wir einzig begehren, wofür wir uns in Sorgen abmühen, was Tag und Nacht unsere Gedanken beschäftigt, so kommen wir immer wieder auf den einen Weg zurück, der unmittelbar und auf ebener Bahn sicher zum Ziele führt, es ist der Weg, welchen uns die Väter des wahren Glaubens auf dem hl. Konzil von Trient gezeigt haben, nämlich die Erziehung der Diener Gottes zu ihrem Berufe von Jugend auf in einem Seminare. Unser Vorgänger hatte schon diesen Weg betreten; aber wir müssen seiner Stiftung festere Grundlagen und stärkere Stützen verschaffen. Die äußerste Not fordert von uns, daß immer fromme und gelehrte Priester zur Hand sind, damit sie die Leitung der Pfarreien in unsererer Diözese übernehmen, die gottesdienstlichen Handlungen nach Vorschrift verrichten und die Herde des Herrn vor den wütenden Wölfen mit Erfolg bewachen. Wir haben solcherlei Männer nicht viele zur Verfügung. Es müssen also in unserem Seminar übereinstimmend mit den Anordnungen des Konzils mehr junge hoffnungsvolle Leute als bisher erzogen und unterrichtet werden. Bei einer größeren Anzahl von Schülern und Lehrern müssen dann aber auch weitere Wohnräume eingerichtet und darin gleichsam neue Werkstätten zur Einübung der christlichen Frömmigkeit und katholischen Religion und zur Aneignung der Wissenschaft eröffnet werden. Wir für uns allein können jedoch die dafür nötigen Auslagen beim besten Willen nicht bestreiten; das begonnene Werk darf nicht ohne die größte Schädigung der Religion und Unehre des geistlichen Standes unvollendet und im Stich gelassen werden." Die Prälaten, Aebte und Pröpste bewilligten auch jährliche Beiträge; z.B. das Würzburger Benediktinerkloster St. Stephan 200 Gulden, Kloster Schwarzach und Bildhausen je 150 Gulden. Diese jährlichen Beiträge wurden später durch Hauptsummen abgelöst. Am 1. Februar 1581 spendete der Dompropst Richard von der Kehre von den Einkünften des verlassenen Klosters Wechterswinkel, deren Genuß er inne hatte, die ansehnliche Summe von 6000 Gulden als freiwilligen Beitrag. Aber auch der Fürstbischof steuerte aus seinem Privatvermögen bei. Um das Domkapitel durch sein Beispiel anzufeuern, stellte er im Jahre 1581 einen persönlichen Beitrag von 2000 Gulden in Aussicht. Er konnt darauf hinweisen, daß wiewohl er von dem Seinigen ein Stattliches der Sache zum Besten gebe, seine Vorfahren in 150 oder mehr Jahren von dem Ihrigen nichts verbaut hätten. Als das Domkapitel dem Bischof seine kostspieligen Neubauten zum Vorwurd machte, sagte er: Wenn er jährlich nur 2000 Gulden dazu verwende, so sei das ein Geringes zu dem, was etliche Domherrn jährlich verbauten; der Seminarbau aber sei kein schlechtes, sondern nur eines jeden Edelmannes würdiges Werk. Nach des Julius Plan sollte das künftige Klerikalseminar mit der Universität ein untrennbares Ganze bilden; es sollte das Herz der Universität sein; es wurden ja zunächst tatsächlich nur philosphische und theologische Vorlesungen für die Alumnen gehalten. Man kann sogar mit dem Geschichtsschreiber der Würzburger Universität Franz X. v. Wegele sagen (S. 202): "Die Gründung der Universität war aus dem Gedanken einer Erweiterung und Ergänzung des Seminars hervorgegangen." - Auch sollten nach Julius Wunsch in dem geplanten tridentinischen Seminar die Universitätsstudenten aller Fakultäten Aufnahme finden könnnen, um gemeinsam mit den Alumnen an der Wohltat der Seminarerziehung teil zu haben. In den Anstaltsgebäuden zum "Fresser" konnte aber trotz aller Neubauten ein solches Seminar nicht eingerichtet werden. Julius wünschte aber dringend die Zerlegung des bisherigen Seminars in ein solches mit Gymnasiasten und in das eigentliche Priesterseminar. Wenn er für letzteres passende Räume schuf, so konnte er auch das erstere erweitern. Das lag dem Bischof auch deswegen am Herzen, weil die Schülerzahl des Gymnasiums bis zum Jahre 1582 bereits auf 550 gestiegen war und ihrer möglichst viele die Wohltat der Seminarerziehung genießen sollten. Da die Verhandlungen des Fürstbischofs mit dem Domkapitel um Ueberlassung des Domherrnhofes zum "Katzenwicker" für Seminar und Universität nicht zum Ziele führten, der Bischof nunmehr auch durch die Beiträge der Klöster eine größere Summe in Händen hatte, so beschloß er bald nach der Verkündigung der Universitätsprivilegien einen Neubau neben dem Jesuitenkolleg aufzuführen. Dies ist der Platz, wo jetzt das alte Universitätgebäude sich erhebt dort stand einst das St. Ullrichskloster und verschiedene Vikariatshäuser. Das St. Ullrichskloster war früher von Benediktinerinnen bewohnt, damals aber stand es, wie so manches andere Kloster, infolge des Niedergangs des Ordenslebens leer; auch waren die Gebäude ruinös. Das Domkapitel fügte sich ins Unvermeidliche und erklärte sich mit diesem Bauplatze einverstanden, obwohl es immer noch kein Verständnis für die Notwendigkeit eines neuen Seminars hatte. Julius ließ nun Kirchlein und Kloster sowie die angekauften Nachbarhäuser niederreißen und legte am 8., Juli 1582 feierlich den Grundstein zum neuen Universitäts- und Seminargebäude und der neuen Universitätskirche. Im Juni 1583 erlangte er vom Papst die Erlaubnis, das Kloster St. Ullrich und seine Einkünfte zu gunsten der Universität zu verwenden. Später genehmigte auch der Papst, daß die Güter der beiden verödeten Frauenklöster Mariaburghausen bei Haßfurt und Klosterhausen bei Bad Kissingen einverleibt würden. Die Quelle,aus der also die Dotation der Universität und aller mit ihre in Verbindung stehenden Kollegien floß, war das Vermögen der Kirche, kein Staatsgut, keine Landessteuer, kein Zuschuß aus Landeskassen. Vom Jahre 1582-1591 wurden für Seminar und Universität allein 117476 Gulden von solchen Klöstern beigetragen, welche noch besetzt waren, kaum der dritte Teil aus unbesetzten Klöstern. Die Gelder aber, welche Julius aus der bischöflichen Kammer beisteuerte, stammten gleichfalls aus den Gefällen leer stehender Klöster, über welche er als Bischof verfügte. MÖge die Gegenwart und Nachwelt es nie vergessen, daß die Universität Würzburg aus katholischem Kirchengut gestiftet worden ist. Der Seminar- bezw. Universitätsbau kostete nach heutigem Werte nahezu 1,5 Millionen Mark und war einer der stattlichsten Universitätsbauten der Welt. Bereits im Jahre 1584 konnten die Alumnen vom Seminar zum "Fresser" in das neue Heim übersiedeln, indes an den übrigen Räumen der Universität noch weiter gebaut wurde. Damit war der Tag gekommen, wo Julius auch das im "Fresser" zurückbleibende Seminar für die Gymnasiasten neu organisieren konnte. Es schieden also alle Priester, Benefiziaten, Alumnen, Ordensleute, Adeligen und reichen Bürgerssöhne aus diesem Seminar aus und es blieb fortan 50 armen Gymnasiasten in den mittleren und oberen Klassen vorbehalten, die beabsichtigeten Priester zu werden. Doch wurden auch diejenigen nicht ausgeschlossen, die sich noch nicht endgültig für den geistlichen Stand entschieden hatten. Dieses Seminar wurde der Mutter Gottes geweiht und führte fortan den Namen "Marianisches Kolleg"; das in den Universitätsneubau versetzte eigentliche Priesterseminar mit 40 Freiplätzen bekam zu Ehren der Frankenapostel die Bezeichnung "St. Kiliansseminar". Die Stipendiaten des Marianischen Kollegs wurden durch den Stiftungsbrief verpflichtet, alle Tage die 7 Bußpsalmen zu beten und in irgend einer Muttergotteskapelle das Salve Regina zu singen, ferner mußten sie sich bei der Abhaltung der Vesper in der Juliusspitalskirche beteiligen sowie bei den Fürbitten, die Julius halten ließ für die Ausbreitung der katholischen Kirche, Ausrottung der Irrlehren und für den Frieden des Vaterlandes. Auch das "Marianische Kolleg" wurde als tridentinisches Seminar betrachtet. Die Zöglinge führten den Namen Alumnen, sie erhielten auch bereits die Tonsur und die niederen Weihen, und wer sich bewährt hatte, trat vom Marianischen Kolleg ins St. Kiliansseminar ohne Weiteres über. Wie nun in das St. Kiliansseminar die älteren Jahrgänge vom ehemaligen Seminar im "Fresser" übergesiedelt waren, so trennte Julius im Jahre 1589 die Schüler der unteren Klassen vom Marianischen Kolleg ab und machte für diese eine eigene Stiftung in den Häusern neben dem "Fresser", genannt Pfauenhof. Dieses Seminar führte den Namen Collegium pauperum oder "Kolleg für arme Knaben"; es war zunächst für 40 Zöglinge gestiftet. Auch im Juliusspital richtete der Fürstbischof eine Studentenpflege ein; so sehr war er auf die Förderung wissenschaftlicher Bildung und guter religiös-sittlicher Erziehung bedacht. Welche Wohltat war es für die ärmere Bevölkerung des Hochstifts, daß fortan jahraus, jahrein mehr als 120 seiner Söhne infolge dieser Stiftungen die Studienlaufbahn ergreifen konnten! 15. Der Ausbau der Universität. Die Anstalten, die Julius Echter stiftete, blühten unter seinem wachsamen Auge und seiner fördernden Hand herrlich auf. Anfangs wurden nur philosophische und theologische Vorlesungen an der neuen Hochschule gehalten; im Jahre 1587 ward der erste Professor der Rechtswissenschaft angestellt; am 2. Januar 1589, genau 7 Jahre nach der feierlichen Eröffnung, konnte der Fürstbischof in einem Ausschreiben seinem Lande verkünden, daß nun in allen Fakultäten taugliche, bewährte Professoren vorhanden seien. 1593 nahm der berühmte Lowener Professor Adrianus Romanus einen Ruf nach Würzburg als Lehrer der Medicin an. Julius scheute überhaupt keine Kosten und Mühen, um tüchtige Kräfte für seine Universität zu gewinnen. Im Jahre 1585 ließ der Bischof einen Sutdentengarten enlegen, damit sich die Studierenden auf angemessene Weise erholen konnten. Dem Stifter der Universität lag es sehr am Herzen, daß die Jünger der Wissenschaft auch zu sittlich-religiösen, charaktervollen Männern erzogen würden; daher wollte er, daß im Kilianskolleg mit den Alumnen auch die Studierenden der Rechtswissenschaft und Heilkunde die Wohltaten der Seminarerziehung durch die Väter der Gesellschaft Jesu genössen. Es waren ohnedies unter den Studierenden der Rechtswissenschaft viele, besonders junge Adelige, die sich später dem Dienste der Kirche in den Ritterstiften und Domkapiteln widmen wollten. Allein bald zeigte es sich, daß das Zusammenleben der jungen reichen Adeligen, die oft noch von ihren Hofmeistern begleitet waren und große Ansprüche machten, mit den Alumnen zu vielen Disziplinwidrigkeiten führte, so daß die Jesuiten eine Zeitlang sogar die Leitung des Kilianskollegs niederlegten. Julius baute deshalb in dem Häuserviertel zwischen der heutigen Michaelskirche, der Kettengasse und dem Pfauenhof ein eigenes Haus für die bürgerlichen Juristen, eine Studentenbursa, das sogenannte Juristenhaus, wo sie unter Aufsicht billig wohnten, und für die Adeligen errichtete er, wie wir hören werden, eine eigene Abteilung im Kilianskolleg mit besondereren Satzungen. Die Universitätskirche wurde im Jahre 1591 vollendet und am Feste Mariä Geburt eingeweiht. Zu den Einweihungsfeierlichkeiten waren von allen Seiten hohe Gäste erschienen, so der Herzog Wilhelm von Bayern mit seiner Gemahlin und dem Kronprinzen, ferner der Markgraf von Baden, der Landgraf von Leuchtenberg, der Propst von Ellwangen; 7 Aebte und viele Herren des hohen Adels verherrlichten den Tag durch ihre Anwesenheit. Mehrere Tage dauerten die Festlichkeiten: den hohen Gästen zu Ehren wurden akademische Feierlichkeiten und Festspiele veranstaltet. Auf der Rückreise besuchte der Herzog von Bayern den Wallfahrtsort Dettelbach, wohin ihn Julius begleitete. Die Universitäts- und Seminarkirche hatte als Patrone die 12 Apostel erhalten; denn die Alumnen sollten ja ebenfalls zu apostolischen Männern erzogen werden; über dem Portal war die Aussendung der Apostel dargestellt, an der Kanzel das Gleichnis vom Säemann; der eine Seitenaltar war der Himmelskönigin, der andere dem hl. Kilian geweiht. So sollte die ganze Kirche schon wie eine stumme Predigt auf das Herz der jungen Seminaristen wirken. Der Ruhm der neuen Universtiät verbreitete sich bald durch die deutschen Gaue bis ins Ausland. Von überallher stellten sich Angehörige aller Fakultäten ein; nicht nur Deutsche, sondern auch Belgier, Freanzosen, Italiener, Schottländer und Polen wurden durch ihren Ruf angelockt und der oben erwähnte Professor Adrian Romanus schätzt die Zahl der Studierenden an der Universität auf jährlich 1000-1200. Von der Stiftung der Universität bis zum Tode des Stifters (1582-1617) hatte sie ungefähr 25000 Hörer. Dem äußeren Ausbau der Universität entsprach auch der innere. Julius hauchte der neuen Hochschule seinen Geist ein durch die Statuten, welche er ihr im Jahre 1587 gab. Die Würzburger Universität sollte einen streng katholischen Charakter tragen. Der Rektor, die Senatoren, der Kanzler, die Dekane und die Professoren aller Fakultäten, alle Beamten bis herab zim Pedell mußten vor Antritt ihres Amtes das tridentinische Glaubensbekenntnis ablegen. Alles war von religiösem Geiste belebt. Am Feste des großen Kirchenvaters Hieronymus, am 30. September, ward der Rektor gewählt; am 12. März, dem Feste des heiligen Kirchenvaters Gregorius ward er entweder bestätigt oder eine Neuwahl vorgenommen. Rektor soll nur werden ein Mann von reifem Alter, von ehelicher Geburt, unverheiratet, nicht befleckt durch irgend einen Makel, besonders der Ketzerei, des Ehebruchs oder der Unzucht. Der Rektor hatte die Studenten bei der Inskription zur Frömmigkeit, Gottesverehrung , Sittenreinheit und zum Fleiß in den Studien zu mahnen; auch mußte er dafür sorgen, daß wenigstens zweimal im Jahre ein Gottesdienst abgehalten wurde, für den Stifter der Universität und für ihre verstorbenen Glieder. Wer in den Senat der Universität aufgenommen werden wollte, mußte schwören, daß er den katholischen Glauben bis zum Ende des Lebens festhalten und soviel an ihm liege, nicht zulassen wolle, daß jemand in den Senat aufgenommen werde, der nicht diesen Glauben bekenne. Unter den Professoren seiner Universität suchte Julius durch besondere Bestimmungen den Frieden zu befördern. So nahm er das Versprechen in den Diensteid der Senatoren, Dekane und Professoren auf, nicht Anlaß zum Streit zu geben und den Frieden im Lehrkörper zu bewahren. Wer bei Beratschlagungen des Senates unaufgefordert seine Meinung sagte, ward mit einem Gulden bestraft; hitzige Redeunterbrechungen sollten durch die Buße von vier Dukaten gesühnt werden. Der Kanzler der Universität war der jeweilige Dompropst von Würzburg und sein Stellvertreter mußte ein Priester sein; er hatte nämlich feierlich die akademischen Grade mit Chorrock und Stola im Namen des dreifaltigen Gottes und des apostolischen Stuhles zu erteilen. Denn die Erteilung der akademischen Grade drückt die Lehrbefähigung aus; alle Wahrheit auf Erden sollte aber im Namen Gottes und der Kirche vorgetragen werden. Es mußte auch alle, die irgend eine akademische Würde erwerben wollten, das Bekenntnis auf den Glauben der Trienter Kirchenversammlung ablegen. Die Dekane der vier Fakultäten sollten an den Vorabenden der höchsten Festtage erbauliche und belehrende Ansprachen an die akademische Jugend halten. Auch die Dekane gelobten in ihrem Diensteid, nicht zulassen zu wollen, daß irgend eine Irrlehre oder ein Irrtum gegen den Glauben der katholischen Kirche in die Fakutltät sich einschleiche. Der akademischen Jugend selbst wurde in den Satzungen religiöses Verhalten und rege Teilnahme an den akademischen Gottesdiensten eingeschärft. Unsittliche und verbotene Bücher durften nicht gelesen werden. Die Pest der Trunkenheit und Unmäßigkeit sollten sie jederzeit fliehen und beim Becher keine religiösen Dispute führen. Verdächtige Gasthäuser dürfen sie durchaus nicht betreten. Wer drei Tage hintereinander ohne Erlaubnis die Vorlesungen nicht besucht, hat die Mahnung von Seite des Pedells zu erwarten; im Sommer abends nach 9 Uhr, im Winter nch 8 Uhr darf kein Student ohne dringende Not sich außerhalb seiner Wohnung sehen lassen; wird einer nach dieser Zeit erwischt, hat er einen Gulden Strafe zu zahlen. Kein Student darf in einem Wirtshause wohnen oder essen. Fluchen und leichtsinniges Schwören, Streit und Streithändel, unzüchtiges Verhalten ist zu vermeiden; wer sich beleidigt fühlt, darf nicht zur Selbsthilfe schreiten, sondern hat sich alsbald an den Rektor oder den Dekan seiner Fakultät zu wenden. Niemand darf seine Wohnung wechseln oder von Würzburg abreisen, bevor er seine Schulden gezahlt hat. Leichtsinniges Schulden machen ist verboten. Um sich nicht in Schulden zu stürzen, sollen sich die Akademiker auch in ihrer Behausung jeglichen Würfelspiels und gemeinschaftlicher Zechereien und Schmausereien enthalten. Niemand darf einem Studenten, wie vornehm er auch sein mag, ohne Vorwissen des Rektors oder der Eltern und Vormünder, abgesehen von den notwenigen Ausgaben für Lebensunterhalt und Bücher, einen Kredit von über einem Gulden gewähren; wer mehr vorgt, begibt sich des Klagerechtes. An allen öffentliche Prozessionen hat sich der Rektor und die vier Dekane zu beteiligen und zwar nehmen sie den Platz unmittelbar hinter dem Fürstbischof ein, und ist dieser abwesend, so nehmen sie dessen Platz ein. Es ist das ein Zeichen, wie sehr Julius die Universitätsmitglieder ehrte und vor allen Beamten auszeichnete. Julius nahm auch persönlichen Anteil am Erziehungswerk der studierenden Jugend, besonders seiner Alumnen. So brachte er die ersten Tage des Novembers 1591 im St. Kiliansseminar zu, um sich ungestörter der Frömmigkeit widmen zu können; er las jeden Tag die hl. Messe und am vierten Tag ließ er seine Alumnen zusammenkommen und in Gegenwart des Universitätsrektors, des Seminarregens und des Studienpräfekten hielt er ihnen eine eindringliche Ermahnungsrede. Große Verdienste um die Weckung von wissenschaftlichem Eifer und religiöser Gesinnung an der Universität erwarb sich die Marianische Studenten-Kongregation, die breits im Jahre 1575 gegründet und 1586 der Mutter- und Hauptkongregation in Rom angeschlossen wurde. Diese Kongregation pflegte nicht nur die in jenem Jahrhundert so sehr angefeindete Verehrung Mariens und praktische Frömmigkeit, sondern vereinigte auch ihre besten und eifrigsten Mitglieder in den sogenannten Akademien zu wissenschaftlichen Studienzirkeln. Mit Befriedigung konnte Julius auf sein Werk zurückblicken, das sich unter seinen Augen so herrlich entfaltete. Wir begreifen es, wenn er die Universität wie seinen Augapfel liebte und ihre in seinem Testamente sein Herz vermachte, während vordem die Herzen der Würzburger Fürstbischöfe im Kloster Ebrach beigesetzt wurden. Er hatte nur die eine Besorgnis, es möchte seine Stiftung, die er "bewogen vom Mitgefühl mit der Bedrängnis der christlich katholischen Religion und im schmerzlichen Hinblick auf die traurigen Zeitverhältnisse zum Troste der trauernden Kirche, zur Reinhaltung des Glaubens und zur Wiederaufrichtung der Kirche" ins Leben gerufen hatte, von seinen Nachfolgern verändert werden. Er schrieb daher am 1. Februar 1581 noch vor der Eröffnung der Universität: "Wir bitten und beschwören unsere Nachfolger bei der Barmherzigkeit Gottes und bei den Pflichten ihres Hirtenamtes, daß sie diesem unserem tridentinischen Seminar oder dieser unserer Schule für Geistliche, deren Errichtung, Sicherstellung und Ausstattung mit ständigen Einkünften uns so viel Mühe, sorge, Arbeiten und Ausgaben gekostet hat, niemals eine andere Verwendung geben und es nicht in eine andere Anstalt umwandeln." In der gleichen Absicht bat Julius den Papst Clemens VIII. im Jahre 1592, das St. Kilianskolleg unter den Schutz des Apostolischen Stuhles zu nehmen. Der Papst gewährte ihm die Bitte unter rühmlichster Anerkennung seines bischöflichen Hirteneifers und verbot unter der Strafe des Kirchenbannes die Veränderung dieser Stiftung und jede anderweitige Verwendung der Güter des Kollegs. Auch machte es der Papst den Nachfolgern des Würzburger Bischofs zur Gewissenspflicht, das hl. Werk des Julius nicht nur zu erhalten, sondern auch noch zu mehren und besser auszustiften. 16. Die Stiftung des adeligen Julianums. Am Neujahrstage 1607 überraschte Julius Echter den Adel seines Hochstiftes mit einem ansehnlichen Geschenke, der Stiftung eines Seminars für 24 adelige Jünglinge. Der Stiftungsbrief dieses adeligen Seminars vom 1. Januar 1607 ist ein ungemein charakteristisches Denkmal des edlen großen Geistes von Julius Echter. Der Bischof trägt der fränkischen Ritterschaft darin folgende Gedanken vor: "Wir haben nie unterlassen mehr die Schwere der Verantwortlichkeit als die Größe der mit dem bischöflichen Amte verbundenen Eher zu erwägen. Denn Wir müssen Seelen für Gott gewinnen, die durch Christi Blut erkauft sind, gleichviel ob es sind Seelen der höchstgestellten oder der untersten Klassen, ob von Adeligen oder Unadeligen. Wir haben daher einige Jahre rastlos alle Kräfte und Hilfsmittel angestrengt, um die gesamte, Uns von Gott anvertraute Bevölkerung zur katholischen Wahrheit und Einheit zurückzuführen. Wir suchten auch die katholische Religion durch einen starken Schutz auf die Dauer zu befestigen, indem der Jugend Frankens der fromme Sinn seiner Vorzeit gleichsam mit der Muttermilch eingeträufelt werde und in Fleisch und Blut übergehen sollte. DAher errichteten wir mit viel Mühe und Kosten Schulen und Kollegien. Nun halten Wir den Zeitpunkt für gekommen, auch für die adelige Jugend zu sorgen. Denn jeder Teil unserer Lebenszeit soll ein Werk des Hirtenamtes sehen. Auch soll der Schein vermieden werden, als ob der adelige Stand von Unserem Wohlwollen übergangen werde, da ja derselbe der Kirche und Diözese noch enger als bisher verbunden werden soll. Mit beständigem Mitleid und Bedauern haben Wir es längst gesehen und schmerzlich empfunden, daß dem Adel auch in unserem Frankenlande infolge der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses keine geringen Gefahren drohen. Der deutsche und unter ihm der fränkische Adel gehört zu den ältesten und berühmtesten Geschlechtern. Sein Glanz und seine Hoheit stammt aber von nichts anderem her als von der katholischen Religion und von der Frömmigkeit früherer Zeiten. Nun lehrt eine allgemein giltige Regel, daß ein Stand sich durch eben dieselben Mittel, Vorzüge und Bestrebungen in Stellung und Ansehen erhalten mußt, wodurch er vormals dazu gekommen ist. Daher wollen wir ein Seminar für junge Adelige errichten. 24 Jünglinge aus dem alten Adel sollen in unserem Kolleg zu Würzburg, das zm Andenken an den hl. Kilian, den ersten Apostel in unserem Vaterlande, Gott geweiht wurde, Wohnung haben und daselbst unter guten Lehrmeistern in Religion, Sitten und Wissenschaft unterrichtet werden. Eine Prüfung soll bei der Aufnahme entscheiden, bo sich der Einzelne erst noch den Gymnasialfächern oder bereits der Philosophie zuwenden soll. Später steht es in seiner freien Wahl, ob er entweder in der Jurisprudenz oder in der Theologie die Studien fortsetzen will, um sich entweder in einer staatlichen oder in einer kirchlichen Stellung der menschlichen Gesellschaft nützlich zu erweisen. Haben sie aber Neigung, sich dem geistlichen Stande zu widmen, dann werden sie löblicherweise mehr auf die Kenntnis in göttlichen Dingen als auf die Vertrautheit mit der Behandlung von Rechts- und Gesetzesfragen bedacht nehmen. Damit aber keiner den Titel des Freiherrn als einen Freibrief zur Ungebundenheit mißbrauche, müssen die Satzungen unserer Akademie und die Befehle der Vorgesetzten unverbrüchlich gehalten werden. Denn es ist nicht rühmlich, wenn diejenigen, welche durch Lebensstellung, Abkunft und Geburt den anderen voraus sind, nur im Tugend und Kenntnis hintenan stehen oder sich wollen übertreffen lassen. Das läßt sich aber ohne feste Ordnung und Regel in der Lebensweise und im Lernen nicht erreichen. Im Gegenteil, wenn unsere jungen Adeligen den Vorzug ihrer Geburt nicht durch Schild und Wappen, sondern durch ihre Sitten beweisen wollen und sollen, dann müssen sie es in Frömmigkeit, Fleiß, Bescheidenheit, willigen Gehorsam und musterhafter Haltung anderen zuvortun. Durch diese, unsere Stiftung hoffen wir in Zukunft zu erreichen erstlich, daß die Kathedralkirchen und Ritterstifte immer Chorherrn haben, die nicht nur durch eine ruhmvolle Reihe von Ahnen und durch den Adel des Blutes, also gleichsam durch fremdes Gut, glänzen, sondern auch durch hervorragende Frömmigkeit und Weisheit und so durch persönliche Vorzüge sich auszeichnen. Außerdem sollen auf diese Weise die Gaue, Ratsversammlungen, Städte, Schlösser und Aemter unserer Diözese künftighin sehen, daß sie Vorstände und Obere hben, die nicht bloß mit gehobener Stirne ihre edlen Abkunft gedenken, sondern auch jene Tüchtigkeit und jenen kenntnisreichen Scharfblick besitzen, der sie tauglich macht, für die allgemeine Wohlfahrt zu sorgen und dieselbe mit Ausdauer zu verfechten. Dies können sie aber nur durch die alte katholische Religion vom Himmer erlangen." Zweihundert Jahre lang bildete das adelige Seminar nur eine besondere Abteilung des St. Kilianskollegs. Der Regens des Kiliansseminars war zugleich auch Regens des adeligen Seminars; aber jedes der beiden Seminare hatte seine eigenen Präfekten; neben den allgemeinen Hausregeln hatte das adelige Seminar seine besonderen Satzungen. Julius erlebte noch die Freude, bis zu seinem Tode 35 Zöglinge, darunter Angehörige von alteingesessenen Adel, in das "Julianum" aufzunehmen, die dort die schönsten Studienerfolge erzielten. 17. Das Gymnasium zu Münnerstadt. Der Fürstbischof Julius Echter stattet nicht bloß sine Hauptstadt reich mit Unterrichts- und Erziehungsanstalten aus, sondern trug sich auch mit dem Plan, für die nördlichen Teile Frankens ein Gymnasium und ein Seminar zu errichten. In Münnerstadt nämlich, das der seeleneifrige Bischof im Jahre 1586 dem katholischen Glauben zurückgewonnen hatte, befand sich ein leerstehendes Ausgustinerkloster. Durch den Bauernkrieg, die Ueberhandnahme des lutherischen Glaubens unter den Bürgern und insbesondere durch die Raubzüge des Markgrafen von Ansbach war das Kloster in Verfall geraten und die letzten Mönche hatte sich flüchten müssen. Julius kaufte nun das Kloster von den Augustinern um 5000 Gulden; diese Summe sollte die Universität dem Würzburger Augustinerkloster vergüten; da Julius in Münnerstadt ein tridentinisches Knabenseminar plante, so war die neue Anstalt gleichsam eine Filiale des Marianischen Kollegs; es konnten somit auch aus der Kasse desselben die Erwerbungskosten der Gebäulichkeiten bestritten werden. Papst Paul V. bestätigte unter dem 11. September 1617 den Kauf unter der Bedingung, daß Julius das Münnerstädter Augustinerkloster zur Gründung eines Seminar verwende; als aber die Bulle in Würzburg eintraf, war der große Echter von Mespelbrunn nicht mehr am Leben; sein Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen griff den Plan mit Begeisterung auf, aber sein baldiger Tod und der unselige dreißigjährige Krieg verhinderten die Durchführung. Im Jahre 1652 kamen wieder Augustiner nach Münnerstadt; aber erst die Mitglieder des Institus der Bartholomiten übernahmen 1660 die wirkliche Gründung eines Gymnasiums, das dann 1685 an die Austiner überging. Julius Echter gebührt indes die Ehre und das Verdienst, die Gründung einer Mittelschule und eines Knabenseminars in Münnerstadt geplant und in die Wege geleitet zu haben. 18. Der Förderer der Volksschulen. Auch dem Volksschulwesen wandte der große Fürstbischof seine besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge zu. Ein eigener Abschnitt seiner im Jahre 1589 erlassenen Kirchenordnung handelt von den Schulen. Hier heißt es: "Es ist an Pflanzung der Jugend hoch und viel gelegen, damit dieselbe in dem rechten, wahren, katholischen und apostolischen Glauben, auch in der Furcht Gottes, guten Sitten, Tugenden und Künsten auferzogen, in dem heiligen Gebet und anderen christlichen Glaubensartikeln notwenigerweise belehrt und unterwiesen werde. Deshalb befehlen Wir hiemit und wollen, daß jedes Orts, wo es Schulen hat, die Pfarrherrn nebst denen, welche aus dem Rat dazu verordnet, oder wo auf den Dörfern keine weltlichen Personen als Inspektoren oder Aufseher vorhanden, sie die Pfarrherrn mit desto größerem Fleiße alle Monat und öfter die Schulen visitieren. Sie sollen darüber wachen, daß die Jugend recht gehaltenund in besagter Weise christlich und wohl unterwiesen, auch nichts Böses von verbotenen Büchern oder Traktätlein eingeführt, gebraucht oder gelesen werde. Insbesondere aber mußt sich ihre Wachsamkeit darauf erstrecken, daß die Schulmeister für sich selbst in allem ein ehrbar züchtig Leben und guten Wandel führen, der Jugend ein gutes Beispiel geben, auch Sommer wie Winter die festgesetzte Unterrichtszeit einhalten. Wann nun zu solchen bestimmten Stunden die Jugend sich versammelt, sollen der Reihe nach die Schulkinder, sobald sie dazu tauglich befunden, mit Andacht das dem Katechismus zu entnehmende Schulgebet vor und nach der Schule vorbeten; auch sollen die Schulmeister in lateinischen Schulen die Jugend in Kirchengesängen wohl einüben, damit sie auf die Sonn- und Festtage die Vesper und andere gottesdienstliche Gesänge singen können. Nicht weniger sollen die deutschen Schulmeister (d.i. die Lehrer in den Volksschulen) ihre Schulkinder, Knaben und Mädchen, in den herkömmlichen katholischen und approbierten deutschen Gesängen unterweisen und darin üben und dieselben nach Zeit und Gelegenheit sowohl in der Kirche als in der Schule singen lassen. Dann auch sollen die Schulmeister, damit der Jugend frühzeitig eingepflanzt werde, was einem jeden Christenmensche zu seinem Seelenheil zu wissen nötig ist, auf alle Freitag in der letzten Stund am Vormittag dasjenige vom Katechismus durchnehmen, was auf den nächstfolgenden Sonn- oder Feiertag in der Kirche (bei der Chistenlehre) aufgesagt werden soll. Auch sonst sollen sie die Jugend im Lesen und Schreiben mit allem Fleiß unterrichten und dieselbe jeden Vor- und Nachmittag wenigstens zweimal überhören. Jeder Schulmeister muß seine Lektionen nach den Musterbeispielen einrichten, die wir in einem besonderen Verzeichnis jedes Jahr zu bestimmter Zeit drucken lassen. Dies besonders mit Rücksicht auf die Knaben, welche an Studienanstalten übertreten. Wo Pfarrer und Schulvorstände gute Talente unter den Kindern entdecken, sollen sie bei deren Eltern anhalten, ihre Kinder nicht unzeitig von der Schule zu nehmen, sondern einstweilen noch ihnen selbst und den Kindern zum Segen die Opfer zu bringen, damit sie dann in Würzburg unsere neu errichteten höheren Schulen besuchen und bei schlechten Vermögensverhältnissen auch der Stiftungen teilhaftig werden können. Es sollen auch die Schulmeister in den Latein- und Volksschulen alle ihre Schulkinder an Sonn- und Feiertagen zur festgesetzten Stunde in ihren Schulen fleißig versammeln und in guter Ordnung zur Predigt und zum Gottesdiesnt, besonders aber zur Mittagpredigt und Christenlehre führen; desgleichen sollen sie dieselben auch alle Jahre, zum wenigsten an den drei hohen Festen Weihnachten, Ostern und Pfingsten zur Beichte führen, diejenigen auch, so das Alter und den Verstand haben, zum Empfang des Hochwürdigen Sakramentes, und sie sollen die Kinder in beiden Sakramenten allen Fleißes unterweisen. Damit sie die Kinder von Jugend auf an die alten löblichen katholischen Kirchengebräuche gewöhnen, sollen die Schulmeister dieselben auch zu diesen Gebräuchen mit Erklärung von deren christlichen Bedeutung zur Kirche bringen, besonders aber am Aschermittwoch, Karfreitag, auf Lichtmeß und anderen derartigen Festen. Wir befehlen auch ferner bei dieser Gelegenheit, daß außer den Personen, welche von Uns, unseren geistlichen Räten oder mit Vorwissen der jedem Ort vorgesetzten Obrigkeit als Schulmeister geprüft und in unseren Städten, Flecken und Dörfern angestellt wurden, einige andere Winkelschulen nicht sollen gestattet werden, sondern die Anzahgl der Schulmeister soll, so viel sich immer tun läßt, eingeschränkt werden. Wenn dann ein oder der andere Schulmeister so viel Kinder in seine Zucht und Lehre bekäme, daß er sie nicht mehr gebührend unterrichten könnte, oder wenn er aus wichtigen Gründen eine Zeitlang (jedoch mit Bewilligung des Pfarrherrn oder Schulherrn) abwesend wäre oder wenn er krank würde, so soll er einen tauglichen Stellvertreter gebrauchen. Aber auch dieser muß das katholische Glaubensbekenntnis abgelegt haben oder doch sonst, was die Religion anlangt, unverdächtig sein. Indes sollen die Schulmeister ihre anvertrauten Schulen in Person fleißig versehen und ohne besondere erhebliche Gründe keine Schulzeit versäumen. Solte dann betreffs der Schulmeister oder anderer schulischer Dinge halber irgend ein Mangel zu tage treten, so ist dies vom Pfarrherrn und Schulverordneten jederzeit an uns oder unsere Geistlichen Räte zu gebührender Kenntnis zu bringen. Und zum Schlusse befehlen wir den Untertanen unseres Stiftes hiermit ernstlich, daß niemand Kinder an andere als katholische Orte zur Schule schicken oder ein Handwerk lernen lasse, damit sie nicht in ihrer unverständigen Jugend zu "widerwärtiger" Religoin verleitet und sich von ihrem Vaterland ausschließen mögen." -- Es gab also zu Julius Echters Zeiten zweierlei Schulen: Latein- und Volkschulen; erstere bereiteten auf den Uebertritt ins Würzburger Gymnasium vor; nicht alle Orte hatten Schulen, sondern wohl nur die größeren Dörfer. Da die Lehre Luthers auch durch auswärtige Lehrer und Druckschriften verbreitet worden war, so wollte Julius die Schulen streng beaufsichtigt wissen und die Lehrkräfte wurden sorgfältig auf Wissen, religiöses Bekenntnis und Charakter geprüft. Drum wollte Julius einstweilen lieber keine Schulen als unkontrollierte "Winkelschulen." Schulzwang bestand keiner; daher sandten die Eltern ihre Kinder vielfach nur im Winter in die Schule, nicht aber auch im Sommer, wo sie dieselben bei den Feldarbeiten gebrauchten. Manche Ortsobrigkeit scheute auch die Kosten für eine Schule; Julius wies daher Eltern und Gemeindevorsteher wiederholt auf die Wichtigkeit der Schulen hin; so sagte er im Ausschreiben vom 2. Januar 1589: "An den Schulen ist zur rechten Auferziehung der Jugend dem Vaterlande hoch und viel gelegen; wenn Mangel an treuen Schulmeistern ist, so bringet solches bei Zeiten an Uns oder unsere Beamten und begehrt Ersatz! Zeigt euch auch nicht schwierig, eure Kinder zur Schule zu senden, und sorget, daß ein Gleiches auch bei eueren Nachbarn geschehe! Besonders die gut beanlagten Kinder sollt ihr nicht unter dem Vorwande der Armut oder notweniger Arbeiten vom Schulbesuche abhalten. Wen die Eltern auch während der Schulzeit ihrer Kinder saure Opfer bringen müssen, so lehrt doch die Erfahrung, daß die in der Jugend zum Lernen angehaltenen Kinder ihren Eltern später Freude und dem ganzen Vaterlande Nutzen und Segen bringen." Julius drang auf regelmäßigen Schulbesuch und zwar auch im Sommer. Der Hauptgegenstand des Unterrichtes und die Grundlage der Erziehung war die hl. Religion. Der Bischof wußte nur zu gut, daß von der Religion nicht nur das ewige Heil des Einzelnen, sondern auch die zeitliche Wohlfahrt des Staates und seiner Glieder abhängt: Redlichkeit, Gehorsam, Treue, Familiengeist, Zufriedenheit, Sittlichkeit usw. Dabei sollte ihnen aber auch das erreichbare Maß irdischen Wissens, zm mindesten Lesen und Schreiben beigebracht werden. Es ist schade, daß jene gedruckten jährlichen Stoffpläne und Unterrichtsvorschriften nicht auf uns gekommen sind. Im Jahre 1612 veranstaltete der Fürstbischof eine allgemeine Untersuchung des Zustandes der Pfarreien, Kirchen und Schulen seines Bistums. Im Kapitel Gerolzhofen war das Ergebnis, daß von den 74 Ortschaften nur 22 Schulen hatten. Der Bericht bemerkt von Haßfurt: "Das Schulhaus ist neu und erst anno 1609 erbaut"; von Knetzgau: "Für die Schule ist kein eigenes Haus gebaut, sondern es wird die Schule auf dem Gemeindehause in einer besonderen Stube gehalten. Der chulmeister soll fleißig sein, hatte letzten Winter 30 Schüler, im Sommer 3 oder 4, vielmals auch gar keine". Bei Stadtvolkach heißt es: "Der Schulmeister soll fleißig sein; hat nunmehr 60 Schüler, im Sommer etwas weniger, unterrichtet die Kinder im Singen, Schreiben, Messedienen und Katechismus sorgfältig". Bei Stammheim wird angemerkt: "Das Schulhaus ist alt und baufällig, und hat der Schulmeister des Orts auch wenig Lob; er soll zu Hause mit denen, die ihm ein oder das andere Schreiben zu verfertigen auftragen, sehr zechen und trinken, auch der Schul dabei vergessen; er hatte letzten Winter 14 Schüler, im Sommer wenig, auch vielmal gar keine." Von Gerolzhausen wird gemeldet: "Das Schulhaus ist im Gebäu noch gut, kann auf viele Jahre noch währen; die beiden Lehrer sollen fleißig in der Schule sein und die Knben im Katechismus, Singen, Altardienst und in anderen Dingen gut unterrichten, sie sind aber beide jung, laufen den jungen Mädchen und dem Tanz nach, begeben sich in die öffentlichen Tänze, dessen ich (Visitator) Augenzeuge gewesen." Schon die Tatsache dieser Schulvisitation zeigt, welches Interesse Julius bis in seine letzten Jahre dem Volksschulwesen entegegenbrachte. Er ließ zum Gebrauche der Schüler ein Kirchengesangbuch und 1581 dem Katechismus des seligen Petrus Canisius drucken; er sogrte für die Anstellung tüchtiger Lehrer und schrieb ihnen jährlich die Unterrichtsgegenstände genau vor. Seit 1586 mußten die Geistlichen auf der jährlichen Dekanatskonferenz dem bischöflichen Kommissär Bericht über Schule und Lehrer erstatten. An vielen Orten ließ der Fürstbischof neue Schulgebäude aufführen, so z.B. in Eltmann, Münnerstadt, Haßfurt, Gerolzhofen, Wernfeld, Großbardorf, Steinfeld, Sall a.d.S., Hendungen, Großeibstadt, Bergtheim, Rimpar usw. Anderwärts wie z.B. 1581 in Bastheim dotierte er die Schulstelle oder er regte wenigstens deren Errichtung an; so übermittelte der Amtmann von Mellrichstadt i.J. 1596 einen fürstlichen Befehl an die Gemeinde Eussenhause: "Weil Eussenhausen ein ziemlich große Dorfgemeinde ist, ist zu bedenken, ob daselbst nicht ein Kirchner zu bestellen und eine Kleine Schule anzuordnen, der die Jugend könnte lesen lehren und den Gottesdiesnt helfen verrichten und der von der Gemeinde könnte besoldet werden". So hat sich der große Julius auch um das Volksschulwesen unvergängliche Verdiesnte erworben. 19. Des Bischofs Sorge für die Geistlichkeit. Christus sprach einst zu den Aposteln: "Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz schal geworden ist, womit soll man salzen?" Nie und nimmer hätte Luther solchen Anhang in Deutschland finden können, wenn die Geistlichkeit seiner Zeit auf der Höhe gestanden wäre. Es war die Hauptsorge für Julius Echter, einen guten Klerus zu erhalten. Darum hatte er mit rastlosem Eifer die Universität und die drei Seminarien gegründet und diese Pflanzstätten für seine heranwachsende Priesterjugend der erprobten Leitung der Jesuiten anvertraut. Er wandte aber von Anfang an auch den bereits in der Seelsorge stehenden Geistlichen sein wachsames Auge und seine Fürsoge zu. Viele Aergernisse gab es damals unter der Geistlichkeit in Stadt und Land, in Stiften und Klöstern. Wie bewegt klagt ein seliger Petrus Canisius darüber! Julius Echter hielt sich an das Programm, das dieser Apostel Deutschlands im Jahre 1567 dem Bischof Friedrich von Wirsberg zur Verbesserung der Diözese und vorab des Klerus entworfen hatte. Er konnte nicht sofort mit aller Strenge sämtliche Mißstände ausrotten, sondern mußte allmählich mit Klugheit und Festigkeit die verfallene Zucht wiederherstellen. Bei dem großen Priestermangel mußte man auch con auswärts Priester aufnehmen, wie sie sich eben anboten. Indes wurde man immer strenger in deren Auswahl, je mehr die Würzburger Seminarien Neuspriester in den Weinberg des hl. Kilian senden konnten. Bereits 1574 hatte Julius eine Kommission eingesetzt, um diejenigen auf ihre Würdigkeit und wissenschaftliche Befähigung zu prüfen, welche sich zu den heiligen Weihen meldeten. Die Prüfung der Kandidaten und ihrer vorgelegten Zeugnisse wurde genau genommen, Unwürdige oder mangelhaft Vorgebildete unbarmherzig zurückgewiesen. So wurde nach und nach den kirchlichen Vorschriften über die Eigenschaft derer, welche die Nachfolger des guten Hirten werden wollten, wieder Geltung verschafft und vom Priesterstand schlechte Elemente ferngehalten. Eine gute Hilfe in der Sorge für den Klerus hatte der Fürstbischof im sogenannten Geistlichen Rat. Schon unter des Julius Vorgänger bestand diese Einrichtung des Geistlichen Rates, die der selige Petrus Canisius besonders empfahl. Der Bischof ernannte fromme und erfahrere Priester zu seinen Mitgliedern. Diese versammelten sich allwöchentlich, um über die Reform der Diözese und des Klerus und die wichtigsten seelsorgerlichen Angelegenheiten zu beraten; auch visitierten sie Pfarreien und Schulen im Auftrag des Fürstbischofs. Klagen über Mißstände im Klerus und in den Pfarreien kamen vor den Geistlichen Rat. Unter Julius Echter griff nun der Geistliche Rat so energisch in die Verbesserung der Diözese ein, daß er bald dem Domkapitel ein Dorn im Auge ward. Im Jahre 1582 stellte sogar das Domkapitel, wie ein Jahr vorher schon die protestantische Ritterschaft, das Ansinnen an den Fürstbischof, den Geistlichen Rat ganz abzuschaffen. Allein Julius nahm seine treuen Mitarbeiter in Schutz. Das Domkapitel hat auch bei den Maßnahmen, die Julius Echter zur Verbesserung des Klerus plante, den Fürstbischof im Stiche gelassen. Es mocht eben fühlen, daß es selber am meisten verbesserungsbedürfig war. Von 1578-1582 verhandelte der Bischof in solchen Angelegenheiten resultatlos mit dem Kapitel. Einer der dringendsten Wünsche des Fürstbischofs wie des Papstes Gregor XIII. war, es möge nun dem Klerus der Diözese unsittlicher Lebenswandel nicht länger nachgesehen werden. Allein das Domkapitel erwiderte: Der Bischof möge mit dem Reformieren des Klerus langsam vorgehen, sonst würden vielerorts die Pfarrer sich vollends verehelichen und zu den Protestanten übergehen, ohne daß man sie ersetzen könne. Allein der sittenstrenge Fürstbischof schaffte nach und nach auch ohne die Mithilfe des Domkapitels selber Ordnung im Klerus. Er unterließ nicht, das Domkapitel insgesamt wie einzelne Mitglieder privatim oft darauf hinzuweisen, daß es vorab selber dem Klerus ein gutes Beispiel geben müsse und ruhte nicht eher als bis er wenigstens in einigen Hauptpunkten auch eine Reform des Domstiftes und der übrigen Würzburger Stifte durchgesetzt hatte. Mit Strenge schritt Julius gegen unwürdige Glieder des Klerus ein und niemanden schützte dabei sein rang oder seine hohe Geburt; der Fürstbischof verwies ihnen persönlich ihr ärgerliches Leben mit scharfen Worten, verurteilte sie zu beträchtlichen Geld- und Freiheitsstrafen, er ließ sie manchmal bei Wasser und Brot in den Turm sperren und entzog ihnen ihre Pfründen auf eine Zeitlang oder dauernd. Andere überwies er den Jesuiten oder Franziskanern zur Besserung. Julius suchte aber nicht nur seinen Klerus von unwürdigen Elementen zu säubern, sondern er strebte, ihn auf alle Weise zu heben und ihm apostolischen Geist einzuflößen. Am 22. Februar 1589 erließ er eine scharfe Verordnung gegen die Inhaber von geistlichen Pfründen, die von ihren Stellen abwesend waren oder aber gegen ein geringes Entgelt durch einen Stellvertreter daselbst ihre Amtspflichten ausüben ließen. Auf solche Weise, klagt der Bischof, sind unwissende und unwürdige Geistliche auf ihre Stellen gekommen und die kirchlichen Verrichtungen geraten zuerst in Vergessenheit und zuletzt in Verachtung. Das Volk wird nicht mit dem Worte Gottes genährt, was sich durch keine Thränenströme genug beweinen läßt, die Armen, die lebendigen Glieder Christi, werden vernachlässigt, die Kirchen zerfallen, der Gottesdienst verliert seine Weihe und Würde, weil er durch Mietlinge ausgeübt wird, denen nichts an den durch Christi Blut erkauften Schäflein liegt; Irrlehren und Spaltungen schießen üppig empor, weil der wahre Hirte abwesend ist, und der reißende Wolf fällt an und zerfleischt die Herde des Herrn. Um diese "sichere Seelenpest" auszurotten, befiehlt der Bischof allen geistlichen Pfründeninhabern bei strenger kirchlicher Strafe innerhalb dreier Monate auf ihre Stellen zurückzukehren und ihr pflichtmäßiges Amt daselbst auszuüben. Julius Echter wollte seine Priester vor allem wieder zu Männern des Gebetes machen und erreichen, daß sie den Dienst am Altare mit hl. Ehrfurcht und Genauigkeit vollziehen. Daher ließ er eine Reihe von liturgischen Büchern neu herausgeben; der Fürstbischof selbst verfaßte zu den einzelnen Werken prchtvolle Vorreden mit eindringlichen Mahnungen an die Geistlichen über ihre Pflichten. Im Jahre 1575 machte Julius den Anfang mit der Herausgabe eines verbesserten Brevieres. Die Vorrede ist eine herrliche Abhandlung über die Wirksamkeit, den Nutzen und die Notwendigkeit des Gebetes im allgemeinen und über das Breviergebet der Geistlichen insbesondere. Es sind überhaupt in diesen Vorreden, in den Ruralstatueten v. J. 1584 und in seinen Hirtenschreiben an den Klerus, von welchen die Würzburger Universitätsbibliothek ein lehrreiches Muster, 21 Folioseiten umfassend, aufbewahrt, so herrliche Mahnungen und erhabene Belehrungen über die Priesterpflichten enthalten, daß sie es verdienten, in einem Büchlein zusammengestellt und dem katholischen Klerus der ganzen Welt bekannt gemacht zu werden. 1583 folgte die Herausgabe des Graduale; dies Buch enthält bekanntlich die Gesänge, welche während des hl. Meßopfers gesungen werden. In der Vorrede sagt Julius: "Meine Sorge muß jenen am meisten gelten, deren Amt es ist, durch beständiges Gebet das Volk mit Gott zu versöhnen. Deshalb habe ich das Brevier herausgeben lassen. Ich sehe jedoch klar genug ein, daß die vorzüglichste Beschäftigung des Klerus darin besteht, daß er für die Sünden des Volkes das lebenspendende und unblutige Opfer Gott dem Vater täglich darbringe. Ich halte es daher für meine Pflicht, auf alles, was darauf bezug hat, meine ganze Sorge hinzuwenden, damit an Genauigkeit und Pünktlichkeit nichts fehle. Obgleich nun das hochheilige Opfer auch ohne Gesang vollbracht werden kann, so hat doch nach dem Urteile gewichtiger und heiliger Männer der kirchliche Gesang eine große Kraft, um die Seele fromm zu stimmen und die göttliche Liebe in der Seele zu entflammen." Im Jahre 1602 gab er das Antiphonar neu heraus, d.i. jenes Buch, welches die Choralgesänge des kirchlichen Stundengebetes enthält. In der Vorrede sagt der Fürstbischof so schön: "Wie sich gute Soldaten im Felde, wenn sie dem Feinde entgegengehen sollen, durch den Klang der Trompeten und Posaunen wunderbar ermutigen und entflammen lassen, so sollten nach unserem Wunsche alle, welche beim Stundengebet gegen den Satan in den Kampf ziehen und die Empörung des Fleisches niederwerfen und es der Herrschaft des Geistes unterstellen wollen, durch hl. Gesang sich aneifern und so vor Heiden und Irrgläubigen ohne alle Scheu das Bekenntnis ablegen, daß wir uns unseres Glaubens nicht schämen, daß uns das göttliche Gebot nicht beschwerlich und lästig, sondern lieb und teurer sei; ja wir sollen uns gedrängt fühlen, mit unserem ganzen Wesen einen vollkommenen Dienst Gott darzubringen, indem auch unser Leib mit lauter Stimme und lieblichem Gesange am Lob Gottes sich beteiligt, während die Seele in frommen Anmutungen und heißem Flehen sich ergießt." 1603 gab der Fürstbischof ein neuen Psalterium und endlich 1613 ein verbesserts und durch neue Heiligenoffizien bereichertes Missale heraus. Die Vorrede zum neuen Meßbuch beschließt der Bischof mit der Bitte, daß alle Priester beim hl. Opfer und in ihrem Gebete seiner gedenken wollen, damit er, der nun 40 Jahre das Bischofamt führe, den Rest seines Lebens zu Gottes Ehre und zum Wohle seiner geliebten Untertanen gut verwende und glücklich beschließe. 20. Ruralstatuten und Kirchenordnung. Ein ewiges Denkmal der bischöflichen Hirtenweisheitunseres großen Julius sind die im Jahre 1584 für den Klerus in lateinischer Sprache erlassenen Ruralstatuten und die 1589 erschienene deutsche Kirchenordnung. Beides waren vorzügliche Mittel, um den priesterlichen Geist im Klerus zu erhalten mitten in einer von Glaubensirrtümern und Aergernissen angefüllten Zeit. 1. Das Bistum Würzburg war damals eingeteilt in folgende 11 großen Dekanate oder Landkapitel: Buchheim, Schlüsselfeld, Iphofen, Mergentheim, Dettelbach, Ochsenfurt, Mellrichstadt, Münnerstadt, Gerolzheim, Ebern und Karlstadt. An festgesetzten Tagen fand nun in diesen Städten jährlich einmal unter dem Vorsitze eines eigenen bischöflichen Gesandten eine Dekanatskonferenz der Geistlichen statt. Die Gesetze, welche Julius für dies Versammlungen erließ, hießen "Ruralstatuten", d.i. Statuten für die Land- und Ruralkapitel. Wer ohne hinreichende Entschuldigung nicht erschien oder vor Schluß der Verhandlungen wegging, mußte in die Kapitelskasse einen Taler Strafe zahlen. Diese Konferenzen dienten jedoch nicht so sehr den Beratungen der Kapitelsgeistlichkeit, sie waren vielmehr teils bischöfliche Visitation ihrer Amtsführung, teils geistliche Uebungen, teils theologischer Wiederholungskurs. Es ist von Interesse, wie es bei diesen Ruralkapiteln zuging. Am Vorabend hatten alle zu erscheinen; der bischöfliche Kommissär las dann ein oberhirtliches Schreiben vor; alle mußten sich durch Empfang des Bußsakramentes auf die hl. Messe des nächsten Tages vorbereiten. Gemeinsam wurde das kirchliche Stundengebet verrichtet; es folgte am Haupttag eine hl. Messe zu Ehren der Mutter Gottes; dann ward für die verstorbenen Priester des Landkapitels Totenvigil gehalten und wiederum ein hl. Meßopfer dargebracht, wobei man die Namen der Verstorbenen verlas. Es folgte nun ein feierliches Bittgebet vor ausgesetztem Hochwürdigsten Gut; darnach war Predigt und Hochamt; denn auch das Volk sollte an dieser Feier seinen Anteil haben. Nach dem Hochamt kamen alle im Versammlungslokal zusammen; der Dekan hielt eine Ansprache; alle legten jetzt das hl. Glaubensbekenntnis ab und bekräftigten dasselbe durch Unterschrift. Bischof Julius wollte durch diese Bestimmung vorbeugen, daß nicht, wie es früher öfters geschah, heimlich Irrlehrer den Hirten in den katholischen Pfarrhäusern spielten und das ahnungslose Volk um seinen alten Glauben betrogen. Jetzt mußten alle ihre Pfarrbücher zur Prüfung vorlegen, Rechenschaft über ihre Christenlehren und die kirchliche Vermögensverwaltung geben; es konnte auch jedes Mitglied etwaige Beschwerden schriftlich anbringen; es wurde ferner untersucht, ob die Vorschriften der Ruralstatuten im Laufe des Jahres von allen pünktlich gehalten worden waren; endlich mußte jeder Bericht erstatten über die ihm unterstellten Latein- und Volksschulen, ob sie katholischen Charakter trügen und ob katholische fromme und gesittete Lehrer daselbst die Jugend unterrichteten und an Gebet und kirchliches Leben gewöhnten. Beim gemeinsamen Mittag- und Abendtisch wurden nun die Ruralstatuten selber vorgelesen. Der Hauptteil derselben bestand nämlich in einem kurzen Unterricht über die Spendung der einzelnen Sakramente und die würdige Abhaltung des Gottesdienstes, ferner über die priesterlichen Standestugenden und die Pflicht persönlicher Heiligung. Am Schlusse enthielten dies Satzungen die Vorschriften über die Gerchtsame und Bezüge der Pfarreien und Pfründen. Durch diese weise maßregel erreichte Julius, daß die ganze Seelsorgsgeistlichkeit Jahr für Jahr bei feierlicher Gelegenheit an ihre wichtigsten Priesterpflichten erinnert wurde; für alle Teilnehmer waren es Tage geistiger Erneuerung wie Exerzitien und zugleich ein Wiederholungskurs der Theologie. In jenen Tagen, wo man zuweilen infolge des schreienden Priestermangels notgedrungen zu halbgebildeten Seelsorgern hatte greifen müssen, war solch ein pflichtmäßiger Wiederholungskurs eine Maßregel, die für die große Hirten-Weisheit und den apostolischen Eifer des Fürstbsischofs Julius ein gleich rühmliches Zeugnis ablegt. 2. Diesen Ruralstatuten vom Jahre 1584 reiht sich würdig an "des Hochwürdigen Fürsten und Herrn Julii, Bischofs zu Würzburg und Herzogen zu Franken Satzung und Ordnung, wie es in den Pfarreien des Stiftes mit dem Gottesdienst und Kirchen-Ministerien soll gehalten werden." Diese Kirchenordnung erließ Julius im Jahre 1589, nachdem er in seinem Lande und Bistum wiederum die Glaubenseinheit hergestellt hatte. Es waren durch die Glaubensneuerung viele alte katholische Gebräuche in Abgang gekommen oder verändert worden; diese wollte Bischof Julius durch diese kurze und in deutscher Sprache gedruckte Kirchenordnung wieder in Uebung bringen. Die Kirchenordnung enthält Vorschriften über den sonn- und feiertäglichen Gottesdienst, den Fest- und Fastenkalender; ferner gibt sie Belehrungen, Mahnungen und Vorschriften über den Empfang der einzelnen hl. Sakramente, über Begräbnis, Prozessionen, Weihungen, Kirchweihfest, Schulen und den Schmuck des Gotteshauses und des Kirchhofes. Einiges Interessante mag unseren Zeitgenossen aus dieser Kirchenordnung mitgeteilt werden: die Predigt soll nicht über eine Stunde dauern und ist mit dem allgemeinen Gebet, Vater unser, Ave Maria, Glauben, den zehn Geboten, offener Beicht und Generalabsolution zu beschließen, ebenso nachmittags die Christenlehre. Auch der Samstag ist wie der Freitag das ganze Jahr hindurch Abstinenztag. Der Genuß von Fleischspeisen ist während der ganzen Fastenzeit vom Aschwermittwoch bis Ostern verboten. Das Bistum Würzburg hatte damals weit mehr ganze und halbe Feiertage als jetzt, so alle Aposteltage, Mariä Heimsuchung, Maria Magdalena, Laurentius usw. Durch diese Kirchenordnung wurde das Volk wieder an die alten Gebräuche und religiösen Uebungen gewöhnt; daß das Volk auch die reine katholische Lehre erfuhr, dafür hatte er schon 12 Jahre früher gesorgt; denn am 31. Dezember 1576 hatte er verordnet, daß an Neujahr und an den 4 Quatembersonntagen das Glaubensbekenntnis der Kirchenversammlung von Trient von allen Kanzeln öffentlich verlesen werde. 21. Reform der Klöster. Fürstbischof Julius Echter liebte die Klöster; sein frommer Eifer wollte recht viele gottgeweihte Stätten in seinem Bistum besitzen, wo der Allmächtige Tag und Nacht durch das kirchliche Stundengebet und durch möglichst feierlichen Gottesdienst verherrlicht werde. Groß war darum sein Schmerz, als er bei seinem Regierungsantritt einen großen Verfall des Ordenslebens und einen traurigen Zustand der Klöster selbst antraf. Viele Klöster waren durch den Bauernkrieg und die Raubzüge des Markgrafen von Ansbach zerstört, verschuldet und verarmt; in den Klöstern selbst war die Ordenszucht gesunken; viele Mönche und Nonnen hatten nur allzubegierlich auf die Stimme Luthers gehört, man könne und dürfe die Ordensgelübde nicht halten. So manches Kloster stand leer oder war nur noch von wenigen Insassen bewohnt und selbst diese führten nicht das Leben von Ordenspersonen. Da griff nun Julius Echter in dreifacher Weise bessernd ein. 1. Zunächst bemühte er sich auf alle Weise, die leer stehenden Klöster wieder mit Ordensleuten zu bevölkern; wo dies aber nicht möglich war, erwirkte er vom Papste die Erlaubnis, ihre Güter zu anderen und für den Augenblick dringlicheren kirchlichen Zwecken zu verwenden. So benützte er mehrere verlassene Frauenklöster zur Stiftung der Universität und der geistlichen Seminarien; mit den Einkünften des ausgestorbenen Zisterzienserinnenklosters Heiligenthal bei Seligenstadt baute er das Juliusspital; mehrere Versuche hatte der Fürstbischof gemacht, ein anderes altes Zisterzienserinnenkloster, nämlich Wechterswinkel, wieder aufzurichten; als die Wiederbelebungsversuche nicht Bestand hatten, ließ er sich durch päpstliches Breve vom 13. August 1592 vom hl. Stuhle ermächtigen, die Einkünfte des Klosters zur Errichtung oder Aufbesserung von Pfarreien und Schulstellen und anderen Kultuszwecken zu verwenden. Die Wechterwinkler Gefälle waren dem Fürstbischof in jenen Tagen eine große Hilfe; denn er hatte ja in den ehemals protestantischen Gegenden so viele neue Kirchen zu bauen und Seelsorger- und Schulstellen zu stiften; aber auch heute noch bringt der Wechterswinkeler Fond viel Segen für arme Kirchen und Schulen. 2. Die noch besetzten Klöster führte Julius Echter mit unerbittlicher Strenge und zäher Festigkeit zur alten Ordenszucht zurück. Er brachte die zerrütteten Finanzen wieder in Ordnung, ließ die zerfallenen Kirchen- und Klostergebäude ausbessern und neu bauen und gab ihnen tüchtige Ordensobere, regelte in Verträgen mit den einzelnen Klöstern die Wiederherstellung der Ordensregel, sorgte für gute Erziehung des Nachwuchses und schrieb ihnen bis in Einzelheiten hinein die Kloster- und Kirchenordnungen vor. Im Kloster Banz war zuletzt nur noch ein einziger Mönch übrig. Julius setzte darauf den gelehrten und geschäftskundigen Abt von Münsterschwarzach namens Burkhart dem Kloster vor und unter seiner Leitung blühte das alte Benediktinerkloster wieder schnell auf. Das Kloster Brombach wollte der protestantische Graf Ludwig von Wertheim unter dem Titel der Schutzherrschaft an sich reißen, aber der energische Fürstbischof sandte 1200 Mann Fußvolk und 100 Reiter ins Taubertal und befreite das Kloster aus seinen Händen und erhielt es so der katholischen Kirche. Das vom Bischf Heinrich von Rothenburg (reg. 995-1018) gegründete Benediktinerkloster St. Stephan in Würzburg war in großen Verfall geraten. Die Visitation, welche Julius im September 1576 vornehmen ließ, drang auf Abminderung der großen Schuldenlast durch bessere Verwaltung und einfachere Lebenshaltung, sowie auf klösterliches Leben der Insassen. Allein der Bischof mußte sich noch viel um das Kloster bemühen, bis dauernde Besserung eintrat; im Jahre 1586 schrieb er dem Stephanskloster eine neue Kloster- und Kirchenordnung vor; 1590 verpflanzte er den Abt nach Kloster Banz und unterstellte das Kloster einem tüchtigen Prior; die Verwaltung der Klostereinkünfte übertrug Julius dem Abt Johann von Münsterschwarzach, den wir schon als den Wiederhersteller von Kloster Banz kennen gelernt haben. Auf dem Schottenanger zu Würzburg stand das 1140 gegründete Bendiktinerkloster St. Jakob; dasselbe wurde von schottichen Mönchen bewohnt zur Erinnerung an die Frankenapostel, welche aus Irland (damals Schottland genannt) gekommen waren. Der erste Abt war der hl. Makarius (gest. 1153). Von 1506-1516 lebte und wirkte in diesem Kloster höchst segensreich als Abt der berühmte Gelehrte und Geschichtsschreiber Johann Trithemius. Aber bei der Belagerung der Marienburg durch die aufständischen Bauern im Jahre 1525 wurde das Kloster niedergebrannt und die Kirche geschändet; noch im Jahre 1594 hatten Schnee und Regen offenen Zutritt in die uneingedeckte Schottenkirche; kein Priester wollte am Hochalter zelebrieren, weil der Wind die hl. Hostie von der Patene zu wehen drohte. Die Einkünfte des ehemaligen Klosters aber wurden von der fürstbischöflichen Kammer verwaltet. Da wohnte Julius i.J. 1594 auf dem Reichstag zu Regensburg im dortigen Schottenkloster und wurde von dem Abt Johann Jakob Whyt (Albus) überaus gut aufgenoommen; der Abt machte seinen Gast auf die Verdienste der schottischen Nation um Franken durch den hl. Kilian aufmerksam und bat ihn, das Schottenkloster wieder herzustellen, und Julius, der immer die Frankenapostel so hoch verehrte, versprach es; inzwischen wurde der Bischof von einem hitzigen Fieber befallen, das sein Leben bederohte. In dieser Gefahr gelobte er zu Gott, daß er nach erhaltener Wiederherstellung alles zur Erneuerung des Klosters St. Jakob aufbieten wolle. Alsbald nach seiner Rückkunft nach Würzburg erfüllte Julius sein Gelöbnis. Bereits am 23. April 1595 konnte er in Gegenwart der vornehmsten Männer des Frankenlandes die neuen Schottenmönche ins Kloster einführen. Frömmigkeit und Wissenschaft wurden fortan im Kloster St. Jakob fleißig gepflegt. Durch einen heiligmäßigen Laienbruder namens Gabriel Wallace wurde in jenen Tagen der Wiederherstellung des Klosters die in Vergessenheit geratenen Grabstätte des hl. Makarius entdeckt und am 31. März 1615 ließ der Fürstbischof die hl. Reliquien unter großer Feierlichkeit erheben. Heute ruhen dieselben in der Marienkapelle zu WÜrzburg, wo alljährlich das Fest des hl. Abtes am 23. Januar feierlich begangen wird. Das Franziskanerkloster zu Würzburg, das Bischof Hermann von Lobdeburg i.J. 1246 gegründet hatte, unterzog Julius 1611 einem gründlichen Umbau. Er erhöhte das Kloster um ein Stockwerk; die Valentinuskapelle und der Saal darüber ist sein Werk; auch schenkte er dem Kloster ein silbernes Bildnis des hl. Franziskus. Auch die Gebäulichkeiten und das klösterliche Leben in dem am Fischmarkt zu Würzburg gelegenen Karmelitenkloster stellte Julius wieder her. Das älteste Kloster der Diözese war das vom hl. Burkard selbst gegründete Andreaskloster am Fuße des Marienberges. Im Jahre 1464 war dasselbe durch Papst Pius II. in ein adeliges Kollegiatstift umgewandelt worden. Durch den Bauernkrieg wurde nun auch dieses Ritterstift St. Burkard hart mitgenommen und am Ende des 16. Jahrhunderts betrug seine Schuldenlast gegen 50000 Gulden. Julius gab dem Stift einen Administrator an die Seite, um die Finanzen zu bessern, ließ auch die Kirche verschönern; 1589 wurde der neue Pfarraltar hergestellt, zu dem Julius selbst beisteuerte. Am 18. Juli setzte er eine Reform des Ritterstiftes vermittels einer Kapitulation durch. Insbesondere sollten die Vikare fortan in einem Wohnhause nach gemeinsamen Regeln wohnen, die studierenden Stiftsherrn wohl unterrichtet und erzogen und der Gottesdienst mit Würde und Andacht gehalten werden. Ebenso stellte Julius im Jahre 1615 durch eine Kapitulation das ordnungsgemäße Leben in dem vom hl. Nobert 1130 gegründeten Prämonstratenserkloster Oberzell her; das im Bauernkrieg zerstörte Frauenkloster Unterzell ließ er am Ende seines Lebens wieder aufbauen. Auch die Verhältnisse der übrigen Klöster ordnete der Bischof nach und nach, teilweise unter großen Mühen und Schwierigkeiten, so namentlich die von Bildhausen, Münsterschwarzach, Theres, Ebrach und Triefenstein. 3. Endlich führte Julius Echter auch zwei neue Orden in Würzburg ein; den braunen Franziskanern übergab er 1616 die Wallfahrtskirche zu Dettelbach und den Kapuzineren baute er im gleichen Jahre Kirche und Kloster in Würzburg. Die Dettelbacher Franziskaner hatten auch im Sommer die Seelsorge der Wallfahrer auf dem Kreuzberg zu übernehmen, wo Julius das zerfallene steineren Kreuz hatte erneuern lassen. 22. Das große Wagnis. Der Seeleneifer des Fürstbischofs Julius beschränkte sich nicht nur auf die Reform der Geistlichkeit und die Erhaltung und Stärkung der alten Religion; von Anfang an sann er lange und viel darüber nach, wie er die vom katholischen Glauben abgefallenen Untertanen wieder zur alten Kirche zurückführen könnte. Julius unterschätzte die Schwierigkeit dieses Bekehrungsversuches nicht; er war geradezu ein Wagnis, denn die neue Lehre hatte in Stadt und Land einen starken Anhang gewonnen; gerade die vornehmsten und vermögendsten Untertanen waren zu derselben übergetreten. Die Reichen dieser Welt hörten die Lehre Luthers lieber als die alte katholische Predigt von Buße und Beicht, Kreuz und Entsagung. Auch ein großer Teil der Stadträte hatte sich der Glaubensneuerung angeschlossen und die zahlreiche protestantische Ritterschaft des Landes steifte die fürstbischöflichen Amtleute in Sachen der Religion gegen den Bischof. Bereits fiel manche trotzige Drohrede gegen denselben. Vielerorts war das junge Geschlecht im neuen Glauben herangewachsen und mit Vorurteilen, ja geradezu mit Haß gegen die alte Kirche erfüllt. In Wort und Schrift waren die kirchlichen Glaubenssätze und Gebräuche der Verachtung und dem Gespötte preisgegeben worden. Wir stoßen in jenem Jahrhundert auf eine Flut von Schmäh- und Kampfschriften; auch auf den Kanzeln herrschte eine zornige Kampfesstimmung und ein leidenschaftlicher gehässiger Ton. In einer solch verzweifelten und gefährlichen Sache vertraute Julius, wie später sein Weihbischof Euchar Sang in der 1618 gehaltenen Rede "Der Triumph Frankens" erzählte, nicht nur auf sein eigenens fehlbares Urteil, sondern hörte auch den Rat und die Ansichten anderer. Alle aber waren der Meinung, die Krankheit sei bereits so weit fortgeschritten und habe sich so tief eingelebt, daß sie keine Arznei und keines Arztes Hand mehr bannen könne. Das Unkraut auf dem Acker Frankens habe, wie sie sagten, so überhand genommen und solch starke Wurzeln getrieben, daß man fürchten müsse, es möchten beim Ausreißen auch der Weizen und das gute Getreide mit ausgerissen werden. Wenn man ferner schärfer gegen die Richtwilligen und Verstockten in Religionssachen vorgehe, so würden sie bei den benachbarten protestantischen Fürsten Schutz suchen. Kein Ausweg lasse sich finden und dies wegen der Not der Zeit. So nahm Julius, verlassen von aller menschlichen Hilfe, zu Gott seine Zuflucht in inständigen Gebeten für seine Diözese. Aber er betete nicht nur, sondern er handelte auch. Freilich überstürzte er das Bekehrungswerk nicht, sondern bereitete sorgfältig von langer Hand her den Feldzugsplan vor und schuf sich vor allem im geistlichen Seminar eine Schar von Hilfsarbeitern; denn solange er den zu bekehrenden Gemeinden keine tüchtigen Seelsorger geben konnte, war jede Einwirkung auf sie zur Umkehr zwecklos und hätte sie nur unnötig gegen den Bischof und Landesfürsten verbittert. Aber als er die Stunde für gekommen erachtete, führte er die Sache mit kühnem Mut und zäher Energie durch. Man hat es auf protestantischer Seite dem Fürstbischof bitter verübelt und grollt ihm heute noch darob, daß er die Gegenreformation in seinem Bistum durchgeführt hat. Der Schmerz, weite Gebietsteile Frankens durch diesen Mann verloren zu haben, ist ja begreiflich. Allein auch die Ankläger des Fürstbischofs sollten ihm doch soviel Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß man sine Handlungweise aus den Rechtsverhältnissen jener Zeit und aus seiner Doppelstellung heraus beurteilt. Julius war Bischof und Landesfürst. Und auf diese beiden Rechtstitel hin hielt er sich zur Wiedergewinnung der Abgefallenen nicht nur für berechtigt, sondern sogar für verpflichtet. Im Eingang seiner Kirchenordnung vom Jahre 1589 spricht er das also aus: "In verflossenen Jahren sind bei schweren Zeitläuften in unserem Stift in der Religion allerlei Neuerungen und Spaltungen eingeführt worden; daher steht es Uns wegen unseres bischöflichen Amtes und von Obrigkeit wegen zu dahin aufs fleißigste zu arbeiten, daß solche eingerissene Neuerungen abeschafft und in unserer alten wahren katholischen Religion wiederum gleiche und durchgehende Einigkeit angeordnet werden möge." 1. Julius fühlte sich vor allem als Bischof verpflichtet, die irrenden Schafe zur Herde Christi zurückzuführen. Er war ganz durchdrungen von dem Bewußtsein, daß er vor Gott für das ewige Seelenheil aller Bistumsangehörigen verantwortlich sei. Das spricht er oft und oft aus; so sagt er in der Vorrede zum Graduale i.J. 1583: "Oft schlagen an meine Seele jene gewaltigen Worte des hl. Paulus, die er an alle Aeltesten der Kirche Asiens richtet: Habet acht auf euch und auf die gesamte Herde, über welche euch der hl. Geist als Bischöfe gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, welche er erworben hat mit seinem Blute (Apostelgesch. 20, 28). Aus diesen Worten erkenne ich, daß ich nicht weniger acht haben muß auf die Regierung dieser gesamten Würzburger Kirche als jene Männer auf die Regierung der Kirche Asiens." Oft ruft er sich den Tag des Gerichtes ins Gedächtnis, wo Christus Rechenschaft über die ihm anvertrauten Seelen fordert. Er weiß die Strafe ewiger Verdammnis auf die Nachlässigkeit im Hirtenamte gesetzt. Die Pflichten seines Amtes sah er vorgezeichnet in dem Bild, das Christus vom guten Hirten entwirft; dieser aber geht dem verlorenen Schäflein nach und bringt es wieder zur Herde zurück. Julius fürchtete das Wehe des Propheten Ezechiel über jene Hirten, die sich um die zerstreuten und kranken Schafe nicht kümmern. Was ihn zum Handeln bestimmte, war nicht Haß gegen die Protestanten; es sind die Gedanken der hl. Schrift, die ihn beherrschten; es war eine Auffassung des bischöflichen Amtes, die ihre Pflichten ablas aus den hl. Büchern beider Testamente. Im Stiftungsbrief des Julianums vom 1. Januar 1607 gewährt er uns einen schönen Einblick in die Beweggründe, die ihn zur Wiederherstellung der katholischen Religion im Hochstift veranlaßten; er sagt hier: "Ich habe von Anfang an mehr die Last des bischöflichen Amtes als seine Ehre bedacht; denn es handelt sich bei den meiner Sorge Anvertrauten um Seelen, die durch Christi Blut erlöst sind, mögen es die Seelen von hoch oder nieder, von Adeligen oder Bürgerlichen sein. Diese müssen für Gott gewonnen werden; von meiner Hand wird man sie fordern. Diese Sorge ist ohnedies ihrer Natur nach schon schwer; aber das Unglück unseres Jahrhunderts steigert sie ins Ungeheure und macht sie für menschliche Kräfte schier unerträglich. Den christlichen Staat hat in dieses Unglück der Abfall von schier unzähligen Menschen jeden Ranges und Standes von der katholischen Kirche und ihren rechtmäßigen bis zur apostolischen Zeit hinaufreichenden Hirten gebracht; die Abgefallenen sind aber auch unter sich im Zwiespalt und ihre Irrtümer sind von unentwirrbarer Verschiedenheit. Wiewohl aber dies große Uebel sind, so dürfen sie dennoch den Mut guter und hochherziger Hirten nicht brechen, sondern anregen, so daß sie den Versuch machen, mit Hilfe der göttlichen Gnade und treu ihrem Berufe, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und mit Hintansetzung aller irdischen Vorteile die erkrankten Schafe zu heilen, die verirrten zurückzuführen, die wankenden zu befestigen, die unterdrückten zu befreien, die gefallenen aufzurichten. Herrliche Beispiele solchen Glaubens, solcher Standhaftigkeit und solcher Liebe haben uns unsere Vorgänger, die Bischöfe Melchior und Friedrich, Fürsten ewigen Andenkens würdig, hinterlassen, und so haben Wir geglaubt, es sei nach Uebernahme der Regierung dieser Kirche vor allem anderen Unsere Pflicht, daß Wir mit Fleiß in ihre Fußstapfen treten." Die Irrlehre betrachtete Julius, wie er ein ander Mal im Eingang zu den Ruralstatuten sagt, als das Unkraut, das ein feindlicher Mensch auf den ihm anvertrauen Acker Gottes säte und er hielt es, von Liebe zur alten Kirche entflammt, für seine bischöfliche Pflicht, dieses Unkaruat, soweit es ohne Schädigung des Weizens geschehen konnte, auszurotten. Der Fürstbischof hegte eine große Liebe zur katholischen Kirche und hl. Ehrfurcht vor dem Glauben, den die hl. Frankenapostel in der Diözese gepflanzt und mit ihrem Blute begossen hatten; diese Liebe und Ehrfurcht spronte ihn an zur Rückgewinnung der Abgefallenen. Im Ausschreiben betreffs der Seminarsteuer vom 30. Dezember 1578 bekannte er: "Ich scheue keine Mühe für die Kirche Gottes, unser aller gemeinsame Mutter, Führerin und Lehrerin. In der schwarzen Nacht ihres Unglückes höre ich sie gleichzeitig seufzen und klagen nach der Wiederherstellung des Gottesdienstes. Ich fühle mich gedrängt, nichts zu unterlassen, was die trauernde Kirche trösten kann." Solche Gedanken bringt der Bischof auch zum Ausdruck in dem am 2. Januar 1589 erlassenen Ausschreiben, worin er dem Land Kunde gibt von der vollzogenen Gründung der Universität und der Seminarien; da heiß es: "Es ist unverborgen, in was Zerrüttung und beinahe endlichen Untergang die liebe alte katholische Religion in unserem Stift, das auf solche und vornehmlich zu derselben Erhaltung von gottseligen und treuen höchsten Obrigkeiten so gutherziglich gewidumt worden, vor etwa wenig Jahren - sonder Zweifel um unsere Sünde und dadurch verursachten göttlichen Zorns und verhängte Strafe willen - geraten gewesen. Väterlich und treulich haben sich zur Wiederaufrichtung derselben unsere unmittelbaren lieben Herren und Vorfahren wie Bischof Melchior, ungeachtet der schweren betrübten Zeit, die damals das Stift getroffen hat, und Bischof Friedrich, beide lobseligen christlichen Gedächnisses, wie auch wir in der Zeit unserer Regierung aus Schuld und Pflicht unseres übernommenen Amtes uns nach unserem Vermögen bemüht. Gott hat dann solch unsere schuldigen Bemühungen nicht vergeblich sein lassen und so viel Segen und Gnade gegeben, daß unsere Religion von den Untertanen allgemein angenommen wurde. Dies ist aber eben jene Religion, die von den heiligen Aposteln fortgepflanzt und in unseren Stift, als diese aus dem Heidentum zur Erkenntnis Christi kam, durch bewährte Blutzeugen auferbauet wurde; anjetzt und in kurzer Zeit ward sie wiederum reparieret und in erstes Wesen gesetzet; auch wurde den Unseren dadurch das alte Recht (d.i. der durch sein Alter als wahr und apostolisch erwiesene Glauben) wieder anvertraut, welches die gefaßten fremden Meinungen fast verlöscht gehabt. Gottes Allmacht sei darum ewiglich Lob und Dank." 2. Als Landesfürst konnte Julius nach den damals geltenden Grundsätzen ein verfassungmäßiges Recht beanspruchen, den Glauben der Untertanen zu bestimmen und die Widerstrebenden des Landes zu verweisen. Der Satz: Wessen das Land, dessen die Religion! bedeutet zwar eine brutale Vergewaltigung der Gewissen; aber es war nun einmal im Augsburger Religionsfrieden vom Jahre 1555 einzig und allein den reichsunmittelbaren Ständen, d.i. den Fürsten und freien Städte die Wahl des katholischen oder protestantischen Glaubnesbekenntnisses anheimgegen; die Untertanen hingegen mußten den Glauben annehmen, welche der Landesherr vorschrieb, oder aber auswandern. Nun hatte zwar König Ferdinand am Abend des 24. September 1555, am Tag bevor der Augsburger Religionsfriede erlassen wurde, dem protestantischen Kurfürsten von Sachsen folgende geheime Erklärung abgegeben: "Der geistlichen Fürsten eigene Ritterschaft, Städte und Gemeinden, welche lange Zeit und Jahre her der Augsburgischen Religion, Glauben, Kirchengebräuche, Ordnungen und Zeremonien öffentlich gehalten und bis heute noch halten, sollen von dieser ihrer Religoin unvergewaltigt gelassen werden." Aber diese Klausel wurde in den Reichstagsabschied, wie er im Drucke hinausging und vom Kaiser, allen Kurfürsten und Ständen bekräftigt worden war, nicht aufgenommen; sie wurde auch nicht durch den Erzkanzler des Reichs gesiegelt und dem Reichskammergericht zugestellt. Nur dadurch erhielten des Kaisers und Reichstags Abschiede Rechtskraft. Als nun die protestantischen Stände etwa 20 Jahre später den energischen Fürstabt Balthasar von Fulda durch Hinweis auf diese sogenannte Ferdinandsche Deklaration von der Durchführung der Gegenreformation in seinem Lande abhalten wollten, da bestritten die katholischen Fürsten und Stände in vollster Ueberzeugung die Echtheit dieser bisher der Oeffentlichkeit nicht bekannten Ferdinandischen Erklärung; als dann der Kurfürst von Sachsen dem Kaiser und Reichstag das Original vorlegte, verneinten sie einmütig deren Gültigkeit und Rechtskraft; auf mehreren Reichstagen wurde nun über die Deklaration verhandelt, aber schließlich ließ man die Sache unentschieden. Als namentlichauf dem Reichstag zu Augsburg i.J. 1582 Kurpfalz wieder den Antrag stellte, es solle die Ferdinandische Deklaration als Reichsgesetz anerkannt werden, da versagte selbst das protestantische Kursachsen seine Mitwirkung. Somit bestand fr einen geistlichen Fürsten keine reichsgesetzliche Schranke gegen das Reformationsrecht in seinem Lande. Er konnte so gut wie jeder andere weltlichen Fürst die Annahme seines Glaubens von den Untertanen verlangen. Julius Echter hatte bei diesen Reichstagsverhandlungen das Reformationsrecht der geistlichen Fürsten mit unbeugsamer Festigkeit verteidigt; er schrieb am 4. April 1576 an Fürstabt Balthasar von Fulda: "Der Deklaration von 1555 gegenüber müssen wir Geistliche steif beisammenhalten und auf die Wehr gedenken, damit der wahren alten, christ-katholischen Religion zuwider nichts statuiert werde." Nun erschienen dem Bischof die Abgeirrten, wie er in der Vorrede zum Missale i.J. 1613 sagt, als "arme Verführte", die "unkluger Weise, schlechtem Rate und Drängen folgend, von der alten Kirche, außer welcher kein Heil ist, abgewichen" waren. Mußte er sich als Bischof nicht verpflichtet fühlen, dieses Unrecht wieder gut zu machen, wenn er als Landesfürst die Macht dazu hatte? Noch hatten sich die neuen Verhältnisse nicht unaustilgbar eingebürgert. Seine Vorfahren Melchior Zobel und Friedrich von Wirsberg waren ja ebenfalls schon nach Kräften der Neuerung entgegengetreten; es konnte sonach von einem ganz unbestrittenen Besitzstand der Augsburger Konfession im Hochstift Würzburg nicht die Rede sein. Als weiser Staatsmann sagte sich Julius ferner, daß der Zwiespalt in der Religion für jedes Land und zumal für ein geistliches Fürstentum eine fort und fort blutende Wunde sei. Er hatte in seinen Studienjahren bereits in den Niederlanden und Frankreich den Religions- und Bürgerkrieg kommen und auflodern sehen und hatte von Jugend an den unheilvollen Religionswirrwarr und unseligen Riß der Geister und Gemüter im deutschen Vaterland bitter gefühlt und noch mehr als Fürst im Bistum und Reiche schwer empfunden. Mußte er sich nicht glücklich schätzen, falls es ihm gelang, wieder ein geeintes Vok unter dem Krummstabe friedlich zu regieren? Es erschien ihm der alte katholische Glaube als ein Hort der Eintracht und der festeste Kitt seines Herzogstums. Aber war das Ziel der Glaubenseinheit zu erreichen ohne Anwendung von Gewalt, die einem Bischof schlecht anstand? Julius verschloß sich auch dieser Erwägung nicht; aber er sagte sich, daß ihm die Bekehrten später danken würden. "Später werden sie selbst ihr früheres Werk als ein Verhängnis anklagen und gestehen, da sie nur durch ein gewisses Zureden und ein gewissen Drängen aus ihrem gleichsam tötlichen Schlaf und dem Bann der eingewurzelten Gwohnheit haben vor dem Untergange gerettet werden können." So äußerte er sich in der Vorrede zum neuen Missale 1613. Vollends fühlte sich der Fürstbischof im Rechte, wenn er die durch Gewalt zum Abfall Gebrachten durch das gleiche Mittel in den Schoß der Kirche zurückführte. Julius sah, wie protestantische Fürsten vor und nach dem Augsburger Religionsfrieden v.J. 1555 die katholische Religion gewaltsam ausrotteten und zwar nicht allein innerhalb ihres Gebietes, sondern sogar außerhalb desselben. Letzteres verstieß durchaus gegen die Reichsgesetze und war ein grober Reichsfriedensbruch, den man nur infolge der Schwäche der kaiserlichen Gewalt wagen konnte. Luther selbst hatte es gebilligt, daß im Jahre 1539 das Herzogtum Sachsen nach des Herzogs Georg Tod gewaltsam protestantisiert wurde und als ganz dasselbe sich in Braunschweig nach Vertreibung des katholischen Herzogs und in Meißen nach der militärischen Besetzung des Landes wiederholte. Julius Echter verfuhr bei seinen Bekehrungsversuchen immerhin weit milder als es die protestantischen Fürsten in ihren Länder zu tun pflegten. Denn er versuchte es zuerst mit allen erdenklichen geistlichen Mitteln. Erst wenn diese erfolgslos blieben, griff er nach Ablauf der Bedenkzeit zur Gewalt, d.h. er gab den Befehl zur Auswanderung. Man hat dem Fürstbischof Julius auch nachgeredet, als habe er sich bei diesen Bekehrungsversuchen von schnöden Geldrücksichten leiten lassen. Er habe nämlich von den abwandernden Protestanten ein Drittel ihres Vermögens eingezogen und so das Religionswerk zu einer ergiebigen Einnahmequelle gemacht; mit dem erpreßten Blutgeld überzeugungtreuer Protestanten habe er dann gut hundert Kirchen und katholische Prachtbauten aufführen und große Stiftungen machen können. Man tut auch mit diesem Vorwurf dem Fürstbischof bitter Unrecht. Denn in Wirklichkeit erhob Julius nicht ein Drittel ihre Vermögens, sondern nur 2 Prozent und dies nach einem längst vor ihm im Hochstift bestehenden Gesetze. Darnach wurden abwandernde Untertanen mit einer Nachsteuer von 2 Prozent belegt; dies esetz war wie so manches andere weniger beachtet worden und Julius hatte es am 2. September 1583 erneuert. Schon im Jahre 1556 hatte auch das Würzburger Domkapitel, als es gegen die lutherisch gewordenen Bürger in Ochsenfurt mit Stadt- und Landesverweisung einschritt, dieselbe Nachsteuer auferlegt. Auf die Fürsprache des Pfalzgrafen hin bewilligte es jedoch ihnen zuerst eine Ermäßigung der Nachsteuer, und als sich der Pfalzgraf nochmals für sie verwandte, erließ man die Nachsteuer "sr. chrufürstl. Gnaden zu Ehren" ganz. Julius konnte daher mit Fug und Recht den protestierenden Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach i.J. darauf hinweisen, daß die Nachsteuer schon lange vor ihm bestand. Nicht aus Finanzpolitik, nicht aus Herrschsucht, nicht aus Protestantenhaß hat Julius die Anhänger der neuen Lehre zum alten Glauben zurückgeführt, sondern weil er als guter Hirte die irrenden Schäflein zur Herde Christi zurückbringen und als kluger Fürst dem durch die Glaubenspaltung zerrissenen Herzogtum die alte Eintracht und Festigkeit wiedergeben wollte. Im Stiftungsbrief des adeligen Julianums vom Jahre 1607 bezeichnet dies auch der Fürstbischof als den guten Erfolg seiner Bemühungen: "Wir haben einige Jahre lang rastlos alle Kräfte und Hilfsmittel angestrengt, um die gesamte, uns von Gott anvertraute Bevölkerung zur katholischen Wahrheit und Einheit zurückzuführen. Und diese unsere Bemühungen hat Gott in seiner Güte, wofür wir ihm ewiges Lob und ewigen Dank schulden, mit solchem Erfolge begnadet, daß wir, wenn auch nicht über unsere Wünsche, so doch weit über alle unsere Hoffnung mit Freude sehen können, wie beinahe unsere ganze Herde wieder in dem einzigen und alten Schafstalle Christi sich zusammengefunden hat und auf den fröhlich grünenden Weideplätzen der Kirche Gesundheit, Sättigung und Wonne für die Seele findet, die Stimme des einen Hirten hört und seiner Leitung und Führugn folgt." 23. Wie Bischof Julius die alte Religion einpflanzte. Julius fing an, nach und nach die lutherischen Räte und Diener in seiner Umgebung, die Beamten auf der Kanzlei, bei Hof und auf den Aemtern draußen im Hochstift durch Katholiken zu ersetzen. Julius scheint durch den Ausgang der Fuldaer Angelegenheit in diesem Entschlusse bestärkt worden zu sein. Wenigstens sagt die alte Lebensbeschreibung: "Nachdem Bischof Julius aus der Fuldaischen Sache und den erwähnten Streithändeln herausgekommen, ist er emsig bedacht gewesen, sich nicht mit Spältigen in der Religion einzulassen, auch sich nach und nach von solchen Räten und Dienern ledig zu machen, die widriger Religion seien; denn diese sehen allzeit und einig darauf, wie sie ihre Religion schützen und verbreiten, die Katholischen aber beiseite setzen könnten; dabei liegen sie auch ihren katholischen Freunden und Verwandten immerdar an und reden ihnen zu, ihrer alten Religion weniger zu gedenken und acht zu haben, bis sie endlich sinken muß, und anderem widrigen Gottesdienste Raum und Platz gegeben wurde. So war es dann fast dahin gekommen gewesen, daß nicht allein in dem Lande, sondern auch bei der Kanzlei die Katholischen von den Unkatholischen überstimmt oder abgetan, die eingelaufenen Klagen, so die katholische Religion betroffen, unterdrücket, oder bechönigt; denen, so widriger Religion, die Stange gehalten, diese auch wohl auf Schutz und Verteidigung vertröstet, und den Beamten auf dem Land, auch den bürgerlichen Magistraten und Untertanen, so sich noch zur katholischen Religion bekannten, und hielten, - deren gleichwohl wenig, denn der mehrer Teil war zu den widrigen Meinungen geraten - von den vorgesetzten Amtleuten, und wer sich sonsten vor anderen etwas zu sein wollte bedünken lassen, sehr verächtlich begegnet wurde."(Fußnote: Gropp III., 326.) Die Bestrebungen des Fürstbischofs, welche auf Zurückdrängung des Protestantismus abzielten, waren bereits im Jahre 1576 so offenkundig, daß der protestantische Graf von Henneberg und andere protestantische Stände auf dem Reichstag zu Regensburg über Julius der Religion halben beim Kaiser Beschwerde führten und eine kaiserliche Untersuchungskommission verlangten. Auch des Landes gestrenge Ritterschaft fhürte, wie wir später noch hören werden, im Jahre 1581 bei Bischof Julius Beschwerde, weil er "in Religionssachen viel geschwinder und heftiger handle, als seine löblichen Vorfahren getan." Nicht nur das Domkapitel, sondern auch seine fürstbischöflichen Räte und gute Freunde suchten Julius mit Rücksicht auf die großen Schwierigkeiten von der weiteren Durchführung de Religionswerkes abzuhalten. Aber Julius ließ sich nicht einschüchtern und vom Jahre 1585 an ging er in Religionssachen noch viel schärfer vor. Es erging an die von auswärts ins Hochstift gekommenen lutherischen Prediger und Volksschullehrer der Befehl das Land zu räumen. An die 120 verließen daraufhin das Hochstift. Aber auch allen Unertanen wurde befohlen, sich zur alten Kirche zu bekennen oder das hochstiftische Gebiet zu verlassen. Nun schickte sich der Fürstbischof zu einer große umfassenden Diözesanvisitation an, um die Durchführung seines Befehls selber zu überwachen. Auf den Dörfern hatte er schon früher Missionen abhalten lassen, wodurch immerhin viele ein anderes Bild von der katholischen Kirche und ihrer Lehre gewannen, so daß sie in ihren Schoß zurückkehrten. Auch jetzt im Jahre 1585 sandte er auf die Dörfer des Hochstifts die Väter der Gesellschaft Jesu und andere fromme und seeleneifrige Welt- und Ordensgeistliche; er selbst aber besuchte, begleitet von 2 Jesuitenpatres, seinem Weihbischof und Hofkaplan, die Städte und Hauptorte. Damals wütete die Pest im Lande. In Gerolzhofen allein starben 1584 gegen 300 Personen an der Seuche, in Karlstadt 1585 sogar an die 1800. Julius ließ sich auch durch die Pest nicht abschrecken, sich persönlich an der Diözesanvisitation zu beteiligen. Nach Ostern 1585 begann er seine Visitationsreise in Gemünden; dann zog er nach Homburg a.h. Wern und Karlstadt. Von den Bürgern Karlstadt waren nur noch 72 katholisch, dagegen 319 evangelisch. Als der Fürstbischof am Christi Himmelfahrtstag eine Prozession hielt, weigerten sich die Ratsherrn, den Baldachin zu tragen und kaum eine Person neigte das Haupt oder erhob die Stimme zur Verehrung des allerheiligsten Sakramentes. Einem Bürger aber, der sich herausfordernd an einem allen in die Augen springenden Platz mit bedecktem Haupte hingestellt hatte, ließ der Fürstbischof, erzürnt weniger über die seiner Person als vielmehr die dem Herrn im Sakramente zugefügte Mißachtung, den Hut vom Kopfe schlagen. Weiter besuchte Julius Arnstein, Werneck, Haßfurt, Hofheim und Schloß Trimberg mit den umliegenden Ortschaften. Im Februar 1586 erließ er einen Reformationsbefehl nach Heidingsfeld und Dettelbach. Letztere Stadt besuchte dann der Bischof in der Fastenzeit desselben Jahres; desgleichen Volkach und Gerolzhofen. Im Herbst kam Julius nach Münnerstadt und Neustadt a.S. Ueberall ließ Julius die Bürgerschaft versammeln und ermahnte sie insgesamt und dann jeden einzelnen mit eindringlichen Worten zur alten Kirche zurückzukehren. Jedermann, wes Standes er auch sein mochte, ließ er vor sich kommen und besprach sich mit ihm in Religionssachen; er belehrte sie in väterliche Weise, erinnerte sie an den Glauben der Väter, beschwor sie unter Tränen zur Rückkehr, drohte mit Strenge, wo die Ermahnungen fruchtlos waren. Jeden behandelte er nach seinem Stand und Verhalten; bald trat er auf als Fürst, bald als Vater, bald als Lehrer und Arzt. Auch an den Orten, wo wenige Monate zuvor die Pest heftig gewütet und aus den Häusern, wo Todesfälle vorgekommen waren, ließ er die Bürger in nicht geringer Zahl in sein Gemach kommen. Das Stadtordnungsbuch von Gerolzhofen schildert die "Aus- und Abschaffung der Augsburgischen Konfession"§ in Gerolzhofen folgendermaßen:(Fußnote: Friedr. Sixt, Chronik der Stadt Gerolzhofen (Archiv des hist. Vereins. 35. Bd. (1892), 2. Heft.) S. 169 ff.) Julius Echter hatte in seinem ganzen Herzogtum den Seelsorgern die Weisung gegeben, sie sollten in ihren Pfarreien ihre Schäflein dahin ermahnen, von der lutherischen Lehre abzustehen und gutwillig zu der alten katholischen Religion zurückzukehren; den Amtleuten, Vögten und Kellern aber befahl er allenthalben im Lande den Untertanen zu verkünden, daß diejenigen, welche nicht frei- und gutwillig der katholischen, alten, apostolischen Religion wieder eigen werden und sein wollten, aus dem Stift ziehen müßten. Als nun solche Vermahnung und Warnung fast länger denn Jahr und Tag gewähret, aber nur der geringere Teil der benachbarten Bürger und Städte Folge geleistet haben, sondern je eine Stadt, Flecken und Bürger auf die anderen hinwies und niemand der erste sein wollte, demnach ist Fürst und Herr Julius mit einem ansehnlichen Gefolge, etlichen aus dem Kapitel, geistlichen und weltlichen Räten in ziemlicher Zahl am Donnerstag Nachmittag den 27. Februar Anno 1586 allhie nach Gerolzhofen angekommen. Julius eröffnete dem Stadtrat, warum er gekommen; die protestantischen Mitglieder des Rates baten ihn, sie bei ihrer Religion zu belassen; denn sie hätten sie von Jugend an schon geübt. Aber der Fürstbischof erklärte, er wolle Einigkeit in der Religion und keine Zersplitterung haben; sie sollten sich äußern, ob sie wieder der katholischen Religion angehören wollten oder nicht. In gleicher Weise sprach Julius auch zur Bürgerschaft und zu jedem insbesondere. Als aber etliche vom Rat und der Bürgerschaft rundweg dem Frsten erklärten, daß sie bei ihrer lutherischen Konfession beharren wollten, da ordnete Julius eine Ratssitzung auf 1. März an; dort wurden durch drei fürstbischöfliche Räte die Abgefallenen nicht allein von ihrem Ratsstand abgesetzt, sondern auch ihr Gut zu verkaufen und wegzuziehen geheißen. Dies Los traf den gewesenen Oberbürgermeister Caspar Lösch, den Unterbürgermeister Hans Riehl und die zwei Ratsherrn Michael Görber und Johann Eichelmann, außerdem noch 71 Bürger, welche ein Vermögen von wenigsten 100000 Gulden mit sich nehmend, größtenteils nach Schweinfurt zogen. Nach dem schleunigen Abzug der Ausgewiesenen vollzog der Stadtrat am 5. März 1586 die vom Bischofe anbefohlene Neubesetzung der sämtlichen übrigen Stadtämter. Solche Maßregeln waren wohl hart; allein sie ließen sich schwer vermeiden, wenn Julius zum Ziele kommen wollte; denn der Fürstbischof sah voraus, daß gerade die reichen und angesehen Bürger und Magistratspersonen, die hartnäckig am protestantischen Bekenntnisse festhielten, auch die übrigen nach seinem Abzuge durch Vorwürfe und Spott wieder zum Umfall verleiten würden. Die Ausgewiesenen erfüllten später die Welt mit Klagen über die Härte des Fürstbischofs. Insbesondere beschwerten sie sich, daß ihnen zum Abzug zuweilen nur eine Frist von 3 oder 8 Tagen verstattet wurde und daß sie darnach zur Bestellung ihres Feldes biszu dessen Verkauf nicht in ihre Häuser zurückkehren durften. Man vergesse nicht, daß solche Anklagen der Ausgewiesenen gegen Julius oft leidenschaftlich übertrieben sind. Um nur den einen Punkt über die Abzugsfrist herauszugreifen, so erhellt aus dem Stadtordnungsbuch von Gerolzhofen, daß der Ausweisungsbefehl schon länger denn Jahr und Tag vorher von den Amtleuten allenthalben im Hochstift verkündet worden war. Die bittere Erfahrung hatte den Fürstbischof auch gelehrt, daß eine längere Abzugsfrist nur benützt wurde, um durch die Hilfe auswärtiger protestantischer Fürsten die Ausweisung zu hintertreiben. Um das Verfahren des Fürstbischofs in Religionssachen zu begreifen, sind die Vorgänge in Münnerstadt seher lehrreich, wie sie Reininger in seiner Geschichte dieser Stadt geschildert hat. Daselbst war der vom Bischof 1583 angeordnete katholische Gottesdienst auf alle Weise von den Protestanten gestört worden. Man öffnete nicht rechtzeitig zum katholischen Gottesdienst, da die Kirchenschlüssel in den Händen der Protestanten waren. Auch wurde der katholische Gottesdienst wenig besucht; manchmal waren nicht mehr als 6 Personen anwesend, indem viele Bewohner durch die Herren des Rats oder von bestellten "Aufpassern" von dem Besuche desselben selbst auf dem Wege dahin abgehalten wurden; Verhöhnungen und Verfolgungen hatte zugewärtigen, wer der Predigt des katholischen Pfarrers beiwohnte. Manche Verwirrungen, besonders an Festtagen verursachte die Einführung des neuen Kalenders (1583), nach welchem sich die Katholiken richteten, während die Protestanten sich streng nach dem alten hielten, da die Kalender-Verbesserung von Papst Gregor XIII. ausgegangen war. Von den vorhandenen 40 Meßgewändern wurden dem katholischen Pfarrer erst nach langem Widerstreben vom Bürgermeisteramt wenige ausgehändigt. Während des katholischen Gottesdienstes wurde über den Kirchhof gefahren, geritten, die Schweine usw. getrieben, geschrieen, gelärmt und getobt und allerlei Unfug geübt. Selbst die Kirche und der Hochaltar, auf welchem die Feier des hl. Meßopfers stattfand, wurden vom boshaften Mutwillen verunehrt, mit allerlei Soptt- und Hohnsprüchen auf den Papst und die Stangen gespalten. Besonders zeigte sich der Ratsherr Michael Eichorn, der zu öfteren Malen das Amt eines Bürgermeisters begleitet hatte, äußerst tätig, die katholische Religion und ihre Gebräuche lächerlich zu machen. Julius Echter sah wohl ein, daß er bei solchen Verhältnissen nicht zum Ziele gelangen werde; da nur drei Viertel der Stadt fürstbischöflich waren, so erwarb er im Jahre 1585 seinem Stifte das letzte Viertel Münnerstadts von den Grafen von Stollberg und beseitigte durch diesen Kauf die Hindernisse, welche seinem Bekehrungswerke entgegenstanden. Am 19. September 1586 kam er selbst mit 100 Pferden nach Münnerstadt, seine erst Tat war, den lutherischen Pfarrer Laurentius Bayer und den Schulmeister abzuschaffen. Dann bestellte er den Bürgermeister und den Stadrat auf die Kellerei, wo ihnen das Begehren des Fürstbischofs eröffnet wurde. Als der Bürgermeister bat, man möge die Bürgerschaft nicht in ihrem Glauben stören und ihre Prediger und Lehrer nicht aus ihrem Aemtern verdrängen, erwiderte der Bischof: "Ihr habt mir weder Ziel noch Maß zu geben, wie ich mit Schulen und Kirchen gebaren soll; denn ich bin euer Herr; so seid ihr mir nicht allein in weltlicher, sondern auch in geistlichen Dingen zu gehorsamen schuldig. Ich will auch keine neue Religion einführen, sondern euch zu der alten Lehre, so von der Apostel Zeiten her gewähret hat, wiederbringen. Wie lange hat euer Gottesdienst gewährt? 30 Jahre und nicht viel darüber. Sollte Gott, der da spricht: er wolle bei seiner Kirche sein bis an der Welt Ende, bis auf Luthers Zeiten seine Kirche verlassen haben?" Jedoch der ganze Magistrat wiederholte seine Bitte. Der Bischof aber erwiderte: "Ich kann unmöglich in meinem Lande zweierlei Religionen dulden. Das Stift steht und fällt mit dem katholischen Glauben. Meine Absicht ist es, euch zu dem Glauben euerer Väter zurückzuführen; und wenn euere katholischen Väter, von denen ihr gewiß nicht meint, daß sie verdammt sind, vom Tode auferstehen könnten, so würden sie euch selbst raten, euch wiederum zu diesem Glauben zu bekennen. Hierauf ließ Julius die abgefallenen Bürger nach den Stadtvierteln auf das Rathaus kommen und gab ihnen seine Gesinnung in der sanftesten und liebevollsten Sprache kund. Dann wurde jeder Bürger von den übrigen Bürgern abgesondert und einzeln von ihm befragt, ob er zur katholischen Kirche zurückkehren wolle oder nicht. Wer sich weigerte, erhielt den Bescheid, in Monatsfrist die Stadt zu verlassen; wer hingegen den Rücktritt zur katholischen Kirche versprach, mußte vom Rathaus, ohne sich erst nach Hause zu begeben, in die Pfarrkirche zur Beichte gehen. Gegen 100 Personen traten zur alten Kirchen zurück. Am 25. September reiste der Bischof nach Neustadt a.d.S., wo er in ähnlicher Weise die widersprenstigen Untertanen zu bekehren versuchte. Aber es währte noch ein volle sJahr und kostete noch manchen harten Kampf, bis sämtliche Bürger Münnerstadts zum alten Glauben zurückgeführt waren. Die Vorstände der Bürgerschaft und ein großer Teil der Bürger blieben hartnäckig bei der protestantischen Lehre und suchten auch die Zurückgekehrten wieder zum Abfalle zu bringen. Sie hielten sich an Stelle ihres abgesetzten Pfarrers sogenannte Hausprediger, welche in den Bürgerswohnungen umherschlichen und zum Festhalten an dem Protestantismus ermahnten. Auch unterhielten sie gegen das ausdrückliche Verbot des Fürstbischofs einen beständigen Schriftwechsel mit den Räten des protestantischen Grafen von Henneberg in Meiningen. Von Meiningen aus wurden sie ebenfalls zur Standhaftigkeit, Einigkeit und Ausdauer ermahnt und ihnen die Zusicherung gegeben, daß man gemeinsam mit anderen protestantischen Fürsten Deutschlands bei Julius Beschwerde führen werde. Nun sandte Julius im Anfange des Jahre 1587 drei Patres von der Gesellschaft Jesu nach Münnerstadt und diese gaben sich alle Mühe, die Verirrten in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen. Der Fürstbischof hatte in solchen Fällen auch den protestantisch Gebliebenen den Besuch des katholischen Gottesdienstes unter Festsetzung von Geldstrafe zur Pflicht gemacht. Denn es sollten die Abgeirrten an Stelle des Zerrbildes, welches ihnen von der Kirche, ihrer Lehre und ihrem Gottesdienste beigebracht worden war, nunmehr durch die katholische Predigt die Erkenntnis gewinnen, wie lichtvoll, heilig und uralt die katholischen Glaubenssätze und wie sinnvoll und herzerhebend der verlästerte katholische Gottesdienst sei. Auch sollten diejenigen, welche anfangs mehr aus Furcht vor Strafe als aus Ueberzeugung zurückgekehrt waren, nun mehr ihres Schrittes innerlich froh werden. Ueber ein halbes Jahr wirkten die Jesuiten in Münnerstadt, aber es blieben immer noch eine Anzahl Bürger hartnäckig und suchten nach wie vor Rat und Schutz bei auswärtigen protestantischen Fürsten; es wurden daher die Rädelsführer auf den 8. Juni zur fürstlichen Kanzlei nach Würzburg beschieden und über mehrere Punkte befragt und zum letzten Mal aufgefordert, dem Bischof in Religionssachen Gehorsam zu leisten. Allein sie erklärten, niemals die Augsburgische Konfession zu verlassen. Hierauf erhielten sie nochmals 6 Wochen Bedenkzeit; würden sie in dieser Frist nicht zur katholischen Kirche zurückkehren, so hätten sie die Stadt und das Stift zu verlassen und innerhalb eines Jahres ihre Güter zu veräußern. Aber erst am 4. November erhielten die Ungehorsamen tatsächlich den Befehl zugestellt, innerhalb eines Monats, die zwei Rädelsführer aber binnen 14 Tagen die Stadt zu verlassen. So wanderten gegen Ende des Jahre 1587 gegen 80 Bürger nach Schweinfurt, Koburg, Meiningen und anderen protestantischen Ortschaften aus.(Fußnote: Reininger, Münnerstadt, 1852, S. 184-190.) Zuletzt führte Julius Echter seine Hauptstadt Würzburg zur Glaubenseinheit zurück. Im März 1587 beschied er den Bürgermeister und Rat zu sich, weil einige Ratsmitglieder dem Protestantismus zuneigten und ermahnte sie in Gegenwart der Domkapitulare zur Einmütigkeit im Glauben und Gottesdienst der frommen Voreltern. Aber die protestantischen Ratsmitglieder gaben eine Antwort, die auf eine Gesinnungsänderung wenig Hoffnung übrig ließ; sie blieben auch in der Folge hartnäckig, so daß vier derselben die Stadt verlassen mußten. Nun teilte Julius die einzelnen Pfarreien verschiedenen Kommissionen zu, die aus Geistlichen, fürstbischöflichen Beamten und Stadträten bestanden. Ein Bürger nach dem anderen wurde wieder verhört und es fand sich, daß dem Protestantismus fast die Hälfte der Bürger anhing, meist solche, die von auswärts zugezogen und solche, die in Wohlstand gekommen waren. Viele Bürger kehrten auf die Vorstellungen hin zur Kirche zurück; von mehr als 600 protestantischen Bürgern der Dompfarrei weigerten sich nur 73. Am Osterfeste reichte der Fürstbischof selber im Dom in den übrigen Kirchen aber der Weihbischof, die Aebte und Prälaten den Neubekehrten die hl. Kommunion; im Juliusspital aber ließ der Bischof sehr viel arme Leute speisen. Doch auch in Würzburg konnte ein guter Teil der Bürgerschaft erst nach längerer Zeit durch viele Anstrengungen der Geistlichkeit gewonnen werden; bei etlichen aber waren alle Bemühungen vergebens und sie wanderten aus. Die Freude des Fürstbischofs Julius und aller Katholiken über die Erfolge der Diözesanvisitation war groß; innerhalb dreier Jahre (1585-87) waren 14 Städte und 200 Dörfer mit 62000 Einwohnern zur katholischen Kirche zurückgekehrt. Als der Fürstbischof am Gründonnerstag 1586 in Volkach die hl. Messe las, und 460 Zurückgekehrten die hl. Kommunion austeilte, brachen viele in Tränen aus vor Freude und Verwunderung über das nie gesehen Ereignis. Die Lutheraner freilich, besonders die vertriebenen Prediger und die Ausgewanderten waren voll Erbitterung gegen Julius. Aber selbst ruhiger Denkende gestanden: Wie hart auch der Bischof von Würzburg die Evangelischen seines Landes bedrängt, so ist doch lobenswert, daß er mit solcher Arbeit und Inbrunst für seinen Glauben selbsteigen ans Werk geht und sich solcher Mühsalen dafür unterzieht, wie man es bei den vornehmen Prälaten und fürstlichen Herren mit ihrem Pomp und ihrer Pracht nicht viel gewahr geworden. 24. Des Bischofs Julius Mitstreiter. Große Herrscher wissen die bedeutenden Männer ihres Landes als Werkzeuge zu ihren Plänen auszuwählen und jedes Talent an den richtigen Platz zu stellen. So auch Fürstbischof Julius. Ohne tüchtige Mitarbeiter hätte es ihm nie gelingen können, den verödeten Weinberg des Herrn im Frankenland wieder neu zu bestellen. Treue Stützen fand der Bischof in seinen Weihbischöfen, den Vätern der Gesellschaft Jesu und einer Reihe von Weltgeistlichen, von denen wir einige im Folgenden näher kennen lernen wollen. 1. Die drei Weihbischöfe. Weihbischof Anton Resch aus dem Prdiger-Orden hatte schon dem Fürstbischof Friedrich von Wirsberg rühmlichste Dienst geleistet; von Köln berufen, hielt er seit 1563 theologische Vorlesungen und wurde 1567 wegen seiner besonderen Verdienste zum Geistlichen Rat und Weihbischof ernannt. Auch Julius schätzte den gelehrten und tätigen Professor und Weihbischof und ernannte ihn bei der feierlichen Eröffnung der Universität zum Dekan der thoelogischen Fakultät; er starb am 23. Januar 1583. Sebastian Pollinger, Pfarrer an der Frauenkirche zu Ingolstadt, wurde 1584 sein würdiger Nachfolger als Weihbischof. Die hl. Weihen pflegte er in der Regel in der Schottenkirche vorzunehmen. In den Jahren 1585/87 beteiligte er sich an der Diözesanvisitation. In den zwei nächsten Jahren bekleidete er das Amt eines Rektors an der Universität. Er starb auf der Rückreise von Rom am 8. Juli 1590 zu Brixen. Nach seinem Tode hatte Julius mehrere Jahre lang keinen Weihbischof angenommen und verrichtete selbst alle bischöflichen Weihehandlungen: erst im Jahre 1597 wurde Eucharius Sang zur Würde des Weihbischofs erkoren. Derselbe, zu Mellrichstadt geboren, studierte in Würzburg und trat am 11. Juli 1574 ins geistliche Seminar. Seine Landsleute erbaten ihn noch während seiner Studienzeit als Schulmeister für Mellrichstadt; allein der Fürstbischof wollte ihn wegen seiner Talente für die Studien erhalten wissen und sandte ihn zur weiteren Ausbildung nach Rom in das Deutsche Kolleg. Bald nach seiner Rückkehr von Rom ernannte er ihn zu seinem Hofkaplan und geistlichen Rat und als solcher begleitete er den Fürstbischof auf jener Diözesanvisitationsreise. Auch übertrug er ihm die Hofpredigerstelle und ein Kanonikat am Kollegiatstift zu Haug. An der Erziehung des jungen Klerus nahm er hervorrangenden Anteil. Im Jahre 1587 wurde er Professor der Moraltheologie und 1591 zum Doktor der Theologie promoviert. Er war auch Regens des Klerikalseminars, Dekan der theologischen Fakultät und bekleidete dreimal die Rektoratswürde. Da der gelehrte Mann bei seinem Seeleneifer auch über eine glänzende Rednergabe verfügte, sandte ihn Julius mehrere Jahre nacheinander in die Rhöngegenden, um dort Missionen abzuhalten. Unter Beihilfe des geistlichen Rates Maler visitierte er die Pfarreien und Kirchen, Schulen und Kapellen in den Aemtern Wildberg, Königshofen i. Grbf., Mellrichstadt und Neustadt, belehrte die Gläubigen, ermahnte die Hirten zur Wachsamkeit, führte irrende Schäflein zur Herde zurück und erstattete dem Fürstbischof über die wahrgenommenen Mängel Bericht. Dieser liebte und schätzte den vielseitigen und seeleneifrigen Priester und erhob ihn i.J. 1597 in Anerkennung seiner Verdienste zum Weihbischof; er weihte ihn selbst am Fest Mariä Geburt 1599. Während eines Zeitraumes von zwanzig Jahren versah nun Dr. Euchar Sang in angestrengtester Tätigket das weihbischöfliche Amt und fast jede Stadt und jedes Dorf der weiten Diözese war Zeuge derselben. Denn gerade in dieser Zeit hat Julius so viele Kirchen teils neu erbaut, teils erweitert und Euchar Sang weihte sie großenteils ein. Am 11. März 1620 beschloß er sein tatenreiches Leben. Nicht lange vor seinem Tod hielt er vor Fürstbischof Johann Gottfried eine begeisterte Rede, in welcher er den Sieg der katholischen Kirche in Franken durch Julius Echter feierte. Sie führte den Titel: Triumphus Franconiae. In seinem Testamente vermachte er dem von Julius geplanten Knabenseminar zu Münnerstadt 4000 Gulden. 2. Die Väter der Gesellschaft Jesu. Wie nützlich die Jesuiten dem Fürstbischof in seiner Reformtätigkeit waren, zeigt ein Bericht des Rektors Franz Rapedius aus Würzburg an General Aquaviva vom 20. April 1586: "Der Bischof wünschte unsere Hilfe in weitgehender Weise für die Zurückführung seiner Untertanen zur katholischen Kirche. Wir konnten einem solchen Wunsche nicht entgegen sein, und so mußten oft zwei, zuweilen drei, in den letzten drei Wochen um Ostern sogar sieben Priester an verschiedenen Orten tätig sein. Sie haben eine große Menschenmenge mit der Kirche ausgesöhnt. Einer allein aus unseren Priestern hat mit Herrn Eucharius Sang, einem Zögling des Kollegium Germanikum, 2500 von der Häresie absolviert und ihnen die hl. Kommunion gereicht. Einem anderen gelang es durch seine Predigten und Besprechungen eine ganze Stadt zur Kirche zurückzuführen. Nur wenige waren es, die sich ausschlossen; diese mußten das Land verlassen. Aehnlich glücklich waren die Erfolge der übrigen Patres und geradezu einzig die Gewandtheit und das Glück, welches P. Gerard (Phyen aus Wellen), der bischöfliche Hofprediger, bei diesen Arbeiten hatte. Lange Zeit ist er auf diesem Felde tätig gewesen, große Mühen und oft auch Gefahren hatte er ausstehen müssen; die Erfolge waren aber auch ausgezeichnet; denn drei Vogteien, jede mit vielen Dörfern und Städten hatte er unter großen Anstrengungen zur Annahme des katholischen Glaubens bewogen, darunter zwei volkreiche Städte, die sehr hartnäckig waren. Eine davon hatte sich sogar dem Bischofe, der selbst dort tätig war, offen widersetzt, so daß es bald zum Aufstand gekommen wäre. Die Gradheit und Offenheit aber des einen Pater Gerard und sein unablässiges Drängen gelangten zum Siege... Die Leute ergaben sich und schlossen sich sogar mit Bereitwilligkeit der Kirche an." Mit einem Begleiter eilte P. Gerhard zu Fuß von Dorf zu Dorf ohne Stab und Tasche. Viele Nachstellungen wurden ihm bereitet. Man brachte unter das Volk das Gerücht, daß er gar kein Mensch, sondern ein böser Geist mit einem Bocksfuß sei; er wurde so verlästert, daß die Mütter ihre kleinen, unartigen Kinder mit seinem Namen zu schrecken pflegten. Auch wurde er zum Spott auf die Bühne gebracht. P. Gerhard war in Würzburg selbst nicht bloß ein gern gehörter Prediger, sondern auch ein vielbegehrter Beichtvater. Er strengte sich bei diesen seelsorgerlichen Arbeiten über seine Kräfte an. Der Bischof sandte ihn auch wiederholt zu seinem erkrankten ältesten Bruder Adolf nach Mespelbrunn als geistlichen Beistand. Wie beliebt P. Gerhard in Würzburg war, ersieht man aus dem Eintrag des Würzburger Tuchscherers Jakob Röder in seinem Kalender zum 25. August 1614: "Ist der ehrwürdig alt Pater Gerhard gestorben, der der ganzen Stadt mit Seel- und Leibsarznei lange Zeit mit großem Lob gedient hat." 3. Johannes Molitor. Zu den eifrigsten Aposteln im Frankenland zählt auch Johannes Molitor aus Dettelbach; er war geboren am 16. März 1576 als Sohn armer Leute; der kleine Johannes hätte gerne studiert, aber sein lutherischer Vater erlaubte es nicht; das entfloh der Knabe nach Würzburg ins Jesuitenkolleg; wegen seiner schönen Stimme fand er Unterkunft als Chorsänger im St. Stephanskloster. Nach seiner Priesterweihe wirkte er ums Jahr 1600 zwei Jahre in seiner Heimat Dettelbach als Pfarreiverweser und führte viele Landsleute, unter ihnen auch den eigenen Vater, zur katholischen Kirche zurück; 1602 kam er als Pfarrer nach Fladungen, das fast ganz protestantisch war. Durch seine heiligmäßige Lebensweise und seine große Sanftmut gewann er nach und nach die Herzen seiner Pfarrkinder. Um jeden Verdacht abzuschneiden, nahm er keine Frauensperson in Dienst, wohnte allein und ließ sich das Essen von braven Bürgersleuten holen. Klein war sein Einkommen, sagt die alte Lebensbeschreibung von ihm, aber hochherzig immer sein Sinn; jung an Jahren war er ehrwürdig durch seine Sittenstrenge, tiefe Gelehrsamkeit und sein heiliges Leben. Nach sechsjähriger Tätigkeit hatte er 600 Pfarrkinder in Fladungen zur Kirche zurückgeführt. An dem "guten Johannes", wie ihn die Leute nannten, sieht man, was ein einziger Mann mit den sanften Waffen des Evangeliums vermag. Doch endlich erlag er seinen Arbeiten; er wurde krank, Bischof Julius rief ihn zurück und übertrug ihm ein Benefizium zu Neumünster in Würzburg. Als er sich wieder etwas erholt hatte, ernannte ihn der Fürstbischof i.J. 1608 zum Pfarrer und Spitalmeister am großen Julius-Spital. In diesem Amt bewährte er sich als einen ebenso guten Haushalter wie eifrigen Seelsorger. Der allerseligsten Jungfrau Maria war er mit kindlicher Liebe zugetan und beförderte ihre Verehrung, wo er nur konnte. Die Marianische Akademikersodalität erwählte ihn deshalb zu ihrem Präfekten. Als im Jahre 1612 die erledigten Wertheimer Lehen ans Hochstift zurückfielen, sandte Julius unseren Johann Molitor nach Marktheidenfeld, das unter den Grafen von Wertheim die protestantische Lehre angenommen hatte. Die Bürger waren ihm anfangs sehr feindselig gesinnt; es ärgerte sie schon sein Anblick. Als er einst vom Kloster Triefenstein zurückkehrend Marktheidenfeld gegenüber an die Ueberfahrt des Maines gekommen war, wollte ihn niemand über den Fluß ans andere Ufer setzen; geduldig wartete Molitor lange Zeit, indes man ihn verhöhnte; endlich legte er die müden Glieder am Ufer zur Ruhe nieder ohne Groll im Herzen. Diese himmlische Sanftmut rührte endlich das Herz eines Schiffmanns, daß er seinen Kahn losband und Johannes Molitor herüberholte. Mutwillige Knaben schrien ihm die Schimpfwörter nach: Schlechter Pfaff! Schlechter Pfaff! Da klagte Molitor einst dem Fürstbischof sein Leid; dieser kluge Menschenkenner aber überreichte dem sanften Apostel von Marktheidenfeld einen Beutel voller Münzen und befahl ihm lächelnd, die Münzen unter die Buben zu werfen, sobald sie wieder ihren Mutwillen mit ihm treiben wollten. Das Mittel half sofort. Nicht nur hörten die Verspottungen auf, sondern die Freigebigkeit gewann ihm die Knabenherzen, daß sie ihm von da an mit größter Achtung begegneten. Seine Liebe und Sanftmut überwand endlich auch in Marktheidenfeld alle Schwierigkeiten, so daß die Einwohner ihren lutherischen Prediger, der sie von Johannes Molitor zurückhielt, bald selber verwünschten. Nachdem er Marktheidenfeld dem alten Glauben wiedergewonnen, kehrte der eifrige Pfarrer ins Juliusspital nach Würzburg zurück; er fühlte sich jedoch in der Welt nicht mehr glücklich und trat ins Kloster Triefenstein ein; zu dessen Propst er im Jahre 1616 erwählt wurde. Ueber 20 Jahre bekleidete er diese Würde und erwarb sich um das Kloster die größten Verdienste; er starb im Rufe der Heiligkeit, 64 Jahre alt, am 20. August 1639. 4. Jodokus Wagenhauber. Zugleich mit Marktheidenfeld fiel auch Lengfurt als erledigtes gräflich wertheimisches Lehen ans Hochstift zurück. Dorthin sandte nun Julius im Oktober 1612 den Doktor der Theologie Jodokus Wagenhauber aus Fladungen, um auch diesen Ort der Kirche wieder zu gewinnen. Jodokus Wagenhauber war ein ausgezeichneter Mann, geschmückt mit Tugend und Gelehrsamkeit, zugleich ein hervorragender Redner. Julius Echter hatte ihm 1607 zu Neumünster ein Kanonikat übertragen und ihn später zu seinem Kaplan und Hofprediger ernannt. Mit apostolischem Eifer widmete sich Wagenhauber dem Bekehrungsgeschäft und schon im März 1613 konnte in Lengfurt ein katholischer Pfarrer ständig eingesetzt werden. 1617 wurde Wagenhauber Generalvikar und 1620 Weihbischof; er starb im Jahre 1635, nachdem er seine letzten Jahre infolge des Schwedeneinfalles in Sorgen und in der Verbannung zugebracht hatte. 25. Die Gebietserweiterungen. In jener Zeit, wo der Grundsatz galt: Wessen das Land, dessen auch die Religion! konnte ein Bischof nur dann siner Kirtenstimme Eingang und Gehorsam verschaffen, wenn die Schäflein zugleich seine Untertanen waren. Wir hörten bereits, wie Julius deswegen genötigt war, erst das letzte Viertel von Münnerstadt anzukaufen, bevor er der katholischen Kirche daselbst das alte Recht wieder bringen konnte. Aehnlich war es anderwärts. Auf der Diözesanvisitation hatte der Fürstbischof i.J. 1585 auch Hofheim besucht. Der dortige katholische Pfarrer hatte einen schweren Stand. Denn die protestantischen Herrn von Fuchs hatten das Patronatsrecht auf die Pfarrstellen von Hofheim und dem benachbarten Schweinshaupten; sie päsentierten jedoch nur protestantische Prediger, und als Julius daraufhin einen katholischen Pfarrer für Hofheim einsetzte, verweigerten sie ihm die Belehnung und den Zehnt. Schweinshaupten wurde so 1609 der alten Kirche abtrünnig. Um Hofheim zu retten, kaufte Julius u.J. 1613 dem Ritter Adam und Hans Wilh. Fuchs das Kirchenlehen (Patronatsrecht) und all ihren Besitz in Hofheim ab. So richtete der Fürstbischof überall sein Auge darauf, dem Hochstift möglichst viel Gebiet zu erwerben; dies lag ebenso im Interesse des Staates wie der Kirche. Denn jede Gebietsabrundung und Erweiterung stärkte die Macht des Fürstbischofs sowohl nach innen wie nach außen. An Gelegenheit zu solchen Gebietserwerbungen fehlte es dem Fürstbischof in seiner 44jährigen Regierung nicht; denn einerseits hatte seine weise Verwaltungskunst die Finanzen des Hochstiftes in Ordnung zu bringen und Geldmittel zu Einlösung alter verpfändeter und zum Ankauf neuer Rechte und Güter flüssig zu machen gewußt, andererseits war der Adel meist verschuldet und daher infolge seiner Geldnöte zm Verkauf geneigt. Ferner zog Julius die an Adelige übertragenen Lehen des Hochstifts, wo immer sie durch Todesfall erledigt wurde, für das Land selber wieder ein. Dadurch lud sich zwar Julius die Erbitterung der Ritterschaft auf, aber gewann dem Hochstift viele Städte und Dörfer zurück. Es war nun eine merkwürdige Fügung, daß die drei mächtigsten Herrscherhäuser Frankens innerhalb eines Menschenalters rasch hintereinander erloschen, nämlich das Grafenhaus von Wertheim 1556, Rieneck 1559 und Henneberg 1583. Große Bestandteile ihres Gebietes, die dem Hochstift lehnbar waren, fielen daher unter Julius zurück. In anderen Fällen gewann der Bischof neue Erwerbungen durch Vergleiche und Verträge mit Nachbarfürsten. Ueberall suchte aber Julius das neu erworbene BEsitztun ebenso zum alten Glauben zurückzugewinnen, wie es unter den früheren Herren in die neue Lehre gekommen war. An verpfändeten Ortschaften löste Julius ein: Großlangheim, die Hälfte von Nüdlingen und das Dorf Hohn bei Aschach, die Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld. Durch Vertrag vom Jahre 1585 trat Julius STadt und Amt Meiningen, ein altes Würzburer Lehen, an die Erben der Grafen von Henneberg, nämlich das Haus Sachsen, ab und tauschte dafür die folgenden Hennebergischen Ortschaften ein: Hendungen, Hard, Eussenhausen, Großbardorf mit Wenkheim, Eibstadt, Poppenlauer, Stadtlauringen, Brüchs, Niederlauer, Maßbach, Sulzfeld i.Gr und Mühlfeld. Im Jahre 1601 erklärte Julius das Rienecksche Lehen nach dem Tode des Erben Grafen zu Isenburg-Büdingen für heimgefallen und ergriff Besitz vom Klosteramt Schönrain, zu dem die Gemeinde Hofstetten gehörte, die er zur Pfarrei erhob. Größere Schwierigkeiten machte dem Fürstbischof das Wertheimische Lehen. Nach dem Tode des letzten Grafen von Wertheim (1556) gingen dessen Güter an seine Gemahlin Katharina, eine geborere Gräfin von Stollberg-Königstein und durch dieselbe an ihren Vater über. Da der Graf keine Söhne besaß, setzte er 1556 in einem Vertrage fest, daß die Erbfolge in den Lehen auf seine beiden älteren Töchter übergehen sollte, von denen die eine mit Graf Eberstein und die andere mit Graf Manderscheid vermählt war. Die jüngst Tochter Anna, die i.J. 1567 den Grafen Ludwig v. Löwenstein heiratete, war im Vertrag gar nicht genannt. Im Jahre 1589 starb nun die Gräfing Kath. v. Eberstein kinderlos; die Erbfolge sollte nun vertragsgemäß auf ihre nächstältere Schwester Elisabeth übergehen. Da nun aber auch Graf v. Löwenstein den Mitbesitz der Lehens-Güter für seine Gemahlin Anna verlangte, widersetzte sich Julius der Forderung. Es folgte ein achtjähriger Krieg zwischen Wertheim und Würzburg Im Jahre 1612 starb auch die zweite Schwester Elisabeth kinderlos und nun zog der Fürstbischof die Wertheimischen Lehen ein. So kamen an Würzburg unter anderem die Städte und Dörfer Freudenberg (jetzt Großherzogtum Baden), Lengfurt, Marktheidenfeld, Remlingen, Laudenbach a.M., Büttelbrunn, Tiefenthal und Wüstenzell. Sehr beträchtlich waren auch die Besitzungen, welche Julius durch Kauf von den Herrn von Grumbach an das Hochstift bracht. Im Jahre 1593 erwarb er nämlich Schloß und Dorf Rimpar und machte das ehemalige Schloß des Bischofsmörders zu seiner Sommerresidenz; ferner das Dorf Bergtheim, Schloß und Ortschaft Burggrumbach. 1597 kaufte er auch Dipbach. Man berechnete diese Einlösungen und Ererbungen an Gütern und Rechten auf eine Summe von über 630000 Gulden. 26. Julius und die fränkische Ritterschaft. Fürstbischof Julius und seine Brüder waren Zierden des Adels. Wie der Stiftungsbrief des Julianums zeigt, hatte der Bischof eine hohe Auffassung vom Adelstand und trug eine besondere Zuneigung zu demselben; jedoch sein straffes Regiment gefiel dem Adel Frankens nicht; insbesondere grollte er ihm über seinen Eifer im Religionswerk; denn fast die gesamte fränkische Ritterschaft bekannte sich zur Lehre Luthers. Auch zürnte sie ihm, weil er die erledigten Lehen nicht weiter an Adelige vergab, sondern unmittelbar für das Hochstift einzog. Auf einem Rittertag am 17. Januar 1581 zu Kitzingen wurde beschlossen, dem Fürstbischof durch eine Abordnung die Beschwerdepunkte vorzutragen. Nur der Ritterkanton des Odenwaldes beteiligte sich nicht. Unter den Beschwerdeführern waren sogar eine Anzahl bischöflicher Lehens- und Amtsleute, so der Amtmann von Trimberg, Uffenheim und Ebenhausen. Ihre Forderungen waren nicht eben bescheiden: Gänzliche Abschaffung des geistlischen Rates, Wiedereinsetzung der abgesetzten lutherischen Beamten und Entfernung der päpstlichen, welche statt ihrer angestellt worden waren; ferner Verjagung der Jesuiten aus dem Hochstifte, Anstellung eines lutherischen Predigers an der Marienkapelle zu Würzburg, das Begräbnis verstorbener lutherischer Religionsverwandten in geweihter Erde, die Zulassung, daß die Landpfarrer sich Weiber nehmen und sie ehelichen dürften. Auch dem Domkapitel überreichte die Ritterschaft ein Beschwerdeschrift, in welcher sie eine scharfe unf beleidigende Sprache gegen den Fürstbischof führte; so hieß es darin: Zwischen den weltlichen und geistlichen Fürsten ist ein großer Unterschied; denn die weltlichen Fürsten sind Erbherren ihrer Land und Leute, die Geistlichen aber werden zur fürstlichen Hoheit gewählt und in ein Land gesetzt, da sie von ihren Eltern nicht einen Stecken haben, sondern es ist von anderen erlangt und gewonnen worden; das vertraut man einem in Wahrheit nicht dergestalt an, daß er nach seinem freien Willen regieren soll oder die Inwohner des Landes, heute diesen, morgen einen anderen nach seinem Gefallen unbilliger Weise beschweren. Das Domkapitel wollte sich zu Gemüte führen, in welcher Gefahr infolge dieser beschwerlichen Regierung das Stift stehe, und wenn sich eine Not zutragen sollte, ob sich auch das Stift einiges Trostes oder Hilfe zu versehen hätte. Schließlich drohen die Ritter mit Beschwerde beim Kaiser und eigener Abwehr, was immer auch kommen möge. Dem Fürstbischof konnte diese gereizte und feindliche Stimmung unter der Landes-Ritterschaft nicht gleichgiltig sein. Denn im Deutschen Reiche hatten sich infolge der Glaubensspaltung die Gegensätze auf Messersschneide zugespitzt und das Hochstift war fast ringsum von feindlichen Nachbarn umgeben. Julius brauchte den inneren Frieden zu seinen Reformen. Nun drohten die Ritter selber dmait, im Falle ines feindlichen Einfalles den Fürstbischof im Stiche zu lassen oder gar sich mit dem religionsverwandten Feind zu verbünden. So hatte ja schon im Markgräflerkrieg das protestantische Schweinfurt dem Brandenburger die Tore geöffnet und die Stadt war ein Stützpunkt für seine Raubzüge ins Frankenland geworden. Auch nachmals im dreißigjährigen Krieg schlossen sich die Protestanten dem Schwedenkönig Gustav Adolf an, der gegen Kaiser und Reich Krieg führte. Die Beschwerdeschrift der Ritterschaft mußte ferner aufreizend auf das Domkapitel einwirken, das sich drch die Bande des Blutes und die gemeinsamen Standesinteressen mit dem Adel eng verbunden fühlte. Das Domkapitel stand ohnedies dem Fürstbischof so oft bei der Durchführung seiner großen Pläne hindernd im Wege; es mußte die Beschwerden der Ritterschaft seinen Widerstand nun erst recht steigern. Allein gleichwohl ließ sich Julius nicht einschüchtern, sondern begegnete den Rittern, wie er selber in seiner Antwort sgte, mit Mannheit und Geduld. Er lud sie zu Tische ein; dann ließ er ihnen mündlich und schriftlich erwidern: "Ich werde mich nicht in der Stube, auch nicht vor meinen Dienern und Lehensleuten, sondern öffentlich vor der höchsten Obrigkeit verantworten und wenn ich im Unrecht befunden, so will ich in der Lücke stehen; wenn aber die Ankläger Unrecht haben, so müssen sie nach Gebühr bestraft werden. Ich bin nicht der Meinung, daß ein Diener daher stehe und seinem Herrn unter die Augen sage: wenn du es nicht machen willst, wie ich will, so will ich dich hinausstoßen oder absetzen. Man hat es bei Bischof Friedrich auch versucht, es ist aber nicht angegangen. Obschon die Sauen grunzen, so hat man doch nicht bald gehört, daß sie ihre Hirten gefressen haben. Ich habe als Bischof, wie man sehen kann, viel Mühe und Arbeit, aber wenig Ruhe und man betrachtet mich als Wetzstein, am den sich jedermann schleift, und den man, wenn man ihn gebraucht hat, auf die andere Seite legt. Das lasse ich mir aber nicht bieten. Was die Religionssache anbelangt, so habe ich mich jederzeit dem (Augsburger) Religionsfrieden gemäß verhalten; ich tue nur meine dem Hochstift und dem Domkapitel angelobte Pflicht, wenn ich mich meiner geistlichen Gewalt und Rechte bei Besetzung der Pfarreien und Pfründen, sowie es des Stifte Nutzen erheischt bediene. Ich suche nur die Erhaltung der Religion, auf welche das Stift gebaut ist. Es muß aber bei allen Fürsten des Reiches und zwar sowohl der einen wie der anderen Religion wohl Aufsehen machen, daß sich eine gute Anzahl derer vom Adel, darunter auch fürstliche Würzburgische Lehensleute und Diener, dergestalt zusammentun und einen geistlilchen Reichsfürsten mit allerlei schweren Vorhalten erinnern wollen, wessen er sich in Religionssachen zu verhalten habe. Ich fürchte weder die Ritterschaft noch die Landschaft." Aber bereits für den 23. April lud die Ritterschaft des Rhön-Werrakkreises in einem gedruckten Rundschreiben, in dem Julius als Unterdrücker der ritterschaftlichen Freiheiten bezeichnet wurde, zu einem neuen Rittertag nach Münnerstadt ein. Julius war über diese neuen Beschuldigungen so erzünt, daß er Klage beim Reichskammergericht wegen Verleumdung erheben wollte. Er gab jetzt auch dem Kaisedr Rudolf II. Kenntnis von dem Vorgehen der Ritterschaft und dieser verwies ihr Verhalten gegen den Bischof. Auch der Bayernherzog Wilhelm V. erfuhr von den Beschwerdeartikeln derselben und bat um Bericht. Julius willfahrte gerne mit der Versicherung, daß er in Religionssachen nicht zu weichen gedenke. Solche Gesinnung lobte der Herzog und erbot sich als Bundeshauptmann des Landsberger Bundes dem Bischof zu Hilfe zu eilen, falls die Ritter etwas gegen ihn ins Werk setzen sollten. Die Ritterschaft wurde zwar in der Folge etwas bescheidener, aber sie erneuerte von Zeit und Zeit ihre Proteste; besonders beschah dies im Jahre 1586, als der Bischof die große Diözesanvisitation abgehalten hatte. Auch diesmal schrieb Julius ans Domkapitel: Weil die Klagen der Ritterschaft die Religion und damit eine Sache betreffen, von welcher der Untertanen Glück, Heil und Wohlfahrt abhängt, will ich in meiner Antwort nicht gerne gar zu leise gehen. 27. Die protestantischen Reichsfürsten wider den Bischof. Wie die Ritter, so nahmen auch die protestantischen Fürsten Stellung gegen den Fürstbischof Julius in Sachen der Religion. Vielfach hatten sich dessen Untertanen um Rat und Schutz an die glaubensverwandten auswärtigen Regierungen gewandt. Von allen Seiten bestürmten nun im Jahre 1586 nicht weniger als 12 deutsche Reichsfürsten den Würzbruger Bischof mit Abmahnungsschreiben und Protestschriften gegen sein Religionswerk. Den drohendsten Ton schlug der Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel an; er wollte die protestantischen Fürsten zu einer gemeinsamen Kundgebung gegen Würzburg vereinigen und wandte sich zu diesem Zwecke im Mai 1586 an den Kurfürsten Christian von Sachsen. Dieser aber riet, es solle jeder Fürst einzeln oder durch einen Gesandten bei Julius Echter Vorstellungen erheben und sandte selber Ende Juni einen seiner Räte, Abraham Bock, nach Würzburg. Julius aber beteuerte demselben, es sei sein Bestreben, die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen zum Kurfürsten fortzusetzen; er habe sich bei seinem Vorgehen in Religionssachen ganz nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens verhalten und werde die Rechte anderer Reichsstände Augsburgischer Konfession nicht beeinträchtigen. Mit ähnlichen begütigenden Versicherungen beschwichtigte Julius den Kurfürsten Christian und Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen später nochmals, als sie sich der Münnerstädter und der ehemals Hennebergischen Döfer Hendungen und Eussenhausen annahmen, als diese auch wieder zur katholischen Religion zurückgebracht werden sollten. Außer diesen beiden hatte noch an Julius geschrieben der Kurfürst von Brandenburg, die Pfalzgrafen Johann Casimir und Philipp Ludwig, der Landgraf Wilhelm von Hessen und sein Bruder Ludwig, Herzog Ludwig von Württemberg, Herzog Johann Casimir von Sachsen, Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg, Markgraf Jakob von Baden, Fürst Joachim Ernst von Anhalt. Julius beantwortete alle Schreiben in versöhnlichem Tone, um keinen der Fürsten noch mehr zu reizen! Denn es hätte dem Hochstifte über ergehen müssen, wenn die 12 protestantischen Fürsten sich zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen Würzburg vereinigt hätten. Das Hochstift war für sich allein nicht wehrhaft und die geistlichen Fürsten der Nachbarschaft konnten ebenfalls wenig Beistand leisten. Einzig und allein der Herzog Wilhelm von Bayern, bei dem Julius zovor durch eine Gesandtschaft um Hilfe für den Fall der Not nachgesucht hatte, war ein starker Bundesgenosse und versprach auch im Dezember 1586, daß er mit dem Landsberger Bund ihm beispringen werde, wenn er um des Religionswerkes willen von irgend einer Seite angegriffen werden sollte. Auch der Papst Gregor XIII. verhieß dem Würzburger Bischof für diesen Fall Geld- und jede andere mögliche Hilfe; er schrieb in dieser Sache auch an den Kaiser und an den Herzog von Bayern. Die geistlichen Nachbarfürsten aber taten, wie die alte Lebensbeschreibung sagt, Besseres oder Mehreres nicht als daß sie zusahen und warteten, wo hinaus es mit Bischof Julius Unternehmen geraten wollte. Teils begehrten sie auch Abschriften von seinen Antwortschreiben and die Fürsten. Nur des Julius Vertrauter, Neidhart von Thüngen, Domdechant von Würzburg, ahmte das Beispiel seines Freundes nach, als er im Jahre 1591 den bischöflichen Stuhl von Bamberg bestiegen hatte. Also hatte Julius bei vieler Widerwärtigkeit und wenigem Trost, aber mit vieler Frucht bei den Untertanen sein Religionswerk durchgeführt. 28. Der Federkrieg gegen Julius Echter. Nicht nur die fränkische Ritterschaft und die auswärtigen Fürsten erhoben sich gegen den Würzburger Bischof, sondern auch die lutherischen Prediger. Es ist ja begreiflich, daß jene 120 Prediger, welche ihre Würzburger Pfarreien hatten verlassen müssen, diese Maßregel nicht schweigend hinnahmen, sondern in der Ferne ihrem Zorn und Grolle Luft machten. Weihbischof Euchar Sang erzählt i.J. 1618, daß sie unzählige Schmähungen, Lügen und Verleumdungen gegen Julius, das Domkapitel und des gesamten Klerus ausstießen.(Fußnote: Gropp I, 643.) Hatte 1575 der fränkische Gelehrte und Konvertit Lorenz Albert eine Klageschrift gegen Julius Echter dem päpstliceh Nuntius Grafen von Portia überreicht, weil der Bischof gegen das Luthertum in seiner Diözese nicht vorgehe, so erschienen jetzt eine Reihe von Schriften, welche ihm seine Glaubens-Tyrannei in der Unterdrückung des Protestantismus vorwarfen. Der Schmalkaldener Prediger Alexander Utzinger war in dieser Beziehung besonders tätig; kurz hintereinander warf er i.J. 1588 und 1589 auf den Kampfplatz die Schriften: Notwendige Erinnerung von dem großen Abfall und geringer Beständigkeit, so sich neulich in der fränkischen Verfolgung ereignet. Vom frechen, stolzen Lorbeerbaum im Frankenland; Christlicher Sendbrief an alle frommen Christen, die jetzo um der evangelischen Wahrheit willen von ihrer eigenen Obrigkeit wider Gott und Recht verfolget, geplaget und verjagt werden im Land zu Franken; Bericht vom Abfall und Verleugnung; Vom Christenbaum im Frankenland. Die Person des Bischofs selbst wurde in diesen Schriften aus begreiflicher Vorsicht mehr indirekt als direkt angegriffen, um so haßerfüllter schmähte Utzinger die katholische Kirche, ihre Lehren und Gebräuche. Man kann sich einen Begriff machen von der Verhetzung, welche damals ins Volk getragen wurde, wenn man in Utzingers Schriften Stellen liest, wie die folgenden: Das Papssttum ist die große babylonische Hure, die Synagoge des Satans, ein schrecklicher Höllenhund, eine grausame Mordgrube, die allergreulichste Diebs- und Räuberhöhle, die Grundsuppe aller Hurerei und Greuel auf Erden. Er gesteht von sich selber: "Ich bin dem Papsttum von grund meines Herzens feind eben sowohl als dem Teufel selbst, darum weil ich's dafür halte und für ganz gewiß glaube, es sei ohne Zweifel des leidigen Antichrists Reich, der Papst selbst sei sein König. Darum schelte ich's, verdamme es und verfluche es ohne Unterlaß, mit wohlbedachtem Mut, vorsätzlich, in Abgrund der Hölle." "Ich halte, daß es nicht allein keine Sünde, sondern darzu noch ein rechter, heiliger und wahrer Gottesdienst sei, daß man dem Papsttum mit Verdammen, Schelten, und womit man ihm sonst verdrießlich sein und Schaden tun kann, redlich zusetze und aufgieße." Die durch Julius zur Kirche Zurückgeführten suchte Utzinger wieder zum Luthertum zu bringen mit den abschreckenden Worten: "Sie haben (durch den Uebertritt zur kath. Kirche) auf ihren Hals genommen alle Abgötterei Zauberei, Lästerung, Lügen, Mord, Raub, Unzucht und all des Teufels Wesen, dessen das Papsttum schuldig und voll ist, zu dem sie wieder gefallen und getreten sind." Durch die Rückkehr zum Papsttum "sind sie dem Teufel zu Fuß gefallen und haben ihn zum Herrn angenommen und angebetet." In ähnlicher Sprache schmähte er auch einzelne Lehren und Gebräuche der Kirche wie z.B. das hl. Meßopfer, Fegfeuer, Zölibat, Fasten und Wallfahrten. Man begreift bei diesen Stilporben, daß Julius nichts erreicht hätte, wenn die Prddiger in seinem Bistum in diesem Ton die alte Kirche hätten angreifen dürfen. Der Wiener Jesuit P. Georg Scherer beantwortete 1589 die Kampfschriften des Schmalkaldener Pfarrers mit einer Gegenschrift: "Verantwortung der christlichen Reformation in Franken." Er überführt Utzinger aus seinen eigenen Worten, daß des Bischofs "Tyrannei" nicht so groß gewesen sei; denn in seinem "Bericht vom Abfall und Verleugnung des hl. Evangelii" hatte der Schmalkalderen Prediger die Untreue der durch Julius Echter Bekehrten beklagt und dabei gesagt: "Und das zumal ihre Tat schändliche und feindselig macht, haben sie solches begangen ohne sonderliche hochdringliche Not leichtfertiglich, fast gar ungeklemmet und ungedränget. Denn was hat man ihnen doch getan, damit man ihnen solches abgedrungen? Hinweg hat man sie heißen ziehen aus dem Flur, das ist alles gewesen, in dem sie vielleicht etwas ein wenig hätten müssen verlieren oder verzetteln, und nicht alles bis auf den letzten Scherf mitbringen können." Utzinger gab ihnen zu bedenken, "ihre Mißhandlung sei nicht halb so groß als sie von etlichen wolle angesehen und ausgeschrieen werden"; sie möchten nur nicht mit solchen Feigenblättern ihre Schande zudecken. In seiner "Gegenantwort" zieht sich Alex. Utzinger greilich klug aus der Schlinge. Er habe mit diesen Worten, meint er, nur sagen wollen, die Ausschaffung aus dem Lande sei verglichen mit den Peinen der alten Martyrer nur eine geringe Plage. An und für sich aber sei die Verjagung vom Lande mit Weib und Kindern eine so große Strafe, daß mancher den Tod vorgezogen hätte. Manchen habe das Herz geblutet und sie hätten die Haare gerauft und die Hände gewunden, wenn sie innerhalb kurzer Frist, ehe sie ihre Sachen recht und nach Notdurft bestellen konnten, mit ihrem ganzen Gesinde und all ihrer Habe, sich hätten aus dem Lande packen müssen, von dem Orte, wo sie geboren und erzogen oder doch lange Zeit gewohnt. Nach ihrem Weggang hat man vielen von ihnen keinen freien sicheren Zutritt mehr zu ihren Häusern gestatten wollen. Man hat ihnen die Häuser gesperrt, dieselben mit Kriegsleuten und Reisigen Knechten besetzt. Man hat die Bestellung der Felder erschwert oder verboten, die Käufer durch allerlei Ränke abgehalten, die Güter zu niedrig taxiert, sie mit übermäßiger Nachsteuer beschwert, so daß sie vielmals kaum die Hälfte ihrer Habe davon gebracht und infolge dessen leicht verderben und an den Bettelstab kommen konnten. Julius selbst nahm die Schmähungen seiner Person ruhig und gelassen hin. Er wollte nicht einmal, daß man darauf antwortete. Der Spitalmeister im Juliusspital und Kanonikus zu Neumünster, Abraham Nagel aus Gemünden, wollte 1589 ebenfalls eine Gegenschrift gegen Alexander Utzinger in Würzburg erscheinen lassen; allein es wurde unter dem Druck die Genehmigung hierzu zurückgezogen; sie wurde dann in Ingolstadt gedruckt und führt den Titel: "Schüttlung des vermeintlichen Christenbaumes". Julius hing die Schmähschriften und Spottgedichte als Trophäen und Denkzeichen der Welt an den Altar bei seinem Gemache im Schlosse und befahl Gott die Sache. "Gott wird ja einst über alles richten", damit tröstete er sich. 29. Der Wiederaufbau. Vielerorts war nun im Frankenland durch des Bischofs Mut und Ausdauer trotz aller sich auftürmender Schwierigkeiten die alte Glaubenseinheit wieder hergestellt. Aber da gab es viele Wunden zu heilen. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung hatte mehr niedergerissen als aufgebaut; über dem Haß und Streit war viel religiöses Gut zu Grund gegangen und weder die irdischen noch die ewigen Interessen hatten gewonnen. Die Stellen der verjagten Prediger besetzte der Fürstbischof mit katholischen Seelsorgern, durch deren Fleiß und Wachsamkeit die alte Religion wieder aufblühte. Die Kirchenordnung vom Jahre 1589 sorgte für gleichmäßige Wiedereinführung der geschwundenen katholischen Uebungen und Gebräuche. Es waren aber die Kirchen und Gottteshäuser allenthalben verödet und baufällig geworden oder ganz zerfallen; andere waren ohne Zierde und aller zum Gottesdienst notwendigen Kleider und Geräte entblößt. Das war ein reiches Feld für den Hirteneifer des Bischofs Julius. Es setzte eine Bautätigket von Kirchen, Pfarr- und Schulhäusern ein, wie es in der Geschichte beispiellos ist. Julius Echter wußte bei seinem seltenen Verwaltungstalent die Geldmittel zu diesen Bauten flüssig zu machen. Seinem Auge entging nichts und mit mehr Freude, als ihm das Ausreuten der Irrlehre gemacht, ging er nun an das Pflanzen und Aufbauen der alten Religion. Betrachten wir einmal die wiederaufbauende Tätigkeit des Fürstbischofs an einem lehrreichen Beispiel. Im Jahre 1586 war die bisher hennebergisch-meiningische Pfarrei Hendungen (Fußnote: Archiv des hist. Vereins. Bd. 5 (1839), 1. Heft. S. 121 ff.) an das Hochstift gekommen. Der lutherische Prediger wurde entfernt und hielt am 27. Juli 1588 seine Abschiedpredigt; Julius setzte dafür einen katholischen Pfarrer und Lehrer ein. Zugleich ließ er die all ihres Ornats beraubte Kirche wieder mit den nötigsten Paramenten und sonstigen Gerätschaften versehen, damit der katholische Gottesdienst mit Erbauung gehalten werden konnte. Aber die jüngere Generation war im Luthertum erzogen worden; auch hielten die Nachbarorte Bahra und Rappertshausen noch am Protestantismus fest; so nahmen denn die Einwohner Hendungens die von Julius getroffenen Anordnungen nur mit scheuer Abneigung auf. Zwar gingen sie nach und nach in die Predigt ihres katholischen Pfarrers, blieben aber durchaus nicht bei der hl. Messe gegenwärtig, noch weniger begehrten sie den Empfang der hl. Sakramente. In der österlichen Zeit des Jahre 1589 traten bloß der Lehrer und dessen Frau zum Tisch des Herrn. Der Amtskeller von Mellrichtstadt übermittelte daher am 5. April 1589 auf erstatteten Bericht hin den fürstlichen Befehl, "mit Fleiß ihres Pfarrherrn Predigt zu hören, den Gottesdienst bei ihm zu suchen und sich des Auslaufens an fremde Orte widerwärtiger Religion zu enthalten." Nach und nach trat eine größere Geneigtheit zur katholischen Lehre ein; i.J. 1590 kommunizierten aber erst neun Personen; die übrigen besuchten keine Messe, sangen lutherische Lieder bei ihrem Gottesdienste und stellten sich totzig und ungehorsam gegen den Pfarrer; besonders taten sich durch offenen Widerstand gegen die bischöflichen Anordnungen und durch stete Aufreizung der übrigen Ortsleute Peter Müller und Michael Döhler hervor. Zu diesen gesellte sich Wolf Kob, der sich unter anderem herausnahm, den wieder eingeführten Flurritt öffentlich zu tadeln, die Flurreiter arg zu schmähen, sie Hudellumpen und Narren zu schelten; er wotlle dieselben sogar am Besuche der Kirche hindern. Da glaubte Julius Ernst anwenden und die offenen Widersacher zur geeigneten Strafe ziehen lassen zu müssen. dies hatte den besten Erfolg. Im Jahre 1591 stellten sich schon 106 zur hl. Kommunion ein, und i.J. 1592 konnte der Dechant des Landkapitels Mellrichstadt berichten, daß alle Einwohner Hendungens katholisch seien, mit einer einzigen Ausnahme des Valentin Kraus, der auf einem Freihof des Bernhard v. Bibra sitze, und daß alle, selbst die Knechte und Mägde, kommuniziert hätten. Endlich i.J. 1600 trat auch Velentin Kraus zur Kirche zurück. Pfarrei, Kirche und Schule waren in Hendungen fast neu zu gründen. Die Kirche war alt, klein und baufällig. Das Langhaus hatte nur zwei Fenster und der winzige Kurchtum drohte dem baldigen Einsturz. Auf fürstbischöflichen Befehl wurde vorerst i.J. 1606/07 ein schöner, neuer Kirchturm aufgeführt und darnach der Umbau und die Vergößerung des Langhauses vorgenommen. Wegen des fast gänzlich erschöpften Mittel geschah dies erst in den Jahren 1616 und 1617, und zwar wurde hierzu das Einkommen der deswegen unbesetzt gelassenen Pfarrei verwendet, die in der Zwischenzeit vom Pfarrer in Oberstreu mitversehen wurde. Alljährlich sandte Julius auch neuen Kirchenornat von Würzburg. So erhielt Hendungen i.J. 1591 ein Rauchfaß, ein Ciborium und 2 Fahnen, später einen Himmel und i.J. 1611 kaufte es von einem lutherischen Orte die bis dahin fehlende Monstranz. Das ganze baufällige Pfarrhaus ließ im Jahre 1600 die Gemeinde auf Veranlassung des Fürstbischofs wiederherstellen, ohne daß die Zehentherren, nämlich die Junger von Stein und Herrmann Trott, etwas dazu betrugen. Nicht mindere Sorge trug Julius für die Aufbesserung des Pfarreieinkommens. Die bisherigen Einkünfte waren so mager, daß ein Pfarrer damit nicht standesgemäß leben konnte. Es wurde deshalb das Benefizium St. Peter und Paul dem Pfarrvermögen einverleibt; außerdem wandte er der Pfarrei aus dem Wechterswinkler Fond ein Kapital von 400 Gulden zu. Endlich erstreckte sich die liebevolle Fürsorge des unermüdlichen Julius auch auf die Schule. Zwar bestand schon früher eine Schule in Hendungen; allein Julius regelte erst das Schulleben, setzte das Einkommen des Lehrers fest, ließ das Schulgebäude 1606 ausbessern und 1612 ganz umbauen und schrieb die Lehrgegenstände vor. So darf Hendungen Julius Echter als zweiten Stifter der Pfarrei verehren und zwei Inschriften an der Kirche verkünden der Nachwelt die Verdienste des großen Fürstbischofs um das Dorf. Wie in Hendungen, so ähnlich gestaltete sich aber der Wiederaufbau allüberall im Hochstift. 30. Julius errichtet und verbessert die Pfarreien. Der Zustand der Pfarreien und der Seelsorge war bei dem Regierungsantritte des Fürstbischofs so schlimm, daß der hievon benachrichtigte Papst Gregor XIII. dem Bischof Julius in einem Schreiben vom Jahre 1582 sein Erstaunen darüber nicht genug ausdrücken konnte. Er sei äußerst verwundert, schrieb er, daß mehr als 300 Patronatspfarreien des Domkapitels, der geistlichen Stifte und Klöster und der Adeligen schmählich vernachlässigt würden und solche Unordnungen seien bisher dem päpstlichen Stuhle nicht einmal angezeigt worden; daher solle sich Bischof Julius die Sorge um diese Pfarreien sehr angelegen sein lassen. Julius befolgte nicht nur diese Ermahnungen, sondern übertraf die auf ihn gesetzten Erwartungen. Er verbesserte die Pfarreieinkommen, setzte die Pfarrhäuser wieder instand oder baute sie neu, gab Gottesdienstordnungen, und wo die Verhältnisse es erforderten, errichtete er neue Pfarreien, so bei Filialdörfern mit großer Seelenzahl und bei weiten und beschwerlichen Wegen ins Pfarrdorf. Die von Julius gestifteten Pfarreien sind hauptsächlich folgende: Im Jahre 1578: Elfershausen durch Lostrennung von der Mutterpfarrei Langendorf; 1590: Alsleben, bisher Filiale von Untereßfeld; Eussenhausen; Euershausen; Oberach durch Abtrennung von Bischofsheim; als Filialen wurden der neuen Pfarrei Rotrain und Wildflecken zugeteilt; die Filiale Hard wurde von Niederlauer getrennt und Rüdlingen angegliedert. - 1591 wurde Erlabrunn und Margetshöchheim von Hettstadt getrennt. Erlabrunn zur Pfarrei erhoben und ihr Margetshöchheim als Filiale zugewiesen. - 1597: Jagstberg, Mulfingen, Oberschleichach und Wernfeld. - 1598: Falkenstein; Güntersleben; Nordheim a.M.; Saal a.d.S., bisher Filiale von Wülfershausen; das Benefizium auf dem Findelberg wurde mit der neuen Pfarrei vereinigt und als Filiale Eichenhausen zugeteilt; Gerlachshausen (jetzt Filiale von Stadtschwarzach) mit den Filialen Dimbach, Düllstadt, Hörblach und Schwarzenau; später wurde Hörblach der Pfarrei Stadtschwarzach zugeteilt und Schwarzenau durch Valentin Echter, den Bruder des Fürstbischofs, als Pfarrei ausgestiftet; ferner Neupelsdorf und Veitshöchheim. Auch die im Bauernkrieg untergegangene Pfarrei Kürnach, bis dahin mit Estenfeld vereinigt, wurde in diesem Jahre wieder selbständig. - 1601: Wipfeld und Burghausen (vorher Filiale von Schwebenried). - 1602: Püssenheim. - 1607: Untersteinbach. - 1612: Helbstadt. - 1613: Erlenbach, Marktheidenfeld, Pfilfringen, Holzkirchen, Laudenbach, Lengfurt, Waldstetten, Höpfingen. - 1614 entstand die Pfarrei Hausen mit der Filiale Erbachshausen durch Abtrennung von Bergtheim. 31. Die Juliuskirchen. Man zählt im Frankenland über 300 Kirchen, die Julius Echter umgebaut oder neu errichtet hat. Man kennt sie an den hohen spitzen Türmen. Ihr Stil zeigt eine eigenartige Mischung von Gothisch und Renaissance. Der Dichter des "Fränkischen Ehren-Preis" vom Jahre 1604 hat recht, wenn er singt: Erbauet sein der Kirchen mehr, Daß man sich gleich verwundern soll, Wie es hab mögen geschehen wohl, Daß bei eines Fürsten Regiment So viel neu Kirchen seynd vollendt, So viel der alten renoviert, Erweitert, geschmücket und geziert, Daß, wer sein Aug auf Kirchen wendt, Das Frankenland vor andern kennt! Die schöne Dach, Mäuer, Türn neu, Zeigen bald, was Würzburgisch sei. Julius Echter hat nach einer alten Nachricht für Kirchenbauten die stattliche Summe von 300000 fränkischen Gulden aufgewandt. Mit Recht sagt die Kinstgeschichte Würzburgs vfon Niedermayer: "Weder vor noch nach ihm ist ein so gewaltiger Bauherr im Frankenland aufgestanden" (S. 280). In Würzburg wurde unter seiner Regierung der Dom restauriert, das Mittelschiff und Querhaus gewölbt und erstmals mit einer Orgel ausgestattet; er baute ferner die Juliuspital- und Universitätskirche, die Kirche auf der Festung, St. Gertraud und die Kapuzinerkirche neu. Nach den Angaben der "Kunstdenkmäler Unterfrankens" haben folgende Kirchen die Bautätigkeit des Fürstbischofs erfahren: Im Bezirksamt Brückenau: Oberbach und Oberriedenberg. "Nur wenige Orte (dieses Bezirksamtes) gehörten zum Hochstift, daher fehlen die so zahlreichen charakteristischen Umbauten und Neubauten aus der Zeit des Fürstbischofs Julius beinahe ganz." Diese Bemerkung des Herausgebers (S. 75) zeigt, wie sehr die Fürsorge des großen Echters das Würzburgische Gebiet auf Jahrhunderte hinaus vor den angrenzenden Ländern kenntlich gemacht. Im Bezirksamt Ebern: Ebern, Gereuth, Mürsbach. Im Bezirsamt Gerolzhofen: Dingolshausen, Escherndorf, Fahr, Falkenstein, Frankenwindheim, Gernach, Gerolzhofen, Herlheim, Kolitzheim, Lülsfeld, Nordheim a.M., Oberschwarzach, Obervolkach, Pusselsheim, Reupelsdorf, Schallfeld, Sommerach, Stammheim, Traustadt, Unterspiesheim und Volkach. Im Bezirksamt Haßfurt: Buch, Eltmann, Haßfurt (Pfarrkirche und Ritterkapelle), Mechenried, Oberschleichach, Prappach und Steinsfeld. Im Bezirkesamt Hammelburg: Aura, Euerdorf, Fuchsstadt, Greßthal, Oberthulba, Ramsthal, Sulzthal, Wasserlosen, Westheim, Wirmsthal, Wittershausen. Im Bezirkesamt Hofheim: Gemeinfeld, Goßmannsdorf, Hofheim, Kerbfeld, Stadtlauringen, Wettringen. Im Bezirkesamt Karlstadt: Altbessingen, Binsfeld, Bühler, Erbshausen, Eussenheim, Hausen, Halsheim, Heugrumbach, Himmelstadt, Hundsbach, Kaisten, Karlstadt, Karlburg, Laudenbach, Müdesheim, Mühlbach, Mühlhausen, Obersfeld, Opferbaum, Retzstadt, Rieden, Rütschenhausen, Schwebenried, Schwemmelsbach, Wiesenfeld, Wülfershausen und Zellingen. Im Bezirkesamt Bad Kissingen: Albertshausen, Arnshausen, Aschach, Burglauer, Burkardroth, Bocklet, Kleinwenkheim, Klosterhausen, Bad Kissingen (Alte Pfarrkirche), Münnerstadt, Nüdlingen, Poppenroth, Rannungen, Rothausen, Steinach a.d. S., Wermerichshausen. Im Bezirkesamt Kitzingen: Dettelbach (Wallfahrtskirche), Dipbach, Gerlachhausen, Großlangheim, Mainsondheim, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Püssenheim, Stadtschwarzach, Sulzfeld. Im Bezirkesamt Königshofen: Alsleben, Aub, Aubstadt, Eyershausen, Großeibstadt, Großbardorf, Königshofen, Merkershausen, Saal, Sulzfeld, Wülfershausen. Im Bezirkesamt Lohr: die Wallfahrtskirche Maria Buchen, Neustadt a.M., Pflochsbach, Rothefels, Steinfeld, Waldzell. Im Bezirkesamt Marktheidenfeld: Ansbach, Birkenfeld, Erlenbach, Hafenlohr, Holzkirchen, Karbach, Lengfurt, Marktheidenfeld, Trennfeld. Im Bezirkesamt Ochsenfurt: Allersheim, Aub, Baldersheim, Bolzhausen, Bütthard, Burgerroth, Eßfeld, Frickenhausen, Gaukönigshofen, Höttingen, Kleinochsenfurt, Oellingen, Osthausen, Riedenheim, Rittershausen, Röttingen (Pfarrkirche, Spitalkirche, St. Georgskapelle), Sonderhofen, Stalldorf, Sulzdorf, Tauberrettersheim, Tückelhausen, Wolkshausen. Im Bezirkesamt Würzburg: Bergtheim, Burggrumbach, Erlabrunn, Estenfeld, Gädheim, Greußenheim, Güntersleben, Heidingsfeld, Hettstadt, Margetshöchheim, Moos, Oberleinach, Randersacker, Rimpar, Rottendorf, Thüngersheim, Unterleinach, Unterpleichfeld, Waldbüttelbrunn, Zell a.M. (Pfarrkirche und Klosterkirche in Unterzell). Aus den übrigen unterfränkischen Bezirksämtern, von welchen die Beschreibung der "Kunstdenkmäler" noch nicht erschienen ist, seien folgende Juliuskrichen erwähnt: Im Bezirkesamt Gemünden: Gemünden, Gössenheim, Hofstetten und Wernfeld. Im Bezirkesamt Mellrichstadt: Bastheim, Eussenhausen, Fladungen, Frickenhausen, Hendungen, Reyersbach und Unterwaldbehrungen. Im Bezirkesamt Neustadt a.d.S.: Bischofsheim v.d. Rhön, Burgwallbach, Ginolfs, Heustreu, Hollstadt, Oberelsbach, Schönau, Sondernau, Unterebersbach, Wegfurt und Weißbach. Im Bezirkesamt Schweinfurt: Brebersdorf, Ettleben, Grettstadt und Zeuzleben. Diese stattliche Reihe mag die Aufzählung einiger Juliuskirchen aus dem jetzt nicht mehr zu Unterfranken gehörenden Teile des ehemaligen Hochstiftes beschließen: Altmannshausen, Bergheid, Forberg, Hainstatt, Hardheim, Heckfeld, Hilders, Iphofen, Lauda, Marktbibart, Mergentheim (Gottesackerkirche), Oberlauda, Obergriesheim, Ripperg, Stupach und Wolfmannshausen. Noch künden des Julius Verdienste um die Kirchen und Pfarreien die zahlreichen und bei aller Aehnlichkeit so charakteristischen Inschriften an den Wänden. So sagt eine Inschrift an der Kirche von Burggrumbach: Bischof Julius vierzig Jahr regiert, Kauft dies Dorf und baut die Kirch, Auch Schul und Pfarrhaus gar von neue, Noch folgt mehr aus Vaters Treue, Er führt ein die Religoin, Die erkennt frei sein Unterton, Das alles nun zu Glück und Segen Der treue Fürst tuet Gott ergeben. Andere Inschriften wie die von Albertshausen schließen mit dem schönen, frommen Wunsch: Bischof Julius sein Unterton, Sucht einig zu Religion. Dacht, wie er schafft des Nutzen mehr, Baut diese Kirch zu Gottes Ehr, Auch zur Seelen Heil der treuen Herd, Dafür er nur den Dank begehrt, Daß, wie es wohl eingefangen sei, Also auch bleibt geschützt dabei. 32. Neues religiöses Leben. Nachdem der "Fränkische Ehrenpreis" v. J. 1604 das Lob der Juliuskirchen gesungen, fährt er fort: Aber noch mehr verwunderlich Sein diese Kirchen innerlich, Darinnen Gottes Lob erschallt Mit Opfern, Beten mannigfalt, Mit unabläßlicher Gottes Ehr, Mit katholischer und reiner Lehr, Bei deren uns der gütig Gott Allsamt beschütz bis in den Tod! Die Lehre Luthers hatte besonders die Anbetung des Hochwürdigsten Altarsakramentes, die Verehrung der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und der anderen Heiligen angefochten und es waren diese Andachten fast gänzlich erloschen. Mit apostlischem Eifer weckte Bischof Julius die alte fränkische Andacht wieder aus dem Dornröschenschlaf. 1. Um die Anbetung und Verehrung des allerheiligsten Altarsakramentes zu fördern, stellte er überall die Prozessionen an Fronleichnam wieder her; auch befahl er 1589 in der Kirchenordnung: "Wenn das hochwürdige Sakrament zu den Kranken getragen wird, soll es mit gebührenden Ceremonien geschehen; der Pfarrer sei bekleidet mit Chorrock und Stola, ihm gehen voran zwei kleine Junen mit brennenden Kerzen und ihren Kappen oder Chorröcken und der Kirchner mit einem Glöcklein und einer Laterne; da dann sonst noch jemand von den Nachbarn aus Andacht und Liebe mitgehen wollte, wäre es auch christlich und wohl getan, wie denn der Pfarrherr bei Gelegenheit die Leute dazu vermahnen soll." In seinen letzten Jahren gestaltete Julius den Versehgang noch feierlicher, indem er verordnete, daß fortan das hochwürdigste Gut zu den Kranken unter einem Baldachin oder, wie wir es insgemein nennen, unter einem Himmel soll getragen werden in Begleitung etlicher Schüler, die auf den Straßen dabei andächtige Gesänge singen mußten. Bei den feierlichen Sakramentsprozessionen sollten die beiden Bürgermeister den Priester führen und die 4 jüngsten Ratsmitglieder den Himmel tragen. 2. Seitdem der hl. Bonifatius auf dem Festungsberg zu Würzburg die erste Kirche der hl. Mutter Gottes geweiht und das Schloß der Frankenherzoge davon den Namen Marienburg führte, hatte das Frankenvolk eine innige Liebe zu Maria gefaßt. Es besuchte gern ihre Wallfahrtsorte; Würzburgs Bürger bauten vom Jahre 1377 ab ihr zu Ehren auf dem Marktplatz die herrliche Marienkapelle; viele Burderschaften förderten die Verehrung der allerseligsten Jungfrau. Alle diese Marienblüten erweckte Julius Echter nach dem Reif, der auf sie durch die Glaubensneuerung gefallen war, zu neuem Leben. Als am Gründonnerstag des Jahres 1600 ein Großfeuer beträchtliche Teile der Marienburg im Schutt und Asche gelegt, baute der Bischof diese seine Residenz viel herrlicher und stattlicher wieder auf; auf dem ersten Turm aber ließ er ein ehernes, reich vergoldetes Bild der Himmelskönigin anbringen, als wollte er damit sagen: "Du Herzoging von Franken bist, Das Herzogtum Dein eigen ist! Darum, o Mutter, deine Hand Halt über uns im Frankenland!" Vom Sitze des Fürsten aus sollte Maria ihre Gnadenstrahlen überall hinaussenden und Stadt und Land erleuchten und beschützen. Mit Freuden beförderte der fromme Bischof die Marianischen Kongregationen, welche die Väter der Gesellschaft Jesu auch in Würzburg zuerst unter den Studenten und dann unter den anderen Berufsständen einführten. Er selbst trat derselben als Mitglied bei. Er stellte ferner die alten Muttergottesbruderschaften wieder her, so die Marianische Bruderschaft in Aub und Retzbach; auch suchte er beim Volk einen neuen Eifer zu den Wallfahrten dadurch zu entzünden, daß er die Wallfahrtsorte mit prächtigen Kirchen schmückte, so Maria-Buchen und Dettelbach. Am Fest Maria Geburt 1613 wurde die Wallfahrtskirche zu Dettelbach mit großer Festlichkeit durch den Weihbischof Euchar Sang eingeweiht; Julius erhöhte die Feier durch seine persönliche Gegenwart und hielt nach geenditem Hochamte auf freiem Felde ein Mittagsmahl, wobei er nahe an 4000 Arme speisen ließ. Wenige Jahre vorher hatte der Weihbischof in einer dem Fürstbischof gewidmeten Schrift die Geschichte der Dettelbacher Wallfahrt und die daselbst auf Fürbitten der schmerzhaften Mutter dem Volke gespendeten Wohltaten geschildert. Hauptsächlich für seine Hofleute und die Beamten errichtete er in der Franziskanerkirche 1615 eine neue Bruderschaft unter dem Titel des verklärten Heilandes und bei den Augustinern führte er 1617 die St. Sebastians-Bruderschaft ein. 3. Zur Beförderung der Heiligenverehrung war der eifrige Bischof emsig bedacht, hl. Reliquien von überall her in Deutschland für seine Diözese zu gewinnen. Er hatte sich im Juni 1580 vom Papste eigens die Erlaubnis dazu ausgewirkt. Es ist dies so recht ein Beweis für die tiefe Frömmigkeit des Fürstbischofs. Er sagt im Dankschreiben an den Papst, er sei mit peinlicher Sorgfalt darauf bedacht, daß die Reliquien der Heiligen, welche durch der Zeiten Unbilden anderwärts immer mehr an Wertschätzung verloren hatten, an einem schicklichen Orte und mit der gebührenden Ehrfurcht untergebarcht und bewahrt würden. So erwarb er den Arm der hl. Cordula, einer Gefährtin der hl. Ursula und die Häupter von 6 anderen ihre Genossinnen. Gott vergönnte dem für seine und seiner Heiligen Ehre also eifernden Bischofe, ehe er ihn aus dem zeitlichen Leben abforderte, noch die Freude und das Glück, daß im Jahre 1615 die Gebeine des hl. Abtes Makarius im Würzburger Schottenkloster wieder aufgefunden wurden, deren Beisetzung Julius mit großer Feierlichkeit vornehmen ließ. 4. Im Jahre 1600 wurde im Rom das hl. Jubiläum gefeiert. Um keine Gelegenheit zu versäumen, die Andacht des Volkes zu fördern, erwirkte er vom Papst Clemens VIII. die Ermächtigung, daß der Jubiläumsablaß 1601 in der Stadt Würzburg und 1602 in der übrigen Diözese gewonnen werden konnte. In den verflossenen Glaubenskämpfen war die katholische Lehre vom Ablaß am meisten angefochten und bestritten worden. Um nun das Volk über die Gandenschätze der Ablässe besser zu unterrichten und zugleich auf das Jubiläum vorzubreiten, sandte Julius einen gedruckten "kurzen Bericht vom katholischen Jubel-Jahr und vollkommenen Ablaß, dem gemeinen Volk zu Nutz" in deutscher Sprache und einen anderen in lateinischer Sprache an alle Pfarreien. Die Feier des Jubiläums selbst ließ er an den Hauptorten der Diözese durch Aebte und andere Prälaten vornehmen. Auch bei anderen Gelegenheiten leitete Julius das Volk an in allen öffentlichen Nöten seine Zuflucht zu Gott zu nehmen und er leuchtete dabei allen durch sein eigenes frommes Beispiel voran. So erfahren wir aus den Kalendereinträgen eins Würzburger Tuchscherers, daß Julius am 28. Oktober 1607 wegen der Pest einen Bettag und eine Bittprozession in die Marienkapelle abhalten ließ. Julius kam eignes von seiner Sommerresidenz in Rimpar herein und wohnte der Prozession bei. Am 31. Oktober 1517 hatte einst Luther in Wittenberg seine Sätze an der Allerheiligenkirche angeschlagen und damit den ersten Schritt zur Glaubensspaltung getan. Der vorhin genannte Würzburger Bürger berichtet nun, was Julius jedes Jahr bei Widerkehr diese 31. Oktober tun ließ; er schreibt nämlich im Jahre 1608 in seinen Kalender: "Den 31. Oktober hat unser Vater, Fürst, Hirt und wachend Bischof gleichwie vorm Jahr wieder eine Prozession aus dem Domstift hinaus gen Haug gehalten, darinnen ward gebetet um Mehrung, Erhöhung und Zunehmung der katholischen Religion und Kirchen, um Einigkeit der christlichen Fürsten, um Ausreutung der Ketzerei." als Kaiser Rudolf II. gestorben war, ordnete Bischof Julius in der Universitätskirche ein 40stündiges Gebet um die glückliche Wahl eines neuen Kaisers an, "der in diesen gar stürmischen Zeiten das niedergebeugte Vaterland wieder aufrichten und die anderswo fast dem Sturze nahe katholische Religion stärken möge." Bei diesem Anlaß ging am 15. April 1612 eine Prozession mit dem hochwürdigsten Sakrament von der Universitätskirche in die Marienkapelle, von dort in den Dom und dann wieder zurück in die Universitätskirche; gegen 5000 Menschen beteiligten sich daran. So lebte die Frömmigkeit und der alte katholische Glaubensgeist unter des Julius Hirtensorge wieder im Frankenlande auf und während die Anzahl der Kommunikanten zur Osterzeit des Jahres 1581 in der Jesuitenkirche zu Würzburg nur 815 und in der ganzen Stadt nur 2067 betrug bei einer Einwohnerschaft von ungefähr 8000 Seelen, berichtet jender Tuchscherer zum 31. Dezember 1616 wenige Monate vor dem Tode des Fürstbischofs: "26309 Personen haben dies Jahr in der Jesuitenkirche kommuniziert." 33. Der Freund der Armen und Kranken. Es war allezeit das Merkmal großer und heiliger Bischöfe, daß sie nicht nur als mutige Glaubensstreiter die Kämpfe des Herrn schlugen, sondern auch mit dem Herzen eines Vaters die Not der Armen und Kranken, der Witwen und Waisen nach Möglichkeit stillten. Der hl. Basilius der Große, Erzbischof von Cäsarea, eine eherne Säule der Kirche im Kampfe gegen die arianische Irrlehre (gest. 379), schämte sich nicht zur Zeit einer Hungersnot auf dem Marktplatze mit der Küchenschürze bekleidet, die Suppe zu verteilen. Er gründete außerhalb von Cäsarea eine solch umfassende Wohltätigkeitsanstalt, daß sie das Staunen der ganzen Welt erregte und sich bald zu einer neuen Stadt entwickelte, welche Altcäsarea in Schatten stellte. In den Tagen eines Julius Echter war der hl. Karl Borromäus, Kardinalerzbischof von Mailand (gest. 1584), der unerschrockene Reformator von Klerus und Volk in seiner Erzdiözese; aber heldenmütig war auch seine Selbstaufopferung zur Zeit der Hungersnot und Pest in Mailand. Den letzten Heller gab er den Armen und die von allen scheu gemiedenen Pestkranken suchte er auf und pflegte sie mit eigener Hand. Die Pest veranlaßte ihn zur Stiftung eines allgemeinen Armenhause. Der Geist dieser bischöfe beseelte auch unseren edlen Julius. Er betrachtete die Sorge für die Armen als eine heilige bischöfliche Pflicht. Die Bischöfe sind die "von Gott und der Kirche bestellten Armenpfleger", sagte er im Stiftungsbriefe seines großen Würzburger Hospitals. Schon als Domdechant warf Julius sein prüfendes Auge auf den schlechten Zustand der Krankenhäuser in Würzburg und drang auf Abhilfe. Er ließ auch damals schon verlauten, wenn ihm das leerstehende Reuerinnenkloster im Sanderviertel überlassen werde, wolle er daraus mit seinem Privatvermögen eine Stiftung für die Armen machen. Als er dann den Stuhl des hl. Burkardus bestiegen, griff er sofort seinen alten Plan wieder auf. Allein die Verhandlungen mit dem Domkapitel wegen dieses Klosters zerschlugen sich; sie offenbarten aber so recht den weiten Abstand zwischen der edlen Denkweise des Bischofs und der des Kapitels; dieses meinte nämlich: "Ein Spital zu errichten und jedermann in dasselbe aufnehmen zu wollen, dazu möchte die halbe Stadt nicht groß genug sein. Ueberdies würde es ein seltsames Ansehen gewinnen, wenn das Kloster, worin vor Zeiten Adelspersonen gehalten worden, jetzo für alle gemeinen Bettler sollt gebraucht werden." Nun beschloß Julius Echter einen Neubau aufzuführen und wählte als Bauplatz den sogenannten Judengarten, ein großes, ehemals den Juden gehöriges Stück Land zwischen den Bächen Pleichach und Kürnach, das damals außerhalb der Stadt gelegen war. Bereits am 12. März 1576 legte der Fürstbischof den Grundstein. Aber noch während des Baues machte das Domkapitel Schwierigkeiten. Es gab dem Bischofe unter anderem zu bedenken, daß die stattlichen Spitalgebäude bei einer Belagerung der Stadt dem Feinde einen guten Stützpunkt bieten könnten. Auch schien ihm der Bau zu kostspielig und es verwahrte sich gegen weitere Aufwendungen dafür aus der fürstlichen Kammer. Der Fürstbischof ließ aber ungeachtet dieser Einwendungen rüstig weiterbauen, so daß bereits am 10. Juli 1580 die zu Ehren des Frankenapostels St. Kilian erbaute Hospitalkirche eingeweiht werden konnte. Der Brunnen unter des Bischofs Gemach im Spital spendete an diesem Tage statt Wassers roten und weißen Wein und alle durften davon nach Herzenslust trinken. Julius ersuchte den Papst Gregor XIII. um die Ermächtigung, die beträchtlichen Einkünfte des im Bauernkrieg zerstörten und seitdem verödeten Frauenklosters Heiligental (zwischen Seligenstadt und Schwanfeld gelegen) für das Hospital zu verwenden, dessen Bau er "auf seine Kosten und Rechnung" begonnen habe. Der Papst gab die gewünschte Vollmacht durch eine Breve v. 14. August 1577; jedoch sollte dem jeweiligen Bischofe von Würzburg die Verwaltung, Leitung und Behütung der ehemaligen Klostergüter vorbehalten bleiben. Außerdem vereinigte Julius mit der Spitalstiftung die Frühmeßpfründe zu Eckartshausen und wies ihr eine auf das Kloster Bildhausen lautende Schuldverschreibung von 5000 Gulden zu. So ist auch das Grundvermögen dieser großen Juliusstiftung katholisches Kirchengut Der Fürstbischof wollte nicht etwa nur ein Krankenhaus im modernen Sinne errichten für die Stadt Würzburg, sondern eine umfassende Wohltätigkeitsanstalt katholischen Charakters für das ganze Hochstift. Der vom 12. März 1579 datierte Stiftungsbrief ist ein ergreifendes Denkmal, wie warmherzig ein katholischer Fürstbischof alle Arten von Not in seinem Lande lindern wollte. Die Gedanken des Stiftungsbriefs sind so herrlich, daß wir ihn in seinen Grundzügen kennen lernen wollen. Julius sagt: Stift und Stadt sind zwar mit vielen herrlichen Gebäuden, Klöstern und Kirchen wohl versehen. Aber für das arme, abgearbeitete und unvermögliche Volk, auch für alte, kranke und verlassenen Leute ist weniger Fürsorge getroffen als es die letzte schlechte Zeit erfordert. Das ist besonders gegenwärtig beklagenswert, wo die christliche Liebe gegen den Nächsten und die von Gott uns hinterlassenen Armen fast bei jedermann erkaltet ist. Ist es doch vorgekommen, daß in den letztverflossenen teueren und schweren Jahren mehrmals gute arme Leute ratlos und hilflos geblieben und auf den Gassen tot aufgefunden worden sind, was uns wie jeden Christenmenschen zu besonderem Mitleid bewegen sollte. Drum hielten wir es nicht nur für ein den Untertanen sehr nützliches, sondern auch Gott dem Allmächtigen recht wohlgefälliges Werk, wenn wir für die armen, elenden Menschen in unserem Lande eine Wohnung herrichten; Christus unser Seligmacher selbst hat uns ja mit Lehre und Beispiel aufgetragen uns der armen Dürftigen anzunehmen, hat auch darob sehr trostreiche Verheißung gegeben. Darum haben wir mit Rat und Willen und Zutun des Domkapitels uns vorgenommen, Gott dem Allmächtigen zu Lob und Ehre und den armen Christen, unseren Mitbrüdern und Mitschwestern zum Trost und zur Erquickung allhier zwischen dem Pleichacher und Hauger Viertel auf einem Platz, wo Wasser und Luft halber gute Bequemlichkeit ist, ein Spital aufzurichten, für allerhand Sorten arme, kranker und unvermöglicher, auch schadhafter Leute, die Wund- und anderer Arznei bedürtig sind, desgleichen für verlassenen Waisen und dann für vorüberziehende Pilgrime und dürftige Personen. Das Spital wird mit Kirche, Mühle, Backhaus, Küchen, Kellereien, Stallungen, Brunnen, Gärten usw. versehen, so daß sich alles - Arme, Kranke, Pflege- und Wartepersonal, Vorsteher - zu einer vollkommenen Haushaltung zusammenfügt. Auch soll darin nicht bloß die äußerste Notdurft gestillt werden, sondern die Armen und Kranken sollen es im Juliuspsital gut und schön haben, damit die armen, elenden Menschen, welche zuvor in ihren Tagen bei hartem mühseligem Leben Kummer und Trübsal genugsam gelitten und überstanden haben, ihrer geziemenden Pflege und ihres bequemen und sauberen Gemaches halber desto mehr Freude empfinden und dadurch bewegt werden, Gott dafür zu danken und für uns und alle ihre Wohltäter zu bitten. Das Spital soll so viel Personen aus Stadt und Stift aufnehmen, als das Einkommen es verträgt; sie sollen so lange darin Unterhalt und Pflege haben, bis sie von ihrer Krankheit wiederum so weit geheilt und genesen sind, daß sie arbeiten und ihr Brot selbst gewinnen können. Die Waisenkinder sollen im Spital durch eine Mutter oder Zuchtmeisterin erzogen werden, bis sie zm Handwerk oder Diensteintritt, Studium oder Klosterberuf tauglich sind, keinesfalls aber sollen sie länger als 10 Jahre im Spital belassen werden. Niemand darf sich jedoch mit Gütern oder Geld in dies unser Spital einkaufen, damit nicht der Kranke durch den Gesunden ausgetrieben, der Dürfige durch den Vermögenden gehindert wird. Verwalter der Stiftung sollen sein ein Mitglied dees Domkapitels, ein Mitglied aus dem Klerus der Nebenstifte und einer aus dem Stadrat. Diese drei bestellen dann mit unserer und unserer Nachfolger Wissen und Bewilligung einen Spitalmeister oder Hausvater, ferner einen tauglichen Priester, der zuvörderst die göttlichen Aaemter in der Kirchen zu verrichten wisse und den armen Kranken mit Predigen, Reichung der hl. Sakramente beflissen sei und sonst heilsame gute Lehren vorzutragen und die Kranken in allen vorkommenden Nöten, vielen Seelen zum Gewinn, zu trösten geneigt sei, endlich einen Leib- und Wundarzt. Alle diese sollen besondere Liebe und Neigung zu armen Leuten tragen und sich deshalb den Sorgen und Mühen gerne unterziehen. Es folgen nun im Stiftungsbrief eingehende Weisungen über die monatliche und wöchentliche Kontrolle der Spitalpfleger, ferner die Angaben über die Ausstattung des Spitals mit Gütern und Einkünften. Zuletzt empfiehlt Julius diese seine Stiftung eindringlich seinen Nachfolgern und beschwört sie bei Gott und seiner uns Menschen zugewandten unaussprechlichen Liebe und Barmherzigkeit, diese seine Verodnung nicht allein mit bestem Fließe zu handhaben und aufrecht zu erhalten, sondern auch nach Vermögen zu mehren und zu bessern und ja an dieser seiner Stiftung nichts zu ändern oder umzukehren; falls sie aber etwas Anderes oder Neues anzurichten gewillt sein würden, so sollten sie das anderen und nicht dieses Ortes vornehmen. Das werde ihnen selbst zum Ruhme und den Armen zum Troste sein und vor Gott, der keine Guttat unbelohnt läßt und bei dem das Gebet der Armen viel vermag, für sie selbst wie auch für ihr Land Segen, Gedeihen und Wohlfahrt sowohl in zeitlicher als ewiger Hinsicht unzweifelhaft erwerben. Lasse man aber diese seine zum Troste der Armen Christi wohlgemeinte treuherzige Stiftung aus Unachtsamkeit verwahrlosen oder verwende man sie mit Vorsatz zu anderem Zwecke, so mögen diejenigen, welche aus ungebührlicher Einwilligung oder Nachsicht das angehen lassen oder in irgendeiner Weise dazu behilflich erscheinen, dessen wohl sicher sein, daß ihnen alle Strafen und Plagen, die denjenigen, so sich der Armen nicht annehmen und Gott in diesen seinen Gliedern verachten, angedroht sind, in dieser und jener Welt nicht ausbleiben werden. Er selbst aber werde sie am jüngsten Tage vor dem Richterstuhle als Veränderer seiner Stiftung und Schmälerer der Ehre Gottes und Hilfe der Armen, die er allein dabei gesucht, ernsthaft verklagen. Auch kurz vor seiner Abreise zum Reichstag nach Regensburg am 10. Mai 1596 empfahl Julius seine beiden Lieblinsstiftungen, Universität und Hospital, den Dekanen der 4 Fakultäten und den Dignitären des Domstiftes mit den Worten: Die Hochschule sei gleichsam sein einziger Sohn und das Juliusspital seine einzige Tochter; er empfehle sie ihnen und dem ganzen Domkapitel als sein Liebstes, sie sollten dieselben in ihren besonderen Schutz nehmen und all ihr Ansehen, ihre Liebe zur Kirche, zum Hochstift und zu den Wissenschaften aufbieten, um ihren guten Fortbestand zu sichern, wenn er sterbe. Leider hat man im Laufe der Zeiten trotz solcher Beschwörungen beide Stiftungen stark verändert und zwar auch in solchen Punkten, die dem Stifter besonders am Herzen lagen. So hat die Universität ihren katholischen Charakter verloren und auch das Juliusspital hat manchen wesentlichen Zug seiner ursprünglichen Verfassung eingebüßt. Was das Juliusspital nach dem Willen seines Stifters sein sollte, zeigt auch das ehemalige Portalbild des Hospitals, welches sich jetzt im Durchgang zum Spitalgarten befindet. In vollem bischöflichen Schmucke mit der Mitra aufr dem Haupte kniet Julius Echter da und betet für seine Stiftung. Im Vordergrunde beschäftigt sich der Spitalgeistliche und weiterhin der Arzt mit den Kranken; die Figuren der Pilger mit ihren Stäben und die Wickelkinder deuten an, daß das Juliusspital nicht nur Krankenhaus und Pfründneranstalt, sondern auch Fremdenhospiz und Waisenhaus sein soll. Ueber allen Personen aber thront Gott Vater; auf seinem Schoße ruht der gemarterte Leib des Gottmenschen; daneben schwebt der hl. Geist, der Gott der Liebe, in Gestalt einer Taube. Der himmlische Vater, der so sehr die Welt liebte, daß er seinen eingeborenen Sohn für sie dahingab, will durch dieses Bild der Barmhezigkeit auch in den Christenherzen für die Armen und Notleidenden auf Erden Mitleid und Erbarmen entzünden. Die Verlassenen und Kummerbeladenen aber sollen dort oben Trost und Hilfe suchen. Ein Engel spricht zum betenden Bischof die Psalmworte, welche auf dem das Bild umschließenden Spruchbande geschrieben stehen: "Dir ist anvertraut der Arme (Ps. 9, 35). Bischof Julius antwortet dem Engel: "Auf das Gebet der Armen setze ich meine Hoffnung." Ueber diesem Portalbild war einst die Inschrift zu lesen: Das Julier Spital genannt, Zu Nutz gebaut dem Frankenland, Nimmt auf die arme Bürgerschaft, Kinder, Kranke und was schadhaft, Auch sonst dürftig fremde Gäst, Wer hernach kommt, tue auch das Best. Julius wollte auch durch diese "steinerne Stiftungsurkunde" sagen, daß seine Wohltätigkeitsanstalt ganz vom kirchlich-katholischen Geist durchlebt und durchwaltet sein soll, wie sie aus ihm heraus geboren ist. In diesem Sinne ordnete er auch selbst das ganze Hauswesen durch eine ganze Reihe von Ordnungen und Instruktionen für die einzelnen Beamten und Angestellten des Hospitals sowie für die darin wohnenen Armen, Kranken und Waisenkinder. Nicht nur der Lieb soll im Hospital seine Pflege finden, sondern ebenso die Seele. Darum findet sich neben derm arzt auch der Priester im Spital. Die Obliegenheiten des Spitalgeistlichen ordnete Julius näher in der "Gottesdienstordnung für die St. Kiliankirche des Juliuspsitals." Das Original dieser Urkunde, die sich befindet im Archiv der Juliuspitalpfarrei, trägt zwar kein Datum, ist aber sicher vor dem Jahre 1589 abgefaßt; denn in der Bestallung des zweiten geistlichen Spitalmeisters Seb. Banz, datiert vom 14. September 1589, wird diesem von Julius aufgetragen, seinen kirchlichen Dienst zu verrichten "nach Ausweis unserer Fundation und uffgerichter Kirchenordnung." Die 23 Kapitel dieser Krichenordnung atmen echten Juliusgeist. Der erst geistliche des Spitals, der Kiliansbenefiziat, soll für immer zugleich "Spitalmeister" sein. Inbezug auf das Hauswesen hat er nach Kap. 3 folgende Pflichten: 1. An allen Tagen soll er mindestens einmal die Zimmer durchwandern, damit sie ebenso wie die Betten möglichst rein gehalten werden und frei von allem Schmutz. 2. Er sehe nach, daß die Speisen nach der vorgeschriebenen Ordnung, und reinlich gekocht den Kranken vorgesetzt werden; sollten aber manche wegen schwerer Krankheit die gewöhnliche Kost nicht essen können, dann sollen sie auf ärztliche Vorschrift, eine bessere empfangen; dafür möge er emsig sorgen. 3. Da zugleich mit dem Leibe auch die Seele erquickt werden soll, so werde zur Zeit des Mittag- und Abendessens etwas Erbauliches aus einem frommen Buch von einem Knaben oder Mädchen den Speisenden vorgelesen. 4. Er soll oft alle, besonders die gefährlich Kranken besuchen, sie, so oft als nötig, mit dem notwenigen Trost erquicken. Wenn aber über kurz oder lang so viele zu gleicher Zeit erkranken sollten, daß er die eingehende Seelsorge für alle nicht leisten kann, dann nehme er die Mühe und Tätigket seiner Mitarbeiter und Kapläne in Anspruch, damit keiner in der Angelegenheit des Heils auf leichtsinnige Weise vernachlässigt werde. 5. Er soll sorgen, daß alle, auch des Spitals männliches und weibliches Dienstpersonal, an allen Tagen, so weit es möglich ist, der Messe beiwohnen und falls sie nicht krankheitshalber verhindert sind, in die Kirche zu gehen, soll er die Säumigen mit Entziehung von Speise oder Trank bestrafen und sie schließlich, wenn sie nicht gehorchen wollen, vom Hause entfernen; er soll auch fleißig darauf achten, daß nicht manche die vorgeschriebenen Gebeten, nämlich drei Rosenkränze unterlassen, welche für den Stifter, die Wohltäter, das Heil und Wachstum der Kirche und endlich für das Heil und die Wohlfahrt der im Spitale Weilenden täglich gebetet werden müssen. 6. Er soll nach Kräften dafür sorgen, daß alle Sünden, besonders die Fleischessünden und schweren Sünden, an einem so heiligen Platze, in einem Haus für die Armen und wirklich Dürftigen gemieden werden; deswegen schärfe er den darin Weilenden beständig ein, es sei ein Ort der Not und nicht der Lust, ein Ort der Tugend und nicht der Laster, ein Ort des Gebetes und nicht der Lästerung; es würden daselbst geduldet zwar Kranke am Leibe, aber nicht Kranke an der Seele; wolle sich daher jemand da nähren und wärmen, so enthalte er sich aufs sorgfältigste von Lastern. Des Julius Geist erkennt man auch aus der Vorschrift (Kap. 4 und 5): Am Montag werde in der Spitalkirche zelebriert für den Frieden der Kirche, die Eintracht der Fürsten und die Ausrottung der Irrlehren; am Mittwoch für die Bedürfnisse der Würzburger Diözese und die Ausbreitung der katholischen Religion in derselben; am Donnerstag für die Bedrängten und Betrübten, für den Papst und den Kaiser, für die Kirchenfürsten und den Würzburger Klerus; am Freitag für die im Spital Verstorbenen, besonders diejenigen, welche in der betreffenden Woche gestorben sind. In der "Ordnung für die Armen und Pfründner" ist unter anderem gesagt, daß der Arzt die Kranken zweimal des Tages zu besuchen hat. Durch einen feierlichen Eid mußten sich alle ins Spital Aufgenommenen - sei es zur Kur oder dauernd - zur Einhaltung dieser Ordnung verfplichten; sie mußten auch versprechen "Ich soll und will... zuvörderst früh und abends den Gottesdienst in der Kirchen, soviel leibshalben möglich, mit Fleiß und mit Andacht besuchen, zwei Rosarien... mit eifriger Andacht beten, würde es auch während des Gottesdienstes nicht geschehen können, soll es von mir außer der Kirche völlig alles Fließes verrichtet werden. Mich auch sonderlich zu den vier hohen Festen des Jahres mit Beicht und Genießung des hochwürdigen Sakramentes christlich gehorsam erzeigen. Oder da ich sonsten meines Leibs Gebrechlichkeit halb, solches nötig zu sein vermerken, mich zeitlich darum bei dem Priester anmelden..., so wahr mir Gott hilft und seine lieben Heiligen." Betreffs derer, welche aber diesen Sakramentenempfang verweigern, befiehlt Julius, daß sie "als ungehorsame Christen und Verächter der Kirchen im Spital nit sollen verduldet werden." Sonnenklar zeigen solche Anordnungen, daß Julius sein Spital als rein katholische Anstalt gestiftet hat.(Fußnote: Siehe darüber die Schrift: Die Zukunft der Juliuspital-Stiftung. Herausgeg. v. J.Thaler, 1908.) Noch zu Lebzeiten des Fürstbischofs gliederte sich an das Kinderhaus eine Studentenpflege an; für beide gab der Stifter ebenfalls Ordnungen.(Fußnote: R.Stölzle, Erziehungs- und Unterrichtsanstalten im Juliusspital zu Würzburg von 1580-1803, München 1914.) Als Spitalarzt bestellte Julius i.J. 1581 seinen eigenen Leibarzt Dr. Wilhelm Upilio; sein Nachfolger wurde 1894 Dr. Johann Stengel, Professor der Medizin an der Universität. Aus der Bestallungsurkunde des letzteren kann man ein Recht der Universität auf Benützung des Juliusspitals als Unterrichtsanstalt nicht ableiten. Vielmehr "standen die beiden großen Stiftungen des Fürstbischofs Julius", wie 1884 Professor Dr. Gerhard in seiner Rektoratsrede ausführte, "ursprünglich unverbunden nebeneinander, später teils durch Personen, die an beiden wirkten, teils durch einige gemeinsam benützte Anstalten, so den botanischen Garten, lose verknüpft." Julius weilte gerne in seinem Spitale und hatte sich daselbst einige Zimmer vorbehalten; auch Festlichkeiten wurden zuweilen darin abgehalten. Er wachte streng über den Vollzug seiner Anordnungen, ließ sich von der Verwaltung unvermutet Rechenschaft ablegen, besuchte selbst die Kranken, sprach ihnen Trost zu und untersuchte, ob ihnen an Kost und Pflege nichts fehle. Die Spitalstiftung ist die Krone und Perle unter den Werken des Julius. Die aus seinen Tagen und seiner Umgebung stammende Lebensbeschreibung darf mit Stolz sagen: "Es ist ein herrliches Gebäu und Stiftung, dergleichen ein Spital, in Deutschlandnicht ist: denn es ist also zugerichtet und dotiert, daß neben Verrichtung täglichen Gottesdienstes an 200 arme preßhafte Personen (Fußnote: Heute beherbergt das Juliusspital gegen 700 Personen.), alle um Gottes willen, wie sie auch anders nicht aufgenommen werden, alle notwendige Leibspflege und Unterhaltung haben. Es kommt auch niemand hohen Standes oder von entlegenen Orten hierher, er begehrt solches Spital, und wie es eingerichtet, als in dieser Lands-Art zuvor ein unerhörtes zu besichtigen." (Fußnote: Gropp III, 316.) Der edle Vater der Armen aber war mit der Stiftung des Juliushospitals noch nicht zufrieden; er dehnte seine Fürsorge auf alle Armen- und Krankenanstalten, Hospitäler und Pfründestiftungen des ganzen Hochstiftes aus, untersuchte allenthalben den Stand der Stiftungen, ließ, was durch Unredlichkeit der Stiftungspfleger oder Unglücksfälle verloren gegangen war, nach Möglichkeit wieder vergüten, erneuerte die Spitalgebäude und gab verbesserte Spitalordnungen, die vielfach mit denen des Juliusspitals in Würzburg wörtlich übereinstimmten; es ist fast keine Stadt in Franken, die nicht Zeuge dieser Sorge des Bischofs für die leidende Menschheit gewesen wäre. Er stellte wieder her oder gründete neu die Spitäler zu Arnstein, Dettelbach, Ebern, Gerolzhofen, Haßfurt, Heidingsfeld, Iphofen, Karlstadt, Königshofen, Mellrichstadt, Münnerstadt, Neustadt, Röttingen und Volkach. Die Spitalordnung des zuletzt genannten Ortes unterzeichnete Julius i.J 1607 eigenhändig mit den Worten: "Niemand ist meines Wissens eines schlimmen Todes gestorben, welcher gerne die Werke der Nächstenliebe geübt hat; denn ein solcher hat viele Fürsprecher, und es ist umnöglich, daß die Bitten vieler nicht erhört werden." 34. Der Landesvater. Julius Echter war nicht nur der längst regierende, sondern auch der größte Fürstbischof, der den Stuhl des hl. Burkard geziert hat. Er rettete den vom hl. Kilian eingepflanzten Gluaben vor dem Untergange und obgleich er bei seinem Regierungsantritt geradezu trostlose und verzweifelte Zustände angetoffen, hinterließ er bei seinem Tode so geordnete kirchliche Verhältnisse und ein solch tiefes und freudiges Glaubensleben, daß selbst der bald darauf folgende Schwedeneinfall und die protestantische Zwischenregierung des Herzogs Bernhard von Weimar (1632-35) den Abfall des Landes trotz aller Anstrengungen nicht mehr herbeiführen konnten. Julius Echter war aber nicht nur Bischof, sondern auch Landesfürst; er beginnt den Stiftungsbrief des Julius-Spitals mit den Worten: "Der allmächtige, gütige Gott hat uns nach seinem göttlichen Willen, unserthalb allerdings genugsam unwürdig, zum bischöflichen Stande berufen und dahin geordnet und gesetzt, daß wir neben solchem unserem bischöflichen Amte allhier auf dieser vergänglichen Welt auch Land und Leute regieren und denselben vorstehen sollen." So groß nun Julius als Bischof war, so musterhaft war auch seine Landesverwaltung. Hatte man seinem Vorgänger nachgeredet, er sei wohl ein guter Bischof, aber ein schlechter Regent, so konnte man von Julius das nicht sagen. Sein ganzes Sinnen und Trachten war auf die wirtschaftliche und soziale Hebung des Hochstiftes gerichtet. Er hatte das Land in trauriger Verfassung übernommen, verarmt und verschuldet. Aber Julius Echter war ein Meister in der Kunst der Verwaltung. Ein neuerer Geschichtsschreiber sagt: "Wie 100 Jahre früher Bischof Rudolf von Scherenberg, so hat auch Julius Echter das verschuldete Hochstift wieder gerettet und zu einer vorher nie erreichten Blüte und Leistungsfähigkeit emporgehoben. Dies erhellt schon daraus, daß er 400000 Gulden für erkaufte oder eingelöste Güter verausgabte und noch dazu etwa 343000 Gulden für Bauten zu geistlichen und weltlichen Zwecken aufwenden konnte. Und das alles erreichte Julius Echter weniger durch übermäßige Belastung seiner Untertanen als durch weise Sparsamkeit.(Fußnote: Hefele, Der Würzburger Bischof Julius Echter v.M. und die Liga, 1912, S. 4.) Die Augen des ganzen Reiches richteten sich verwundert nach Würzburg. Der Würzburger Reichtum ward sprichwörtlich. Am 27. Februar 1610 äußerten sich die Räte des Herzogs von Bayern: "Würzburg ist gar reich, nichts schuldig, sondern viel ausgeliehen Geld." Als Julius zur Regierung kam, ward großer Mangel befunden an guten und verständigen Beamten und Räten. Was die höchsten Landesämter anlangt, so war das Hofmeisteramt unbesetzt; ds Marschallamt hatte zwar Gerhard v. Löschwitz inne, noch ein junger Mann und des verstorbenen Bischofs naher Verwnadter; er trat aber bald in fremde Dienste. Kanzler war damals Balthasar v. Hellu, sonst ein arbeitsamer Mann, aber mit allerhand Nebenarbeiten überladen und dabei von schwächlicher Gesundheit, die auch seinen baldigen Tod herbeiführte. Da aber die höchsten Stellen der Landesverwaltung unbesetzt waren oder von deren Inhabern lässig gehandhabt wruden, so nahm auch der schuldige Diensteifer, Fließ und die Treue der unteren Beamtenklassen ab. Julius hatte darum für den Anfang wenig Hilfe und desto mehr Sorgen und Verdrießlichkeiten. Amtsleute und Beamte waren zudem an pünktliches Gehorchen nicht gewohnt. Daher erließ er sogleich im Anfang seiner Regierung eine Kanzleiordnung, die so berühmt wurde, daß sie alle Fürstenhöfe zum Muster nahmen und nachahmten. So begann Julius überall die brauchbaren und verfügbaren Kräfte zu sammeln und zu ergänzen, die öffentlichen Einrichtungen in umfasssender Weise zu verbessern und neu zu gestalten und die Fäden der Regierung in seiner starken Hand zu vereinigen. Halten wir eine Umschau über die verschiedenen Zweige seiner Landesverwaltung!. 1. Finanz- und Steuerwesen. Sogleich im Anfange des Jahres 1574 setzte Julius die Landessteuern herab und schuf dadurch dem geringen Mann nicht geringe Erleichterung. Die von den Reichstagen bewilligten Türkensteuern konnte er zwar seinen Untertanen nicht erlassen, aber er suchte sie möglichst wenig drückend zu gestalten. Diese Steuer hoben bisher eigenen Einnehmer ein; da Julius den Verdacht hegte, daß sie nicht ganz redlich dabei verführen, schaffte er diese mehr privaten Steuerämter ab und ließ die Steuern fortan direkt durch seine fürstlichen Beamten erheben, die der fürstlichen Kammer darüber genaue Rechnung stellen mußen. Der Fürstbischof hielt eine Reihe von Landtagen ab, so in den Jahren 1577, 1583, 1594, 1598, 1603 und 1610, um mit den Abgeordneten der Städte und Geistlichkeit über die Bewilligung neuer Steuern und deren gerechte Verteilung zu beraten. Wie Julius selber, schlicht und sparsam erzogen, auch als Fürst und Bischof einen einfachen Haushalt führte, so drang er auch in der Landesverwaltung auf größte Genauigkeit in Geldsachen und sah den Beamten scharf auf die Finger. Dies brachte ihn sogar in den Ruf des Geizes. Auch besaß er ein staunenswertes Geschick, neue finanzielle Hilfsquellen zu erschließen. Daher brachte er das Hochstift bald aus seiner Verschuldung heraus. 2. Das Gerichtswesen. Im Frankenland gab es die Zent- oder Gaugerichte für Zivil- und Strafsachen mit einem Zentgrafen an der Spitze und einer Anzahl von Schöffen; in Würzburg bestand das Stadt- und Brückengericht; das höchste Gericht im Hochstift aber war das Landgericht des Herzogstums Franken. Die Geistlichkeit hatte ihr eigenes Gericht. Die Rechtspflege an diesen Gerichten war in den unruhigen Zeiten, die der Regierung des Fürstbischofs vorausgegangen waren, in Verfall geraten. Julius brachte nun schon von seinen juristischen Studien her der Rechtspflege das größte Interesse und Verständnis entgegen. Er ordnete in umfassender Weise das Gerichtswesen im Herzogtum, indem er Fragebogen an die Zentgerichte über die Rechtsgepflogenheiten der einzlenen Bezirke hinausgab. Von überall her sandten darauf Zentgrafen und Schöffen Beantwortungen ein. Auf Grund dieser uralten Gepflogenheiten wurde nun ein einheitliches Recht geschaffen und darnach die einzelnen Zentgerichtsordnungen gestaltet. Im Jahre 1582 ließ der Fürstbischof die auf dieselbe Weise zustande gekommene Landgerichtsordnung durch Kaiser Rudolf II. genehmigen, sie wurde jedoch erst durch seinen Nachfolger Johann Gottfried u.J. 1618 veröffentlicht. So hat sich Julius Echter auch in der Rechtspflege ein unvergängliches Denkmal gesetzt; denn heute noch gilt seine Landgerichtsordnung in den Gebietsteilen des ehemaligen Hochstiftes für alle bürgerlichen Rechtsverhältnisse, welche vor dem Jahre 1900 begründet sind. Seitdem wurde das Julianische Recht durch das Bürgerliche Gesetzbuch des Deutschen Reiches abgelöst. In einem Punkte aber erlag auch der erleuchtete Julius den Vorurteilen seiner Zeit; wir meinen die Hexenprozesse. Unter seiner Regierung wurden, wie auch sonst überall in deutschen Landen die bedauernswerten Opfer des Hexenwahnes zum Tode verurteilt und größtenteils verbrannt, andere erhängt oder mit dem Schwerte hingerichtet. Zum 11. Juni 1617 schreibt der Würzburger Tuchscherer Jakob Röder in seinen Kalender: Auf der Kanzlei im Dom wurde verkündigt, daß innerhalb eines Jahres im Bistum Würzburg über 300 Hexen und Zauberinnen verbrannt wurden. 4. Polizeiwesen. Der Fürstbischof stellte gleich im ersten Monate seiner Regierung an seinem Hofe die Anordnungen ab durch eine neue strenge Hofordnung. Für das Land erließ er später eine große Anzahl von Stadt- und Dorfordnungen. Nichts entgeht darin der Aufmerksamkeit des Landesfürsten; er sorgt bis ins Kleinste; man findet es bei einem Fürstbischof begreiflich, daß in diesen Dorfordnungen auch auf religiös-sittliche Verhältnisse großes Gewicht gelegt wird. Hängt ja doch von der Religion der gesunde Zustand von Familie und Staat ab. Heben wir als Beispiel einer solchen weisen Gesetzgebung einzelne Punkte aus der 1596 für Randersacker erflossenen Dorfordnung hervor: Die Familienglieder müssen an Sonn- und Feiertagen Predig und hl. Messe besuchen; während des Gottesdienstes sind Wirtshäuser und alle Läden zu schließen. Fluchen, unnützes Schwören und alle Gotteslästerung ist bei Strafe verboten. Um der Trunksucht entgegenzuarbeiten, wird den Wirten und Weinschenken untersagt, Abends nach dem Geläute der Weinglocke (des Sommers um 9 Uhr, des Winters um 8 Uhr) Gäste aus dem Orte bei sich zu behalten. Bei Hochzeiten und Kindtaufen ist aller übermäßiger Aufwand verboten; bei Strafe von 10 Gulden soll niemand über vier Tische voll Gäste laden oder die Hochzeit über 2 Tage hinaus ausdehnen; auch dürfen nicht mehr als 3 oder 4 Gerichte aufgesetzt werden. Häuser, Höfe und andere Güter dürfen ohne erhebliche Ursache, welche die Obrigkeit zu prüfen hat, nie in mehr als zwei Teile zerschlagen oder abgeteilt werden. Wenn ein Erbteil in Randersacker einem Ausländer zufällt und dieser es nicht bewirtschaten will, so kann er es nur einem Einwohner verkaufen und hat vom Kaufschilling dem Hochstift als Nachsteuer zwei Gulden vom Hundert zu entrichten. Gewichte und Maße müssen wenigstens viermal jährlich durch das Gericht im Beisein des Schultheißen besichtigt werden. Macht ein Bäcker das Brot kleiner als der jährliche Satz es verordnet, so wird ihm das Brot abgenommen und an die armen Leute ausgeteilt. Dazu wird der Bäcker noch mit 10 Gulden gestraft. Alle Dorfobrigkeiten, Gemeindebediensteten und alle Bürger müssen ihre Pflichten eidlich beschwören. Für das gesamte HOchstift erließ Julius eine Polizeiordnung, eine Wald-, Almosen-, Steinsetz-, Weg-, Pflaster-, Bäcker-, Müller- u. Gastwirtordnung. 1579 erschien ein Verbot des nächtlichen Gassenschwärmens und übermäßigen Zechens in den Wirtshäusern, sowie im gleichen Jahr ein Gesetz über die Heiligung der Sonn- und Feiertage; 1586 die Verordnung über die Wiederzusammenziehung der zerstückelten und zertrümmerten Lehensgüter und über ihre Verpfändung. Auch gab Julius im Jahre 1587 für das Hochstift bestimmte Vorschriften über Feuersgefahr; eine Feuerwehrordnung hatte vor Julius im Hochstift überhaupt nicht existiert. Desgleichen traf er zweckmäßige Maßnahmen, um Teuerungen zu begegnen; er erbot sich in allem aus der fürstlichen Kammer und den Amtsgefällen zu helfen. Er traf Fürsorge, daß bei den Vormundschaften den Pflegekindern gut vorgestanden und unnötige Unkosten verhütet wurden. 1602 erschien eine Verordnung über Bestrafung des Fluchens, Schwörens und der Gotteslästerung, 1615 zwei Verodnungen über das Gerberhandwerk und den Aufkauf von Häuten und den Verkauf von Leder. Im Jahre 1559 hatte des Julius Vorgänger vom Kaiser Ferdinand die Verordnung erwirkt, daß sämtliche Juden innerhalb eines Jahre oder längstens anderthalben Jahres aus dem Hochstift geschafft werden sollten, um die Untertanen vor wucherischer Ausbeutung zu schützen. Die Frist wurde wiederholt verlängert und die Juden fanden vielfach Beschützer bei verchuldeten Adeligen, die ihrer Geldhilfe bedurften. Julius führte nun das Gesetz seines Vorgängers unwiderruflich durch. Die Juden mußten das Hochstift verlassen. Am 3. November 1574 erließ er an alle Amtleute des Stiftes den Befehl: "Weil die Juden von armen Leuten viele jährliche Zielfristen um eine geringe bare Summe an sich gebracht haben, ferner weil dieselben von den Untertanen einen wucherlichen Zins nehmen, nämlich 1, 2 oder 3 Heller wöchentlich von einem Gulden, auch auf Wein, Getreide und andere Dinge Geld borgen, endlich weil die Juden mit Pferden, Ochsen, Kühen und anderem Vieh handeln und schachern, so sollen die Amtleute solche von den Juden erkaufte Zielfristen selbst einnehmen und unter einer besonderen Rubrik dem Fürsten in Rechnung bringen; ferner sollen sie alle jene Judenschulden, welche zu hohen Zins entrichten, auch einziehen und den Juden nicht aushändigen, dagegen aber die Judenschulden, welche von verkauftem Vieh herrühren, obwohl sie nach älteren kaiserlichen Verordnungen auch an den Fürsten verfallen wären, dennoch ihnen gnädigst auszahlen." Es ist diese Verodnung zugleich ein Beispiel dafür, wie Julius das Geld gewann, um das verschuldete Hochstift vor dem Untergang zu retten. Daß er obige Summe für die fürstliche Kammer einheben ließ, geschah nach der für alle Untertanen des Hochstiftes geltenden Verordnung über wucherliches Geldausleihen auf Getriede und Wein vom 12. Juli 1574. Darnach hatten die Amtleute im Einvernehmen mit Sachverständigen aus dem Bauernstande alljährlich den Preis für Getreide und Wein festzusetzen und im Amt bekannt zu machen. Wenn nun jemand den Herbstertrag hergeliehen hatte, durfte er im Herbst den Preis nicht über dem Anschlag festsetzen. Dem Käufer oder Geldausleiher, der anders handelte, wurde zur Strafe die ganze Hauptsumme für die fürstliche Kammer eingezogen. Rühmend hervorzuheben sind auch die gesundheitspolizeilichen Vorschriften, welche Julius in den verschiedenen Verordnungen gibt. Besonders dringt er überall auf peinlichste Reinlichkeit und Sauberkeit. So bedingt er, um nur ein Beispiel herauszugreifen, mit den Jesuiten in dem Vertrage über die Seminarleitung aus, daß die Betten der Alumnen alle Wochen mit frischen Linnen versehen werden müssen. Zur Zeit der Pest traf der Fürst strenge Absperrungsmaßnahmen. 4. Landesverteidigung. Das Frankenland hatte in jenen Zeiten kein stehendes Heer, sondern nur eine Landwehr, die unserer Feuerwehr vergleichbar von Zeit und Zeit übte und gemustert wurde. Als im Jahre 1587 dem Hochstift wegen des Religionswerkes Krieg drohte, gab ihr Julius eine neue Ordnung und ließ allenthalben im Stift zur Wehr mustern. Ihre Waffen hatte sonst die Landwehr selber anzuschaffen. Diejenigen aber, welche nicht dmait versehen waren, rüstete er selber mit Waffen aus. Die Stammrollen wurden auf der fürstlichen Kanzlei hinterlegt. Die Würzburger Bürgerschaft ordnete er in vier Fähnlein und gab ihr 1617 neue Uniform und Bewaffnung. Im Jahre 1610 stieg durch die Einquartierungen des Markgrafen von Ansbach die Kriegsgefahr für das Hochstift aufs Höchste. Da betrieb der Fürst auch die Rüstungen und Ausbildung seiner Landwehr noch eifriger. Im März bereits fand in den Häusern eine heimliche Musterung statt; im September wurden 40000 Musketiere unter den fürstlichen Untertanen gezählt. In demselben Jahre 1610 verlangte der Bischof vom Landtag die Mittel, das Schloß Marienberg und eine andere Stadt des Landes, namentlich Königshofen im Grabfeld, zu befestigen. Allein der Landtag bewilligte trotz aller Vorstellungen des Fürstbischofs die Mittel nicht. Wenige Jahre später sollte sich diese kurzsichtige Politik der Abgeordneten bitter rächen; denn im Schwedenkrieg fiel Königshofen im ersten Ansturm und bald auch die Festung Marienberg und alle dahin geflüchteten Schätze wurden eine Beute der Schweden. Für das Reich hatte das Hochstift zur Zeit des Fürstbischofes aufzukommen für 45 Reiter und 208 Mann Fußvolk. Als Mitglied des Landsberger Bundes und später der Liga hatte sich Julius im Interesse der Landesverteigigung zu jährlichen größeren Beiträgen für das Bundesheer verpflichtet; er tat alles, um seinem geliebten Hochstift den Frieden zu erhalten. 5. Bauwesen. In den unruhigen Jahren vor Julius Echter waren des Stiftes Amtshäuser, Kellereien und andere Gebäude fast allenthalben im Lande in Unwesen geraten, vorab die welche von den Vorgängern des Fürstbischofs durch Verpfändung in andere Hände gegeben worden waren; denn ihre Besitzer hatten nur auf den Eigenutz gesehen und das Eigentum des Stiftes vernachlässigt. Sobald das Hochstift sich einigermaßen von seiner Verschuldung erholt hatte, setzte eine große Bautätigkeit ein und es wurden außer hunderten von Kirchen, Pfarrhäusern und Schulen viele Amtsgebäude, Rathäuser, Spitäler, Siechenhäuser, Zehntscheunen, Festungsanlagen usw. aufgeführt. In Würzburg war anderthalb Jahre vor dem Regierungsantritt des Fürstbischofs Julius die Residenz auf dem Marienberg abgebrannt. Fürstbischof Friedrich hatte sie zwar im Rohbau wieder hergestellt, jedoch Julius schuf erst die prächtige innere Einrichtung. In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag 1600 brach auf dem Schloß in unaufgeklärter Weise ein neuer gewaltiger Brand aus, der einen großen Teil desselben in Asche legte. Binnen drei Jahren baute Julius das Zerstörte schöner und zierlicher als zuvor wieder auf; auch ließ er für den Besuch von Fürstlichkeiten und hohen Gästen prachtvolle Säle und Prunkgemächer darin herstellen; er selbst aber wählte einen ganz bescheidenen Teil des Schlosses zu seiner Wohnung. Auf Königshofen i. Grabfeld verwandte der Fürstbischof für weltliche Bauten die bedeutende Summe von 91021 Gulden und für die Stadt Gerolzhofen eine solche von 6392 Gulden. Eine Inschrift am Amtshaus zu Gerolzhofen aus dem Jahre 1614 sagt: Euer Werk in Handen Gott vollführt, Als Bischof Julius da regiert, Erstattet die Religion, In Fried erhält die Unterton, Führt beides wohl, den Stab und das Schwert, Wahrt als ein Hirt ob seiner Herd, Baut Spital, Schuel, Kirche, Kloster, Schloß, Wie auch dies Amthaus nit ohn' Lost. So bewahrheitete sich bei Julius Echter das alte Sprichwort: Unter dem Krummstab ist gut wohnen. Selbst jener Schmalkaldener Prediger Utzinger gab in seinen Kampfschriften gegen den Würzburger Bischof zu: "Ich weiß es sehr wohl, muß es bekennen, hab es auch oftmals aus der Erfahrung rühmen hören, daß die papistische Obrigkeit meistenteils über ihre Untertanen gnädiger und sanftmütiger herrschen als eben viel andere." Die größte Anerkennung aber spendete der Landesregierung eines Julius der schon öfter genannte Würzburger Bürgersmann Jakob Röder, da er am Todestag dieses Bischofs in seinen Kalender schrieb: "Gott geb uns Gnad und geb uns Franken wieder einen solchen Vater und Haushalter!" 35. Julius Echter als Reichsfürst. Der religiöse Zwist hatte die deutschen Reichsstände in zwei große feindliche Lager gespalten; der Augsburger Religionsfrieden vom Jahre 1555 konnte die Kluft nicht überbrücken, sondern barg den Keim neuen Haders in sich. Die katholischen Stände nämlich erkannten die Ferdinandsche Nebendeklaration, welche den geistlichen Fürsten das Reformationrecht in ihren Gebieten enzog, nicht an; die protestantischen Fürsten aber bekämpften den sogenannten "geistlichen Vorbehalt"; das ist jene Bestimmung des Religionsfriedens, wonach ein geistlicher Fürst, wenn er zum Protestantismus abfällt, seines Fürstentum verlustig geht. Hitzig waren die Kämpfe, welche auf den Reichstagen wegen der Deklaration und des geistlichen Vorbehaltes geführt wurden. Julius Echter verfocht mit aller Klugheit und Energie die Interessen der Katholiken. Das Oberhaupt der Kirche wandte sich daher wiederholt an Julius, damit er auf den Reichstagen sein großes Ansehen bei den Reichsfürsten zum Heile der Kirche benütze. Zu einem derartigen Schreiben sagt Papst Paul V. i.J. 1607, ihm sei bekannt, welch großen Ansehens und welcher Verehrung sich Julius bei allen Ständen aund Fürsten erfreue. Als auf dem wichtigen Reichstag zu Augsburg i.J. 1582 über die beiden erwähnten strittigen Punkte des Augsburger Religionsfriedens verhandelt werden sollte, schrieb Papst Gregor XIII. vorher an Bischof Julius, er halte ihn für den Mann, welcher der Sache der Kirche auf diesem Reichstag große Dienste leisten könne. Tatsächlich konnte auch der päpstliche Gesandte Kardinal Madruzzi über die Verhandlungen an seinen Herrn berichten: "Auf dem Reichstag zu Augsburg zeigte sich unter allen als eifrigsteer Verfechter der katholischen Sache der Bischof von Würzburg, eine Leuchte des ganzen bischöflichen Standes. Denn mit einzigartiger Geistesschärfe legte er dem Kaiser dar, wie die Forderungen der Protestanten ungerecht und widersinnig seien, so daß Kaiser Rudolf die Hand erhob und den für einen katholischen Regenten so schönen Ausspruch tat: Wenn ich die Korne dieses Reiches ohne Verletzung des apostolischen Glaubens nicht tragen kann, werde ich sie niederlegen. Wie sehr Julius auch für die Interessen der Katholiken eintrat, so wollte er doch einen offenen Bruch der Reichsstände vermieden wissen. Seine Reichspolitik zielte vor allem auf die Erhaltung des inneren Friedens. Darum suchte er auch das kaiserliche Ansehen möglichst zu stärken und die Reichsvefassung aufrecht zu erhalten. Kaiser Ferdinand I. hatte im Jahre 1556 zur Stütze der Reichsgewalt und Aufrechterhaltung des Friedens den Landsberger Bund gegründet. Die Bundesmitglieder sollten sich in Kriegsnot mit Geld und geworbenem Volk gegenseitig zu Hilfe kommen. Der Bund zählte Katholiken und Protestanten zu seinem Mitgliedern. Schon der Vorgänger des Fürstbischofs Julius war ein eifriges Mitglied des Bundes und noch mehr war Julius für denselben tätig. Er suchte neue Mitglieder zu gewinnen, gleichviel welcher Konfession sie waren und den Austritt von Bundesmitgliedern zu verhindern. Es schmerzte ihn tief, als im Jahre 1584 Oesterreich aus Eifersucht auf Bayern aus dem Bunde ausschied, und er bemühte sich angelegentlich um die Wiederaufnahme Oesterreichs. Aber alle seine Anstrengungen für die Stärkung des Bundes konnten den Verfall desselben nicht verhindern und im Jahre 1598 löste ihn Herzog Maximilian von Bayern als dessen Bundesoberster auf. Julius Echter ward durch diesen Schritt unliebsam überrascht und beklagte ihn als ein Unglück. Als Herzog Maximilian bald darauf den einflußreichen und geldkräftigen Würzburger Fürstbischof für einen neuen und zwar rein katholischen Schutzbund gewinnen wollte, konnte sich Julius Echter lange für diesen Plan nicht erwärmen. Denn er wollte die protestantischen Fürsten durch einen ausgesprochenen katholischen Bund nicht reizen. Er wollte keinen Kampfbund; sein konservativer Sinn verlangte eine Organisation zur Erhaltung des Friedens, der bestehenden Ordnung und der öffentlichen Sicherheit, an deren Spitze der Kaiser stehe und der auch gehorsame und kaisertreue Protestanten beitreten könnten.(Fußnote: Ueber des Julius Reichspolitik siehe die neueren Forschungen von Hefele: Der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn und die Liga, Würzburg 1912.) Er lehnte daher alle Werbungen des Bayernherzogs mit vorsichtiger Zurückhaltung ab, bis er durch die Macht der Tatsachen von der Notwendigkeit eines katholischen Schutzbündnisses überzeugt wurde. Denn die politischen Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten hatten sich im Reiche derart zugespitzt, daß an ein Zusammengehen von beiden Gruppen nicht mehr zu denken war. Die protestantischen Fürsten schlossen sich 1609 in Kloster Ahausen im Ansbachischen zu einer Union zusammen; auf die kaiserliche Macht war kein Verlaß, denn Oesterreich krankte selber an unheilbarem inneren Zwist. Als vollends der kriegslustige Markgraf Joachim Ernst von Ansbach i.J. 1610 im Namen der protest. Union Truppen warb und dieselben im Hochstift Würzburg längere Zeit gewaltsam einwquartierte, so daß sie bis Mitte Mai 52 Flecken in den reichsten Aemtern um Schweinfurt herum einnahmen und beutelustig daselbst hausten, da war für Julius der letzte Zweifel an der Notwenigkeit eines katholischen Schutzbündnissen geschwunden. Er fühlte jetzt am eigenen Leibe die Schwäche der Reichsverfassung und die Feindseligkeit der Protestanten. Nunmehr betrieb er eifrig, daß sich auch die katholischen Reichsstände unter des Bayernherzogs Leitung zu einem "heiligen Bund", der Liga sancta, zusammenschlossen. Des Julius Name steht unter den Unterschriften der Reichsstände, welche am 10. Juli 1609 zu München die hl. Liga schlossen, an erster Stelle. Als Zweck des Bundes wurde in der Gründungsurkunde angegeben: "Diese unsere Einigung soll allein zur Verteidigung und Erhaltung der wahren katholischen Religion und Fortpflanzung gemeinen Friedens, Ruhe und Wohlfahrt, Abwendung besorgter Gefahr und dann zur Handhabung des heiligen Reiches Abschieden, Religion- und Profanfriedens und anderer recht löblicher und von alters hergebrachter Gewohnheiten angesehen werden." Julius warb fortan für die Liga so eifrig wie vordem für den Landsberger Bund. Mehrere Bundestage wurden in Würzburg gehalten. Eifrigst suchte er die auseinanderstrebenden Bundesmitglieder zusammen zu halten und die Interessengegensätze zu überbrücken. Als der Bayernherzog Maximilian infolge der inneren Schwierigkeiten der Liga seiner Stellung als Bundeshaupt müde wurde, war es Julius, der ihn mit den schmeichelhaftesten Worten zum Ausharren veranlaßte. Der Herzog müsse auch fernerhin ihr "Machabäer" und der allgemeine Verteidiger der katholischen Sache bleiben, so sagte Julius den bayerischen Gesandten; andernfalls würden sie wie zerstreute Schafe ohne einen Hirten den Wölfen unvermeidlich in die Zähne fallen. Julius beteuerte, er hab keine Blutstropfen im Leibe, den er nicht mit Freuden für den Herzog und das ganze bayerische Haus opfere. Es wird gegen Julius Echter manchmal der Vorwurf erhoben, er sei ein großer Protestantenhasser gewesen. Dem steht die Tatsache entgegen, daß die ganze Reichspolitik des Fürstbischof versöhnlich war und im Interesse des Reichsfriedens ein Zusammengehen mit den protestantischen Ständen wollte bis zu dem Tage, da sich die beutelustigen Truppen der protestantischen Union in seinem Land herumtummelten. Wie Julius Echter ständig auf die Erhaltung des inneren Friedens bedacht war, sokam er bereitwillist dem Kaiser zu Hilfe gegen die äußeren Reichsfeinde; namentlich bedrohten die Türken fortgesetzt die Ostgrenzen des deutschen Reiches und Julius trat auf den Reichstagen immer für Bewilligung der Türkenhilfe ein; er gab dem Kaiser wiederholt auch selber größere Darlehen in seinen Kriegnöten. Schon in den ersten Jahren seiner Regierung hatte sich Julius Echter im Rate der Fürsten eine gewichtige Stimme verschafft. Die Kaiser schätzten ihn und betrauten ihn wiederholt mit schwierigen und ehrenvollen Sendungen. So weilte er vom März bis November 1579 in Köln als kaiserlicher Bevollmächtigter, um im Interesse des Friedens zwischen dem König von Spanien und den aufständischen Niederlanden zu vermitteln. Auch die Gegner kannten die großen Eigenschaften des Würzburger Fürstbischofs sehr wohl. So schrieb der protestantische Graf Johann von Nassau i.J. 1582: "Julius könnte gewißlich vor anderen Verstandes, Geschicklichkeit und Mannheit halber viel Gutes tun, wenn er nicht zu viel den Papst im Bauch hätte und von den Jesuiten eingenommen und verführt würde." Julius hatte sich sowohl als Bischof wie als Reichsfürst solches Ansehen und solche Verdienste erworben, daß ihn Papst Clemens VIII. durch Schreiben vom 28. April 1601 aufforderte, sich um den erledigten erzbischöflichen Stuhl von Mainz, mit dem die Kurfürstenwürde und das Erzkanzleramt des Reiches verbunden war, zu bewerben. Der Papst wünschte für diese erst Kirche Deutschlands auch einen hervorragenden Hirten und hielt, wie er sagt, den Fürstbischof Julius wegen seiner Tugend, Frömmigkeit, Geschäftsgewandtheit und seines Eifers für die katholische Religion für diese Stellung ganz besonders geeignet. 36. Charakterbild des Fürstbischofs. Im Jahre 1592 entwarf der berühmte Schottländer Richard Stanihurtus in der Schilderung seiner Reise an die Fürstenhöfe Deutschlands, bei welcher er auch Würzburg berührt hatte, von Julius Echter folgende Charakterzeichnung, wie sie kürzer und treffender kaum möglich ist: Praesul omnino certus, pius, politicus. Der Bischof ist ein Mann von unbedingter Bestimmtheit, Frömmigkeit und Klugheit. 1. Das war Julius Echter wirklich! Schon aus seinem Auge leuchtet eine tiefe, sinnend ernste, entschlossene Seele. Unbeugsame Festigkeit, sichere Selbständigkeit, entschiedene Willenstärke, mutige Entschlossenheit, zähe Ausdauer, unerschütterliche Beharrlichkeit waren ihm eigen. Er wußte, was er wollte, und was er wollte, führte er mit staunenswerter Willenskraft aus. Nicht umsonst hatte er sich zum Wahlspruch gewählt: Virtus boni operis est perseverantia. (Die Kraft eines guten Werkes liegt in der Beharrlichkeit.) Diese zielbewußte, sichere Festigkeit war das Resultat eines glücklichen Zusammentreffens von vortrefflichen körperlichen und geistigen Gaben, welche ihm der Schöpfer bereits in die Wiege gelegt und welche er dann unter der Anleitung von hochsinnigen Eltern und Lehrern in unverdrossener Arbeit und Selbstschulung zur schönsten Blüte und Reife entwickelte. Julius Echter war kerngesund und hatte gute und starke Nerven; noch als Siebziger besaß er sein volles schwarzes Haar. Er verfügte über eine große Arbeitsrüstigkeit und Arbeitsfreudigkeit. Die alte, noch aus seinen Tagen stammende Lebensbeschreibung erzählt von ihm, daß er sich, "so viel man bisher erfahren konnte", krankheitshalber niemals einen Tag niederzulegen brauchte. Seine Aerzte sagten, daß er seine Gesundheit mit nichts anderem als einzig durch viele Arbeit übermäßig schwäche. Anderen Fürsten riet wohl Julius, sich zu schonen, aber er selbst wollte sich nicht dazu verstehen, so sehr ihn auch die Seinen darum baten. Selbst wenn er sich, durch viele Arbeit ermattet, krank fühlte, unterließ er es doch nicht, in des Stiftes Sachen emsig zu arbeiten. Als er älter wurde, hat er nicht weniger, wie er es bei jungen Jahren zu tun pflegte, das Hochstift gleich einem verpflichteten Rentmeister beritten, um den Untertanen in ihrem Anliegen hilfreiche Hand zu bieten und dabei der fürstlichen Kammer Nutzen wahrzunehnen. Da er etliche Jahre keinen Weihbischof hatte, so vollzog er auch die geistlichen Verrichtungen seines Amtes selber, konsekrierte Kirchen, spendete einer großen Zahl von Gläubigen das Sakrament der Firmunung und erteilte die hl. Weihen. In dem Maße aber als er die Amtsgeschäfte selber führte, ward er in alle geistlichen und weltlichen Angelegenheiten des Hochstiftes eingeweiht und von seinen Räten und fremder Berichterstattung unabhängig. Im gesunden Leib wohnte aber auch ein hochbegabter Geist. Fürstbischof Julius hatte einen klaren, durchdringenden Verstand. So ward es ihm leicht, sich ein weit über das Durchschnittsmaß der damaligen Zeit hinausragendes Wissen anzueignen. Zeitlebens blieb er auch ein warmer Freund und Gönner der Wissenschaft und Kunst. Ds bezeugt nicht nur die Stiftung der Universität, sondern überliefern auch alle alten Nachrichten. Unmittelbar nach seiner Erhebung auf den Stuhl des hl. Burkard schrieb der fürstbischöfliche Leibarzt Johannes Posthius an einen Freund: Der neugewählte Bischof ist hochgebildet, ein Gönner gelehrter Männer und sehr sprachenkundig. Der schlesische Gelehrte Martin Lochander aus Görlitz hebt in einem 1585 auf das Juliusspital verfaßten Lobgedicht sein reiches juristischen Wissen ervor und erzählt, daß der Fürst ein klassisches Latein sprach und die französische, italienische und spanische Sprache beherrschte. Ein anderer Gelehrter, der Niederländer Franziskus Modius, widmete 1579 dem Bischof die Ausgabe seines Curtius und sagte ihm in der Zuschrift die schmeichelhaften Worte: "Unter den Fürsten Deutschlands ragst du hervor als ein solcher Freund der Wissenschaften und Gönner und Förderer gelehrter und tugendhafter Männer, daß in kaum einem anderen Himmelsstrich Deutschlands gegenwärtig ein derartig feinsinniger Eifer für Studien blüht als in Deinem Frankenland. Die Kunde von Deinen Tugenden ist schon längst und immer wieder bis in den letzten Winkel Flanderns gedrungen." Auch mit vielen anderen gelehrten Männern seiner Zeit, so mit dem berühmten Gelehrten Justus Lipsius und dem Kardinal Cäsar Baronius stand Julius in Briefwechsel und unterstützte ihre wissenschaftlichen Unternehmungen. (Fußnote: Eine Briefsammlung von Gelehrten an Julius Echter veröffentlichte 1831 Theod. Friedr. Freytag bei Teubner in Leipzig; im Archiv des hist. Seminars (44. Bd. (1902) S. 213-217) bietet Professor Leitschuh einen Auszug derselben.) Besonders förderte er aus Liebe zur Kirche mit tatkräftiger Geldhilfe das Zustandekommen des großen apologetischen Geschichtswerkes von Kardinal Cäsar Baronius. In den Jahren 1559-74 war nämlich eine ganz einseitige lutherische Darstellung der Kirchengeschichte in 13 Bänden erschienen, gewöhnlich die Magdeburger Centurien genannt. Die Herausgeber wollten darin dem oft den Protestanten gemachten Einwurf begegnen: Das Luthertum sei doch erst im 16. Jahrhundert als eine Neuerung in die Welt getreten; wo sei denn bis dahin das wahre Christentum gewesen? Die Magdeburger Centurien wollten demgegenüber nachweisen, daß das Papsttum das Reich des Antichristes, sein Kult Abgötterei, die katholische Religion eine Erfindung der Päpste, Mönche und späterer Zeiten, das Luthertum daagegen im Besitz des urchristlichen Glaubens sei. So offensichtlich die Entstellungen der geschichtlichen Wahrheiten in diesem Werk auch waren, es stiftete bei seinem ersten Erscheinen großen Schaden und schon der selige Petrus Canisius schrieb eine vorläufige Erwiderung gegen dasselbe. Der gelehrte Oratorianer Kardinal Cäsar Baronius bot endlich nach 20jährigen Vorstudien die umfassende und glänzende Widerlegung des Machwerkes in seinen "Jaahrbüchern der Kirchengeschichte", wovon der erste Band 1588 erschien. Der Würzburger Bischof begrüßte natürlich ein solches Werk der Verteidigung seiner geliebten Kirche auf wärmste und förderte es durch freigebige Unterstützung. Kardinal Baronius dankt ihm in mehreren Briefen für sein Freigebigkeit, rühmt dieselbe anderen gegenüber und übersendet ihm Band für Band der Jahrbücher nach ihrem Erscheinen. Den frommen und wissenschaftlich gerichteten Sinn des Fürstbischofs zugleich erkennt man auch aus der Tatsache, daß er sich in jeder Weise um das Zustandekommen einer gediegenen Lebensbeschreibung des hl. Burkard Würzburgs ersten Bischofs bemühte. Er trug die Arbeit zuerst dem gelehrten Jesuiten Nikolaus Serarius an, später wandte er sich an Kardinal Baronius selber. Man darf deshalb die Vermutung aussprechen, daß Pater Serarius, damals Theologieprofessor in Würzburg, auch seine Geschichte des hl. Kilian (1598) auf Veranlassung des Fürstbischofs verfaßt hat. Es konnte Julius sonach mit Recht in Gelehrtenkreisen als einer der warmherzigsten Förderer wissenschaftlicher Unternehmungen in ganz Deutschland gepriesen werden. Der Fürstbischof war auch ein großer Bücherfreund. Für seine Hofbibliothek auf dem Schlosse Marienberg sammelte Julius einen so reichen Vorrat der seltensten Handschriften, gedruckten Bücher, Gemälde, Münzen und Altertümer, daß nicht leicht bei einem geistlichen Fürsten Deutschland ein solcher Schatz anzutreffen war. Frühzeitig sorgte er auch für die Anlegung einer Bibliothek im Kiliansseminar und Marianischen Kolleg. Auch die Marianische Akademikersodalität hatte eigenen Bücherbesitz. Freigebig beschenkte der Fürstbischof die Bücherei der Jesuiten, der Dominikaner, Schottenmönche und Kapuziner; auch bereicherte er die Echtersche Familienbibliothek in Mespelbrunn. Leider beraubten wenige Jahre später die Schweden unser Vaterland großenteils dieser Sammlungen. Die Jesuiten allein verloren 4-6000 Bände. Viele alte Würzburger Handschriften muß man heute in Oxford suchen; durch den anglikanischen Erzbischof Laud kamen sie von Schweden nach England. Unter des Julius Regierung konnten zwei Buchdruckereien in Würzburg beschäftigt werden. Daß der Fürstbischof bei seiner regen Bautätigkeit alle Arten der Künste in seltener Weise förderte, braucht nicht eigens hervorgehoben zu werden. Wieviel Baumeister, Maler, Bildhauer, Paramentenstickereien, Goldarbeiter hat er allein zur Ausschmückung der mehr als 300 Juliuskirchen benötigt! Der Fürstbischof vereinigte mit diesem seltenen Maß von Wissen einen unerschrockenen Mut und kühnsten Unternehmungsgeist. All diese Eigenschaften zusammen gaben ihm das Gepräge einer seltenen Geschlossenheit, Abgeklärtheit, Selbständigkeit und Festigkeit. Es mag wohl sein, daß das eigene Kraftgefühl den Fürstbischof zuweilen verleitet hat, weiger rücksichtsvoll, ja sogar gewalttätig gegen andere zu sein. Dies beklagten selbst seine sonstigen Verehrer und Bewunderer. 2. Einer der schönsten Züge im Charakterbild des Fürstbischofs Julius ist seine tiefe Frömmigkeit. Er war nicht nur, wie die Vorreden zu den Neuausgaben der liturgischen Bücher zeigen, ein begeisterter Lobredner des Gebetes, sondern nahm auch selber in allen Nöten seine Zuflucht zu anhaltendem und inständigem Gebet. Etwa 30 Jahre nach dem Tode des Fürstbischofs bezeugte der Würzburger Weihbischof Joh. Melchior Söllner in einer Ansprache auf der Diözesansynode v. Jahre 1649, daß Julius Echter ganze Nächte hindurch mit einem rauhen Bußgürtel bekleidet für seine Diözese betete und wachte. Betend läßt er sich darstellen auf dem Portal der Universität, des Juliushospitals und dem Grabmal seiner Familie in Hessenthal. Die gut unterrichtete alte Lebensbeschreibung erzählt, daß er von dem Tage seiner Erwählung an keinen mehr zu leben begehrte, an welchem er nicht das hl. Meßopfer entweder selber lesen oder doch wenigstens hören konnte. Sogar in den Tagen seiner Krankheit ließ er in seinem Krankenzimmer die hl. Messe lesen. Seine Frömmigkeit gegen die Heiligen trieb ihn an, ihre Reliquien hoch in Ehren zu halten; besondere Liebe hegte er gegen die Frankenapostel; auf diese weist er immer wieder in seinen Hirtenschreiben hin, ihnen weiht er Kirchen und Altäre und ihr Leben läßt er für Geistlichkeit und Volk beschreiben. Auf seine Veranlassung ließ das Stift Neumünster i.J. 1592 einen kostbaren silbernen Reliquienschrein für die Gebeine des hl. Kilian und seiner Gefährten herstellen. Leider wurde derselbe in einer weniger pietätsvollen Zeit unter Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal 1794 zur Unterstützung der erschöpfen Landeskasse durch die fürstliche Münze eingeschmolzen. Auf Gottes Hilfe und Beistand setzte Julius ein unbegrenztes Vertrauen. Oft gibt er der Ueberzeugung Ausdruck, daß Gottesfurcht schon in diesem Leben vom Herrn reich gesegnet wird. Um den Abt von Banz zum Wiederaufbau seines Klosters zu ermuntern, warnt er ihn im Jahre 1577 vor Kleinmut; man müsse gegen Gott opfervoll und großmütig sein und dürfe unsern Herrgott nicht stets hinter der Türe stehen lassen, sondern müsse vor allem für das Reich Gottes sorgen. Dann würden auch die übrigen Dinge nachher desto glücklicher gehen. Wie Julius fromm war gegen Gott, so war er voll edler Pietät gegen seine Elternund voll rührender Geschwisterliebe. Daß der Fürstbischof seine Familie auf Kosten des Juliusspitals und des Hochstiftes bereichert hbe, ist eine von Neid eingegebene Verleumdung. In jener Zeit, wo so manche Adelige vielfach durch liederliches Leben in Schulden und Mißwirtschaft gerieten, erregte es bei vielen nicht geringen Aerger, daß die nüchternen, sparsamen Echter von Mespelbrunn emporkamen. Im ganzen Reiche machten den Fürstbischof seine angeborene Höflichkeit und seine freigebige Gastfreundschaft so beliebt, daß viele Fürsten ihre Reisen gern über Würzburg richteten; mehr Fürsten als bei seinen Vorfahren in vielen Jahren kamen an sein Hoflager; selbst aus Griechenland stellte sich eines Tages eine Gesandtschaft ein mit Briefen vom Patriarchen aus Konstantinopel. Einen rührenden Beweis seiner anhänglichkeit an das Hochstift Wüzrburg gab Julius im April des Jahres 1582, als er zum Erzbischof von Mainz gewählt worden war; er nahm die Wahl nicht an und verzichtete damit auf die Würde des ersten Kurfürsten und des Erzkanzlers im deutschen Reiche. Julius wollte sich seinem geliebten Hochstift mit ganzer Kraft widmen. Nichts beweist mehr, daß Herrschsucht und Ehrgeiz die Triebfeder seiner Handlungen nicht waren. Das ist ja einer der Vorwürfe seiner vielen Feinde. Man hat ihm auch die vielen "ruhmredigen Inschriften" an den von ihm erbauten Kirchen und Amtsgebäuden verübelt. Diese Inschriften stammenmeist aus den letzten Regierungsjahren des Fürstbischofs. Wenn nun Julius am Ende seines Lebens mit einer gewissen Befriedigung auf die bewältigte Riesenarbeit und die völlige Neugestaltung der Dinge im Hochstift zurückblickte, wer wollte ihm das verargen? Uebrigens zeigt sich auch in diesem PUnkte der Fürstbischof als ein besserer Menschenkenner als seine Ankläger. Die Inschriften sollten auch eine Predigt an die späteren Geschlechter sein, dem durch Bischof Julius wiederrerlangten Glauben treu zu bleiben. Es haben diese Inschriften ihren Zweck durch die Jahrhunderte hindurch bis zum heutigen Tage auch erfüllt. Ein anderer lauterer Zug seines Charakterbildes, den auch die bittersten Feinde nicht in Abrede stellen konnten, ist seine Mäßigkeit und Sittenreinheit. Seine tiefe Frömmigkeit war der Nährboden dieser beiden herrlichen Tugenden. Dieses edle Geschwisterpaar unter den Tugenden ist bei Julius um so mehr zu bewundern, als so mancher seiner damaligen Standesgenossen leider oft das denkbar schlechteste Beispiel in diesen Punkten gab. 3. Als der Schottländer R. Stanihurtius den Würzburger Bischof auch mit "politicus" charakterisierte, beeilte er sich die Erklärun hinzuzufügen: "Ich meine dies Wort nicht in dem Sinne, wie die Anhänger Macchiavellis es verstehen, daß sie nämlich ihre Staatsverbrechen mit dem politischen Mäntelchen verhüllen." Julius Echter besaß in höchstem Maße Welt- und Menschenkenntnis; er wußte die Leute nach ihrer Eigenart zu behandeln und mit den gegebenen Verhältnissen zu rechnen. Man erkennt es aus seinen Schriftstücken, wie meisterhaft er die Gründe darzulegen und die Gefühlssaiten anzuschlagen wußte, von denen er erwarten konnte, daß sie auf die Adressaten Eindruck machten. Auch gefährliche Gegner wußte Julius zu behandeln. Er suchte sie durch äußerst höflichen Ton zu beruhigen. Julius hatte aber auch Mut und Geschick genug, um ungehörigen Widerspruch zum Schweigen zu bringen. Um einst einen tüchtigen Juristen in Lothringen für seine Universität zu gewinnen, bot er ihm eine etwas reichliche Besoldung an. Als man ihmn seitens des Domkapitels einwandte, es sei das Geldverschwendung, antwortete er, dies Geld sei auf ARbeit zum allgmemeinen esten angelegt; etliche andere hätten aus Stiftungen fünf- oder mehrmal so viel und sie täten aber nicht Besseres als daß sie Schand und Laster trieben, gleichwohl rede man davon weniger. Fast möchte man wünschen, Bischof Julius habe sich bei seinen großen und hohen Zielen, die ihm stets vorschwebten, in einzelnen Fällen doch weniger der Mittel irdischer Klugheit und politischer Weisheit bedient als der Taubeneinfalt des Evangeliums. Man muß freilich zur Entschuldigung mit Braun in seiner Geschichte der Heranbildung des Würzburger Klerus (I, S. 181) sagen: "Julius hielt seine Lage für die eines Mannes, der in den Wellen um sein und anderer Leben kämpft und sich auch am Gewande desjenigen festklammert, der ihm die rettende Hand reicht, überzeugt, daß man es ihm nicht verübeln werden, wenn ein Stück davon ihm dabei in der Hand bleibt." Wie dem auch sei, Julius war nicht nur ein großer Mann, sondern auch ein großer Charakter. Auch Papst Paul V. äußerte sich i.J. 1607 dem Würzburger Gesandten Dr. Engelhardt gegenüber: "Wir kennen sehr wohl die Tugenden und Verdienste des Bischofs von Würzburg, die wir nie vergessen werden." 37. Bischof Julius stirbt. Nachdem der große Fürstbischof ganz Europa mit dem Ruhm seines Namens, sein eigenes Leben aber mit unzählbaren Verdiensten erfüllt, legte er endlich im stattlichen Alter von 72,5 Jahren die sterbliche Hülle ab und ging im 44. Jahr seiner Regierung hinüber in die himmlische Heimat. Dorthin hatte er bereits seine Eltern, Brüder, Schwestern und einige Neffen vorausgesandt; ebenso die Kanoniker des Domstiftes und die Beamten seines Hofes, welche mit ihm zur Zeit seines Regierungsanfanges gelebt hatte, desgleichen zwei Kaiser und sieben Päpste, unter denen er gewirkt. Im September des Jahres 1617 veranstaltete Julius zu Würzburg die Doppelhochzeit von einem Sohn und einer Tochter seines lieben verstorbenen Bruders Dietrich. Die Festlichkeiten währten mehrere Tage. Bei dieser Hochzeitsfeier soll sich Julius mit Melonen erkältet und verdorben haben. Noch während der Festlichkeiten mußte er sich zu Bette legen und die Krankheit wurde bald so heftig, daß man das Schlimmste befürchten mußte. Ohnedies hatte ihn das Zipperlein in den letzten Jahren hart mitgenommen, so daß er nicht mehr gehen konnte. Bischof Julius fühlte selber sein Ende nahen und entschlug sich aller weltlichen Gedanken. "Laßt mich jetzt, sprach er, mit weltlichen Sachen unbehelligt, denn ich habe mit unserem Herrgott zu tun!" Frühzeitig bereitete er sich durch den Empfang der hl. Sakramente auf den seligen Heimgang aus dieser Welt vor. Die Aufsicht über die Kanzlei übertrug er dem Domdechant Konrad v. Thüngen, das Schloß auf Marienberg vertraute er dem Kapitelssenior Erhard v. Lichtenstein an und als Statthalter setzte er ein den Landrichter Wolf Adolf von der Thann. An einem Mittwoch, den 13. September 1617 früh um 3Uhr verschied er dann gottselig im Herrn. Nach dem bei den Fürstbischöfen üblichen Herkommen wurde seine Leiche geöffnet, die Eingeweide am 15. September in der Schloßkriche auf dem Marienberg begraben, das Herz herausgenommen, der Körper aber mit köstlichen Kräutern einbalsamiert, mit bischöflichem Ornate angetan und auf dem Schlosse bis zum feierlichen Begräbnisse einstweilen beigesetzt. Erst 18 Tage später, am 1. Oktober, einem Sonntag-Nachmittag, fand diese mit allem Gepränge statt. Ein Diener mit schwarzem Stab eröffnete den Leichenzug, der sich vom Schloßberg in die Schottenkriche bewegte. Man sah im Zuge unter anderen die geistlichen Orden der Kapuziner, Franziskaner, Augustiner, Carmeliten und Dominikaner, die Alumnen des Kiliansseminars. Edelknaben trugen das fürstliche Wappen, der Marschall aber trug das Herz, auf dem ein Kreuz angebracht war. Die Bahre ward von 17 Adeligen getragen. Darauf folgten die Domherrn und die Anverwandten des Verstorbenen, die Hofbeamten und der Stadtrat. In der Schottenkirche angekommen, stellte man die Bahre samt dem Herzen in die Mitte des Gotteshauses; hierauf wurde die Totenvesper gesungen. Nach Beendigung der Gesänge ließ man die Leiche die Nacht über in der Kirche stehen und bewachen. Tags darauf wurde eine Trauerrede gehalten und die Leiche dann wiederum im feierlichen Zuge in den hohen Dom gebracht und daselbst beigesetzt. 500 Kerzen brannten während der Feier an der Tumba. Am 3. Oktober früh wurde das Totenoffizium gesungen und Weihbischof Dr. Euchar Sang hielt die Leichenpredigt über den Text: "Glückselig sind die Toten, die im Herrn sterben." (Geh. Off. 14, 13). Darnach hielt derselbe ein Pontifikalrequiem. Während desselben wurden im Juliusspital 6000 Brote an die Armen ausgeteilt. Eine Denkmünze aber wurde geprägt und verteilt, welche zum letzten Mal den Namen und das Wappen des großen Julius dem trauernden Volke zeigte, aber diesmal mit dem Datum seines Todes. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde das Herz nach seinem Wunsche in der Universitätskirche beigesetzt. Hier hatte sich der Fürstbischof schon zu Lebzeiten den Platz dafür herrichten lassen. Als später die Kirche sich senkte und das Gewölbe einstürzte, ward unter den Trümmern auch das Denkmal mit dem Herzen des Julius begraben. Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenklau (1699 bis 1719) ließ die Universitätskirche wieder herstellen und das Herz in einem Pfeiler des linken Seitenschiffes beisetzen. Eine eherne Inschrift aber verkündet der Nachwelt: Das Herz des Julius, einst Fürstbischof von Würzburg und Frankenherzogs ruht hier. Wie dies Herz schlug in Gottes- und Nächstenliebe, das melden außerhalb der Stadt über 300 von ihm erbaute Kirchen und innerhalb derselben diese Hochschule und Universität, das Schloß und das große Spital. 38. Bischof Julius lebt fort im Frankenlande. Domkapitular Dr. Himmelstein schrieb i.J. 1843 beim elfhundertjährigen Jubiläum des Bistums Würzburg in seiner schönen Festgabe: Die Reihenfolge der Bisschöfe von Würzburg (S. 149): "Julius starb, nachdem er fast jeden Tag seiner 44jährigen Regierung mit einer großen Tat bezeichnet hatte, am 13. September 1617. Sein Andenken aber ist in ganz Franken noch so lebendig, als wäre er erst im vorigen Jahrzehnt gestorben." Noch zu seinen Lebzeiten wurde Julius ob seiner vielen herrlichen Taten und seiner ausgezeichneten Verdienste viel gefeiert; man nannte ihn Bischof Julius den Großen; andere verglichen ihn mit dem römischen Feldherrn Julius Cäsar; aber Julius Echter habe seinem Herzogtum mehr benützt als Julius Cäsar dem römischen Reiche. Der Schlesier Martin Lochander beschrieb 1585 das Juliusspital in Versen und verherrlichte seinen Stifter. Der Würzburger Theologieprofessor Christoph Marianus widmete Julius i.J. 1600 eine Lobrede, betitelt Trophäa Mariana, und im Dezember 1603 feierte er beim 30jährigen Regierungsjubiläum des Bischofs seine Taten in einer umfangreichen Schrift: Encaenia et Tricennalia Juliana; von ihm stammt auch wahrscheinlich das Lobgedicht "Fränkischer Ehrenpreis" v.J. 1604. Weihbischof Euch. Sang, der den Fürstbischof von seiner Studienzeit an vor Augen hatte und fast ein Jahrzehnt unter ihm und neben ihm als Weihbischof wirkte, ist voll der Bewunderung für den Fürsten; sie spricht aus der i.J. 1616 gehaltenen Festrede zum Jahrestag von dessen Erwählung, aus seiner Leichenrede und insbesondere aus einer vor des Julius Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen i.J. 1618 gehaltenen Rede, die den Tiel führt: "Triumph des Frankenlandes". Am Schlusse derselben wendet sich der Weihbischof an den Verstorbenen ungefähr mit folgenden begeisterten Worten: "Bester Bischof, der Du nun im Himmel lebst, ich frage Dich, welche Denkmäler, welche Trumphbögen, welche Siegeszeichen können wir Dir errichten, die Deiner Verdienste würdig wären oder auch nur einen Teil derselben wiederzuspiegeln vermöchten? Du hast wie ein zweiter Moses Dein Volk aus der Finsternis zum Licht des christlichen Glaubens geführt; Du hast durch Dein Beispiel die übrigen zaghaften Bischöfe Deutschlands angefeuert! Deine Taten und Dein Ruhm werden für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern Frankens verzeichnet stehen! Wie David und Saul hast Du Deine Feinde überwunden, aber in weit besserer Art und größerer Zahl. Saul hat über 1000 gesiegt, David über 10000, Du aber über mehr als 100000, aber nicht indem Du sie niederschlugst, sondern indem Du sie emporrichtetest; Du hast sie nicht verwundet und getötet, sondern geheilt und erhalten, Du hast nicht ihr Blut vergossen, sondern bewirkt, daß Christi des Erlösers Blut für sie nicht vergebens geflossen ist. Das Religionswerk hast Du mit Gefahr begonnen, mit Mut durchgeführt, mit Erfolg vollendet. Mit welcher Krone sollen wir Dich schmücken? Indes wir zweifeln nicht, daß Dir bereits eine Krone aus kostbaren Edelsteinen aufgesetzt ist von Gott dem Allernhöchsten." Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen ließ seinem großen Vorgänger Julius Echter im Dom ein vom fränkischen Künstler Mich. Kern gearbeitetes Grabmal aus grauem und halbrotem Marmor setzen. In erhabener Stellung ist der Fürst im Bischofsornat mit Inful, Krummstab und Schwert dargestellt; an den Seitenwänden sind die Wappen seiner Ahnen angebracht. In der Inschrift am Fuße des Denkmals sagt Bischof Joh. Gottfried von Julius: "Er war unvergleichlich an Geist, Gedächtnis und Urteilskraft, als Regent ein Vater des Vaterlandes, der Wiederhersteller der alten Religion, der Erbauer von mehr als 300 Kirchen, der Gründer und Wiederhersteller der Klöster und Spitäler, der Gönner der edlen und freien Künste, der Stifter unserer Hochschule, kurz, er ist ein Tugend-Muster für die Nachfolger, wie er selber auch den Vorfahren nacheiferte." Freilich gab es auch Leute in Franken, die sich über den Tod des edlen Julius freuten. Er hatte in und außerhalb seines Landes Feinde, die ihn noch über das Grab hinaus bitter haßten; dazu zählte nementlich der Adel, den er in seine Schranken zurückgewiesen und alle diejenigen, welchen er durch die unerbittlich strenge Einführung der alten Religion wehe getan. Eine unschöne Frucht des Hasses sind folgende Verse aus einem Spottlied, das man nach seinem Tod weit im Lande verbreitete: Gelobet seyst du Jesui Christ, Daß Bischof Julius gestorben ist An einer Pheben (=Kürbis), das ist wahr! Deß freuet sich des Adels Schar. Des ew'gen Geizes einig Kind Jetzo man in der Grube findt! In unser armes Hab und Gut Verkleidet sich das Echtrisch Blut! Den der fränkisch Kreis nie beschloß, Der liegt jetzt in der Höllenschoß. Er ist ein Würmlein worden klein, Der alle Ding begehrt allein.... Dies alles hat er uns getan, Jetzt aber freut sich jedermann Im Frankenlande weit und breit, Daß Bischof Julius begraben leit. So hat es auch später und bis zur Stunde nicht an Schriftstellern gefehlt, die Julius ob des Werkes seiner Gegenreformation scharf angriffen. In den letzten Jahrzehnten geschah dies besonders durch den protestantischen Dekan G. Zeitler von Burgsinn (Fußnote: Julius Echter v. Mespelbrunn, Halle 1896) und den protestantischen Pfarrer S. Kadner.(Fußnote: In Koldes Beiträgen zur bayer. Kirchengeschichte. 4. Bd. (1898) S. 128-136; 5. Bd. (1899), 269-280; 6. Bd. (1900), 270-74.) Zeitler ruft aus: "Der Jammer, den er unserer evangelischen Kirche angetan hat, schreit noch heute zum Himmel; noch jetzt nach 3 Jahrhunderten sind die Wunden nicht geheilt, die er ihr geschlagen" (S. 31). So wird wohl auch in Zukunft Fürstbischof Julius je nach dem eigenen Standpunkt des Geschichtsschreibers verschiedenartig beruteilt werden. Unter allen Umständen sollte man sich aber wenigstens so viel Unparteilichkeit bewahren, wie der Geschichtsschreiber der Universität Würzburg F.X.v. Wegel, der zwar so manches an Julius Echter tadelt, aber ihm doch das Zeugnis ausstellt: "Er war einer der fähigsten Herrscher seiner Zeit, der wirkungsreichste, der jemals auf dem Stuhle des hl. Burkardus gesessen." "Daß er ein außerordentlicher Mann war, muß von allen Seiten zugegeben werden." (Fußnote: Geschichte der Universität Würzburg I (1882), 263.) Die verdienstvollsten Geschichtsschreiber Frankens, vorab der Benediktiner Ignaz Gropp, Bibliothekar im Stephanskloster zu Würzburg (gest. 1758), füllen ihre Bände mit Erzählung der herrlichen Taten eines Julius und verkünden mit nur einer Stimme sein Lob. Christian Bönnicke ureilt i.J. 1782 in seinem Grundriß einer Geschichte der Universität zu Würzburg (I, S. 42f.) über den Stifter also: "In seiner Person waren alle erhabenen Eigenschaften, die nur einen Fürsten groß machen können, vereinigt. Ein durchdringender Verstand, hoher und alles umfassender Geist, unermüdeter Eifer und Tätigkeit, unerschrockener Mut und Festigkeit, die von keinen Beschwernissen erschüttert werden konnte, Liebe zu seinem Hochstifte, dem er, um ganz zu dessen Besten zu leben, die Kurwürde von Mainz aufopferte; Neigung zu den Wissenschaften, zu welchen er frühzeitig angeleitet wurrde; nähere Bekanntschaft mit den Sitten und der Verfassung der aufgeklärtesten Nationen, die er durch Reisen kennen gelernt; wohltätige Fürsorge für seine Untertanen, welcher wir fast alle gemeinnützigen Anstalten in unserem Hochstifte, sie mögen Erziehung der Jugend, Bildung der Geistlichkeit, Verpflegung der Armen und Notleidenden, die Erhaltung der Religion, den Kredit der Staatsverwaltung oder die öffentliche Sicherheit, die Ruhe des Vaterlandes betreffen, zu verdanken haben... Solche Eigenschaften und Taten beweisen, daß Julius, wie schon zu seinen Zeiten ein auswärtiger Schriftsteller (Eremita Belga) sagt, größer und erhabener sei, als ihn selbst seine Lobredner schildern könnten." Ein anderer Biograph, Dr. Joh. Nep. Buchinger, sagt am Schlusse seiner Lebensbeschreibung aus dem Jahre 1843: "Ohne Parteilichkeit wird behauptet werden können, daß wenn auch manche Vorgänger des großen Julius im Hochstifte Würzburg an gutem Willen ihm nicht nachstehen mochten, doch keiner an Unternehmungsgeist, Mut und unerschütterlicher Beharrlichkeit ihn erreichte. Viele dieser guten Väter ließen sich durch Hindernisse abschrecken und ermüden und beschränkten sich darauf, über die zeitlichen Bedrängnisse ihrer Kirchen, welche sie nicht abzuwenden Mut oder Geschick genug hatten, zu klagen und zu seufzen; sie gaben den Umständen, ihren Umgebungen und den Zeitverhältnissen nach. Bischof Julius aber erhob sich über alle derartigen Hindernisse und Verhältnisse, unterwarf sich dieselben und beherrschte sie; nicht er sollte ihnen weichen, sondern sie ihm. So wurde er der große Julius, der Heros, den die Nachwelt nach Jahrhunderten noch verehrt, der aber auch wie andere große und unternehmende Männer sich gefallen lassen mußte, zu seiner Zeit von vielen mißkannt und getadelt zu werden, weil er eben nicht stets tun konnte, was andere wollten, und weil er, wenn man seinen Absichten Widerstand entgegensetzte, diesen durch noch größeren Widerstand vereitelte" (S. 329 f.). A. Kittel charakterisiert Julius 1882 mit den Worten: "Zum Herrscher wie wenige berufen, seine Vorgänger auf dem fürstbischöflichen Stuhle weit hinter sich lassend, seinen Nachfolgern ein unübertroffenes Muster.(Fußnote: Beiträge zur Geschichte der Freiherrn Echter von Mespelbrunn. Würzburg 1882, S. 39.) Allerneuestens faßt der um die Geschichte unseres engeren Heimatlandes so verdiente Universitätsprofessor Dr. Th. Henner im "Altfränkischen Kalender 1917" seinen schönen Aufsatz über den Fürstbischof also zusammen: "Bei Julius Echter stehen wir einer wahrhaften Fürstengestalt gegenüber, von reichhaltigster Wirkung für ihre Zeit, von nachhaltigster Einwirkung auf die Folgezeit, eine Erscheinung von säkularer Bedeutung." Dies Tatsache würdigend, nahm der hochsinnige König Ludwig I. den Fürstbischof Julius Echter unter die Walhallegenossen auf und ehrte ihn 1847 mit einem ehernen Standbild in Würzburg vor dem Juliusspital. Das schönste Denkmal hat sich aber Julius im Herzen seines Frankenvolkes selbst gesetzt und auch heut noch bekennen wir voll Stolz mit seinem Biographen V.E. Seuffert (Fußnote: Julius Echter v. Mespelbrunn. Ein Programm. 1853, S. 28.): "Julius war wahrhaft ein Vater des Vaterlandes, eine Säule im erhabenen Gebäude der katholischen Kirche, ein katholischer Bischof, dessen Andenken in Franken fortlebt von Geschlecht zu Geschlecht, so lange sich die Sonne über die fränkischen Gaue erheben wird."