Die Avocado

Avocados, vermutlich Sorte Hass

Avocados, vermutlich Sorte Hass.

Während die Avocado noch vor 30 Jahren eher ein Luxusartikel war, hat sie inzwischen weite Verbreitung gefunden. Sie zeichnet sich unter den anderen Früchte durch einen hohen Gehalt an Nährstoffen und Ölen aus. Die Internationalisierung der Küche hat dafür gesorgt, daß man auch in Deutschland inzwischen viele Rezepte mit Avocados kennt.

Alle heutigen Zuchtformen der Avocado stammen von den beiden Wildarten Persea americana und Persea nubigena ab, die beide im mittelamerikanischen Raum vorkommen. Die beiden heute meistverkauften Sorten tragen die Namen "Fuerte" und "Hass".

Biologie der Gattung Persea

Die Informationen dieses Abschnitts stammen aus [avocado] und (die Taxonomie) aus [engler].

Taxonomie

Die Gattung Persea gehört zur Familie Lauraceae, den Lorbeergewächsen. Je nach Auffassung umfaßt diese Familie 31 Gattungen mit ca. 2300 Arten. Die Gattung Persea besteht aus 135 Arten (inklusive der Gattung Machilus), welche vom atlantischen Nordamerika bis nach Chile, und vom Indisch-malayischen Gebiet bis nach Japan verbreitet sind.

Die beiden wichtigsten Arten sind P.americana (=P.gratissima) und P.nubigena. Diese beiden Arten unterteilen sich in je zwei Varietäten: var.americana und var.drymifolia bei P.americana und var.nubigena und var.guatemalensis bei P.nubigena. Nähere Informationen dazu findet man im Abschnitt über Zuchtformen. Andere Arten sind P. borbonia ("Roter Lorbeer", eine Zierpflanze), P.brenesii, P.caerulea, P.floccosa, P.gigantea, P.humilis ("Seidenlorbeer"), P.japonica, P.leiogyna, P.lingue, P.longipes, P.melanocarpa, P. palustris, P.povedae, P.rigens, P.schiedeana, P.steyermarkii, P.thunbergii, P.veraguasensis, P.vesticula und P.viridis (=Machilus viridis).

Auch die Früchte von P. schiedeana können gegessen werden. Sie sind als sog. "Bergavocados" (aguacate del monte, yas oder coyou) bekannt. Diese Art besitzt die Fähigkeit, Lichtungen und Abholzungen zu besetzen.

Habitus und Blätter

Zweige eines Avocadobaumes

Zweige eines fruchtenden Avocadobaumes

Die Arten der Gattung Persea sind mehr oder weniger immergrüne Bäume (sie sind prinzipiell immergrün, werfen aber ihre Blätter bereitwillig nach einem Jahr ab).

Voll ausgewachsene Bäume der Arten P. americana und P. nubigena können 10m-15m hoch werden. Bäume, die frei wachsen gelassen werden, wachsen meist mit einer deutlich apikalen Dominanz aufrecht. Die in Kultur gepropften oder geschnittenen Bäume haben natürlich andere Formen, die von der Sorte abhängen.

Die Rinde des Stammes ist mehr oder weniger glatt und aschgrau. Das Holz ist weich und Zweige können leicht bei Wind abbrechen.

Die Blätter sind ausdauernd und ganz (nicht geteilt). Jugendlich sind sie hellgrün, später werden sie (bei den üblichen sonnigen Standorten) glänzend dunkelgrün. Die Blätter von P. americana var. drymifolia und verwandten Sorten haben, wenn man an ihnen reibt, einen leicht an Anis erinnernden Geruch.

Die Art des Wurzelwachstums hängt stark vom Untergrund ab.

Blütenaufbau und Bestäubungsverhältnisse

Die Einzelblüten von Persea sind klein (5-8mm lang) und gelblich bis grünlich. Der Blütenstand ist rispenartig und achsen- oder endständig. Ein einzelner Baum kann mehr als eine Millionen Blüten tragen, von denen allerdings nur ein geringer Prozentsatz Früchte ansetzt.

Persea hat typische Lauraceen-Blüten: Es gibt je drei Kelchblätter und Kronblätter, die sich allerdings relativ ähnlich sehen.

Unter den 12 Staubblättern, die in 4 Kreisen zu je dreien angeordnet sind, sind 9 fertil, 3 sind zu Staminodien zurückgebildet. Am Grunde der Staubblätter der beiden äußeren (fertilen) Kreisen befinden sich je zwei "Drüsen". Die Staubbeutel bestehen in der Regel aus 4 Pollensäcken.

Der Fruchtknoten ist oberständig mit einem einfächrigen Ovar.

Skizze von Persea-Blüten im weiblichen und männlichen Stadium

Skizze von Persea-Blüten im weiblichen und männlichen Stadium.

Die Bestäubungsverhältnisse sind relativ kompliziert. Es gibt zwei Typen von Blüten, von denen an einer Pflanze nur je einer auftritt. Man hat sich auf folgende Bezeichnungen geeinigt:

Typ A
Die Blüten öffnen sich morgens mit empfängnisbereitem Gynaeceum, ohne jedoch Pollen zu produzieren. Gegen Mittag schließen sie sich wieder. Am Nachmittag des nächsten Tages öffnen sie sich abermals. Nun produzieren die Staubbeutel Pollen.
Typ B
Die Blüten öffnen sich das erste mal an einem Nachmittag. Das Fruchtblatt ist empfängnisbereit. Am Abend schließen sie sich wieder. Am Morgen des nächsten Tages öffnen sich die Blüten abermals und entlassen nun den Pollen.

Das Bild zeigt eine Persea-Blüte, links (b) im weiblichen (empfängnisbereiten) Stadium, recht (c) im Stadium, in dem der Pollen entlassen wird.

Faktisch hat also jeder Baum zu einer bestimmen Tageszeit ein bestimmtes Geschlecht. Für die Avocado-Zucht bedeutet dies, daß man Pflanzen beiden Typs pflanzen muß, da sonst (theoretisch) keine Befruchtung möglich ist. Allerdings sind die Zyklen dieser beiden Typen oft nicht so markant, wie hier dargestellt, sondern werden u.a. durch die Temperatur beeinflußt und können schwanken.

Die Blüten werden durch Insekten bestäubt. Hauptbestäuber sind Bienen, aber auch Fliegen und Wespen machen einen nicht zu vernachlässigenden Anteil aus.

Frucht

Die Frucht, die Avocado, ist botanisch gesehen eine Beere. (Und nicht, wie man öfter liest, eine Steinfrucht. Der Unterschied zwischen einer Steinfrucht (wie der Kirsche oder der Walnuß) und einer Beere ist, daß bei ersterer die Fruchtwand (Perikarp), die den Samen umhüllt, in eine weiche Außenschicht und eine steinharte Innenschicht gegliedert ist. Bei der Beere ist die gesamte Fruchtwand weich, d.h. der Samen liegt "nackt" im Fruchtfleisch. Der "Kern" der Avocado besteht ausschließlich aus dem Samen, und nicht auch noch aus Teilen der Fruchtwand. Die braune Haut, die den Samen dann noch umgibt, ist die "Samenschale" (Testa).)

Ihre Form schwankt je nach Sorte von rundlich über oval bis birnenförmig oder verlängert-birnenförmig. Die Länge kann von 7cm bis 20cm reichen. Das Gewicht kann zwischen 50g und 900g schwanken. (Die Größenangaben in diesem Abschnitt gelten für die Zuchtsorten der Arten P. americana und P. nubigena.

Das Epikarp, die "Haut", kann in der Farbe schwanken: grün, dunkelrot, purpur oder schwarz kommen vor. Auch die Dicke schwankt von ca. 1mm bis ???. Sie macht 9%-15% des Gewichts aus.

Das Fruchtfleisch, welches aus dem Mesokarp und dem Endokarp besteht, ist gelb-grün bis hellgelb und hat einen hohen Ölgehalt. Das Fruchtfleisch macht 63%-77% des Gewichts aus. Für die Zusammensetzung des Fruchtfleisches s. im Abschnitt über Nährgehalt von Avocados.

Der Samen kann rundlich, konisch oder verlängert sein. Er besteht aus zwei Hälften, den beiden Kotyledonen (Keimblättern). Diese umschließen den Embryo der Pflanze. Der Samen macht 8%-24% des Gewichts aus.

Zucht und Sorten

Die Informationen dieses Abschnitts stammen aus [avocado], [kultur]

Die drei Haupt-Sorten

Ganz grob unterscheidet man zunächst einmal drei Avocado-Sorten, aus denen durch Kreuzung etc. dann die einzelnen Zucht-Sorten entstanden sind:

Mexikanische Avocado
P. americana var. drymifolia

Pflanzen dieser Sorte sind relativ kleinfrüchtig - die Früchte wiegen nur selten mehr als 250g - und anspruchslos. Sie vertragen sowohl recht hohe Temperaturen und Trockenheit, wie auch Frost bis -6°C, auch die Früchte können bei niedrigen Temperaturen gelagert werden. Die Haut der Früchte ist relativ dünn und glatt. Der Ölgehalt des Fruchtfleisches hoch (>15%). Der Samen ist gewöhnlich groß und liegt lose im Fruchtfleisch.

Vom kommerziellen Standpunkt ist diese Sorte eher uninteressant. Allerdings wird der Wurzelstock häufig zum Pfropfen verwendet, da er nicht so anfällig für den Pilz Phytophtera cinnamonii ist, wie die Wurzelstöcke der anderen Sorten.

Die Blätter dieser Sorte riechen leicht nach Anis.

Von der Blüte bis zur Ernte vergehen 7-9 Monate.

Guatemaltekische Avocado
P. nubigena var. guatemalensis

Die Pflanzen dieser Sorten haben größere Blätter, die auf beiden Seiten gleichmäßig dunkelgrün sind. Die eher rundlichen Früchte sind größer als bei der Mexikanischen Avocado. Sie haben eine dicke, harte und warzige Haut. Der eher kleine Samen sitzt fest im Fruchtfleisch. Sein Ölgehalt ist mittelgroß (10-20%)

Die Pflanzen vertragen Frost bis ca. -4,5°C.

Von der Blüte bis zur Reife vergehen normalerweise 8-10 Monate.

Westindische Avocado
P. americana var. americana.

Diese Sorte stammt wahrscheinlich aus dem nördlichen Südamerika (Kolumbien). Die Pflanzen haben große Blätter, die etwas heller grün sind, als bei der Guatemaltekischen Avocado. Die Früchte sind groß (400-900g). Die Haut ist dünn, glatt und durchscheinend. Sie ist zunächst grün, bei Fruchtreife wird sie dann gelb-grün bis rötlich. Das Fruchtfleisch ist wässrig mit niedrigem Ölgehalt (<10%). Die Früchte sind, verglichen mit denen der anderen beiden Sorten, am empfindlichsten gegenüber niedrigen Temperaturen und können nur schlecht transportiert und gelagert werden, weshalb man sie meist nur auf den örtlichen Märkten anbietet.

Diese Sorte reagiert empfindlich auf Frost und Trockenheit, dagegen weniger empfindlich auf Salz. Im Gegensatz zu den beiden anderen Sorten, die ein eher subtropisches Klima brauchen, ist die Westindische Avocado eine Tropenpflanze.

Von der Blüte bis zur Fruchtreife dauert es 7-9 Monate.

Für den Wurzelstock werden hauptsächlich Zuchtformen der Mexikanischen Avocado verwendet. Die fruchttragenden Teile sind meist Guatemaltekische Sorten oder Mexikanisch-Guatemaltekische Hybridsorten.

Auch in tropischen Breiten werden Mexikanische und Guatemaltekische Sorten gezogen, und zwar in Höhen von 1500-2500m und 800-1800m.

Die Zucht-Sorten

Es sind ein wenig mehr als 200 Zuchtsorten bekannt. Selbstverständlich kann ich hier bei weitem nicht alle vorstellen (ich kenne sie nicht einmal). Viele sind auch nur von eher lokaler Bedeutung. Die Auswahl, die ich hier vorgenommen habe, ist völlig willkürlich.

Die beiden heutzutage wichtigsten Sorten sind "Fuerte" und "Hass". Fuerte hat den europäischen Markt lange Zeit sehr stark dominiert: Die meisten Avocados, die man hier in Supermärkten zu kaufen bekam, gehörten dieser Sorte an. Die Sorte Hass hat dann im Laufe der Jahre einen guten Marktanteil erobert. Inzwischen werden auch verstärkt die Sorten Pinkerton, Edranol, Reed und Ettinger angeboten.

Da sämtliche Zucht-Sorten ausschließlich vegetativ (durch Pfropfen) vermehrt werden, gehören die Pflanzen jeder Sorte alle zum selben Typ.

Mexikanische Sorten

Es sind ca. 40 Mexikanische Zuchtsorten bekannt.

Duke
(Typ A)

Die Sorte Duke, welche es in mehreren Abwandlungen (wie Duke6, Duke7) gibt, zeichnet sich durch kräftiges Wachstum, und eine ausgesprochen gute Kälte- und Windtoleranz aus. Der Wurzelstock ist relativ unempfindlich gegen Phytophtora cinnamonii. Duke wurde in Kalifornien gezogen. Oft wird sein Wurzelstock zum Pfropfen verwendet. Duke ist relativ ertragsreich, und seine Früchte haben einen hohen (ca. 22%) Ölgehalt.

Mexicola
(Typ A)

Diese Sorte hat kleine (100g-200g) Früchte mit einer glatten schwarzen Haut und einem großen Kern. Das Fruchtfleisch hat aber eine ausgezeichnete Qualität (Ölgehalt 20-22%). Auch diese Sorte ist kältetolerant.

Andere

Andere Sorten sind Gottfried und TopaTopa. TopaTopa wird gerne zusammen mit Fuerte als Bestäuberpflanze angepflanzt.

Guatemaltekische Sorten

Es sind ca. 80 Guatemaltekische Zuchtsorten bekannt.

Hass
(Typ A)

Avocado, Sorte Hass

Avocado, Sorte Hass.

Die Sorte Hass ist sehr ertragsreich und wird heute in weiten Teilen Mexikos, Kaliforniens, Israels und Spaniens angebaut. Die Frucht ist zunächst grün, wird bei Fruchtreife dann schwärzlich oder bräunlich. Sie wiegt 140g-350g. Ihre Haut ist warzig. Das Fruchtfleisch hat eine hohe Qualität und einen Ölgehalt von 18-23%.

Die Sorte Hass ist keine Züchtung im strengen Sinne. Der erste Baum wuchs ca. 1930 wild zwischen den Avocados des Postmannes Rudolph Hass. Welche Eltern der Samen hatte, ist unbekannt. Dieser erste Hass-Avocado-Baum steht auch heute noch.

Zu dieser Zeit wurde der gesamte Markt von der Sorte Fuerte dominiert. Hass hat aber so große Vorzüge, daß sie mit der Zeit immer weitere Verbreitung fand.

Linda
(Typ B)

Diese Sorte kommt aus Kalifornien. Ihre Frucht ist elliptisch und recht groß (500g-1kg). Bei Fruchtreife ist sie dunkelrot. Das Fruchtfleisch ist gelb und von sehr guter Qualität. Der Ölgehalt liegt zwischen 15% und 20%. Die Größe und das Aussehen machen eine Vermarktung aber schwerer als bei anderen Sorten, obwohl die Qualität an sich ausgezeichnet ist.

Edranol
(Typ B)

Diese Sorte ist in Australien und Südafrika weitverbreitet. Die Pflanzen sind kräftig und relativ kältetolerant. Die Früchte sind Olivgrün und birnenförmig. Sie wiegen zwischen 250g und 350g. Für eine Guatemaltekische Sorte ist die Haut relativ dünn. Der Samen ist klein. Der Ölgehalt schwankt (2%-22%).

Taylor
(Typ A)

Die Früchte dieser Sorte sind dunkelgrün, oval bis birnenförmig, und wiegen 300g-500g. Die Haut ist runzlig, aber das Fruchtfleisch ist von sehr guter Qualität. Der Ölgehalt ist 13-17%. Die Sorte ist sehr ertragsreich, allerdings nicht sehr kältetolerant. Der hohe Wuchs macht die Ernte schwierig.

Andere

Andere Guatemaltekische Zuchtsorten sind Anaheim (nicht zu verwechseln mit der Chili-Sorte), Corona (wird hauptsächlich in Chile gepflanzt), Gwen (ähnlich wie Hass, aber grün), Nabal, Reed, Sharwil und Tonnage (ein Abkömmling von Taylor).

Westindische Sorten

Avocado, Sorte Peterson

Avocado, Sorte Peterson.

Es sind ca. 30 solche beschrieben worden. Da diese Sorten nur in den Tropen wachsen, und die Früchte wegen der schlechten Lagerbarkeit nur lokal verkauft werden, stelle ich hier keine einzige Sorte näher vor.

Die wichtigsten Sorten sind Peterson, Waldin und Pollock (mit bis zu 1kg schweren Früchten). Von Peterson habe ich ein Bild beigefügt, damit man sieht, daß Avocados auch anders aussehen können. (Das Gitter hat vermutlich eine Weite von 1cm.))

Guatemaltekisch-Mexikanische Hybrid-Sorten

Es sind ca. 20 solche bekannt.

Fuerte
(Typ B)

Avocado, Sorte Fuerte

Avocado, Sorte Fuerte.

Dies ist die weltweit verbreitetste Sorte. Ihre Frucht ist grün, birnenförmig und eher klein (250g-400g). Die Haut ist dünn und läßt sich leicht abschälen. Das Fruchtfleisch ist von sehr guter Qualität. Es ist hellgelb und grünlich gegen den Rand hin. Der Ölgehalt beträgt 16-25%. Fuerte ist relativ kältetolerant, kann aber dafür in den Tropen nur in höher liegenden Gegenden gezogen werden. Die Frucht läßt sich gut bei niedrigeren Temperaturen (4-6°C) lagern.

Zutano
(Typ A)

Diese Sorte ist in Kalifornien noch einigermaßen verbreitet. Sie wächst aufrecht und ist relativ kältetolerant. Es gibt bei ihr eine Tendenz, nur zweijährig zu tragen. Die birnenförmige Frucht wiegt 200g-400g und ist hellgrün mit gelbgrünen Sprengseln. Das Fleisch ist fest und von guter Qualität. Der Ölgehalt beträgt 15-18%. Die Zutano ist eine der ersten Sorten, die im Jahr reift.

Andere

Andere Sorten sind Bacon, Ettinger (hauptsächlich in Israel verbreitet), Nowels, Pinkerton (mit einer kuriosen, birnenförmig verlängerten Form), Regine (recht kältetolerant, mit guten Erträgen in Korsika und Kalifornien), Rincon (Kalifornien), Ryan (Südafrika) und Whitsell.

Guatemaltekisch-Westindische Hybrid-Sorten

Von diesen sind ca. 30 bekannt.

Booth 7 und 8
(Tap B)

Beide Arten sind in den Tropen weit verbreitet. Booth 8 ist die in Florida am häufigsten angebaute Sorte. Die Früchte wiegen zwischen 300g und 500g und sind rundlich bis oval. Das Fruchtfleisch ist hellgelb bis cremefarben. Der Ölgehalt liegt zwischen 10% und 16%.

Lula
(Typ A)

Diese in Florida und auf Martinique verbreitete Sorte ist sehr ertragsreich. Die Frucht ist hellgrün und birnenförmig, die Haut fast glatt. Das Fruchtfleisch hat eine gute Qualität und eignet sich für Kühltransporte.

Andere

Auf lokalen Märkten spielt noch Choquette (mit sehr großen, 500g-1kg schweren Früchten) eine Rolle. Andere Sorten sind Hall und Hickson.

Mexikanisch-Westindische Hybrid-Sorten:

werden so gut wie nicht gezogen.

Geschichtliches und die Haupterzeugerländer

Die Avocado wurde in Mittelamerika vermutlich schon vor 10000 Jahren gegessen und vermutlich auch gezüchtet. Als die Spanier nach Mittelamerika kamen, war die Avocado von Nordmexiko bis Peru verbreitet. Das Wort "Avocado" stammt dann auch aus dem Aztekischen "ahuacatl" und ist ein Verhunzung des spanischen lautnachbildenden Wortes "aguacate". Im Verhunzen des Namens "aguacate" waren andere Völker übrigens recht phantasiereich. So wurde daraus in den USA u.a. "alligator pear" und "advokates pear". Ein anderer Name der Avocado ist "butter-pear", denn das Fruchtfleisch kann als Butterersatz verwendet werden.

Durch die Spanier wurde die Pflanze schon bald nach Venezuela, in die Karibik, nach Chile, Madeira und zu den Kanaren gebracht. Eine weite Verbreitung fand sie erst im Laufe des 19. Jh. (Afrika und Madagaskar, der Süden der USA, Malaysia und Philippinen, Brasilien). Seit Anfang des Jahrhunderts wird sie auch im Mittelmeergebiet angebaut, seit 1970 sogar in Spanien.

Heutzutage wird die Avocados also rundherum vor allem in subtropischen Breiten bis 43 Grad Breite beiderseits des Äquators angebaut. 1990 waren die Haupterzeugerländer Mexiko (die Zahlen, die ich gefunden haben, schwanken zwischen 320000T und 780000T), die USA (185000T), die Dominikanische Republik (150000T), Brasilien (112000T) und Indonesien (100000T). Spanien produziert ca. 50000T pro Jahr.

Avocado-Exporte in größerem Stil gibt es aber erst seit nach dem 2. Weltkrieg. Der Exportmarkt beschränkt sich allerdings im wesentlichen auf die USA, die europäischen Länder und die am stärksten verwestlichten Länder Ostasiens. Unter den europäischen Ländern ist Frankreich mit Abstand der größte Importeur (80000T im Jahr 1994), schließlich gefolgt von Großbrittanien (15000T), den Niederlanden und Deutschland (beide je ca. 10000T). (Hierbei ist allerdings zu bedenken, daß Deutschland seine Avocados fast ausschließlich aus Frankreich bezieht.) Diese Länder machen zusammen auch den weltweit größten Importmarkt für Avocados aus. Die in Europa verkauften Avocados stammen meist aus Israel, Südafrika oder Spanien.

Der pro Kopf- Verbrauch im Jahr von Avocados beträgt in Frankreich 1,1kg, dann kommt Dänemark (0,5kg), Großbrittanien (0,3kg), Benelux (0,2kg) und Deutschland (0,15kg). (Zahlen von 1992)

Weitere Informationen über den aktuellen Weltmarkt findet man im rap-market information bulletin.

Der Anbau von Avocados

Vermehrung

Die Anzucht von Avocados aus Samen wir im industriellen Anbau kaum noch betrieben, da die Eigenschaften der so gezogenen Pflanze nicht sicher sind. Allerdings ist sie beim Avocadoanbau in familiären Maßstab die einfachste Methode. Außerdem werden Pflanzen, deren Wurzelstock zur Aufpfropfung verwendet werden soll, größtenteils aus Samen gezogen. Dies wirtschaftlich zu betreiben erfordert allerdings einige Erfahrung.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich, daß man Avocadokerne auch bei uns in Deutschland auskeimen lassen kann. Im Gegensatz zu dem, was man öfter hört, muß man den Samen nicht umständlich mit Büroklammern spicken und halb ins Wasser hängen. Man kann ihn einfach in die Erde setzen. Das spitzere Ende sollte oben herausschauen. Bei mir sind auf diese Weise alle Avocadokerne nach ein oder zwei Monaten gekeimt.

Die zumeist eingesetzte Methode der Vermehrung ist das Pfropfen. Der Vorteil dieser Methode ist, daß man erstens weiß, was man bekommt (der aufgepfropfte Zweig ist erbgleich mit der Mutterpflanze), und zweitens, daß man kräftigwachsende, gegen Krankheiten, Kälte und Salz tolerante Wurzelstöcke mit ertragsreichen Zuchtsorten kombinieren kann. Als Wurzelstöcke werden auch häufig andere Persea-Arten genommen.

Um die Heterogenität der Wurzelstöcke, die aus Samen gezogen werden, zu verringern, werden die entsprechenden Pflanzen inzwischen immer häufiger durch Stecklinge vermehrt. Dies ist aber nicht einfach, sondern erfordert eine Menge Erfahrung und verursacht relativ hohe Kosten, so daß die meisten Aufzuchtbetriebe beim Aussäen bleiben. Dagegen hat das Abmoosen keine praktische Bedeutung.

Krankheiten und Schädlinge

Die Bäume scheinen insgesamt relativ robust zu sein. Die vier folgenden Pilze scheinen die wichtigsten Schadbringer zu sein:
Phytophtora cinnamonii

Dieser Pilz greift, ebenso wie einige anderen Arten seiner Gattung (z.B. P.cactorum und P.citrophthora), die Wurzeln und auch den unteren Teil des Stammes der Avocado-Bäume an und verursacht eine Wurzelfäule, die zum Absterben der gesamten Pflanze führen kann. Phytophtora kommt eigentlich überall dort vor, wo Avocados wachsen, und ist bei der Avocado-Zucht das größte Problem. Warme oder durchnäßte Böden fördern die Ausbreitung des Pilzes. Der Pilz greift bevorzugt verletzte Wurzeln oder Stämme an.

Zwar gibt es Fungizide, mit denen man befallene Bäume behandeln kann, diese sind aber teuer und ihre Anwendung ist aufwendig, so daß sich der Einsatz gerade für Kleinbauern nicht lohnt. Wichtigstes Ziel der Züchtung (nach der Steigerung des Ertrages) ist es deshalb auch, Sorten zu züchten, die möglichst resistent gegen den Pilz sind. Die Fortschritte sind aber eher bescheiden.

Colletotrichum gloeosporioides

Dieser Pilz greift die noch am Baum hängenden jungen Früchte an. Die von ihm verursachte Krankheit heißt "Anthracnose". Sie äußert sich in kleinen trockenen dunklen Flecken auf der Haut. Das Fruchtfleisch darunter verfärbt sich durch die Hyphen schwarz. Die Krankheit kann aber bis nach der Ernte latent bleiben.

Cercospora purpurea (=Pseusocercospora purpurea)

Dieser Pilz befällt die Früchte und bildet auf ihnen zunächst hellgelbe, später dunkle rostrote Krater.

Sphaceloma perseae

Dieser Pilz führt zu einem Schorf (scab), der häufig große Ernteschäden verursacht. Er greift nur die Haut der Avocados an und bildet dort unregelmäßige braune Flecken, die an Kork erinnern.

Verglichen mit den Schäden, die Pilzkrankheiten verursachen, spielen Viruserkrankungen und Insektenschäden keine Rolle. Die einzige bekannte Viruserkrankung sind die sog. "Sonnenflecken", die 1928 in Kalifornien auftraten. Der Virus scheint nur durch Pollen, Samen etc. und nicht durch Insekten übertragen zu werden.

Insekten, die die Früchte oder die Pflanzen selber schädigen gibt es zwar eine Menge, die einzelnen Arten treten aber meist nur lokal in größerem Maßstab auf, so daß keine von ihnen solche Schäden verursacht, wie einer der oben genannten Pilze.

Boden, Wasser, Licht, Wind etc.

Die Avocadopflanzen stellen prinzipiell keine hohen Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit, auch wenn sie natürlich nährstoffreiche Böden bevorzugen. Empfindlich reagieren die Pflanzen allerdings auf Salz.

Ein Problem ist aber der Wasserhaushalt der Bodens. Einerseits brauchen die Pflanzen eine ganze Menge Wasser und vertragen oft keine starke Trockenheit, andererseits fördert eine Durchnässung des Bodens die Wurzelfäule (Phytophtora). Der Boden sollte also möglichst locker sein - selbst Boden, der hauptsächlich aus Sand besteht, ist geeignet - und es sollte ca. 1200-1600mm Regen im Jahr fallen. Ausgeprägte Regenzeiten dagegen sind wiederum nicht gut, da der Boden dann durchnäßt. In der Regel werden Avocado-Plantagen deshalb bewässert.

Avocado-Pflanzen brauchen viel Licht. Sie brauchen mindestens 2000h Sonnenschein im Jahr. In den Hauptproduktionsgebieten gibt es 3000-3500h Sonnenschein im Jahr.

Auch auf stärkeren Wind reagieren die Pflanzen empfindlich: Zweige können leicht abbrechen. Bei Stürmen können sie ganz ausgerissen werden. Aber auch schon ein leichter trockener Wind kann dafür sorgen, daß die Blüten austrocknen, und so die Fruchtbildung verhindert wird. Da die Pflanzen zur Bestäubung auf Insekten angewiesen sind, darf der Wind nicht so stark sein, daß Insekten verweht werden. In windreicheren Gegenden werden deshalb vor Avocado-Plantagen Windbrecher gepflanzt.

Die Einzelpflanzen werden je nach der Größe, die sie erreichen, in einem Abstand von 6m-10m gepflanzt.

Ernte etc.

Die Ernte von Avocados in größerem Maßstab erfordert eine Menge Erfahrung, denn nur die wenigsten Sorten zeigen ihre Reife durch eine Verfärbung der Haut oder sonstwie an. Hinzu kommt, daß Früchte, die unreif geerntet werden, nicht mehr richtig ausreifen. Dafür können aber Früchte, die einmal ausgereift sind, noch längere Zeit am Baum hängen bleiben, ohne daß das Fruchtfleisch weich oder faul wird. Dies geschieht erst, wenn die Früchte gepflückt worden sind. Abgesehen davon, daß die Früchte verschiedener Sorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen, reifen auch nicht alle Früchte an einer Pflanze gleichzeitig. In vielen Ländern wird der Ölgehalt als Reifekriterium verwendet.

Nachteilig für die Ernte wirkt sich auch die Tendenz der Pflanzen aus, recht groß zu werden. Ein Ziel der Zucht ist deshalb auch die Erzeugung von Zwergwuchs.

Wie bei allen Früchten müssen Avocados nach der Ernte vorsichtig gehandhabt werden, damit das Fruchtfleisch nicht beschädigt wird. Für den Markt sind deshalb Sorten günstiger, bei denen der Kern fest im Fleisch sitzt, so daß er während des Transports nicht darin hin und her kullert.

Die Weiterverarbeitung besteht wie üblich aus:

Die Produktivität einer Plantage hängt natürlich vom Klima usw. ab. In Kalifornien und Israel beträgt sie 8-12 Tonnen pro Jahr und Hektar, in Südafrika 12-15. Vom finanziellen Standpunkt lohnt sich der Anbau ab ca. 8-10T/a*ha.

Verwendung von Avocados

Die Avocado hat zwei Verwendungszwecke: Als Nahrungsmittel und als Öllieferant. Ihre Verwendung als Nahrungmittel ist ihr primärer Verwendungszweck. Abgesehen davon werden Avocados in Südamerika angeblich als Geburtstagsgeschenke genommen.

Die Avocado als Nahrungsmittel

Verglichen mit anderen Früchten zeichnet sich die Avocado durch einen relativ hohen Nährstoffgehalt aus. Sie enthält kaum Zucker und Fruchtsäure und hat einen angenehmen nußartigen Geschmack. Bei den meisten Sorten sind ca. 70% (Gewichtsanteil) der Frucht verwertbar. Die Zusammensetzung des Fruchtfleisches ist je nach Sorte sehr verschieden. 100g Fruchtfleisch enthalten:

Energie/kJ210-920
Wasser/g59-86
Roheiweiß/g0,8-4,4
verdauliche Kohlenhydrate/g1,2-10,0
Rohfett/g5-32
Rohfasern/g1,5
Vit.C/mg1,0
P/mg27
Ca/mg10
Fe/mg1,0
Niacin/mg1,0

Spezielle Angaben für die handelsüblichen Sorten Fuerte und Hass liegen mir nicht vor.

Es gibt viele Arten, die Avocado in der Küche einzusetzen:

Aufgrund des neutralen, nußartigen Geschmacks eignet sich die Avocado sowohl für pikante wie auch für süße Gerichte. Besonders beliebt scheinen Avocados in Suppen und Salaten zu sein. In Suppen sorgt der hohe Fettgehalt für eine gewisse Sämigkeit.

Rezepte gibt es hier auch. Und zwar gibt es einmal eine kleine Sammlung mit den wichtigsten Avocado-Rezepten samt einigen Links zu anderen Rezeptsammlungen, und eine größere Datei mit einer Abriß aller möglichen interessanten oder kuriosen Avocado-Rezepten.

Avocadoöl

Aus Avocados, die zu reif zum Verkauf geworden sind, kann man noch Öl gewinnen. In welchem Umfang für die Ölgewinnung solche überreifen Avocados bzw. extra dafür gezogene Avocados genommen werden, weiß ich nicht.

Für die Ölgewinnung wird das Fruchtfleisch mit einem neutralen Material (meist Kieselgur) aufgeschwemmt und anschließend mit Petroläther abgezogen. Bei einer anderen, einfacheren Methode wird das Fruchtfleisch mit Wasser aufgeschwemmt und die so entstandene Emulsion mechanisch getrennt (durch Zentrifugation oder hydraulisches Pressen). (Nach [brasil])

Avocado-Öl ist relativ teuer. Es kostet ca. 10mal so viel wie Erdnußöl. Es wird hauptsächlich für kosmetische Zwecke verwendet. Die genaue dermale Wirkung ist mir nicht bekannt. Vermutlich hilft das Öl einfach gegen trockene Haut.

Literatur und links

Folgende Bücher wurden verwendet:

Über Avocados gibt es einige Informationen im Netz. Die Suchmaschinen haben folgende Quellen gefunden, deren Informationen ich teilweise eingebaut habe:

Links zu Quellen mit Avocado-Rezepte bzw. Cremes habe ich an den betreffenden Stellen eingebaut.

by Michael Becker, 5/1998. Letzte Änderung: 6/2010.